Ritt auf dem Vulkan

Marie liebte das Intensive. Vielleicht lag es daran, dass sie selbst immer unbeeinflusst von sich selbst und anderen das zuließ, egal ob es der Trip ganz nach oben oder nach unten in die Hölle war.

Irgendwie konnte sie allem etwas abgewinnen, ganz gleich ob gegenwärtig oder erst rückblickend betrachtet. Sie lebte intensiv die Superlative gebend, um sich selbst daran festhalten zu können.

Ich weiß noch, wie oft ich mir ihr Leben ungläubig betrachtete um dann festzustellen, wie gut sie sich selbst damit tat, einfach nur aus ihrer eigenen Sichtweise heraus.

 

Da gab es Momente, da hatte zuweilen der Tag 24 Stunden. Getrieben von Unruhe war Schlaf zu finden der Unmöglichkeit anheim gegeben.

Ruhelos entstanden Gedankengebilde, die sich verknoteten und als immer größer werdendes Knäuel im Kopf umherwirbelten, dabei gegen Wände schlugen um mit dem hämmernden Schlag wach zu halten.

Manchmal wurde da jeder Raum zu eng, war ohne Fenster und Türen, beängstigend stickig dessen Stille nur durch das durchdringende endlose Tropfen eines Wasserhahns unterbrochen wurde.

Trotzdem durchlebte Marie auch diese Trips in aller Intensität, denn es waren einzig ihre Gedanken, die sie sich selbst gab. Im Ganzen war es nur ein Monolog dem der Dialog im Nichts nicht begegnen kann.

Ich denke eine Flucht daraus hätte sie sich selbst wohl nie verziehen, und pflegte ihre eigene Ruhelosigkeit in Hingabe.

 

Es war wie in einem Flugzeug als Passagier sitzend, dessen zweites Triebwerk sich gerade in sich schwärzender Luft auflöste und der Pilot versuchte beruhigende Worte zu finden.

Im Nichts war nichts zu halten und dennoch hielt ihr Sitznachbar beruhigend ihre Hand im Versuch des mutigen Dialoges. Einmal Flug all inklusive, aber ohne Fallschirm, dafür mit

Ja, sie würde alles noch mal genauso machen, ohne Einschränkung und ohne Abwägen des Für und Wider. Einfach so und ganz bewusst vor allem in der Bedeutung für sich selbst. Vielleicht noch ein wenig intensiver vor allem das Bedeutungsvollste.

Ihr Sitznachbar nickte zustimmend und Marie wusste, dass er nichts verstand.

Alles war freiwillig und sogar das Nichts nicht gefordert. So kannte Marie geben, wissend, dass das Nichts auch oder insbesondere für sie selbst  in seiner Bedeutung alles war und sein wird.

Für mich selbst war genau dieses wahrscheinlich eine ihrer größten Stärken, die sich darin zeigte, dass Marie zuließ ohne einen anderen jemals dafür in die Verantwortung zu ziehen.

Was allein zählte, war der Moment der Hingabe und das sogar im Nachhinein betrachtet.

 

Und dann war da dieser Flug ins Unermessliche. Das andere Extrem wie im Rausch intensivst genießend. Ohne Gedanken an den Ausfall des Triebwerkes und Suche des Fallschirmes.

Als ich Marie dabei zusah, beneidete ich sie ein wenig um diese fast kindliche Freude.

Um sie herum war ein Strudel aus Feuerglut in dem sie sich fallen ließ ohne den Feuerlöscher parat zu haben.

 

Da wurde kein Sicherungsseil aus Fragen geknüpft, um Antworten zu erhalten an denen man sich festhalten konnte, oder für die man sich selbst aus der Verantwortung zog.

Begehren war einfach da um die Sehnsucht anzufüttern mit der Gier nach dem Mehr.

Keine Pflicht, der Tanz auf dem Seil war die Kür.

Keiner führte, eher war es die Verschmelzung im Raum der Zeit im kontinuierlichen Bewegungsfluss ohne Stillstand und Rückwärtsgang.

Kräften die in einander überflossen wurde kein Hindernis in den Weg gelegt und jeder Akkord wurde zur neuen Sucht der man sich selbst hinzugeben gesuchte.

Und die Obsession wird zur Passion.

 

So gesehen lebte Marie alle Ihre Facetten intensiv. Vielleicht erschien sie hin und wieder ein klein wenig verrückt.

Irgendwie aber kam mir alles dann wieder seltsam bekannt vor.

Manchmal gebraucht es eben auch ein paar eisige Winter lang um zu erkennen, dass man doch den unbesiegbaren Sommer in sich selbst trägt.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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