Die Katze auf dem heißen Blechdach

Ich liebe diesen Film, auch wenn er vielleicht nicht so ganz im ursprünglichen Sinn des Dramas von Tennessee Williams liegt.

„Das Leben ist kannibalisch. Das eine Ich frisst das andere Ich.
Immer ist jemand dabei, an einem anderen zu nagen, aus Neid, aus Profitgier, aus Angst.
Wissen Sie, die Vorstellung, in einem Zimmer zu schlafen, wo nicht irgendwo eine Flasche steht, finde ich ziemlich schrecklich.
Es könnte ja immerhin sein, dass ich nachts aufwache und einen Schluck brauche.”
(Tennessee Williams, 1974)

Der Kampf von Maggie der Katze um die Liebe ihren Mannes Brigg hat schon was.
Und immer wieder geht es um Wahrheit und Lüge und diese ganze Heuchelei, der man immer wieder begegnet, auch wenn man lieber wegrennen möchte.

„Ich habe dir gesagt, dass ich mich vor der Verlogenheit ekele, aber in Wirklichkeit ekele ich mich vor mir selbst. Deshalb warte ich, dass ich den Knacks in meinem Kopf spüre und ich nicht mehr daran denken muss. Ich schäme mich nämlich, Big Daddy. Deshalb betrinke ich mich, und nur wenn ich betrunken bin, kann ich mich selbst ertragen.“

„Aber was ist morgens, wenn du aufwachst? Dann ist die Wahrheit doch wieder da. Du bedauerst dich nur selbst. Ja, das ist es. Du bemitleidest dich nur selbst. Du hast ja Bobby nicht getötet. Du und Skipper – es gibt so viele, die so leben – nicht erwachsen werden können. Ihr seid ja noch in einer Kinderwelt: Spiele spielen, Tore schießen, nur keine Sorgen, nur keine Verantwortung. Du weißt es noch nicht. Das Leben ist kein Kinderspiel. Du willst immer nur das Abenteuer. Der große Mann sein, siegen. Du bist ein dreißigjähriges Kind. Wenn du 50 bist, bildest du dir ein, Beifall zu hören, wo keiner ist. Ich weiß, wie du dein Leben weiter verbringen wirst: Du wirst weiter träumen und weiter trinken. Aber die wirklichen Helden leben vierundzwanzig Stunden jeden Tag und nicht einmal zwei Stunden in einem Spiel. Verlogenheit, die hasst du doch so sehr, nicht wahr? Du sagst, du kannst nicht mit der Lüge leben. Aber du machst dir was vor. Was ist denn Wahrheit? Doch nur Schweiß und Rechnungen bezahlen und mit einer Frau zusammen sein müssen, die du nicht mehr liebst. Du musst dich damit abfinden, dass Träume nicht Wirklichkeit werden und erst nach deinem Tod wird dein Name in der Zeitung gedruckt sein. Merk dir das, du bist noch nicht richtig erwachsen, mein Junge! Erwachsene legen nur auf bei einem Freund in Not und sie legen auch nicht auf bei ihren Frauen! Das ist die Wahrheit, und du kannst ihr nicht ins Gesicht sehen!“

„Wer kann das? Du vielleicht?“
„Ja, ich kann das.“
„Ja, aber nur die Wahrheit eines anderen.“

„Das ist nicht wahr. Menschen sind dir gleichgültig. Du hast von Cooper und mir verlangt, dass wir Kinder in die Welt setzen sollen. Warum?“

„Weil ich will, dass etwas von mir weiterlebt. Es soll mit dem Tod nicht alles vorbei sein. Mein Vater hat mir einen einzigen, armseligen alten Koffer hinterlassen. Und soll ich dir sagen, was darin gewesen ist? Nur eine zerrissene, alte Uniform aus dem spanisch-amerikanischen Krieg. Das war sein einziges Vermächtnis, also gleich Null. Und dann habe ich diese Plantage aus dem nichts aufgebaut.“

„Ist das alles, was er dir hinterlassen hat?“

„Ja, er war ein Landstreicher. Der bekannteste Vagabund, der die Güterwagen unsicher machte. Manchmal hat er auch als Landarbeiter gearbeitet. Ich war immer bei ihm. Ich saß auf der Erde und wartete, dass er mir was zu Essen bringen würde. Ich kannte nur Hunger. Das selt-same war, ich habe mich für ihn geschämt. Ich war neun Jahre alt, da fuhren wir mit Güterwagen durchs ganze Land. Das ist dir erspart geblieben und vieles andere auch. Du wirst mich nicht einmal so begraben müssen, wie ich ihn. Ich habe ihn auf einer Wiese neben dem Bahn-gleis begraben. Wir rannten einem Güterzug hinterher, als sein Herz versagte. Du wirst es nicht glauben: Er hat gelacht, als er starb.“

„Worüber hat er gelacht?“

„Vermutlich über sich selbst. Ein richtiger Vagabund, nur leere Taschen, kein Geld drin, keine Zukunft, keine Vergangenheit.“

„Vielleicht hat er deswegen gelacht, weil er glücklich gewesen ist, Vater. Glücklich, weil du bei ihm warst. Das machte ihn froh, weil er wusste, dass er gar nicht einsam sein konnte.“

„Ach, ich will nicht darüber sprechen. Ja, ich habe ihn geliebt. Solange ich denken kann, habe ich nichts mehr geliebt als diesen alten Vagabunden.“

„Und du sagst, er hat dir nichts weiteres hinterlassen, als einen schäbigen Koffer mit einer zerrissenen, alten Uniform?“

„Und ein paar Erinnerungen.“

„Und Liebe.“

„Ja, das natürlich auch. Ich habe jetzt keine Angst vor dem sterben mehr. Ich habe den Mut zu sterben. Aber hast du auch den Mut zu leben?“

„Ich weiß es nicht.“

„Wir könnten es versuchen. Wir wollen damit anfangen, dass wir uns gegenseitig die Treppe hinauf helfen.“

„Was stellst du dir eigentlich unter dem Sieg einer Katze auf dem heissen Blechdach vor?“ – „Einfach draufzubleiben, verstehst du? Solange es mir möglich ist.“

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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