Das Bild des Adlers

 Hätten wir ein Schiff könnten wir auf unsre Füße runterschauen
hat er gesagt
weil ein Schiff ist immer ganz oben
darauf gibts keine Gesetze
ich würde immer nur deinen Rücken entlang fahren
darauf gibts keine Antwort
Sie hat nur zugehört und sichs gemerkt
es gibt Dinge im Leben die kann man beschreiben
aber nicht beschriften hat er gesagt
und die Welt auf ihren Rücken mit gestelzten Fingern
gezeichnet
dabei den Atlantik mit dem Pazi.k vertauscht
So konnte er fliehen ohne Spuren zu hinterlassen
und so trägt sie ihm nichts nach
Trägt nach ihm nur das Gesicht eines Kindes
das nachts aufwacht kein Fenster
findet und sich wundert
dass es auch regnet wenns dunkel ist
[hindringer]

Erinnerungen
Manches wirkt noch stärker in seiner Abwesenheit als in
seiner Anwesenheit.
Solange ich zurückdenken kann, waren wir immer Fünf.
Fünf Menschen, die durch das unsichtbare Band der Freundschaft
untrennbar einander zugetan waren, .
Verbunden selbst in der Distanz, die sich an Weggabelungen ergab,
die aber eher das Band noch stärkte.
Damals, als wir nacheinander unseren gemeinsamen Weg verließen,
nahm jeder ein Bündel von Erinnerungen mit, nicht müde
werdend, es zu tragen.
Wenn ich an Marie denke, sehe ich eine dunkelhaarige starke Frau
mit blauen Augen vor mir.
Augen, die von einem dunklen Wimpernkranz umrandet, jeden
Blick auf sich zogen und jede innere Stimmung nach außen trugen.
Marie war eine Träumerin, die stets von einem Hauch Melancholie
umgeben war.
Sie wirkte auf jeden, der sie nicht kannte eher zerbrechlich, so wie
ein Kartenhaus, das jeden Augenblick einzubrechen drohte.
Dennoch war sie willensstark, wie jemand nur sein kann, der von
sich selbst überzeugt jedes Ziel erreicht.
Von uns beiden war Marie immer die Besonnenere.
Dort wo ich meiner Intuition eher impulsiv folgte, stellte sie sich
selbst erst Fragen.
Und dennoch gaben wir beide uns die Gewissheit der gegenseiti-
gen Akzeptanz.
Marie malte schon als Kind.
Jedes einzelne ihrer Bilder stand als Kunstwerk für sich, das zum
Ausdruck brachte, was sie fühlte.
Farben gaben Stimmungen wieder.
Zarte Pastelltöne zeigten Momente ihrer Verletzbarkeit, während
sich Glückszeiten in Rot/Orange gemischt mit Blautönen spiegelten.
Eher dunkel und damit Traurigkeit ausdrückend, wirkten die Bilder
in so mancher Darkgrey-Phase.
Man spürte die Inspiration der Wirklichkeit, die nur Marie derart
wiedergeben konnte und dies auch zuließ.
Für mich war es immer eine ihrer größten Stärken, die sich darin
zeigte, dass Marie immer zuließ, ohne einen anderen jemals dafür
in die Verantwortung zu ziehen.
Sie gab für sich selbst.
Ich weiß nicht, ob ich sie wirklich immer richtig verstanden habe,
was im Grunde genommen auch keine Rolle spielte.
Denn einzig was zählte, war dass es Marie gut dabei ging, in allem
was sie tat und fühlte.
Dafür war kein Verstehen notwendig, sondern einzig Akzeptanz.
Im Sommer lernte Marie irgendwann Nik kennen.
Es schien von Anfang an eine unermesslich große Inspiration von
ihm auszugehen.
Jedes ihrer Bilder wirkte zu dieser Zeit auf eine Art geheimnisvoll,
eine phantasievolle Macht ausströmend, mit der Dramaturgie einer
mystischen Welt.
Man spürte förmlich, wie tief beide in diese Welt mit innerer Verbundenheit
einzutauchen vermochten.
Marie malte mit kraftvollem Pinselstrich in dunklen Tönen. Überwiegend
Schwarz von einem kräftigen Rot durchzogen.
Ein Rot, das der heißen Glut eines Höllenfeuers gleichkommend,
jeden meiner Blicke fesselnd anzog.
Man konnte spüren, dass Marie selbst derart fasziniert in diese nur
für sie sichtbare Welt eintauchte und lebte.
In ihren Bildern lebte Nik als Adler, der mit großen starken
Schwingen selbst die Glut entfachte um darin mit ihr gemeinsam
einzutauchen.
Es ging eine ungeheure Macht und Stärke von diesem gemalten
König der Lüfte aus, aber auch Verlässlichkeit und Schutz unter
seinen breiten Schwingen.
Ganz bewusst wählte Marie diesen freiheitsliebenden Vogel, wohl
wissend, dass ihrer eigenen Hingabe keine Grenzen gesetzt waren.
Ich denke Maries große Aufgabe und Herausforderung des Lebens
drehte sich immer um die Frage, wer sie wirklich war, warum sie
existierte und warum sie einzig und alleine sie selbst war.
Und Nik hatte die Macht ihr die Antworten zu offenbaren.
Er schwebte dort oben als Adler über ihr, immer ein wenig von
Nebel umwoben.
Immer umgaben ein paar Geheimnisse diesen Mann, deren Auflösung
Marie niemals anstrebte.
Sie akzeptierte die Dinge so wie sie waren.
Sie allein wusste, dass es immer einen unerschlossenen Teil von
ihm geben würde, von dem aber nicht weniger Faszination ausging.
In ihren Bildern konnte man erkennen, dass Nik es vermochte,
sie in unentdeckte Gebiete zu entführen, unter dem Schutz seiner
kraftvollen Schwingen. Mit ihm stieg sie in unbekannte Höhen um
diese im Rausch zu genießen. Sie gab sich dem hin, um in verlockende
Welten zu schauen, die im Nebel verborgen liegen, und
dennoch magische Schlösser mit zahlreichen Schätzen bergen, die
für jedes andere Augen unentdeckt blieben.
Gerade zu jener Zeit waren Maries Bilder von einer Ausdrucksstärke
geprägt, die vielleicht so manch anderer in der Realität nicht zu
erleben vermag.
Mit Nik konnte sie in eine Tiefe der Magie eintauchen, die nur
mystisch den beiden gegeben war.
Ich glaube Nik und sie konnten zu einem Wesen verschmelzen,
welches in die Tiefe des anderen eindrang um zu Höherem zu
streben. Irgendwann war Nik nicht mehr da. Worte waren da nicht
von Bedeutung.
Marie ging einfach weiter, nur ihr Bündel wog etwas schwerer,
und es schien, als wenn auf ihrem weiteren Weg sie etwas Geheimnisvolles
begleitete.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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