Heuer

Ist es nicht eigentlich verflucht leicht, sich für einen großen Menschen zu halten, wenn man nicht mit der leisesten Ahnung belastet ist, dass ein Rembrandt, ein Beethoven, ein Dante, ein Napoleon je gelebt haben? Dieser Bursche weiß in seinem vermauerten Gehirn nur das eine, daß er seit Monaten nicht eine einzige Schachpartie verloren hat, und da er eben nicht ahnt, daß es außer Schach und Geld noch andere Werte auf unserer Erde gibt, hat er allen Grund, von sich begeistert zu sein.[zweig]

Sie möchten meine Geschichte hören? Nur zu, ich bin heute in der Stimmung, wo Worte es wagen über Lippen zu fliegen ohne zu berühren, schon gar nicht innerlich.
Schenken Sie ein, Trugbilder leben so leichter, vor allem in der Nacht, wenn man überlegt, wie viele Stunden sie hat, wenn sie zum Tag gemacht wird.

Der Zeiger der Uhr läuft Marathon im Licht des Mondes, quälend und im Schweiße seines Angesichts.
Damals, das waren noch Zeiten, dort auf den glutroten Meeren fern jeglicher Existenz.
Jeder Orkan war willkommen, das Schiff eine stolze Galeere aus goldenen Absichten gebaut und stets gelenkt vom freiwilligen Gefühl in Übermacht. Überschwenglich dem Möglichen trotzend und genießend das Unmögliche zum Möglichen zu führen.

Der Orbit war ein anderer, und der Vollmond lenkte in rauschende Gewässer, den Gezeiten trotzend und dennoch belanglos.
Der Beifall war frenetisch, als das stolze Schiff in See stach, nur der Steuermann argwöhnte dem Lug. Denn keine Möwe begleitete die Jungfernfahrt und nur eine einzelne Ratte schaute gewitzt aus einem Spinn um dann ekelerregt den Schwanz einzuziehen um zu fliehen.
Es war glaube ich, als der Mond zur Sichel gebar, als der erste Sturm sich auf das Schlachtmeer gesellte. Orkan, Windstärke 9 und ich wusste nicht wie mir geschah.
Ich stand an der Reling und das letzte was ich hörte war der Gesang der Sirenen, die hohnvoll lockten mit gar lieblicher Stimme und aufreizendem Anblick, der jedes Blut in Wallung brachte. Süßsäuselnd als Verlockung bereit das Schiff zu entern um die begehrte Trophäe zu erhalten um so jegliches Defizitäre für sich selbst unspürbar zu machen.

Als ich aus der schwarzen Ohnmacht erwachte, trieb ich treibholzgleich auf einem schwarzen Meer aus Vogeldung und anderen Exkrementen und fraß meine Träume und trank meinen Sinn, verlor mich um mich selbstschaffend neu zu finden. Taub, stumm und blind wartete ich gelassen auf jede neue Woge. Hinter mir das sinkende Schiff, wo nur noch der augenlose Leichtmatrose im Krähennest Ausschau hielt, wo er später einer Fata Morgana erlag und laut „Land in Sicht“ flüsterte und zärtliche Elfen ihn seiner Lügen strafend in die Kloake warfen.

In der dritten Nacht, hörte ich die Kojoten heulen und sah wie die Sonne starb.
Vor meinen blinden Augen wurde ein stimmloser Mann für sinnloses Sprechen gefoltert, um ihn spöttelnd den schon wartenden Geiern zum Fraß vorzuwerfen.
Das Meer tat sich vor mir auf und verschluckte alles, was ihm mehr als Übelkeit verursachte.
Deswegen spukte es mich wieder aus um nach neuen goldenen Absichten zu suchen, die des Sinns würdig sind.
Doch da hatte ich schon längst vergessen, dass ich Eva war, als Schlange verkleidet um Adam den vergifteten Apfel zu reichen, den er niemals aß.

Stattdessen gebar aus meiner Hülle eine Katze mit 7 Leben und die Regentin der schönen Worte war schon bereit um sich im Elfenbeinturm zu duellieren. Ich schenkte ihr 6 Leben ohne Worte und ging.
Das letzte woran ich mich dann noch erinnern kann, ist dass ich laufe. Ich laufe ohne Unterlass, verleugne meine Gedanken und lasse sie im Nichts vergehen.

So geneigter Zuhörer, jetzt kennen sie in etwa meine Geschichte. Sehen sie mir nach, dass ich noch ein wenig außer Atem bin. Aber schenken sie ruhig noch mal ein, die Schlange hat den Apfel längst selbst verspeist und ich lebe mein letztes Leben in aller Leichtigkeit des Seins.
 

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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