TraumBlitzig

Manchmal kommen nachts die Träume und damit die
Visionen von der Wirklichkeit, ehe der Nebel gnädig
alles verschlingt. Das Donnergrollen war schon in der
Ferne zu hören.
Sie verspürte die Gänsehaut, die dieses Geräusch verursachte
und wusste dass auch dieses Mal die Furcht nichts
aufhalten konnte. Dennoch schloss sie die Augen, um
wenigstens der Grellheit des Blitzes ein wenig entgehen
zu können, auch wenn sie wusste, dass es ein sinnloses
Unterfangen sein würde. Blitze schlugen gnadenlos am
Himmel auf und Spannung musste sich entladen, ohne
Rücksicht auf das ängstliche Gemüt. Regen prasselte
bereits seit Stunden gegen die Fensterscheibe. Sie hatte
längst aufgehört, die Tropfen zu zählen. Die Wassermassen
würden die Luft reinigen, so wie es sein musste.
Und sie taten es ohne Unterlass.Vielleicht war es gut, es
lag oft so viel Schmutz auf allem, was ihr Auge wahrnahm,
und sie wollte nicht mehr. Dabei war es keine
Resignation, vielmehr eiserner Wille, dem jetzt erst recht
zu folgen, um damit den Visionen Ziele folgen zu
lassen.
Da gab es Träume, die es wert waren, sie vor Augen zu
sehen, wie einen Film, der sich aus Momenten zusammensetzte
und von Frequenz zu Frequenz der Wirklichkeit
näher kam, weil die Bilder klarer wurden. Sie waren
durchsetzt von Wünschen, die sich der Zuversicht hingaben
der Erfüllung nahe zu kommen. In den Träumen
wurden sie real und niemand konnte sie nehmen auch
wenn dies ihre Angst war. Trotzdem wusste sie, dass sie
sie für keinen Preis hergeben würde, nicht einmal für
Zins und Zinseszins. Früher hatte sie Angst um ihre
Träume. Angst davor, dass sie derer beraubt werden
könnte. Denn sie waren eins mit ihr, fest verwachsen mit
dem Herzen verbunden. Immer wieder kämpfte jeder
einzelne von ihnen mit Widersachern wie Hass, Neid
und Gier, dann wenn er in die Realität tritt um die
Erfüllung zu suchen. Oftmals war es ein Kampf bis aufs
Blut, und sie wurde stärker je mehr die Realität sich als
Gegner entpuppte. Alles konnte man ihr nehmen, aber
ihre Träume gehörten ihr. Und das machte sie stark. Vor
allem im Bewusstsein des Wertes ihrer Träume, konnte
sie selbst ihre Zuversicht steigern und ihren Gegnern
Paroli bieten.
Heute wusste sie, dass niemand dazu fähig war ihr dieses
Wertvolle zu nehmen, weil allein sie dies in der Hand
hatte. Und Zeit und Erfahrung stärkten. Mit dem
Gedanken an ihre Träume nahm sie ihre Jacke und
schloss die Tür hinter sich. Der Regen würde ihr gut tun
und mit ihm der Wind, der die Gedanken tragen würde.
Sie ging ihm entgegen und wusste, dass er bereits wartete,
ganz real und berührbar. Alles war echt, im Übergang
vom Traum in die Realität. Der Rausch, die Hoffnung,
die Zuneigung, das Gefühl, die Wärme, die Liebe. Da
war kein Platz für Täuschung und Spiel, alles war gewollt
und ehrlich sich selbst gegenüber.
Der Regen schlug ihr ins Gesicht und sie ließ es geschehen
ohne sich zu wehren und zu schützen. Es gebrauchte
keinen Schutz, weil sie sich selbst dem hingab in
ihrem ureigensten Gefühl. Die Sehnsucht trieb sie vorwärts.
Und es war kein Platz für die Angst vor dem
Morgen. Sie wollte einfach bei ihm sein, ihn erleben und
berühren. Ihr Gefühl will es. Ihre Träume haben ihr so
oft den falschen Weg gewiesen, Irrungen vorgegeben
und Ängste mehr geschürt als unterdrückt. Heute weist
das Gefühl die Verschmelzung an und zeigt den Weg,
den sie freiwillig geht, sogar dem Regen trotzend.
Und sie sieht nicht den Blitz, der über ihr die Spannung
entlädt und hört nicht einmal das Grollen des Donners,
welches ohrenbetäubend immer näher zu kommen
droht. Sie kennt ihren Weg, und geht ihn bewusst. Sie
hätte umkehren können wider ihr Gefühl. Aber sie wollte
nicht mehr. Da war so viel Sehnsucht, entfacht durch
das Wissen wie viel er gab und wie sehr es sie glücklich
machte allein seine Nähe zu spüren. Sie begann zu laufen
und jeder Regentropfen traf sie fast wie Nadelstiche
im Gesicht. Sie spürte es nicht oder es war ihr egal.
Denn sie lief ihm entgegen. Nichts war gespielt und
damit der Angst und Unsicherheit kein Platz gegeben.
Sie hinterfragte nicht mehr, weil jedes Wort unter dem
Siegel der Echtheit stand, keine Schmeichelei, einfach
aus einer einzigen Empfindung heraus gesprochen. Alles
trat ins Bewusstsein über, wurde angenommen genauso
wie es gegeben wurde.
Alles ohne Zwang, vielmehr freiwillig auch für sich
selbst. Langsam lässt der Regen nach. Selbst das Donnern
war nur noch leise in der Ferne zu vernehmen. Sie
freute sich auf ihn, auf seine Berührung, sein Lächeln
und seine Nähe, die er auch geben wollte. Alles war so
rein und offen und ehrlich. Dahin wollte sie sich fallenlassen
ganz ohne Netz. Hingabe ohne doppelten Boden,
keine Pflicht und ohne Kompromisse. Es war kein
Traum mehr, aber die Erfüllung eines solchen. Sie hatte
einfach ihre eigene Vision vom Glück und dieser war sie
gefolgt. Es hat aufgehört zu regnen auch wenn es immer
wieder Wolken zu sehen gab. Das ist der Lauf der
Dinge, die es nicht zu ändern gilt. Der Regen nahm vieles
mit, auch die Tränen, die man nicht immer verhindern
kann. Sie vermischen sich mit den Wassertropfen
und werden im riesigen Meer nicht mehr als solche zu
erkennen sein. Sie hat ihre gegeben.
Und irgendwie war so ein Blitz gar nicht so übel, dann
wenn er einen trifft und blitzartig die Spannung im
Inneren entlädt. Es tat gar nicht weh, vielmehr war die
Wärme, die sich im Inneren ausbreitete, ein prickelnd
angenehmes Gefühl, welches zu erhalten, ihr mehr als
erstrebenswert ist und sein wird.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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