die Liebe bleibt

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Stumm wie ein Partisan,
sagtes du, sei ich, jetzt
begreife ich
das Bild, erschöpft
sind alle Reserven, alle
Munition verschossen,
kein Rückzugsweg
offen, ich befinde mich
im aufgegebenen
Hinterland des Feindes,
den ich liebe.

(Steffen Mensching)

Sie war wieder an diesen Ort zurückgekehrt, nach so langen Jahren…
Jahre in denen sie das Vergessen suchte. Jahre in denen sie manchmal krank vor Sehnsucht war.

Der Himmel war grau und mit schwarzen Wolken verhangen.
Nichts besonderes für einen Septembertag am Meer.
Die Stille wurde immer wieder durch das Kreischen der Möwen unterbrochen. Diese Schreie überdeckten sogar das Rauschen des Windes und das Tosen des Meeres.
Sie mochte diese schrillen Töne nicht, sie jagten ihr Angst ein und durchzogen ihren Kopf mit Schmerzen.
Als sie das letzte Mal hier war, strahlte die Sonne in einem hellen Gelb und stand so in einem atemberaubenden Kontrast zu dem Blau des Meeres.
Sie tobten darin wie die Kinder um sich dann im Sand der Dünen zu lieben.
Überhaupt waren es die Kontraste, die alles ausmachten, was sie verband.
Er, der Rationale, der stets die Entscheidungen sachlich überdachte, immer die Ruhe in Person, nachdenklich und dennoch extrovertiert mit einem Hauch von Egoismus.
Dagegen stand sie als Träumerin mit Visionen, die aus dem Bauch heraus mehr als impulsiv entschied. Eher introvertiert mit einer Maske, die Empfindlichkeiten überdecken sollte.

Warum war sie hierher gekommen an diesen Ort, der so viele Erinnerungen barg….
Gerade heute an diesem Tag im September.

Damals hatte sie geglaubt einen Platz im Leben gefunden zu haben.
Sie hatte ihn geliebt, mit jeder Faser ihres Herzens.
Es war eine wunderschöne Zeit mit der Garantievorstellung auf Ewigkeit.
Welch eine Illusion, die anders als Visionen eh zum Platzen verurteilt waren.
Alles war so wie in einem Rausch, ein Strudel der Gefühle, der sie in einem Moment verband und im nächsten wieder auseinanderriss.
Sie versuchte noch ihm nachzuschwimmen, aber das Wasser war bereits zu trübe um etwas zu erkennen.
Da waren Holzwände um sie herum, gegen die Wassermassen drückten.
Sie glaubt dem standhalten zu können, aber das Holz fing an zu splittern, aufgeweicht durch die Feuchtigkeit und den ganzen Morast.
Dann war es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Holz auf einmal barst und alles über sie zusammenbrach und fortspülte was nicht festgehalten werden konnte.
Damals sagte er ihr offen ins Gesicht, dass es die andere gab, die er liebte und er gehen müßte, weil nichts mehr blieb.

Es waren Worte, die sie in Fassungslosigkeit zurückließen, wortlos und eher gelähmt.
Jeder ist seines Glückes Schmied.
Verzweifelt war sie damals, weil Abschiede immer ein wenig schal sind und hilflos machen.
Sie fühlte sich wie ein Vogel, dem beide Flügel gestutzt wurden, nicht mehr fähig zu fliegen.
Aber er ging mit einer Ehrlichkeit, die kein Gefühl in ihr erlöschen ließ.
Einer Ehrlichkeit, die Raum ließ für neue Wege.
Aber die erst einmal schmerzte und Zeit brauchte um Wunden zu lecken.

Vielleicht war sie an diesen Ort gekommen auf der Suche nach dem Verlorenen, nach dem Unschätzbarem …
Vielleicht war es einfach die Erinnerung, die sie hier her trieb.
An eine Zeit die so wertvoll war mit einem Menschen, der ihr alles bedeutet hat.
Sie spürte eine verzweifelte tiefe Sehnsucht in sich.
Alles war auf einmal wieder so nah.
Es war diese berauschende Schwere, die den Leidensdruck letztendlich noch einmal erhöhte.
Aber auch ein Druck, der sie spüren ließ, dass sie lebte, dass sie zu allem in der Lage war, zu fühlen, zu lieben und auch zu leiden.

Die Zeit ließ sich nicht zurückdrehen. Sie war unwiderruflich Vergangenheit.
Aber danach stand ihr hier und heute auch nicht der Sinn.
Die Menschen ändern sich und auch ihre Gefühle.
Sie dachte an seine Liebe in der Vergangenheitsform. Genau das ließ sie lächeln auch unter dem Schmerz mit dem Gedanken an den Verlust seiner Liebe.

Sie machte sich nichts vor, sie hatte damals verloren, und auch das hatte seinen Sinn für ihre nächsten Schritte in die Zukunft. Auch wenn er damals der Beginn einer neuen Zeitrechnung war.
Mit ihm war alles ein wenig heller, schöner und leuchtender.
Es war Vergangenheit und jeder war danach frei einen neuen Weg gegangen.

Nun war sie hierher zurückgekommen an den Ort der Erinnerungen.
An diesen kalten, grauen jetzt aber einsamen Ort mit dem Unterfangen die Geister der Vergangenheit wiederzubeleben, nur für sich allein und ein letztes Mal.
Sie spürte wie die kalte und feuchte Luft ihre Kleidung durchdrang und wie ein schweres Etwas auf sie legte.

Ihr wurde bewusst, dass es wichtig für sie war der Vergangenheit hier noch einmal zu begegnen , um ihren Frieden mit sich selbst zu machen.
Es geht so vieles immer wieder verloren, aber die Liebe bleibt.
Die Liebe bleibt als Gefühl für einen Menschen, der einem mal sehr viel bedeutet hat, für einen Menschen, der wertvoll war und immer sein wird, der einem mit Respekt begegnet ist und man genau dies mitnehmen konnte.
Und daran wird sich nichts ändern, auch wenn man die Zeit nicht zurückdrehen kann und man dies ja auch gar nicht möchte.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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3 Antworten zu die Liebe bleibt

  1. Verliebter Junge schreibt:

    Sehr schön und einfühlsam.
    Es ist wichtig, zu den Orten zurückzukehren, an denen diese Erinnerungen liegen. Um sich selber zu verstehen.

  2. paleica schreibt:

    sehr schön. die ‚wolken‘, das gedicht und der text. gefällt ++

  3. arsfendi schreibt:

    ja ich bin von diesen Wolken auch ganz begeistert und freue mich, wenn auch der Text gefällt.

    @verliebterJunge

    Für mich waren und sind Erinnerungen schon immer sehr wichtig.
    Etwas zu behalten, was zum Leben unlöschbar dazugehört ohne etwas davon bereuen zu müssen.
    Ich weiß es nicht, ob es so sehr das Verstehen ist. Vielleicht eher die Möglichkeit des entgültigen Lösens ohne etwas auslöschen zu wollen.

    Lieben Gruß
    ArsFendi

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