
Und so verbringt man ein weiteres Leben in der Feuerglut der Hölle,
erzählt Märchen, glaubt selbst daran und hofft,
dass niemand der Lauschenden die Glut löscht,
weil es vielleicht irgendwann nichts mehr gibt,
woran man glauben und sich festhalten kann.
Schon als Kind habe ich den Zirkus nicht wirklich gemocht.
Die Löwen waren mir zu unnatürlich zahm, die Elefanten zu dressiert und der Clown machte mich eher traurig als dass er mich zu erheitern vermochte.
Die Pferde wünschte ich in die Wildnis und der Seiltänzerin Glück für den nächsten Schritt.
Ganz weit oben unter der Zeltkuppel sah ich einen Dudelsackbläser, und bei der Melodie, die er dem Instrument entlockte, kroch ungewollt manchmal etwas aus der Vergangenheit hervor, was sich schwer aufs Gemüt dann legte. Möge der Teufel sich auch an meiner Seele gütlich tun.
Und mir war dabei bewusst, dass draußen der Mond auf alles schien, auch auf die Haltlosen und die Schlafenden.
Meistens bin ich dann aus dem Zelt geflohen, weil mir alles zu eng war und ich mich nach frischer Luft sehnte und Grenzenlosigkeit.
Draußen hatte ich immer wieder das Gefühl, die Sonne zieht an mir vorüber, während die Welt an ihr vorbei einfach so untergeht.
Nur die Abenddämmerung habe ich geliebt. Dann, in der Dunkelheit der Nacht, haben sich die Gedankenströme selbst eingeladen, die ich bei hellem Licht lieber verneint habe. Und mitunter bekamen sie mich zu fassen und zogen mich hinab in diesen Strudel, der in der Singularität endete um genau dort wieder zu beginnen.
Manchmal fahre ich mit den Gedanken an dich einfach so durch die Nacht und vergesse dabei, was ich dir eigentlich noch sagen wollte.
Gestern Nacht habe ich kurz vor der Abfahrt zum letzten Horizont noch kurz angehalten und hab barfuß auf heißen Kohlen getanzt und heimlich Hexagramme am Nachthimmel gezeichnet, hinter denen ich mich verstecken konnte.
In Gedanken war ich bei der letzten Schlacht und war mir sicher, dass wir uns wacker zärtlich geschlagen haben.
Ich hab zu viel geredet und manchmal zu wenig. Und der Himmel hat sich langsam gedreht.
In meinem Arm bist Du eingeschlafen und es gefiel mir in dein entspanntes Gesicht zu schauen. Dein Atem ging ganz ruhig und bevor ich ging habe ich dir noch ein paar Hieroglyphen auf den Rücken gemalt. Ich bin mir sicher, dass du es dem Hierophanten gleichtun wirst.
Du hast lange vor mir gewusst, dass ich schon immer auf der Flucht war, meistens vor mir selbst.
Die Luft ist jetzt rein und klar sowieso.
Ich halte das Ticket nach Nirgendwo in meinen Händen und wünschte mir, du hättest auch mein letztes Geheimnis erraten.





































3 Antworten bis hierher ↓
bruni kantz // Juli 12, 2009 um 13:15
Gibt es noch mehr Menschen, die eigentlich keinen Zirkus mögen?
Ich langweilte mich immer sehr.
Die Pferde zu zahm,
der Clown zu aufgedreht,
die Raubtiere leider gebändigt,
die Jongleure zu ernst,
die Trapezkünstler zu gut,
die Schlangenmenschen zu biegsam.
Die Elefanten zu gehorsam.
Kurz um, die Fantasie eingepfercht in die Grenzen des Zeltes, das mir nicht schneeweiß genug war, unter einer Kuppel dargebrachte Kunststücke – eben Stücke – und die Freiheit versteckte sich.
LG von Bruni
Noch heute brauche ich dieses Theater nicht.
Du hast
arsfendi // Juli 12, 2009 um 13:25
Schön Dich wieder hier zu lesen, liebe Bruni.
Da empfinde ich ja genauso wie Du.
Die wenigen Male, die ich als Kind im Zirkus war, habe ich in diesem Zelt einfach keine Luft mehr bekommen. Mir war es zu eng und zu stickig und ich hatte das Gefühl, jedes einzelne Tier schaut mich einfach nur traurig und resignierend an.
Enge macht mir eh Angst.
Ganz besonders liebe Grüße an Dich.
Sabine
Dave // Juli 12, 2009 um 14:07
Ich wünsche dir immer wieder diese Momente der Grenzenlosigkeit, die in der Unendlichkeit nicht enden.
Das Bild vor dem Text ist dir gut gelungen. Es spiegelt die Stimmung des Textes großartig wieder.
Aus der Ferne liebe Grüße.
D.