Arsfendi's Weblog

Beiträge vom Juni 2008

arrived

Juni 29, 2008 · 3 Kommentare

Ich war mein Leben lang auf der Flucht. Hin und wieder sogar vor mir selbst, was mir vielleicht oder ganz sicher am wenigsten gelang.
Es war immer diese Unruhe in mir, die mich voran trieb, als Motor für diese Stetigkeit, die so vorhersehbar war, wie das nicht bleiben zu können.
Es blieb eh nie so wie es war, und es war nie etwas wie es ist oder sein würde.
Und dann diese wiederkehrenden Träume in dieser Schlaflosigkeit, die mich laufen ließen ohne jemals zu Atem zu kommen.
Und ich laufe und laufe und laufe, gejagt von meinen hämmernden Gedanken im Kopf mit neuen Visionen vor Augen ohne den Blick rückwärts zu richten. Und doch wusste ich immer dass da etwas war, was mich verfolgte im Schatten meiner selbst.
Immer wieder ging es durch Berg und Tal, ohne Unterlass dafür mit Adrenalin als peitschender Trieb, dem selbst kein Ende zu setzen.
Mal waren es dunkle Einöden, wüstenartige Gebilde, schwarz in grau, wo der Durst die Eingeweide ausdorrte und das Herz sich vor Schmerzen zusammenkrampfte.
Dann wieder lief ich durch braun grüne Wälder, durch die der Sturm wehte und sich der Regen in meinem Haar verfing. Das weiche Moos tat meinen wunden Füßen gut und dennoch flüchtete ich vor diesen Stimmen, die sich in den rauschenden Blättern verfingen und damit zum Echo mutierten.
Manchmal erklomm ich Eisberge und ich spürte nicht einmal den Schmerz des Erfrierens.
Dem folgten Lavaströme, die zwar die Glut in mir entfachten, dafür aber nicht wärmten, weil sie doch wieder erloschen.
Ich lief weiter und immer weiter vom Unsichtbaren gejagt, weil mich nichts festhielt in dieser verdammten Bedeutungslosigkeit, der ich mich freiwillig stellte.
Es war nie an der Zeit anzukommen oder zumindest zu rasten, um endlich mal ein wenig zur Ruhe zu kommen.

Zuweilen war es auch der bequemere Weg einfach wegzurennen, dann wenn das Fell nicht ausreichte und schützte, weil es zu undicht war und zuviel Ungemach hindurchließ. Erdrückende Enge konnte ich noch nie ertragen, also floh ich so schnell ich konnte, nicht nur um des Laufens willen.

Und es war gut zu laufen.
Heute ist es hell um mich. Mein Blick ist klar und alles ist in ein helles Licht getaucht, wenn ich in deine Augen schaue.
Es tut so gut zu Atem zu kommen und zu spüren, wie sich alles um mich herum in helle Farbigkeit verwandelt . Sogar der Blick über den Tellerrand gelingt ohne jegliche Angst, dafür mit Neugier auf alles was kommt.
Da sind keine Gedanken mehr, die mich verfolgen und jagen.
Du hältst mich nicht fest, aber du hältst mich.
Ich laufe immer noch, angezogen von deinem Dasein, bin aber nicht mehr auf der Flucht.

In Gedanken höre ich gerade diese Melodie, die sich wie warmer Regen auf meiner Haut anfühlt und ich spüre Deinen Atem in meinem Nacken.
Sie beginnt so ruhig im Anlauf und erhebt sich dann zu diesem gemeinsamen alles bedeutenden Flug durch eine einzigartige sternenklare Nacht. Du spielst sie für mich und jeder Takt besteht aus einer Geste mit Gefühl vertont, wo Worte nicht mehr notwendig sind.
Und ich fühle mich eingehüllt von diesen Tönen, die mich in deinen Armen gleiten lassen ohne Angst vor dem Fall.
Ich weiß, dass ich angekommen bin.

Kategorien: Liebe · Sehnsucht

Kein Zurück

Juni 28, 2008 · 8 Kommentare

Keine Zukunft vermag gutzumachen,
was Du in der Vergangenheit versäumst.
Albert Schweitzer

Hier sitzen wir nun und halten uns ein letztes Mal und vor uns liegt das Ende unseres Weges….

„Kannst du dich erinnern, wie alles anfing“, fragte sie ihn.
Er senkte den Kopf. Ja, er konnte sich sehr genau erinnern, vielleicht ein bißchen weniger detailgetreu wie sie, doch genau genug. Aber er sagte nichts. Warum sollte er auch? Welchen Sinn hatte es, nun mit ihr in Erinnerungen zu schwelgen, gemeinsam an die Zeit zurück denken, als sie alles für einander gewesen waren und geglaubt hatten, nichts und niemand könnte sie jemals besiegen, geschweige denn sie entzweien.

„Du weißt es vielleicht nicht mehr“, fuhr sie fort, „oder willst es nicht mehr wissen. Ich aber kann mich an alles erinnern. Ich weiß genau, dass du immer gesagt hast, ich müßte dich nie wieder hergeben, nie wieder loslassen und wir würden für immer zueinander stehen.“

Ja, das hatte er tatsächlich gesagt. Doch nun lagen die Dinge wohl ein wenig anders. Natürlich denkt man am Anfang einer Beziehung noch nicht an ihr mögliches Ende. Am Anfang einer Beziehung ist alles nur wunderbar, alles scheint hell, und man konnte sich in solchen Momenten niemals vorstellen, dass es vielleicht irgendwann einmal anders werden könnte, oder wollte es sich nur einfach nicht vorstellen. Letztlich sagte man zwar, man wolle sich nie wieder trennen, doch eigentlich wußte man selbst, dass man dies nur sagen, es aber damit nicht für immer und ewig zur Realität machen konnte. Die eigene Lebenserfahrung, die einem sagte, dass man dies schon einmal zuvor zu einer anderen gesagt hatte, mit der es auch nicht ein „für immer“ geworden war, und die Statistik, die zeigte, wie viele Paare sich täglich trennten, strafte eine Aussage, wie er sie gemacht hatte, eigentlich immer lügen.

„Warum läßt du mich nun hier so stehen“, drangen ihre Worte wieder an sein Ohr. „Wieso sagst du nichts, sagst mir nicht einmal, warum es sich für dich geändert hat, sondern läßt mich einfach hier so stehen?“

Nun, dies war sicherlich eine Frage, die das Recht hatte gestellt zu werden. Das hieß jedoch nicht, dass er ihr darauf eine Antwort hätte geben können. Wieso entstehen Gefühle für einen Menschen und wieso können sie mit der Zeit wieder vergehen? Er hatte sich dies selbst so oft gefragt und es dennoch niemals beantworten können. Auch hätte er nicht sagen können, was es in diesem speziellen Fall war. Eigentlich hatte sich nichts verändert. Weder sie noch er hatten sich sehr verändert, jedenfalls nicht in einer Weise, die die Beziehung hätte zum Scheitern bringen können.

In den letzten Nächten, wenn er mit offenen Augen neben ihr gelegen hatte, ihr Atmen neben sich gehört hatte, während sie schlief, hatte er sich immer wieder gefragt, warum die Gefühle nicht mehr da waren, ohne darauf eine Antwort zu finden. Er hatte nur immer wieder erkannt, dass sie nicht da waren. Besonders erkannt hatte er es, wenn sie sich an ihn gekuschelt hatte, ihn gedrückt und geküßt hatte, und ihm dies alles lästig gewesen war.
Weil einfach sich die Gefühle geändert hatten.

Er hatte es ihr in diesen Momenten nicht gesagt, doch es hatte an ihm genagt. Es hatte an ihm genagt, weil er weder sagen konnte, woran es lag, noch wußte, wie er es ihr sagen sollte, und gleichzeitig sich als Schuft gefühlt hatte, weil er es nicht übers Herz brachte, es ihr zu sagen.
Er hatte sich lange durchgerungen, doch nun hatte er es ihr sagen müssen, nachdem sie wieder und immer wieder von ihren eigenen tiefen Gefühlen zu ihm sprach.Ja, sie liebt ihn , von ganzem Herzen.Und sie zeigte es ihm.Immer wieder und immer wieder. Nun hatte er nicht mehr anders gekonnt, als ihr zu sagen, was in ihm vorging.
Es war ihm sehr schwer gefallen. Er hatte immer wieder geschluckt, den Mund geöffnet, ihn dann wieder geschlossen, weil ihm die Worte nicht einfielen. Natürlich wollte er sie nicht zu sehr verletzen, zum anderen fiel ihm nichts ein, das ihr die Nachricht schonender übermittelt hätte.

Dann, mit einem Mal, war es aus seinem Mund gesprungen, ohne dass er es hätte aufhalten können: „Ich glaube nicht, dass ich Deine Liebe noch will, weil ich nicht mehr weiß, ob ich dich noch liebe….“

Stille war eingekehrt. Sie hatte ihn verständnislos angesehen, so als könne sie nicht glauben, was sie gehört hatte. Dann hatte sie die Arme gehoben, als wolle sie nach ihm greifen, sie wieder fallen lassen, ihn mit offenem Mund angesehen und sich gesetzt.

Dies alles war gerade ein paar Minuten her und nun saßen sie hier zusammen in der Küche und sie wollte wissen, warum seine Gefühle weg waren, und er konnte nichts sagen.

Beinahe war es so, als stünde er selbst unter Schock darüber, dass er ihr dies so einfach an den Kopf geworfen hatte, so hart und kaltherzig. Er hatte keinen anderen Weg gesehen und vielleicht war es auch manchmal viel heilsamer und besser, es mit einem Knall zu tun, als vorsichtig vorzugehen und Missverständnisse zu erzeugen.

„…..wenigstens sagen können“, vernahm er wieder ihre Stimme neben sich und bemerkte, dass er ihr nicht zugehört hatte. „Ich meine, warum hast du nicht wenigstens eine Andeutung gemacht?“

Genau das war die Frage, die er gefürchtet hatte, denn dies war nun wirklich etwas, das er sich selbst vorwarf. Ja, er hätte es ihr sagen müssen, er hätte ihr sagen müssen, als seine ersten Zweifel aufkamen, um ihr die Chance zu geben, mit ihm zu sprechen und vielleicht etwas zu ändern, oder wenigstens um sie nun nicht derart schockieren und verletzen zu müssen.
Warum er es nicht gesagt hatte, wußte er nicht. Vielleicht hatte er geglaubt und gehofft, dies sei nur eine Phase und alles würde sich schon wieder geben. Vielleicht hatte er auch einfach nicht den Mut gehabt und sie nicht verletzen wollen. Was es auch gewesen war, es war keine Entschuldigung, denn nun verletzte er sie schließlich mehr, als er es getan hätte, wenn er es früher und vielleicht zu einem Zeitpunkt gesagt hätte, in der ihre weiteren Chancen noch besser gewesen wären.

„Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, warum ich es nicht gesagt habe. Es tut mir leid“, brachte er nur hervor.

`Wirklich toll´, dachte er bei sich. `Und das soll nun etwas ändern oder besser machen? Für Entschuldigungen ist es wohl zu spät.´
Sie schluckte und zum ersten Mal, seit er ihr gesagt hatte, was los war, sah er nun Tränen in ihren Augen. Anscheinend wurde ihr erst jetzt so richtig bewußt, was er gesagt hatte, und wahrscheinlich erkannte sie auch jetzt erst, dass es eigentlich schon zu spät war, um noch eine Wendung zum Guten herbeizuführen.

„Es tut weh“, sagte sie nur und verbarg ihr Gesicht in den Händen.

Ja, es tat weh, das fühlte er auch. Nur war es jetzt wohl nicht an der Zeit, ihr zu sagen, dass es auch im sehr weh tat. Ihm tat es weh, sie zu verletzen, und ebenso weh tat es ihm, das er nicht wußte, wie es weitergehen sollte, er ihr keine wirklich Hoffnung machen konnte, eigentlich keine echte Chance mehr sah, obwohl er sie so gewünscht hätte, er könnte dies ändern.
Und dennoch konnte er ihr nicht sagen, dass es auch ihm weh tat. Zum einen war sein Schmerz wohl kaum mit dem ihren zu vergleichen, der man gerade den Boden unter den Füßen weggerissen und das Messer ins Herz gestochen hatte. Zum anderen würde sie ihn vielleicht missverstehen und denken, dass es ihm weh täte, weil er Mitleid hatte, und Mitleid würde sie von ihm sicherlich nicht wollen.
Er wußte nicht, was er tun sollte, daher nahm er sie einfach nur in seinen Arm, drückte sie an sich, damit sie an seiner Brust weinen konnte, während ihm selbst auch Tränen die Wange herunter rannen.

„Ich wünschte, ich könnte es ändern“, sagte er leise und mit belegter Stimme. „Ich weiß“, sagte sie. Und in diesem Augenblick wußte er, dass auch sie erkannt hatte, dass es niemals wieder ein Zurück geben und dies das letzte Mal sein würde, das er sie im Arm hielt.

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VerAchtung

Juni 28, 2008 · Kommentar schreiben

Georg Büchner

1813-1837

An die Familie Gießen, im Februar 1834

[…] Ich verachte Niemanden, am wenigsten wegen seines Verstandes oder seiner Bildung, weil es in Niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher zu werden, – weil wir durch gleiche Umstände wohl Alle gleich würden, und weil die Umstände außer uns liegen. Der Verstand nun gar ist nur eine sehr geringe Seite unseres geistigen Wesens und die Bildung nur eine sehr zufällige Form desselben. Wer mir eine solche Verachtung vorwirft, behauptet, dass ich einen Menschen mit Füßen träte, weil er einen schlechten Rock anhätte. Es heißt dies, eine Rohheit, die man Einem im Körperlichen nimmer zutrauen würde, ins Geistige übertragen, wo sie noch gemeiner ist. Ich kann Jemanden einen Dummkopf nennen, ohne ihn deshalb zu verachten; die Dummheit gehört zu den allgemeinen Eigenschaften der menschlichen Dinge; für ihre Existenz kann ich nichts, es kann mir aber niemand wehren, Alles, was existiert, bei seinem Namen zu nennen und dem, was mir unangenehm ist, aus dem Wege zu gehn. Jemanden kränken, ist eine Grausamkeit, ihn aber zu suchen oder zu meiden, bleibt meinem Gutdünken überlassen. Daher erklärt sich mein Betragen gegen alte Bekannte; ich kränkte Keinen und sparte mir viel Langeweile; halten sie mich für hochmütig, wenn ich an ihren Vergnügungen oder Beschäftigungen keinen Geschmack finde, so ist es eine Ungerechtigkeit; mir würde es nie einfallen, einem Anderen aus dem nämlichen Grunde einen ähnlichen Vorwurf zu machen. Man nennt mich einen Spötter. Es ist wahr, ich lache oft, aber ich lache nicht darüber, wie Jemand ein Mensch, sondern nur darüber, dass er ein Mensch ist, wofür er ohnehin nichts kann, und lache dabei über mich selbst, der ich sein Schicksal teile. Die Leute nennen das Spott, sie ertragen es nicht, dass man sich als Narr produziert und sie duzt; sie sind Verächter, Spötter und Hochmütige, weil sie die Narrheit nur außer sich suchen. Ich habe freilich noch eine Art von Spott, es ist aber nicht der der Verachtung, sondern der des Hasses. Der Hass ist so gut erlaubt als die Liebe, und ich hege ihn im vollsten Maße gegen die, welche verachten. Es ist deren eine große Zahl, die im Besitze einer lächer-lichen Äußerlichkeit, die man Bildung, oder eines toten Krams, den man Gelehrsamkeit heißt, die große Masse ihrer Brüder ihrem verachtenden Egoismus opfern. Der Aristokratismus ist die schändlichste Verachtung des heiligen Geistes im Menschen; gegen ihn kehre ich seine eigenen Waffen; Hochmut gegen Hochmut, Spott gegen Spott. – Ihr würdet euch besser bei meinem Stiefelputzer nach mir umsehn; mein Hochmut und Verachtung Geistesarmer und Ungelehrter fände dort wohl ihr bestes Objekt. Ich bitte, fragt ihn einmal … Die Lächerlichkeit des Herablassens werdet Ihr mir doch wohl nicht zutrauen. Ich hoffe noch immer, dass ich leidenden, gedrückten Gestalten mehr mitleidige Blicke zugeworfen, als kalten, vornehmen Herzen bittere Worte gesagt habe. – […]

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Was denkst du

Juni 24, 2008 · Kommentar schreiben

Stumm wie ein Partisan,
sagtes du, sei ich, jetzt
begreife ich
das Bild, erschöpft
sind alle Reserven, alle
Munition verschossen,
kein Rückzugsweg
offen, ich befinde mich
im aufgegebenen
Hinterland des Feindes,
den ich liebe.
(Steffen Mensching)

Was denkst du?”, fragtest Du mich.
“Ich bin ganz bei dir,” sagte ich.

“Wer bin ich?” fragte ich dich.
“Du bist wie immer der Narr,” hast du geantwortet.

“Was bleibt am Ende, wenn die Nebel das Nichts übriglassen?” ,fragte ich dich.
“Schau in den Spiegel,” hast du gesagt.

“Bin ich wichtig?” habe ich gefragt.
“Gib dir selbst die Antwort,” hast du gesagt.

“Ich habe manchmal Angst,” habe ich dir erzählt.
“Akzeptiere dich, und schau der Wahrheit ins Gesicht,” war deine Antwort.

“Mir ist kalt,” sagte ich.
“Nimm dir eine Decke,” erwidertest du.

“Wie ist es dort, wo Du jetzt bist?” habe ich gefragt.
“Pass auf dich auf, Kindskopf!” hast du gesagt.

“Hört das niemals auf?”, schaute ich dich fragend an.
“Erst wenn du dich selbst nicht mehr in die Flucht denkst”, gabst du mir zur Antwort.

“Was kommt danach?”, war meine Frage.
“Setz einfach immer einen Schritt vor dem anderen. Auch der Phönix wird immer wieder neu geboren. Und wenn er sich aus seiner Asche erhebt, ist er stärker als jemals zuvor.”

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Und noch einmal…

Juni 23, 2008 · Kommentar schreiben

 

 

…ein Brief an Dich, den ich gar nicht kenne.

 

Es ist lange her, dass ich an dich geschrieben habe. Und doch ist nichts vergessen von der Zeit davor und auch danach.

Damals war ich dir mit den Zeilen und ebenso dazwischen immer sehr nah, was mir eben auch in der Zeit danach immer sehr geholfen hat mich selbst zu sehen und anderes, was des Sehens wert war.

Ich hatte immer das Gefühl, Du kanntest mich, wie ich wirklich war, eben auch das, was ich verbarg hinter dieser mühsam aufgerichteten Wand, hinter der es sich geschützter lebte.

Es war schon immer das, was ich mir gewünscht hatte, dass sich jemand die Mühe macht, aus eigenem Antrieb etwas tiefer zu blicken, ohne dann mit erhobenem Zeigefinger mir die Richtung zu weisen.

Für dich waren Fehler da, um sie zu machen. Und ich machte immer schon derer viele und hörte dich dann lachen und sagen, „komm schon, das kannst du besser“.

Manchmal wollte ich aus Feigheit lieber einen Umweg gehen oder versteckte mich aus Angst um nicht die Tiefe vor mir zu sehen, als ich versuchte über den Tellerrand zu blicken.

Dann warst Du es, der mir die andere Möglichkeit vorlebte, auch mit einer Schwäche die nächsten Schritte zu gehen.

Vor allem meine Ungeduld war es, die mir selbst immer wieder Steine in den Weg warf.

Tief in mir gab die Unruhe Befehle und beschleunigte meine Schritte.

Deine sachliche Besonnenheit kannte ich nicht und war dann doch erstaunt, wie locker gerade damit alles von der Hand ging.

Ganz extrem war es, was ich in Bezug auf Erwartungen lernen musste.

Es hat lange gedauert, bis ich mich davon frei sprechen konnte um nicht mehr mir selbst im Weg zu stehen.

 

Irgendwann war die Zeit da, wo ich alleine ging.

Natürlich war ich zuerst wütend, weil Du auf einmal fort warst. Es ging auch am Anfang nicht immer alles glatt, denn es war nicht so sehr mein eigener Antrieb, der mich lenkte, vielmehr der Gedanke daran, wie du wohl handeln würdest.

Trotzdem lief es mit der Zeit immer besser.

Das Wichtigste war, ich akzeptierte das, was mich selbst ausmachte, insbesondere auch meine Fehler und Schwächen. Auf einmal war ein Verstecken gar nicht mehr nötig, denn ich war nicht mehr klein und wuchs eher an meinen Erfahrungen und den damit verbundenen Einsichten.

 

Es mag sein, dass ich auch heute immer noch so meine Schwierigkeiten mit dem Erwachsensein habe. Vielleicht ist es aber auch nur so, dass ich bestrebt bin, das Kind in mir zu bewahren um die Zeit zu nutzen Fehler zu machen, die ein Kind einfach machen darf um zu lernen.

 

Diese Unruhe ist immer noch in mir, aber sie ist ein Antrieb für das Vorangehen um nicht stehen zu bleiben. Die stetige Neugier wird wohl auch immer bleiben, so als Lebenselixier, weil sie die Angst vor dem Unbekannten einfach schluckt.

 

Ich denke heute würdest du dich oftmals über mich wundern. Vieles ist so unbeschwert geworden und mit Leichtigkeit angefüllt.

Die Zeit hat vieles gerichtet.

Visionen sind zu Zielen geworden und so manches Schlachtfeld habe ich auch in der Niederlage als Sieger verlassen.

Mein Fell ist etwas dicker geworden, dennoch ziehe ich es hin und wieder doch lieber vor mich abzuwenden als mich einem unnötigen Kampf zu stellen.

 

Vor allem aber leuchtet meine Welt seit einiger Zeit in ganz besonders bunten und schimmernden Farben.

Aus der Gemeinsamkeit heraus ist vieles so viel leichter geworden.

Ich lausche den Worten, die sich mit der Zeit zu einem Gedicht zusammensetzen und mit jeder Silbe meine Haut streicheln.

Da berührt jede Geste und zaubert im größten Sturm jenen Sonnenstrahl der in der Kälte wärmt.

Dieses Glück zu empfinden, ohne Zwang dafür mit jeder Freiwilligkeit, möchte ich einfach nicht mehr missen. Und ich bin mir sicher, dass es unter der Symbiose noch weiter wächst.

 

Vielleicht wird kein weiterer Brief mehr nötig sein. Ich bin mir sicher, meinen weiteren Weg zu gehen. Auch wenn man vor den Stürmen niemals sicher sein kann, habe ich doch bereits schon festgestellt, dass meine Angst vor dem Gewitter schon kleiner wird.

Und überhaupt gilt es das Leben zu genießen und alle Zeit die man hat.

 

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the rose

Juni 18, 2008 · Kommentar schreiben

Some say love it is a river

that drowns the tender reed

some say love it is a razor

that leaves your soul to bleed

Some say love it is a hunger

an endless aching need

I say love it is a flower

and you its only seed

It’s the heart afraid of breaking

that never learns to dance

it’s the dream afraid of waking

that never takes the chance

It’s the one who won’t be taken

who cannot seem to give

and the soul afraid of dying

that never learns to live

When the night has been too lonely

and the road has been too long

and you think that love is only

for the lucky and the strong

Just remember in the winter

far beneath the bitter snow

lies the seed that with the sun’s love

in the spring becomes the rose

(Amanda McBroom)

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What a Ride

Juni 17, 2008 · Kommentar schreiben

Bei IHR auf dem Blog gelesen:
(Danke J.L.T.)

„Das Leben sollte nicht eine Reise ins Grab sein, mit dem Ziel, wohlbehalten und in einem attraktiv und gut erhaltenen Körper anzukommen.
Sondern:
seitwärts hineinzuschlittern, Chardonnay in einer Hand, Erdbeeren in der andern, in einem verbrauchten und abgenutzten Körper – und dabei jubelnd: WOO-HOO! Was für ein Ritt!“

noch genialer auf englisch:

„The goal of life is not to arrive at the grave safely and well maintained;
but rather to skid in at full throttle coming to a screeching halt shouting :
Holy SH*T, WHAT A RIDE!”

So genial sollte man sein Leben leben.

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UnVergänglichkeit

Juni 15, 2008 · Kommentar schreiben

Seltsam war, dass sie heute an so vieles aus der Vergangenheit nachdachte und es sie eher beängstigte, dass schon so vieles in Vergessenheit geraten war.
Sie wußte, dass es der Lauf der Dinge sein mußte, das Schöne zu bewahren und alles andere tief und nicht wiederbringbar in der Versenkung verschwand.
Es war nicht gut, wenn die Gedanken zu kreisen begannen und man versuchte sich zu erinnern, an das was dem letzteren nicht wert war.
Die Natur des Menschen sorgte wohlweislich vor und so vergaß man halt das, was dem eigenen Lauf nicht standhielt.
Das Leben geht weiter ohne Rücksicht auf derartige Verluste im eigenen Hirn.
Und so hatte alles seinen Sinn. Heute war alles gut und sie war die, die sie sein mußte, mit all ihren Stärken und Schwächen.
Gerade Wege hatte sie immer schon gehaßt und sich nie die ausgesucht mit dem geringsten Widerstand.
Die innere Unruhe war geblieben, aber die trieb voran zu neuen Anstiegen. Neugier war schon immer ihr Lebenselixier gewesen und brachte sie an den Punkt, von dem es aus galt nach neuen Wegen zu suchen. Immer im Visier die Visionen, die es galt zu neuen Zielen werden zu lassen.

Heute ist ihr Weg neu gestaltet, nicht nur von ihr allein, sondern von dem Mann, der den gleichen Weg geht, nebeneinander und doch immer miteinander.
Es ist hell auf diesem Weg, der mit Liebe sorgfältig gepflastert ist.
Er wird zwar nicht immer gerade verlaufen, bestimmt auch mit dem ein oder anderen Anstieg etwas schwieriger sein, aber dennoch wird dann eben der eine den anderen ziehen oder warten bis beide wieder den gleichen Schritt haben.
Es wird vielleicht auch mal regnen oder ein Sturm sich aufwallen und Blitz und Donner den Weg säumen, dennoch wird dieses vorhandene Glücksgefühl jede Unebenheit glätten.
Sie dachte an ihren Wunsch, dass jemand mal ein Gedicht für sie schreiben möge.
So wie es Darío Jaramillo Agudelo beschrieb:

Eines Tages
werde ich Dir ein Gedicht schreiben,
das weder die Luft erwähnt
noch die Nacht,
ein Gedicht,
das die Namen der Blumen auslässt,
in dem es keinen Jasmin
und keine Magnolien gibt.
Eines Tages
werde ich Dir ein Gedicht schreiben
ohne Vögel und Quellen,
ein Gedicht
das das Meer umgeht
und das nicht in die Sterne schaut.
Eines Tages
werde ich Dir ein Gedicht schreiben,
das sich darauf beschränkt,
mit den Fingern
über Deine Haut zu fahren,
und das Deinen Blick
in Worte verwandelt.
Ohne Vergleiche, ohne Metaphern,
eines Tages
werde ich Dir
ein Gedicht schreiben,
das nach Dir riecht,
ein Gedicht
mit dem Rhythmus Deines Pulses,
mit der Kraft,
dem Druck Deiner Umarmung.
Eines Tages werde ich Dir
ein Gedicht schreiben,
den Gesang meines Glücks.

Er schreibt es gerade für sie mit jedem Blick, mit jeder Geste und mit jeder Berührung.
Und das wird bleiben.

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Vergänglichkeit

Juni 15, 2008 · Kommentar schreiben

Würdest Du etwas vermissen?
Ein Leben geben für ein Gefühl?
Kennst Du dieses Sehnen?
Geben und nicht Nehmen?
Bis zum Mond und wieder zurück.
Kämpfen für das Wir
und bleiben im Ich.
Halten und doch so frei.
Stark in aller Schwäche.
Keine Fassade.
Ich zeig Dir meine Wahrheit
und damit meine Welt
nur für einen Augenblick.
Alles hängt am seidenen Faden.
Umarme mich
und meinen Kopf in Deinem Schoß.

„Komm ich zeig Dir meine Welt“, sagte er damals zu ihr, als er so plötzlich und unerwartet vor ihr stand. Er kam aus dem Nichts und irgendwie war sie nicht so vorbereitet auf diesen Mann, der zwar leise sprach aber eher wie ein Orkan daher wehte.
Er war groß und sie musste zu ihm aufblicken ob gewollt oder nicht.
Sein schwarzes Haar trug er kurzgeschoren, was ihren Blick ins Gesicht zog, welches gelebt sich zeigte. Ein paar Narben durchbrachen die Ebenheit, dennoch waren es die Augen, die bestachen.
Grün war nie ihre Farbe, weder an sich noch drum herum, aber sein Grün kam aus der Tiefe, wie der Strudelsog in einem Bergsee, dem man sich nicht entziehen konnte.
Seine Kleidung war schwarz, und nie sah sie etwas anderes als dieses tiefgründige Schwarz ohne farbliche Abgrenzung oder Aufhellung. Nur das Grün seiner Augen gab den einzig vorhandenen Kontrast.
Sie wusste nicht, wie lange er sie vielleicht schon beobachtet hatte. Sie war selbst in ihren Gedanken vertieft, weil sie mittlerweile all diese verdammten Abschiede nicht mehr wollte, wusste sie doch, dass die Abstände sich vergrößerten, im gleichen Verhältnis wie diese innere Unruhe, die sich immer wieder neu breit machte. Die Neugier trieb voran, wohin immer es auch sein mochte. Und sie allein wusste, dass es immer auch eine Flucht war, die nicht Ankommen auch bedeutete. Gleichzeitig gab es aber auch immer wieder neue Welten, neue Worte und Gedanken an die es sich zu erinnern galt, ob man wollte oder nicht.
Immer wieder dann, wenn sie sich an dieses Land gewöhnt hatte, an diese flirrende Hitze an eine andere Mentalität und überhaupt ein anderes Leben, trieb es sie wieder fort, weil es sowohl ein Hier als auch ein Dort gab, was sie nicht missen wollte.
Nur das Vermissen machte es immer wieder schwerer auch endlich zu vergessen. Die Strecke von Conil, ihrer 2. Heimat zum Flughafen, wollte nicht mehr so gerne gefahren werden.
Wahrscheinlich fuhr sie deswegen immer später los um schneller fahren zu müssen, ohne jeglichen Blick nach links oder rechts und zurück schon gar nicht.

„Komm ich zeig Dir meine Welt“, das waren damals seine ersten Worte, nach diesem endlos langen Blick aus grünen Augen.
Der Flughafen Jerez war übervoll mit Menschen, die nur aus der Distanz betrachtet an ihr vorbei rauschten, ohne dass sie sie wahrnahm.
Vielleicht hätte sie es wissen müssen, dass es immer Menschen gibt, die fixierend aus der Menge herausstechen, ohne dass sie laut und gestikulierend auf sich aufmerksam machen.
Er wirkte eher mit der Stille und Wortlosigkeit, die ihn umgab, und wahrscheinlich zog sie genau das an, gnadenlos und ohne Bedenken.
Es war ein Rausch, psychedelisch wirkend, genau wie diese Welt, die er ihr für einen Augenblick nur zeigte.
Es war nicht diese Farbengewalt, die sie sonst so liebte, da jegliches Schwarz alles überzog, wie eine undurchsichtige Wand, die man nur ertasten konnte.
Und dennoch wehte dort ein kräftiger Wind, der die Frische brachte, wie in Conil wenn er durch die Orangenhaine landeinwärts zog, und man immer das Gefühl hatte, dass silbrige Fäden durch die Luft flirrten.
Viele Worte verließen auch danach nie seine Lippen, nur seine Augen sprachen Romane, die er ihr in den Nächten zuflüsterte und sie wie Hieroglyphen entschlüsseln musste, und die dennoch wie Honig auf der Haut sich niederlegten.
Fasziniert tauchte sie für ein paar Momente in diese fremde Welt ein, Momente die nur für die Sinne und den Genuss gedacht waren in dem Begehren des Füreinander.
Berauscht voneinander sogen sie alles gegenseitig auf was sie sich gaben und nahmen das mit.

Es reichte für die Zeit danach, da wo die Vergangenheit beginnt, die immer jedem dieser Momente folgen würde.

Und auch danach würde nichts vergessen sein, auch wenn Abschiede immer diesen Hauch von Tristesse haben und dennoch vorprogrammiert sind, weil Momente eben nur Momente sind und damit vergänglich zu aller Zeit. Nichts davon kann man festhalten nur mitnehmen und sich erinnern, wenn man nicht zu müde ist vom Gehen.

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Kalte Hundeschnauze

Juni 15, 2008 · 3 Kommentare

Ich liebe Überraschungen.

Vor allem Überraschungen, die mich dann so sehr berühren, dass ich einfach nur sprachlos bin.

Kalte Hundeschnauze erinnert mich immer so an meine Kinderzeit. Bei uns zu Hause war es einfach Tradition zu Kindergeburtstagen so eine Kalorienbombe von Muttern gebacken zu bekommen. Ich habe diesen Kuchen geliebt, aber nie den Geschmack von damals hinbekommen.
Und gestern überraschte mich mein Mann damit aber wirklich im wahrsten Sinne des Wortes. Es war, als wenn ich in eine unbeschwerte Kinderzeit zurückversetzt wurde und mit großen Augen die Schleife nicht schnell genug vom Geschenk abbekam. Es war tatsächlich wieder dieser cremige Schokoladengeschmack zwischen diesen Keksen, den ich so liebte.
Ich bin wahnsinnig gerührt über diese Geste, die mehr Gefühl ausdrückt als man es in Worte fassen könnte.

Danke dafür.

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