WegGabelung

Wege entstehen beim Gehen.
Manchmal kreuzen sich Wege, laufen ein Stück nebeneinander um dann sich an einer Gabelung wieder zu trennen.
Schön ist es, wenn man keinen Weg bereut.
Es war kühl. Ein frischer Abendwind zog vom Meer her auf.
Wie lange saßen wir jetzt hier schon und ließen unseren Gedanken freien Lauf.
Es war schön Dich hier neben mir zu wissen, auch wenn ich wusste, dass morgen alles anders sein würde.
Wege kreuzen sich, vielleicht führen sie auch einige Zeit in die gleiche Richtung aber genau so gut können sie sich auch wieder voneinander wieder entfernen.
Wichtig war, wir hatten unseren eigenen nie verlassen, sind immer gerade weitergegangen, haben uns gegenseitig ein wenig begleitet, vielleicht auch manchmal gezogen.
Nichts erzwungen, ab und zu mal angehalten um zu sehen wo der andere gerade stand. Es war eine wärmende Zeit, voller Innigkeit und Nähe.
Hier hatte alles begonnen, und wie schnell doch die Zeit verflogen war. Selbst jetzt gerade hatte das Wasser schon wieder unsere Fußabdrücke im Sand verwischt.
Voller Zärtlichkeit nimmst Du meine Hand und drückst sie fest. Unsere Blicke treffen sich und es ist so wie immer ein Verstehen ohne Worte.
Wie früher so oft lege ich meinen Kopf an Deine Schulter. Nur um noch einmal diese Nähe zu spüren, die vielleicht schon gar nicht mehr real war.
Es war schön Dich hier und jetzt zu spüren. Alles was von Dir ausging war so voller Zuversicht und Stetigkeit.Schweigend sahen wir uns an, und wussten, dass unsere Gedanken jetzt und hier den gleichen Weg in eine gemeinsame Richtung gingen.
Es war nicht wichtig, was morgen sein würde. Auch wenn ich das erst sehr spät begriffen habe, aber Deine Stärke war immer die Geduld.
Wie oft hatte ich vorher Dinge gemacht, im Glauben andere würden sie erwarten, und habe es damit zur selbst aufgezwungenen Pflicht gewandelt.
Geduldig hast Du mir aufgezeigt, dass es eher hemmt, wenn man eigene Denk- und Handlungsweisen als Erwartungen auf andere projiziert.
Du hast nie versucht mich zu ändern, hast mich so akzeptiert wie ich war.
Selbst als du merktest, dass mein Weg nicht gerade der ebenste war, hast Du nicht versucht mich auf einen anderen zu ziehen. Für Dich war immer die Erfahrung wichtig, die jeder für sich alleine machen muss. Meine Finger berühren leicht Deine Wangen und ein wenig Wehmut kam auf.
Da war es wieder, Dein Lächeln, so wie sonst wenn Du mir Mut machen wolltest für einen neuen Versuch um Anlauf zu nehmen, wenn der Weg zu steil wurde.
Ja, Aufgeben gab es nie für Dich und genau das nehme ich mit.
Ich hatte ja gelernt, dass es auch so oft gelingen kann, über sich selbst hinauszuwachsen.
Heute kann mir auch ein Fehler nichts mehr anhaben. Es sind, so wie Du es immer gesehen hast, Erfahrungen, die man machen muss, um das Richtige zu erkennen.
Unsere Weg liefen nur ein kurzes Stück zusammen und in eine Richtung, aber es reichte um etwas zu verlieren. Meine Angst. Angst davor, meine Worte, Gedanken und Handlungen könnten andere verletzen.
Viel zu sehr habe ich mich damit selbst am Weitergehen gehemmt. Ich wollte immer so verstehen und selbst verstanden werden und mir fehlte die Nachsicht diesem Unverständnis zu begegnen.
So wie jetzt gerade habe ich dann immer Schutz und Kraft an Deiner Schulter gesucht, bis irgendwann Dein Glaube an mich mir meine eigene Kraft gezeigt hat.
Heute wage ich es sogar über den eigenen Tellerrand zu schauen und nutze die Erkenntnisse meiner Vergangenheit.
Das ist ein gutes und stärkendes Gefühl, selbst jetzt an dieser Weggabelung, vor der wir gerade gemeinsam stehen. Es macht uns beide zu etwas ganz besonderem.
In den Sinn kommen mir gerade ein paar Worte von Deinem Lieblingsdichter Francis Thompson,

„O unfassbare Welt“.
Die Engel stehen an immer gleicher Stelle
Ganz nah – ihr braucht nur einen Stein zu drehen.
Doch ihr fremdgewordenen Gesichter,
versteht der Erde Herrlichkeit nicht mehr zu sehn.“

Langsam gehen wir Hand in Hand zum Wasser runter.
Nein, wir werden uns nicht fremd werden, auch wenn unsere Wege jetzt Stück für Stück auseinander gehen.
Dafür nehmen wir zuviel mit.
Der Wind weht uns jetzt schon ein wenig stärker ins Gesicht, und das Wasser an den Füßen ist eisigkalt.
Nur um uns herum ist Wärme, die uns wie in einem Kokon einwebt.
Ein ganz winziges Stück gehen wir hier und jetzt noch gemeinsam.
Vier Fußabdrücke im Sand, die aber jetzt schon wieder im gleichen Augenblick vom Wasser verwischt sind.
Alles zu seiner Zeit und alles ist vergänglich…

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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