Kollinearität

Stumm wie ein Partisan,
sagtes du, sei ich, jetzt
begreife ich
das Bild, erschöpft
sind alle Reserven, alle
Munition verschossen,
kein Rückzugsweg
offen, ich befinde mich
im aufgegebenen
Hinterland des Feindes,
den ich liebe.
(Steffen Mensching)

Verzeihst du mir, vielleicht auch dann wenn ich mir nicht einmal selbst mehr verzeihen kann?
Was für eine Frage, so irrsinnig wie subtil niemals gestellt und dennoch pochte sie in ihren Adern und hämmerte gegen ihre Gehirnwindungen.

Vielleicht gab es niemals so einen Moment der die Frage überhaupt gerechtfertigt hätte.
Vielleicht hätte sie gerne ihm diese Frage auch nur einfach gestellt um der Antwort willen und dennoch gab es ihn nicht oder nicht mehr.
Trotzdem erfasste sie jedes Mal diese Katalysatorwirkung, die sie in endlose Weiten hinauskatapultierte, uneins mit sich selbst und nichts mehr findend, was es zu suchen galt.
Gab es etwas zu verzeihen?
Im Grunde genommen gab es weder hier noch da eine Antwort, weil sich nur mit ungestellten Fragen das Nichts beantworten ließ.
Ihr Fortgehen und der damit verbundenen Wortlosigkeit könnte es einer Frage rechtfertigen, dort wo es nichts mehr zu sagen gab.

Damals ging sie ohne ein Wort, wie so oft sie das Schweigen begleitete, um zu retten, nicht nur sich selbst, sondern vielmehr ihn, insbesondere vor sich selbst.
Es war dieser Müll und Unrat, der sich vor ihr anhäufte und an dem sie selbst langsam aber sicher erstickte, der alles erklären würde aber dennoch sie zum Schweigen verurteilte.
Verstanden hätte er es nicht, weil es nicht von Bedeutung war, zumindest nicht im Wir.
Er fragte nie und so brauchte sie nie zu reden, was den berg noch weiter anwachsen ließ.

Vielleicht gab es ihn wirklich nie, zumindest hämmerte sie es sich selbst immer wieder in ihr Innerstes, um zu vergessen, was so schien.
Denn er würde sich nicht erinnern oder alles vergessen, was es nie gab. Dafür gab es Wichtigeres, welches ihn beherrschte, auch in der Hingabe seines Gefühls.

Gab es etwas zu verzeihen? Vielleicht musste sie es nur für sich selbst tun, genau so wie sie ihr Gehen auch vor sich selbst nur zu rechtfertigen hatte.
Nur für sich selbst etwas zu tun, war wohl das Schwierigste. So unüberwindbar und doch im Grunde genommen so einfach.
Es gab so Vieles was sie ihm gerne gesagt hätte aber dann kam die Zeit wo er nicht mehr hinhörte und die Daten schon gelöscht waren.
Manche wurden einfach überschrieben mit manipulierten Datensätzen, die sich dann in seinem Innersten wie ein Virus breit machten und alles verseuchten, sogar das letzte Nichts was noch blieb.
Sie hätte sich gewünscht, dass er ihr nachgeht, sie sucht auch wenn er sie nicht finden würde.
Aber es hätte zu viel Mühe gekostet, und es hätte ihn womöglich von seinem vorbestimmten Weg abgebracht und so kam es ihm nicht in den Sinn.
Und so blieb sie für ihn nur ein flüchtiges Streifen im Vorübergehen und hätte gerne mehr sein wollen, was nur nie im Rahmen des Möglichen lag, weil es die Schnittmenge nie gab.

Alles war eine Luftblase, die der Wind ins Nichts hinfort trug, um mit ihr eine Zeitlang zu spielen, bevor sie platzte in einer Explosion, die sich in ihrem Kopf festkrallte um nichts zu vergessen.
Nur manchmal vor langer Zeit konnte sie ihn spüren, wie er mit seinen Händen voller Begierde über ihren Körper strich und ihr voller Leidenschaft zuflüsterte, wie sehr er sie begehrte. Da war sein heißer Atem ganz nah bei ihr und sie roch seinen Schweiß der Ekstase.
Nur einmal hielt er sie fest, damit sie nicht gehen konnte und ihm seine Worte leid taten und er sich selbst nicht verstand,

Sie sah ihm in seine Augen und versuchte darin zu erkennen, so wie er es auch hätte tun können, um darin zu lesen, wie in einem Buch, in dem sich die Zeilen beim Lesen öffnen und selbst weiterschreiben.
Was wusste er schon von ihr?
Er kannte vielleicht ihren Namen und wusste dass sie gerne Schokolade aß. Mehr nicht, nicht einmal wie man wärmte, wenn es neben ihm kalt war und sie fror.
Selbst der Kaffee war morgens kalt und der Zigarettenqualm vernebelte schal die Luft.
Und dabei hungerte sie nach etwas, was sie ihm nie verdeutlichen konnte. Und er fragte nicht danach, weil es ein für ihn unbekanntes Land war, welches er gerade mit ihr nicht beschreiten wollte oder auch nicht konnte.
So gab jeder das, was er geben konnte, nur, dass es am Ende nicht reichte, zumindest nicht für sie und für ihn schon gar nicht.
Ohne Nahrung kann man eine zeitlang überleben, noch etwas länger, wenn man die Reserven aus sich selbst zieht. Und so nahm sie seine Leidenschaft und etwas von dieser Zärtlichkeit, die er geben konnte als Ersatz und nährte davon ihr eigenes Gefühl.
Trotzdem wurde ihr Hunger größer und ein Ausharren hätte sie sich selbst nicht mehr verzeihen können.
Und so floh sie vor dieser Kälte und dem Nichts.
Gab es etwas zu verzeihen?
Vielleicht nur das, dass sie im Danach ihn oft um Verzeihung bat, dafür dass sie noch an ihn dachte und nicht vergessen konnte.
Nur sich selbst hätte sie vielleicht eher den Hass verzeihen können, den sie nie empfand.
Er hätte alles leichter gemacht, sogar die Erinnerung in der Vorbereitung auf alles danach.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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