Schneeschmelze

Tango der Natur
Denn Sublimierung heißt: dass man das, worauf man verzichten muss, gänzlich vergisst und es daraufhin aufgewertet zurückhält.
[Niklas Luhmann]

Als sie nach draußen blickte fiel das weiße Nass tänzelnd vom Himmel. Sauber und rein stand es in jedem Kontrast mit dem was vorher war und hinterher sein würde.
Sie trug Schwarz, so wie immer und dennoch war es niemals ehrlicher gemeint als heute.
Weiß war niemals ihre Farbe aber das war der Schnee von gestern.

Begin and end von Theatre of Tragedy spielte in der Endlosschleife und genauso tanzte sie gemeinsam mit ihm side to side zu unterschiedlichen Tönen disharmonischer Musik.
Damals war selbst der Schnee etwas grauer und blieb hartnäckig am Boden kleben, wo er seinen Platz fand dem anderen ein Bein zu stellen.
Genauso blieben sie beide miteinander verbunden im engmaschigen Netz jeder eine andere Sprache sprechend, die der andere niemals verstand.
Emotionen probten den Aufstand im Kampf gegen sich selbst und immer wieder streichelte sein Atem ihre Haut und Schweißperlen vermischten sich und wurden eins.
Und der Schnee da draußen tanzte schneller als würde er seine Kraft ballen im Ansturm gegen eine unsichtbare Wand.
Und es häufte sich auf ein Gewulst aus schmutzigem Schlamm, der alles niederwalzte was sich anmutete ihm den Weg zu versperren und nahm es mit um darin vernichtet zu werden. Eine Lawine wie einem Transformator gleich von unsichtbaren Mächten bedient, die nichts aufhalten konnte.
Mit der Zeit wurde es kälter und der Schnee wurde zu Eis.
Aber noch hielten sie das Feuer in der Hand um nicht selbst zu erfrieren weil das Gefühl seine eigene Taktfolge hatte und zum Stakkato anwuchs im Kampf gegen die andere Macht.
Und aus dem Schnee da draußen erwuchs eine weiße Wand, hart und unbarmherzig aber im Gestern und dennoch blieb nichts wie es mal war.

Irgendwann verloren sie ihre eigene Symmetrie und nur das Eiskristall behielt seine einzigartige Form in fraktaler Geometrie.
Zu dieser Zeit schmeckte jeder Kuss nur noch salzig und es schien als würde der Schnee sich rot färben in kalten Höhen um als Blutschnee die Erde zu stigmatisieren.

Emotional gleichsetzend war der Tango den sie tanzten zum Ende hin im gleichen Takt.
Und jede einzelne Schneeflocke tanzte mit, rebellisch und leidenschaftlich, melancholisch und frei.
In diesem letzten Tanz liebten sie sich in der Kommunikation ohne Worte mit Respekt und emotionaler Offenheit in der gegenseitigen Begegnung von der Distanz her näher als jemals zuvor. Sie führten sich gegenseitig in höhere Dimensionen als eine Einheit in Zeit und Raum.
Zum letzten Mal gaben sie sich der schonungslosen Ehrlichkeit hin und nur im Tanz berührten sie sich kaum, weil es im Respekt der gegenseitigen Hingabe nicht nötig war.
Fast zärtlich mutete das Gefühl sich an, tanzten sie doch ihre eigenen traurigen Gedanken so wie Discépolo es umschrieb, schwermütig in stolzen Posen sinnlich mit leidenschaftlichem Blick aufeinandergerichtet und dennoch sich abwendend den kalten Hauch des Todes im Nacken bereits spürend.

Trotzdem stand die Zeit einen Augenblick still, die Vergangenheit fixierend und ins Unendliche gedehnt.
Nur in diesem einen Tanz vereinten sich ihre ganze Leidenschaft und ihr Begehren aber auch allen Gegensätzen zum Trotz ihre Melancholie und Wut.
Es war wie das Duell zweier so unterschiedlicher Willen im Kontrast von Beherrschung und Unterwerfung aber auch Ausdruck von Einsamkeit und Sehnsucht nach etwas, was sich der Unmöglichkeit ergab in Worte gefasst werden zu können.

Zur Zeit der Schneeschmelze erstarb die Musik als die Sublimierung zum Tragen kam.
Sie gingen beide noch die letzte Berührung auf der Haut spürend und den letzten Akkord einer Melodie im Ohr, die irgendwann in Vergessenheit geriet.

Als sie nach draußen blickte tanzten die Schneekristalle ihren eigenen Tanz von der Erinnerung beflügelt und das Drumherum erhellend. Dahinter war der Himmel, und die Erde wartete darauf von dem weißen Teppich gewärmt zu werden.
Und dennoch blieb nichts liegen, denn die Natur hatte ihre eigenen Gesetze und so rannen nur Wassertropfen am Fenster entlang und wogen viel schwerer als jegliches Kristall.

Dahinter wurde der Himmel heller und die Töne in der Endlosschleife drehten sich um, um rückwärts zu erklingen, sich der Wärme ergebend, die sie selbst aus ihren Gedanken ausstrahlte und sich auf alles legte.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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Eine Antwort zu Schneeschmelze

  1. elsaher schreibt:

    ok

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