Das Foto

Schwarz-Weiß
Vielleicht ist es gut mir vor Augen zu führen, dass wenn
er geblieben wäre, er zu etwas Alltäglichem geworden
wäre.
Sein Fortgehen macht es aber, dass er anwesend bleibt,
als etwas Besonderes.


Ein wenig schon zerknittert ist die Photographie, die ich in meinen
Händen halte.
Ein kleines Schwarz-Weiß-Bild von Dir.
So oft halte ich es im Moment, auch wenn ich es gar nicht brauche,
um Dich vor mir zu sehen.
Es zeigt Dich genauso, wie ich Dich auch fest in mir abgespeichert
habe.
Trotzdem ist gerade dieses Foto so wichtig für mich.
Es ist etwas Reales, was ich in den Händen halte. Und es zeigt
Dich genauso wie Du Dich mir immer gezeigt hast.
Sehr dunkel und undurchsichtig dennoch ohne Weichzeichner.
Dein Blick ist abgewendet, so als wenn Du mir auch bildlich zeigen
wolltest, dass Du gar nicht in mich hinein schauen möchtest.
Er geht fast starr in eine andere Richtung und keinerlei Regung ist
in Deinem Gesicht zu sehen.
Sehr viel Härte signalisiert Dein Blick und vor allem Deine ganze
Unnahbarkeit.
Es waren nur sehr wenige Momente, in denen Du Dich öffnetest
und leichte Spuren von Gefühl zeigen konntest und vielleicht auch
wolltest.
Ja, da war sogar etwas von Nähe zu spüren und Gemeinsamkeit.
Zumindest aber bekam ich dadurch zuweilen auch das Gefühl
etwas bewirken zu können.
Und alles bekam einen Sinn wenn vielleicht auch nur für mich.
Oder ich redete ihn mir ein, um vor mir selbst weiter bestehen zu
können.
Dein Rücken ist durchgedrückt auf diesem Bild und die Schultern
sehr gerade. So als wenn Du auch noch dadurch Deine ganze
Macht beweisen willst.
Oder eher Deine ganze Größe.
Ja, mächtig erschienst Du mir immer. Ich kam mir klein neben Dir
vor. Nicht, dass Du mich klein gemacht hast, eher gabst Du mir die
Möglichkeit zu Dir aufzuschauen. Und das war mehr als gut.
Ich konnte lernen und von Deinem Wissen profitieren.
Nein, Du selbst hast mich nicht klein gemacht, ich war es neben
Dir.
Ich habe alles aufgesogen, was Du mir gegeben hast und bin mit
der Zeit dadurch gewachsen.
Vollkommen gerade ist auch Dein Weg, von dem Du Dich auch
von niemanden abbringen lässt.
Nicht einmal von Deinen eigenen Gefühlen. Egal wer daran zerrt,
Du gehst ihn unbeirrbar weiter.
Auf der einen Seite eigentlich bewundernswert, aber so in dieser
Weise für mich nicht erstrebenswert oder möglich.
Mir erschien es zu sehr von der Ratio gelenkt. Es fehlte jede Impulsivität.
So, als wenn man stets sein Ziel mit aller Macht verfolgt
und seine eigenen Regieanweisungen stets sich auf einer Wegwei-
sekarte vor Augen hält.
Für Dich ist Dein Weg richtig, und ich habe das akzeptiert. Deswegen
habe ich auch nie an Dir gezerrt, eher bin ich ein kurzes Stück
neben Dir gegangen. Solange, wie es für uns beide gut war.
Auch so konnte ich Dir zeigen, dass es nicht nur Schwarz Weiß
gibt, sondern noch sehr viele Farbabstufungen dazwischen.
Vielleicht war es das, was Dich insbesondere an mir gereizt hat.
Dieses Dir vollkommen unbekannte Handeln einer Intuition folgend.
Nicht fragend was wird oder warum man wie handelt. Kein
Risiko vorher durch die Ratio zerlegend, um es zu minimieren.
Ja, ich denke genau in diesem Punkt war ich Dir sogar überlegen.
Zumindest erschien es mir, dass es Dich nachdenklich gemacht
hat.
Dein Blick auf dem Bild ist abgewendet. Ich erinnere mich, dass
Du gerne hinter mir gestanden hast.
Auch wenn Du geredet hast.
Aber alleine Deine Stimme hat schon viel bewirkt. Sie verlor in
keiner Situation ihre Sequenz.
Schon alleine dies zeugte immer von Deiner ganzen Sicherheit.
Viel geredet hast Du nie. Nur manches mal geantwortet, wenn ich
Fragen gestellt habe.
Und das auch eher ungern. Du wolltest nie zuviel von Dir preisgeben.
Und selbst das war ok. Ich selbst habe es auch nie als böse
Absicht betrachtet.
Eher mir vor Augen geführt, dass manche Dinge zum einen auch
zerredet werden können und zum anderen, dass vieles einfach zu
unwichtig für Dich war.
Deswegen kam auch nie eine Frage von Dir. Und ich habe ge-
schwiegen, zu allem was mich betraf.
Vieles habe ich Dir nie gesagt.
Und jetzt wo ich nach unserer Zeit Dein Foto betrachte, weiß ich,
dass es zu jeder Zeit richtig war, und dass es auch im Nachhinein
nichts mehr zu sagen gibt.
Das was uns möglich war, haben wir uns gegeben, ohne viel Worte
darum zu machen.
Deswegen brauche ich auch diese kleine Schwarz-Weiß-Photographie
nicht, um Dich mit meinen Gefühlen in guter Erinnerung zu
behalten.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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