„Mancher ist von Antworten so fasziniert, dass er die Fragen dazu erfindet. “ (Samuel Beckett)
Man nehme einige ausgewählte Stunden,
wasche die Hektik unter fließendem Wasser ab,
schäle bedächtig die Minuten und
entferne die Sekunden mit dem Zeiteisen.
Sodann mit einer Mischung aus Ruhe und Gelassenheit füllen
und langsam in einer kleinen Ewigkeit gar schmoren.
Zum Dessert passt ein Stück Zeit,
das man sich auf der Zunge zergehen läßt.
Paul Stroemer
Wir hatten schwere Zeiten hinter uns. Manchmal dachten wir wohl beide es nicht länger ertragen zu können, diesen ewigen Streit mit lauten Worten, die tiefer drangen als ins andere Ohr.
Die Frage nach dem Warum stellten wir uns lieber nicht, es wäre zu dem jeweiligen Zeitpunkt der Anstrengung nicht wert gewesen. Die Antworten gaben wir uns lieber danach, jeder für sich, was es letztendlich auch nicht besser machte.
Zumindest suchten wir keinen Schuldigen, denn in diesem Punkt dachten wir beide gleich und waren uns einig. Obwohl im Nachhinein betrachtet musste es wohl für den Schein nach außen zumindest einen geben, der für das Übel sich verantwortlich zeigte um das Danach zu rechtfertigen.
Auch wenn dies nur andere unter dem Deckmantel des Verständnisses bekundeten und das Speichelleckertum offenbarten.
Wir waren zwar die Einzigen, die es besser wissen mussten, aber es tut immer gut wenigstens dem eigenen Ego von außen schmeicheln zu lassen.
Warten auf Godot war schon immer ein gutes Argument wenn dann gar nichts mehr hilft.
Ich glaube oft konnten wir die gegenseitige Nähe kaum noch ertragen und suchten in der Distanz die Rettung.
Wir hätten eher reden sollen oder noch eher gehen, anstatt uns mit dem ganzen Müll anzufressen. Aber hinterher ist man immer schlauer.
Mir brachte es Magenschmerzen ein und ich glaube dir ging es auch nicht besser.
Wut kann erdrücken und Hass dann letztendlich der Auslöser für den Urknall der alles vernichtenden Materie sein um so zum Neubeginn im Reinen zu gelangen.
Besonders mutig waren wir beide nie, aber wenigstens waren wir einsichtig, dem Schrecken ein Ende zu setzen bevor es chronisch wurde.
Als sich die Tür hinter dir schloss, füllten sich meine Lungen endlich nach langer Zeit wieder mit Luft. Ich bin mir sicher auch dein Atmen die Treppe runter wieder laut und deutlich gehört zu haben.
Nur die Zeit, die uns verband, machte es nicht einfacher. Dennoch lebten wir, nur jeder in seiner eigenen Welt.
Jeder von uns trank seinen Kaffee allein und abends den Wein auch manchmal in anderer Gesellschaft.
Nur manchmal sah ich im Kaffeesatz dein Bild, welches auch nach dem Ausspülen nicht verschwinden wollte.
Hin und wieder griff ich nach dem Telefonhörer um ihn dann doch wieder aufzulegen. Die Zeit war wohl noch nicht da für den ersten Schritt.
Ablenkung tat gut und das Erleben von anderem noch mehr, auch wenn der Geschmack im Mund hinterher doch sehr oft schal war.
Manchmal las ich deine einzige Karte. Sie kam damals zu Ostern wo wir noch gemeinsam lachen konnten und alles noch ein wenig unbeschwerter war. Ich hatte sie schon längst vergessen und doch schien es mir, als wäre sie immer noch ein Band, welches es durch Verbrennung endlich zu vernichten galt, um der Sentimentalität endlich Herr zu werden.
Vielleicht ging es dir auch so, dass man doch das Gute sehr viel besser behält und alles andere tiefer vergräbt oder abarbeitet.
Lange Zeit sahen und hörten wir uns nicht mehr und das war gut. Wir kamen wieder zu uns selbst und damit zu uns beiden.
Wir sahen unsere Fehler um sie selbst zu revidieren, nicht weil der andere es so wollte sondern nur wir selbst.
Aus der Ferne sieht man eh alles anders und damit gelingt sogar ein Lachen für die Vergangenheit im Jetzt und ein Augenzwinkern für das Nichts im Danach.
Und dann ist man froh, dass alles genauso gekommen ist, weil man ja nicht die Zeit damit vertan hat auf Godot zu warten und das Heute und Morgen einfach im Glück schwimmt.
„Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.” (S. Beckett)

















































