Arsfendi's Weblog

Dance me…

September 30, 2008 · Kommentar schreiben

„Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann.“
Enrique Santos Discepolo

Wenn bloße Worte nichts mehr sagen,
Töne alleine nicht mehr klingen,
Gebärde und Mimik kaum mehr etwas zu bedeuten haben,
dann gibt es nur noch eine Möglichkeit, seiner Wut, seinem Schmerz und seiner Sehnsucht einen Ausdruck zu verschaffen:
den Tango.
Tango als Ausdruck von Krise und Hoffnungslosigkeit und Trauer.
Aber auch Lebensfreude, Genuss, Sehnsucht, Hilfe
- er war dies schon immer. Er ist dies immer noch.

/Jean Lüdecke

Es war nur ein Tanz der Gefühle, einfühlsam führend und hingebungsvoll fallenlassend bis zum letzten Schritt im gemeinsamen Takt.

Sie haben nur getanzt
Lange Zeit hat sie sein Gesicht vor sich gesehen. Es wollte einfach nicht verschwinden.
Vielleicht war es auch so, dass sie einfach leiden wollte, nicht zulassend, dass die Schatten der Vergangenheit verschwanden.
Es geschah immer von allein, dass eine Hand die Wunde berührte, sie immer wieder aufgehen ließ . Sie wusste, dass es einfach dazu gehörte, sich dem Schmerz hinzugeben, ihn auszuleben um nicht daran zu ersticken.
Vielleicht wäre es besser gewesen, Wut zu empfinden oder einfach leichter auf Liebe auch dem Hass einen Platz einzuräumen.
Aber dies war kein Weg für sie, wozu auch, es hätte ihn nicht treffen können, sondern ihre eigenen Wunden zum Eitern gebracht.
Nach so langer Zeit stand er vor ihr. Nur eine flüchtige Begegnung, doch ein Hauch, der sie berührte.
Ihr Tänzer, der sie den Tanz des Lebens lehrte. Der stets nur führte, und dem sie gewährte sie mit dieser Macht zu führen.

Damals als alles anfing, war es der langsame Walzer. Alles war so weich, langsam und schwingend ausgedrückt in Harmonie und Zärtlichkeit. Es war der Tanz ihrer Herzen, getanzt mit Hingabe bis zum Verschmelzen.

Fließend ging es dann zum Slowfox, raumgreifend mit sanften Wellen, die sie umgaben. Sie schwammen durch den Raum der Zeit im kontinuierlichen Bewegungsfluss ohne Stillstand und Rückwärtsgang.

Prickelnd wurde es dann beim Quickstep. Das leben war für kurze Zeit fun und easy. Alles war so leicht schwebend und ihr Gesicht umspiegelte immer wieder ein Lächeln, wenn sie seine Berührungen spürte.

Besonders glücklich war sie dann beim Cha-Cha-Cha. Es war eine Zeit der Ausgelassenheit und Fröhlichkeit. Manches mal waren sie albern wie kleine Kinder und sie hatten das Gefühl, als würde ihnen die ganze Welt gehören. Sie spürte wie seine Kraft in sie überfloß und sie wachsen ließ.

Heiß wurde es beim Salsa. Hier offenbarten beide ihre eigene Art zu lieben, zu hassen, zu fühlen, die alltägliche Existenz zu leben, ohne Schutz zu sein, voll von Sonne, Wind und Meer, einem Horizont und einem weiten Himmel, herrlich blau, der sie einhüllte mit ihrer ganzen wahrhaftigsten Hoffnung.

Ihre Gegensätzlichkeit zeigte sich dann im Tango Argentino: männlich und weiblich, weich und hart, aggressiv und sentimental.
Es kam die ganze Melancholie und Wehmut zum Ausdruck, so wie es schon Enrique Santos Discépolo treffend formulierte: “Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann.”
Auch wenn die Erotik zwischen ihnen noch vor Spannung knisterte, war der Tod bereits schon zu spüren. Sie spürte es bei diesem Tanz, wie er sich entfernte , diesem Tanz nichts mehr abgewinnen konnte.
Die Harmonie schwand immer mehr und ihre Traurigkeit wuchs.
Es war ein letzter Kampf, weil sie noch nicht glauben wollte schon längst verloren zu haben.
Mit etwas Hoffnung, weil sie selbst noch geben wollte, tanzte sie noch einen Bolero mit ihm. Die Fröhlichkeit war längst der Schwermut gewichen.
Mit jedem Takt entfernte er sich immer mehr. Jede Bewegung war nur noch schwerfällig ohne Fluß und Hingabe.

Den letzten Blues gab sie ihm als Geschenk. Noch einmal klammerte sie sich an ihn , nur um ihm noch ein letztes mal nah zu sein und sich für einen kurzen Moment anzulehnen.
Es war ein leises Ende ohne großartigen Schlussakkord.
Die letzte leise Melodie hatte sie nun im Ohr, als er ihr gegenüberstand. Sie summte sie leise mit, spürte sie doch gleichzeitig, dass sie niemals wieder den gleichen Takt finden würden.

Und dennoch prägte sie sich bei diesem letzten Tanz sein Gesicht ein und sog seinen Duft in sich auf um nichts davon zu vergessen, um es mitzunehmen in das Danach.
Dankbar für das was war.

Dance me..

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Take me as I am

September 30, 2008 · Kommentar schreiben

Schenk mir noch eine Stunde deiner Zeit
nur eine Stunde für die Ewigkeit
lass uns  sehn ob wir noch Freunde sind
unbefangen wie ein Kind.

Schenk mir noch eine Stunde deiner Zeit
ich glaub jetzt endlich bin auch ich so weit
lass im Tanze uns berührn
ich fühl das Leben
und will mit Herz und Händen dich nur spürn.

Und ist der Tag auch kalt und grau
ich nur noch meinem Bauchgefühl vertrau
lass auch du die Ratio außer acht
hab das Fegefeuer einfach angefacht.

Schenk mir noch eine Stunde deiner Zeit
keine Lüge heut mehr weit und breit
vergraben ist für uns das Schwert
die Bedeutung dieser Stunde ist es wert.

Was weißt du was Liebe ist
wenn du alles was vorher war vergisst
nur einmal noch in Leidenschaft verbrennen
um dann den alten Hass nicht mehr zu kennen.

Schenk mir die eine Stunde Zeit
nur eine Stunde für danach die Ewigkeit.

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