Szeneria

storysabineeis.jpg 

Komm her ich erzähl Dir was, du hast es verdient, zumindest mein Mitgefühl.

Mitgefühl, eines der Güter, die man
zu verschenken vermag.
Heute an dich, du armes Herz,
wo dein vielleicht mal ansehnliches Gesicht
schon längst zur Fratze mutiert,
weil das hässliche Innere
sich einen Weg suchend,
nach außen drang.
Von Neid zerfressen
mit der Gier nach Mehr.
Nie zufrieden mit dem was du hast
in jedem den Konkurrenten sehend
weil Glück dir nie vergönnt.
Verkauft den Körper
mit starrem Blick, bettelnd nach
die Seele streichelndem
Applaus.
Und am Ende wird nichts bleiben
außer die Ignoranz,
die dich verfolgt
bereits prasselnd auf dein zerfetztes
Haupt als Aschenregen.
Mein Mitgefühl für nie erreichtes
Glück, welches doch oft so nah
wenn man es nur zu sehen
vermag.
Trotzdem lacht man auch
zuweilen
über die Erbärmlichkeit der
Kreatur.

Es war damals in einer sturmgebeutelten Nacht, das Quecksilber fiel unter Null und die Präriewölfe heulten mit eingezogenem Schwanz um die Wette.
Nebel umzog das Schlagseite aufweisende Schiff auf dem nur noch eine winzige Kerze am Bug aufgestellt ein wenig Licht spendete.
Möwen kicherten und keiften vom Kommandoturm unterbrochen vom dumpfen Mahlen der Maschinen.
Der Mond leuchtete schmal als Sichel und dunkle Wolken verbargen
den letzten Stern, der auch nicht mehr das war was er mal versprach.
Die schwere See stampfte vor sich her, weiß auf schwarz mit beißender Gischt.
Die dunkel gekleidete Bordkapelle spielte schwungvoll zum Tanz und die Ratten summten leise ein Humpatätärätä mit.
Die Ladung war bereits angefault, das Logbuch vergilbt und alle Luken standen weit offen, fast wie nach einer überhasteten Flucht ins eiskalte Meer.
Sogar die Lenzpumpen leckten und alle Schotten waren blockiert. Feuchtigkeit durchdrang das Gebälk und die mannshohen Wellen ließen den Laderaum bereits vermodern.
Ein paar verirrte Fische zeigten sich verwirrt darin und suchten vergeblich
nach dem Ausgang.
Elmsfeuer flammten hoch am Segelmast, doch keiner an Bord vermochte die Zeichen zu deuten.
Hinter vorgehaltener Hand flüsterte man, dass der Kapitän längst verendet den Geiern zum Fraß vorgeworfen war, der Steuermann lügt und der Maschinist in Alpträume versunken schien.
Die Mannschaft bestand eh nur aus meineidigen Halunken und der
Funker war zu feige ein SOS zu funken, hätte es auch die Rettung versprochen.
Von da ab führte der Klabautermann das Narrenschiff immer volle Fahrt voraus mit Kurs aufs Riff. Egal, er hatte Wachs in den Ohren und die Sirenen sangen vergeblich ein liebliches Lied, welches dem Sturm nur so trotzte in aller Höhe der Ton.
Ganz in der Ferne am Horizont Wetterleuchten als Zeichen der Zeit.
Niedertracht, Raffsucht und Eitelkeit vereint unter dem Deckmantel
des Gutmenschentums.
Auf der Brücke tanzten Tölpel und Einfallspinsel den sanften Blues die Polka folgend.
Im trüben Gewässer fischte der scharfgezahnte Hai um anschließend
seinen Fang ins Trockene zu bringen, ans Land welches vom Fegefeuer bereits in Schutt und Asche niedergebrannt war.
Die geheime Schatzinsel, die allen bekannt war, hatte er längst aus den Augen verloren.
Dort warteten Geldwäscher und Zuhälter Arm in Arm um im Neonschein
der armen Katze ein wenig Milch zu geben, da sie dem Verhungern schon nah war und jammervoll miaute.
Man hat sich glattgemacht und man hat sich arrangiert.
All die hohen Ideale waren längst havariert, und der große Rebell, der nicht müde wurde zu Streiten, mutierte zu einem servilen und giftigen Gnom und singt lammfromm vor dem alten Mann in Rom seine Lieder.
Fürwahr! Es ändern sich die Zeiten.
Dann frage ich mich, wo sind sie hin, all die jungen Wilden von einst, die heute nur noch gekauft, narkotisiert und flügellahm fristen,
Samtpfötchen eingetauscht für die einst so sanften Klauen.

Dann sehe ich dieses Schiff vor mir, und gestehe mir ein, dass ich doch immer wieder versucht habe vorauszusehen, wie der ein oder andere womöglich handeln könnte um gewappnet zu sein. Aber jedes Mal, wenn ich schon glaubte zu verstehen, erschien es mir als sähe ich alles zum ersten Mal.
Mit jeder Lektion sah ich mein Ziel entschwinden und heute weiß ich weniger als jemals zuvor.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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Eine Antwort zu Szeneria

  1. Moncho schreibt:

    Die Ladung war bereits angefault, das Logbuch vergilbt und alle Luken standen weit offen, fast wie nach einer überhasteten Flucht ins eiskalte Meer.
    Schoen.

    Sowieso, toller Text, echt geil.

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