ich & ich

Würdest Du etwas vermissen?
Ein Leben geben für ein Gefühl?
Kennst Du dieses Sehnen?
Geben und nicht Nehmen?
Bis zum Mond und wieder zurück.
Kämpfen für das Wir
und bleiben im Ich.
Halten und doch so frei.
Stark in aller Schwäche.
Keine Fassade.
Ich zeig Dir meine Wahrheit
und damit meine Welt
nur für einen Augenblick.
Alles hängt am seidenen Faden.
Umarme mich
und meinen Kopf in Deinem Schoß.


„Komm ich zeig Dir meine Welt“, sagte er damals zu mir als er so plötzlich und unerwartet vor mir stand. Er kam aus dem Nichts und irgendwie war ich nicht so vorbereitet auf diesen Mann, der zwar leise sprach aber eher wie ein Orkan daher wehte.
Er war groß und ich musste zu ihm aufblicken ob ich wollte oder nicht. Sein schwarzes Haar trug er kurzgeschoren, was meinen Blick ins Gesicht zog, welches gelebt sich mir zeigte. Ein paar Narben durchbrachen die Ebenheit, dennoch waren es die Augen, die bestachen.
Grün war nie meine Farbe, weder an mir noch um mich herum, aber sein Grün kam aus der Tiefe, wie der Strudelsog in einem Bergsee, dem man sich nicht entziehen konnte.
Seine Kleidung war schwarz, und nie sah ich etwas anderes als dieses tiefgründige Schwarz ohne farbliche Abgrenzung oder Aufhellung. Nur das Grün seiner Augen gab den einzig vorhandenen Kontrast.
Ich weiß nicht, wie lange er mich vielleicht schon beobachtet hatte. Ich war selbst in meinen Gedanken vertieft, weil ich mittlerweile all diese vielen Abschiede nicht mehr wollte, wusste ich doch, dass die Abstände sich vergrößerten, im gleichen Verhältnis wie diese innere Unruhe, die sich immer wieder neu breit machte.
Immer wieder dann, wenn ich mich an dieses Land gewöhnt hatte, an diese flirrende Hitze an eine andere Mentalität und überhaupt ein anderes Leben, trieb es mich wieder fort, weil es sowohl ein Hier als auch ein Dort gab, was ich nicht missen wollte.
Nur die Strecke von Conil, meiner 2. Heimat zum Flughafen, wollte nicht mehr so gerne gefahren werden.
Wahrscheinlich fuhr ich deswegen immer später los um schneller fahren zu müssen, ohne jeglichen Blick nach links oder rechts und zurück schon gar nicht.

„Komm ich zeig Dir meine Welt“, ich glaube das waren damals seine ersten Worte, nach diesem endlos langen Blick aus grünen Augen.
Der Flughafen Jerez war übervoll mit Menschen, die nur aus der Distanz betrachtet an mir vorbei rauschten, ohne dass ich sie wahrnahm.
Vielleicht hätte ich es wissen müssen, dass es immer Menschen gibt, die fixierend aus der Menge herausstechen, ohne dass sie laut und gestikulierend auf sich aufmerksam machen.
Er wirkte eher mit der Stille und Wortlosigkeit, die ihn umgab, und wahrscheinlich zog mich genau das an, gnadenlos und ohne Bedenken.
Es war ein Rausch, psychedelisch wirkend, genau wie diese Welt, die er mir für einen Augenblick nur zeigte.
Es war nicht diese Farbengewalt, die ich sonst so liebte, da jegliches Schwarz alles überzog, wie eine undurchsichtige Wand, die man nur ertasten konnte.
Und dennoch wehte dort ein kräftiger Wind, der die Frische brachte, wie in Conil wenn er durch die Orangenhaine landeinwärts zog, und man immer das Gefühl hatte, dass silbrige Fäden durch die Luft flirrten.
Viele Worte verließen auch danach nie seine Lippen, nur seine Augen sprachen Romane, die er mir in den Nächten zuflüsterte und ich wie Hieroglyphen entschlüsseln musste, und die dennoch wie Honig auf der Haut sich niederlegten.
Fasziniert tauchte ich für ein paar Momente in diese fremde Welt ein, Momente die nur für die Sinne und den Genuss gedacht waren in dem Begehren des Füreinander.
Berauscht voneinander sogen wir alles gegenseitig auf was wir gaben und nahmen das mit.

Es reichte für die Zeit danach, da wo die Vergangenheit beginnt, die immer jedem dieser Momente folgt.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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