Arsfendi's Weblog

Beiträge vom Juli 2008

Wie gehts?

Juli 28, 2008 · Kommentar schreiben

Der Anruf kam überraschend. Sie hatte so gar nicht damit gerechnet und im ersten Moment hätte sie wohl lieber aufgelegt als den Erinnerungen dieser Stimme zu folgen.
Es war schon zu lange her, als dass alleine die Nennung des Namens eine innere Unruhe hätte hervorrufen können, aber trotzdem ließ sich dieses Druckgefühl in der Magengegend nicht verleugnen.
Eigentlich wollte sie nicht reden, nicht über ihn oder sie und noch weniger über die Vergangenheit.
Es waren keine Fragen offen und so erzählte er über sich und die Gegenwart und alles war gut.
Rational gesehen so wie er war.
So gesehen, sprachen sie zum ersten mal die gleiche Sprache ohne Phrasen, Worthülsen und Metaphern und ohne jegliche Theatralik.

„Deine Stimme klingt noch etwas ruhiger als damals,“ hörte sie vom anderen Ende der Leitung.
Ja so war es wohl. Alles ist anders, vor allem war sie eine andere.
Die Zeit verändert so vieles. Oder war es die Akzeptanz dessen, was die Hoffnung nicht zu ändern vermochte?

Bei seinem „es tut mir heute noch mehr leid als damals“, mußte sie lächeln.
„Warum?“, fragte sie und wußte dass es darauf eh keine Antwort gab.
Sie haßte diese „tut mir leid“-Phrasen, weil alles zu seiner Zeit seinen eigenen Rahmen hatte und so entschieden richtig war. Da gab es nichts zu verdrehen, auch wenn man seine Sichtweise irgendwann ändert.

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Schweigend

Juli 26, 2008 · Kommentar schreiben

element of crime

Schweigen kann so vieles sein.
Manchmal ein Zeichen der Achtung oder der vollkommenste Ausdruck der Verachtung.
Oft aber auch der lauteste Schrei.

Marie war immer eine von uns. Und sie war immer schon eine Träumerin mit hohen Idealen.
Ich glaube ich kenne sie schon mein ganzes Leben lang.
Sie lebte ihr Leben aus dem Bauch heraus und ließ sich auch darin nicht beirren.
Manchmal bewunderte ich ihr Schweigen, und fragte mich oft, wo sich ihr Ventil befand.
Nur wenn ich ihr in die Augen schaute, konnte ich erkennen, wie es in ihr brannte.

Ich weiß noch, als Marie sich das erste mal so richtig verliebte und wie glücklich sie war.
In ihren Augen konnte man das Funkeln sehen und ihre Haare glänzten noch ein wenig mehr.
Sie strahlte von innen heraus und schwieg noch ein wenig mehr.
Als er dann ging sprach sie nicht viel darüber, aber ich glaube es war damals die erste Maske die sie anprobierte. Vielleicht als Schutz für sich selbst oder aber auch um den Gehenden nicht als Last am Gehen zu hindern.
Ich bin mir sicher, für sie war es immer das Wichtigste, dass es nichts zu bedauern gab um das Schöne in den Erinnerungen weiterleben zu lassen.
Mir machte diese Schweigsamkeit Angst. Es berührte mich und dennoch war sie es, die versuchte mich mit einem Lächeln zu beruhigen.
Sie war so scheinbar stark, und ich hätte alles dafür geben mögen, wenigstens einmal ungefiltert in ihr Innerstes zu sehen.

Vorbereitet war sie darauf nicht, als er so plötzlich wieder vor ihr stand und ins Gesicht strahlte.
Blendend sah er aus, eigentlich so wie immer, mit diesem umwerfenden Lächeln, das zwei Grübchen an seinem Kinn einmeißelte und diesen strahlend braunen Augen, in denen sie schon früher immer versinken wollte.
Früher, ja da war alles anders, damals im Mai als sie ihm begegnete und im nächsten Frühjahr als er dann ging.
Oder war sie es, die ging?
Wir wussten es alle nicht so genau, weil sie lieber schwieg.

Und jetzt hier, dieses unverhoffte Wiedersehen in dem kleinen Cafe, in das sie so oft ging um nach der Arbeit noch ein wenig Ruhe zu haben, bei einem Cappuccino und den Fremden um sich herum.
Cappuccino mit Sahne, denn das musste ab und zu sein, so wie jemand ein Stück Schokolade als Seelentröster braucht.
Ein wenig müde sah er aus und hier und da eine graue Strähne aber seine Hände wirkten noch genau so sensibel wie damals, wenn er mit sanften Fingern ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht zauberte.
Wie es ihr denn so ginge, fragte er mit dieser Stimme, die schon damals ihre Sinne streichelte.
Jetzt gerade war sie froh, dass sie sich doch morgens in den schwarzen Rock gequält und sich wie immer auf die endlose Suche nach dem zweiten Halterlosen gemacht hatte, wo sie doch eher in der Stimmung nach Bequemlichkeit in Jeans und Rollkragenpullover war.

Ja, ihr geht es bestens. Alles ist so wie immer hier. Die neue Wohnung sah klasse aus und die Kinder hatten endlich ihren heißersehnten Hund.
Die Einrichtung war jetzt sehr mediterran, so wie sie es immer schon haben wollte und auf der Terrasse blühten die Orchideen in Terracotta-Töpfen.
Auch im Job lief es phantastisch, genau so wie sie es sich immer gewünscht hatte.
Sie hatte endlich ihre eigene Agentur, kein Chef war mehr da, der ihr sagte in welcher Form sie ihre Kreativität auszuleben hatte.
Die Kunden ranntenen ihr praktisch die Bude ein, auch wenn das ein wenig Stress bedeutete.
Aber er kannte sie ja, Stress war ihr Lebenselixier, ohne das sie gar nicht existieren konnte.
Das Glück klebte geradezu an ihr, und wie man Pech buchstabiert hatte sie schon längst vergessen.
Natürlich war im Moment alles ziemlich aufreibend, nicht einfach alles unter einen Hut zu bringen, denn die kiddies wollen auch nicht hinten anstehen.
Der Kleine war im Moment etwas aufsässig, trotzdem immer noch so verschmust wie damals.
Und dann das ganze Afterwork-Leben, rein in den Trubel und genießen. Alles war so herrlich und prickelnd. Das Leben hatte sie gepackt und war jetzt erst im richtigen Fluss.
Die Wochenenden waren angefüllt mit Wohlfühlmomenten und im Studio kam sie mittlerweile auch so richtig zur Figur.

Ihre Worte ließ sie von einem strahlenden Lächeln begleiten. Genau so wie sie es in der Vorlesung über Self-Marketing gelernt hatte.
Gerade sitzen und bloß nicht die Arme über der Brust verkreuzen. Es könnte als Unsicherheit und Verletzbarkeit ausgelegt werden.
Wie gut, dass man sich an der Zigarette festhalten und zwischendurch ablenkend nach dem Cappuccino greifen konnte.

Phantastisch, wie sie es hinbekam, dass ihre Unsicherheit und ihr innerlicher Sturm, der sich so allmählich zusammenbraute, nicht nach außen drangen.
Für nichts in der Welt durfte er spüren wie weh alles noch tat.
Wo doch damals nichts mehr ging und sie beide es für besser hielten ihren Weg getrennt fortzusetzen.
Akzeptanz hieß damals das Zauberwort und natürlich Konsequenz.
Konsequent akzeptierte sie damals und versuchte so gut es ging diesen leisen Stich zu verdrängen, der sich aber dennoch tief einbohrte und wie ein Korkenzieher sich zu drehen begann.
Ein blöder Schmerz, von dem sie ihm nie erzählte und der dennoch nicht zu verdrängen war.
Sie ließ ihn zu, wenn sie von niemand gesehen alleine war, auch wenn alles verbannt war, was unnötig als Erinnerungsverstärker dienlich hätte sein können.
Trotzdem brauchte nur jemand seinen Namen leise flüstern, schon war alles wieder präsent, ohne dass sie es wegwischen konnte so wie die Staubflusen auf dem Aquarell von Ricarda Dämmrich, welches sie damals noch gemeinsam ersteigert hatten.

Nein, damals die Entscheidung war schon richtig gewesen auch wenn sie ihm heute nicht beichten würde, dass er ihr wahnsinnig fehlt und sie mittlerweile seinen Namen schon rückwärts spricht. Dass dieser blaue Fleck nicht heilen will und dieser Traum einfach nicht aus ihren Nächten verschwindet, weil sie sich nicht dagegen wehren kann.

Schon damals war es doch so schwer mit Distanz umzugehen, wo sie doch Nähe brauchte.
Und das Zauberwort hieß ja Akzeptanz.
Und es gab noch so viel zu tun.
Ja, ihre Harrfarbe hatte sie im Frühjahr dann geändert. Er kannte sie ja. Es muss immer wieder etwas Neues her, zumindest bei der Haarfarbe.
Gefühle waren nicht so einfach austauschbar.
Wie gerne hätten ihre Finger jetzt über sein Gesicht gestrichen, auch wenn dies jetzt nicht mehr als der richtige Zeitpunkt gegeben war.

Vielleicht sollte sie jetzt lieber gehen, als er anfing über gemeinsame Erinnerungen mit ihr lachen zu wollen.
Irgendein wichtiger Termin wäre jetzt angebracht, denn zu lachen kostete mit jeder weiteren Minute mehr Energie.

Es war schon damals die richtige Entscheidung. So gegensätzlich ihre Lebensauffassungen waren, musste es die richtige Entscheidung gewesen sein.
Er, der Kopfmensch, der rational denkend mit zuviel Gefühl nicht umgehen konnte. Daneben sie, die impulsiv dem Gefühl folgte und es immer mehr als Gratwanderung empfand ihm kein Zuviel aufzubürden.

Ja, damals die Tage am Meer waren wirklich einzigartig. Und die Diät hinterher ziemlich anstrengend aber äußerst notwendig.

Nein, der Termin war leider nicht aufschiebbar. Aber es war schön ihn wiedergesehen zu haben.

Ich denke, das war es wirklich für Marie…

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hang on to a dream

Juli 25, 2008 · Kommentar schreiben

Elton John sagte mal: „Good music hurts.“
And in my opinion, this track is more than painfull and touches the soul deep inside.

How we can hang on to a dream…

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Spuren

Juli 25, 2008 · Kommentar schreiben


Weil du nicht bist wie alle andren
Weil man dich niemals kaufen kann
Weil mit dir tausend Sterne wandern
Weil du auch Wölfin bist und Lamm
Weil du noch Mut hast um zu träumen
Weil in dir Schmetterlinge sind
und weil du Zeit hast dich an Bäumen, halb tot zufreuen wie ein Kind
Weil du das große Abenteuer, wie ein Geheimnis mit dir führst
Weil du nicht Satt bist und das Feuer
So viele Leben in dir Spürst

Weil du nicht bist wie alle andren
Weil man dich niemals kaufen kann
Weil mit dir tausend Sterne wandern
Weil du auch Wölfin bist und Lamm
Weil du noch in dir suchst und zweifelst auch wenn du dich dabei verlierst
Und Deine Grenzen überschreitest, und weil du recht hast wenn du irrst
Weil du Verbote einfach auslässt
Weil Gesetze haßt wie ich
Weil du dich täglich etwas loslässt
Weil du die Schatten kennst vom Licht
Weil du ein Herz hast wie ein Bahnhof aus dem mein Zug auf Reisen geht
Und meine Stimme sagt ‘fahr nicht los’, wenn du für immer von mir gehst
Weil du nicht bist wie alle andren, auch wenn du Ausgehst wie das Licht
Und mit dir tausend Sterne wandern, weil es dich gibt
liebe ich dich.

[Klaus Hoffmann]

Wir waren immer Fünf. Fünf Menschen, die sich vor langer Zeit fanden und es sich wert waren für das Gefundene zu geben. Zu geben ohne jegliche Erwartungshaltung und doch wissend, dass immer wieder etwas aufs Vielfache zurückkommt.
Jeder von uns hatte zwar seine eigene Definition von Freundschaft, und dennoch gab es Schnittstellen oder wenigstens Parallelverschiebungen.
Das Wichtigste aber war das Gefühl, dass man so akzeptiert wurde, wie man war, egal aus welchem Blickwinkel die Betrachtung erfolgte.
Trotzdem konnte man sich auf die Meinung des anderen verlassen, denn egal wie gegensätzlich sie erschienen, konnte man sicher sein, dass es keine unbedachten Worte waren oder zum Verletzen geneigte Phrasen.

Ich denke, zurückblickend vermag ein jeder von uns Fünf zu sagen, dass es eine gute Zeit damals war.
Denn jeder von uns hat etwas mitgenommen. Etwas von dem man auch heute noch zehren kann, wo vielleicht doch so manches mal der Weg etwas steiler bergauf geht und das Vor uns nicht so strahlend leuchtet, sondern eher in nebulöse Farben eintaucht.
Damals dort in unserer kleinen Welt haben wir oft gemeinsam den Pinsel geschwungen, und mit kraftvollen Strichen alles in hell leuchtende Nuancen eingetaucht.
Es spielte keine Rolle, wer den Farbton bestimmte. Denn immer dann, wenn vielleicht für den Einen mal das Dunkle eher überwog, konnten wir sicher sein, dass die anderen den Pinsel mit der richtigen Farbgebung schon parat hielten.

Vielleicht haben wir uns schon damals für alles Kommende gegenseitig stark gemacht, insbesondere durch die innere Verbundenheit des Verstehens ohne auch nur ein Wort zu verlieren.

Als es an der Zeit war, dass unsere Wege auseinanderdrifteten, geschah dies mit dem Wissen unsichtbare Spuren hinterlassen zu haben, die dennoch jederzeit nur für uns alleine greifbar waren.

Mick war schon damals der Mensch, der bei mir sehr tiefsitzende Spuren zeichnete.
Es waren seine Worte, die auch heute noch intensiv nachhallen.
Worte, die mich schon damals, wenn wir nach der Schule zu unserem Platz unten am See radelten, immer wieder faszinierten und fesselten.
Kein anderer vermochte es so wie er mit Worten zu malen und mich als junges Mädchen zu beeindrucken.
Er verführte mich in Welten furchtlos einzutauchen, die so fremd und unwirklich erschienen, und dennoch das Erleben mit spannender Erwartung zu genießen.
Ich konnte stundenlang seiner sanften Stimme lauschen, wenn er mir aus den „Blumen des Bösen“ vorlas oder Miguel de Cervantes zitierte. Ich sah Dulcinea mit langem schwarzem Haar vor mir, litt Höllenqualen im Tod von Morella und empfand Schmerz mit Justine ebenso wie mit Juliette.
Schon damals offenbarte Mick mir den Blick über den Tellerrand um mir das Bewusstsein für das Mögliche zu öffnen, ebenso das Risiko nicht scheuend aus Unmöglichem das Mögliche zu machen.

Mick lebte mir seine eigenen Worte stets vor. Für ihn war es stets das Wichtigste, sich selbst zu akzeptieren wie man ist und sich selbst niemals untreu zu werden.
Es hat sich selbst sehr vieles davon in mir verankert.
Aber heute weiß ich, dass ich es wagen kann der Mensch zu sein, der ich bin.
Nicht immer ganz sicher im Blick nach vorne aber dennoch mich Herausforderungen stellend.
Manchmal zweifelnd und auch zögerlich ernst, vor allem an mir selbst. Aber dann wieder mutig und so voller Neugier auf alles was noch kommen mag.
Hin und wieder erkenne ich selbst Widersprüche in mir und ein wenig Zerrissenheit, wo aber dennoch der Trotz zum Vorschein kommt, der hilft mit Verbissenheit auch alleine jede Unwegsamkeit zu meistern.

Heute weiß ich, dass mich nicht jeder verstehen muss, ebenso wenig wie ich jeden verstehen kann.
Und genau damit habe ich sogar Verständnis für mich selbst.
Nicht jeder Wunsch hat in der Erfüllung seinen Wert, und dennoch hoffe ich, dass mir kein einziger von ebendiesen verloren geht.
Auch wenn es nicht immer so läuft, wie ich es gerne hätte, vermag mir auch dieses nicht mehr allzu viel anzuhaben.
Vielleicht habe ich gerade damit so etwas wie das Kind von Damals in mir bewahrt.
Das Kind, das mit unbedarfter Neugier sich selbst immer wieder aufs Neue entdeckt und im eigenen Erstaunen schon alleine die Erfüllung findet.
Mit Egoismus kann ich immer noch nicht leben. Mein Fell ist immer noch nicht dick genug, wenn ich spüre, dass meine Worte und damit ich selbst keine Bedeutung haben und so manches im Wind ungehört verhallt.
Aber selbst meine Introvertiertheit steht mir nicht mehr im Weg, vielleicht weil ich mich selbst darin nicht mehr verfange und ersterer zum Trotz Gefühle als Meinige akzeptiere und diese auch lebe.

Auch wenn so manche Spur im Sand von Brandungen weggespült wird, wird es immer welche geben, die dem Meer trotzen, weil sie tief in einem selbst verwurzelt sind.
Ich bin mir sicher, dass auch ich genau solche Spuren bereits hinterlassen habe.
Und das ist gut so. Wie so vieles andere auch.

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I carry your heart

Juli 24, 2008 · Kommentar schreiben

I carry your heart with me. I carry it in
my heart. I am never without it. Anywhere
I go you go,my dear; and whatever is done
by only me is your doing,my darling
I fear
No fate. For you are my fate,my sweet. I want
no world. For beautiful you are my world,my true
and it’s you are whatever a moon has always meant
and whatever a sun will always sing is you

Here is the deepest secret nobody knows.
Here is the root of the root and the bud of the bud
and the sky of the sky of a tree called life; which grows
higher than the soul can hope or mind can hide
and this is the wonder that’s keeping the stars apart.

I carry your heart. I carry it in my heart.

[E.E.Cummings]

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Das Leben…

Juli 20, 2008 · Kommentar schreiben

…schenkt uns einzigartige Momente.
Du schenkst sie mir.

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ohne Furcht

Juli 20, 2008 · Kommentar schreiben

inspiriert:

„Ich sonnte mich gerade am Strand, als plötzlich ein Gedicht in meinem Kopf auftauchte. Es begann mit: „Mir gehört das Penguin Cafe, ich werde Dir willkürlich von Sachen berichten“ und fuhr damit fort, welch kostbare Güter Zufälligkeit, Spontanität, Unerwartetheit und Irrationalität im Leben sind. Und wenn man diese unterdrückt, um ein nettes geregeltes Leben zu führen, tötet man damit das was am wichtigsten ist, während im Penguin Cafe unser Unbewußtes einfach es selbst sein kann. Dort ist dieses, so wie jeder, willkommen. Dort herrscht eine Aufnahmebereitschaft, die damit einhergeht, das Jetzt ohne eine innenliegende Furcht leben zu können.“

Simon Jeffes Gitarrist, Komponist und Arrangeur

Penguin Cafe Orchestra:

Air A Danser

Music For A Found Harmonium

Mix

***

Der Schmerz in der Magengegend war nichts Neues. Wie immer kam er und ging wieder und sie gewöhnte sich daran, so wie man sich an alles gewöhnt bzw. gewöhnen kann.
Wie immer schlief sie in solchen Nächten schlecht und fühlte sich am Tag wie gerädert und nichts gelang, verschob sich eher in weite unerreichbare Ferne.
Seltsam war, dass gerade in den Schmerzmomenten die Gedanken rückwärts gingen bis hin zu den Momenten, wo der Griff ins Leere noch seine Hand erfasste.

Vielleicht wird man im Schmerz ungerecht, weil man zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist und sich in den Mittelpunkt stellt, um das sich alles zu drehen hat.
Anders war es nicht zu erklären, dass sie ihn damals zu hassen begann, als dieser stechende Schmerz kam und sie unerwartet traf, weil man sich auf solches nicht vorbereiten kann. Wenigstens war die Diagnose eindeutig und gab ihr einen Grund ihn von sich zu stoßen.
Jede Berührung wurde zur Qual, wahrscheinlich auch für ihn. Zumindest redete sie sich genau das ein, um ihn noch ein wenig mehr zu hassen.
Sie wünschte, sie könnte dies genau auch jetzt noch tun, aber gedanklich war sie ihm gerade sehr viel näher als es ihr gut tat. Oder vielleicht war auch gerade das das Gute an diesem Schmerz, der sie spüren ließ, wie er Besitz von ihr einnahm ohne dass sie sich wehren konnte.

Mit der Zeit war sie damals beherrscht davon, alleine sein zu wollen, um niemanden um sich herum ertragen zu müssen, oder sich selbst ertragen zu lassen.
Dabei war er der Einzige der ertrug, all ihre Launen, Ungerechtigkeiten und ihren Hass. Vielleicht war er es aber auch, der genau wusste, dass er nur für diese Krankheit stand, gegen die sich alles richtete.

Widerwillig stand sie auf und ging in die Küche um sich ein Glas Wasser zu holen. Es war an der Zeit für die nächste Dröhnung, die wenigstens etwas betäubte, was nicht zu ertragen war.
Sie wünschte sich weit fort von diesen Wucherungen, die sich breit machten und den Raum einnahmen, dessen Grenzen immer enger wurden, und sie einschnürten wie ein Paket, welches im luftleeren Raum schwebte.

Die Warnungen des Arztes verhallten eh im Raum der Unhörbarkeit und im Grunde genommen spielten sie für das Danach einfach keine Rolle.
Der Arzt war ein guter Freund und per Du konnte man so leicht über die Wahrheit hinwegschweben oder einfach ignorieren.

Wie es ihm jetzt wohl ging, schwirrte ihr als Frage im Kopf herum, auch wenn sie sich dessen bewusst war,, dass es sie nicht im Geringsten interessieren würde.
Es war so viele Jahre her und sie wollte einfach nur vergessen haben, was nicht zu ändern war, weil einfach nur gewollt.
Sie erinnerte sich an seine Stimme, die sie in manchen Momenten einfach nur noch zur Weißglut trieb, dann wenn er mit der Betonung zeigte, dass er über ihr stand und sie sich wie ein kleines Kind vorkam, welches gemaßregelt wurde, weil es eine Dummheit begangen hatte.
Dabei zog er dann die Luft so tief ein um sie hinaus pressen zu können, dass sie verschreckt ihren Kopf einzog und erst einmal wortlos blieb.
Sie haßte es sich klein zu fühlen und im Angriff dann die beste Verteidigung zu sehen.
Sonst wirkte seine Stimme eher besonnen und beruhigend, so wie damals als er ihre Hand hielt und sie sich eher wünschte der Boden unter ihren Füßen möge sich öffnen um im fremden Orbit zu entschwinden.
Stattdessen brachte er Schokolade, die sie irgendwann aß und in einem stickigen Raum rauchten sie schweigend eine Zigarette. Es blieb nichts übrig, nur das rote Papier und das bisschen Asche von zwei gerauchten Zigaretten.
Was wäre heute, schlugen ihre Gedanken Alarm.
Wahrscheinlich wäre er, wenn nicht damals, auch heute geflohen oder sie hätte es getan.
Nichts blieb an Bedeutung und Wichtigkeit.
Nur der Orchideenbaum trug wieder neue Blüten, so wie jedes Jahr zu dieser Zeit.
Das war das Einzige was blieb.
Und bestimmt war das das Beste von allem.

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Kannst du verstehen?

Juli 12, 2008 · Kommentar schreiben

Kannst Du verstehen, wenn ich sage
die Zeit kennt immer ihre eigene Zeit.
Manche Woche hat sieben Jahre
und die Sekunde eines Moments,
schnell verflogen,
bleibt Dir für die Ewigkeit.

Kannst Du verstehen, wenn ich sage
jedes Gefühl ist ein eigenes Land
und die Welt hat viele Länder.
Heiße Wüsten kannst du finden,
kühles Blau des Meeres gefährlich tief
ohne jemals anzukommen, reist du dich um den Verstand.

Kannst du verstehen, wenn ich sage
jede deiner Wahl hat ihren Preis
und wir wählen alle ständig.
Nimm dir Freiheit, Liebe oder Treue,
zahlen wirst du doch
mit der Angst kann nur leben,
wer zuvor die Währung weiß.

Kannst du verstehen, wenn ich sage
auch ein Abgrund ist ein Weg
und es lohnt sich abzustürzen.
Ohne Angst vor diesem Aufprall,
den Schmerz doch nie gefühlt
und bevor du aufschlägst merkst du
dass es noch mal weitergeht.

Dann kannst Du vielleicht auch verstehen,
wenn ich sage
das Leben macht uns blind
und es gäbe so viel anzusehen
doch wir wollen alles halten,
was im Augenblick uns Glück verspricht.
Und bezahlen dafür jeden Preis

Und ich weiß, dass du verstehst,
wenn du endlich angekommen bist,
dass kein Weg, war er auch noch so beschwerlich,
jemals umsonst gewesen ist.
Egal ob es der höchste Berg war
den du im Schweiße deines Angesichts erklommen
oder der Sog nach unten in die Tiefe
dir den Atem hat geraubt.
Wichtig ist das Ziel vor Augen
und immer du selbst geblieben.

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