Proteste gegen Emissionshandel

Gestern gingen in Brüssel 11.000 Metaller aus ganz Europa auf die Straße um gegen kostenpflichtige CO2-Zertifikate für die Stahlindustrie zu demonstrieren.
Alleine aus NRW waren es ca 6000 Mitarbeiter, die Einigkeit bewiesen und auch für die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze kämpften.(HKM Duisburg: 25 Busse)

Bisher sind die CO2 Zertifikate für die Eisen- und Stahlindustrie kostenlos. Doch das soll sich nach 2013 ändern. Dann soll auch die Stahlindustrie, die mit zu den Hauptverursachern von CO2-Emissionen gehört, für ihre Zertifikate bezahlen.
Die Folge wird sein, dass im Ausland, sprich in China, Mexiko oder auch Brasilien wesentlich preiswerter produziert werden kann.
Nicht berücksichtigt wird, dass Europa die modernsten Stahlwerke aufweisen kann, aber durch den Emissionshandel gar nicht mehr konkurrenzfähig bleiben kann.
Da sich die benötigte Stahlmenge ja nicht reduzieren läßt, hat dies zur Folge, dass im Nicht-EU-Raum wesentlich mehr produziert werden muss und sich dadurch die ausgestoßene CO2-Menge erhöht.

Bezeichnenderweise ist es geplant, dass von den Einnahmen aus dem Emissionshandel lediglich 20% für den Klimaschutz verwendet werden.
Also bei so einer Milchmädchenrechnung könnte ich persönlich kotzen!!!

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Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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10 Antworten zu Proteste gegen Emissionshandel

  1. weilwirunslieben schreibt:

    Nun, an sich finde ich die Idee erst mal richtig.
    Wer Emissionen verursacht, zahlt.
    Ist in der Praxis natürlich nicht so einfach. Und das EU-Verfahren dazu ist eine Katastrophe. Der Handel mit Emissionsrechten. Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass die ersten Branchen, die einen hohen CO2-Ausstoß produzieren, zur Kasse gebeten wurden. Zum Beispiel die Stromerzeuger. Was hat’s gebracht? Dass der Strompreis gestiegen ist. Weil die Energieversorger, obwohl ihnen die Zertifikate von der Regierung jahrelang geschenkt wurden, die fiktiven Kosten auf der Leipziger Strombörse (so was gibt’s tatsächlich) auf den Strompreis aufgeschlagen haben. So sind nach Berechungen von Experten in den letzten beiden Jahren rund 5 Milliarden € in die Kassen der Stromkonzerne geflossen. Im Grunde genommen geht der Anstieg der Energiepreise auf einen dubiosen Handel mit Energiezertifikaten zurück. Dem Klima hat es dagegen nichts gebracht. Na gut, beim Strom können sowohl Produzenten als auch Konsumenten nicht auf andere Märkte ausweichen, sie sind mehr oder weniger ortsgebunden. Die Situation in der Stahlindustrie ist natürlich eine andere. Und es ist ein Arbeitsplatzabbau größeren Ausmaßes zu befürchten.
    Die für mich logischste Konsequenz aus dem Dilemma wäre, aus dem höchst komplizierten und dubiosen Emissionshandel auszusteigen, alle Emissionspapiere entschädigungslos zu entwerten und sich stattdessen um effektivere Klimaschutzmaßnahmen zu kümmern. Das würde Arbeitsplätze retten und Verbraucher entlasten.

  2. offensichtlich schreibt:

    Der Markt gibt´s, der Markt nimmt´s auch wieder – das ist die freie Marktwirtschaft. Aber ich trage gerne konstruktiv bei: Einen der Arbeitslosen stelle ich dann gerne bei mir ein, wenn er ein paar der nötigen Voraussetzungen mitbringt oder sich entsprechend einlernt.

  3. arsfendi schreibt:

    Genau das ist ja mein Reden.
    Und die Erhöhung der Strompreise haben wir ja nun alle mit bekommen und ab 2009 gehts ja weiter.
    Die Zeche zahlt letztendlich der kleine Mann, so wie beim Strom der Endverbraucher.

    Beim Emissionshandel ist es doch das Gleiche.
    Es ist doch eine Farce was hier alles unter dem Deckmantel des Klimaschutzes betrieben wird.
    Wenn diese EU-Entscheidung durch kommt, stehen insbesondere deutsche Stahlkonzerne vor einer großen Krise.
    Nicht nur die höheren Strompreise verteuern den Stahl, sondern dann auch noch die Mehrkosten für die zu erwerbenden Zertifikate.
    Wenn man es mal richtig bedenkt, die Wettbewerbsfähigkeit ist in Gefahr. Und deutsche Stahlkonzerne bauen doch jetzt schon im Nicht EU Bereich, wie z.B. Thyssen in Brasilien.
    Und was davon in den Klimaschutz wandert schrieb ich ja oben bereits, es sind nicht mehr als 20 %.

    Davon ab, ist die deutsche Stahlindustrie nach Expertenmeinung bereits bei Klimaaspekten bereits international führend.

    Man kann nur hoffen, dass noch mehr EU-Partner dem Beispiel von Polen und anderen baltischen Staaten folgen, und die EU-Pläne als nicht zumutbar ansehen.

    Ich persönlich bin wirklich sehr für Umweltschutz und würde mich auch jederzeit für die Belange einsetzen.
    Aber ich denke einfach man darf nicht so blind durch die Gegend laufen und zu allem Ja und Amen sagen.

  4. nedganzbachert schreibt:

    Begnadete Frau arsfendi,
    auch wenn es etwas off topic ist, möchte ich Sie hier auf eine kleine Aufmerksamkeit meinerseits hinweisen. 😉
    Ich freue mich zu beobachten, wie die Geschichte weiter geht.

  5. gokui schreibt:

    hallo zusammen,

    die darstellung das der strompreis gestigen ist, weil die anbieter für die aufkommenden emissionen zahlen müssen kommt doch von den anbietern selbst ? wo liegt also der harken ?

    könnte es sein das genau diese anbieter es versäumt haben in alternativen zu investieren und sei es nur effektive filter ?
    oder könnte es sein das ein großteil der preissteigerung nur ein mäntelchen braucht – das mäntelchen der emissionsabgabe ?

    aber wahrscheinlich wussten die armen anbieter erst seid gestern, das es sowas gibt – und waren natürlich völlig überrascht.

    das wir hier leben wie alice im wunderland ist jedem klar. das resourcen alle mehr oder weniger endlich sind auch.

    wirtschaft kann doch ganz einfach sein. hätte man nicht als globalplayer auftreten wollen, sondern mehr sich um interna gekümmert, müßten sie auch nicht den ganzen quatsch mitmachen. beispiel ? wie sieht es den nun mit opel aus ? dem großen bruder in den staaten geht die luft aus – also muß miss merkel ran.

    was mich aber am meisten stört ist das perfide einen handel mit etwas zu treiben, daß wir nicht besitzten. wir besitzten die umwelt nicht, wir sind bestenfalls ein teil von ihr, ansonsten besitzt uns die umwelt.

    habe ich zu scharf geschossen sorry.

    natürlich sind die armen jungs am hochofen, am pütt oder sonstwo nicht die schuldigen. die leute die am rad drehen sitzten alle woanders – auf einem stern den es nicht gibt.

    schönen abend noch.

  6. arsfendi schreibt:

    Lieber Gokui, es geht nicht darum, dass die die Stahlwerke nichts für den Klimaschutz zu zahlen bereit sind.
    Wie ich bereits geschrieben habe, gibt es insbesondere in Europa die modernsten Stahlwerke.
    Durch den Emissionshandel erfolgt aber lediglich eine Abwanderung in preisgünstigere Nicht-EU-Länder, die mit ihrer vorhandenen Technik einen viel größeren CO2 Ausstoß in den Umlauf bringen.
    Umweltschutz ist ein weltweites Thema und dementsprechend sollte es behandelt werden.
    In Brüssel ging es demnach auch nicht darum, dass keiner für diese Zertifikate bezahlen will, sondern einzig darum, dass mit der Pro-Entscheidung in der EU, den hiesigen Werken über kurz oder lang die Luft ausgehen wird, dadurch in Nicht EU-Staaten investiert und angesiedelt wird, weil man dort wesentlich preisgünstiger produzieren kann.
    Was dies für die Arbeitsplätze bedeutet brauche ich ja nicht extra zu erwähnen.

    Um bei deinen Worten zu bleiben, bezahlen letztendlich wir die Zeche für etwas was nur verlagert wird und das in noch größeren Umfang.

  7. johan steunenberg schreibt:

    Bis Dato sind die Industrieunternehmen besser ab gewesen in der Zertifikatszuteilung als die Energieversorger. Das wurde begründet mit diesen Ausweichsmöglichkeiten, die auch jetzt wieder als Argument auftauchen. Kann ich nachvollziehen. Aber: wo könnte dann den Anreiz für die Stahlwerke liegen, in CO2-Emissionsverminderung zu investieren? Modernste Anlagen, OK, aber das heisst nicht automatisch CO2-optimiert. Und das gleiche gejammere haben Industrie (und immer mehr auch Gewerkschaften!) bei jeder Umweltauflage angestimmt.

    Die modernen Anlagen gibt es hier wegen 1) Qualitätsanforderungen am Produkt, 2) Kostenanforderungen am Werk und 3) Umweltauflagen.

    Und noch was: Klimaschutz ist keine Flause. Wenn wir darüber reden, wer letztendlich für die Maßnahmen zahlt, sollten wir uns auch überlegen, wer letztendlich für keine Maßnahmen zahlt. Das sind die gleichen oder welche die noch ärmer dran sind und sie werden wahrscheinlich mehr bezahlen.

  8. arsfendi schreibt:

    Letztendlich bezahlen wir alle, Herr Steunenberg.

    Auf europäischer Ebene wird im Rahmen von Forschungsprojekten bereits an Methoden gearbeitet, um etwa durch Abscheiden von CO2 aus Gichtgas und anschließender unterirdischer Lagerung die CO2Emissionen
    in die Atmosphäre zu verringern. Entsprechende Lösungen werden aber voraussichtlich nicht vor 2020 großtechnisch erprobt sein.

    Worum es aber letztendlich wirklich geht, ist die Forderung nach Gleichbehandlung und das weltweit.
    Ich glaube kaum, dass sich hiesige Stahlwerke gegen den Klimaschutz stellen, des es kann nicht angehen, dass die Stahlproduktion in kostengünstigere Staaten verlegt wird, die den Dreck doppelt und dreifach in die Luft blasen.

    Hier mal ein interessantes Zitat:

    „ Die Europäer sollen Emissionshandel machen, wir werden Stahl machen.“
    (Ehemaliger chinesischer Minister für Metalle und Präsident der
    chinesischen Gesellschaft für Metalle)

  9. Pingback: stört mich « naturesense

  10. gokui schreibt:

    werte arsfendi,

    ich habe auch nicht behauptet das die hisigen stahl und übrigebns auch die meisten anderen produktinsstätten nichts für den umweltschutz tun. schließlich sind sie ja von gesetztes wegen mit allerlei auflagen behaftet. und natürlich treibt das den kosten/ preis nach oben. und jeder der einen taschenrechner in die hand nimmt, wird sich einen ausweichsstandort suchen um dort kostenoptimierter zu produzieren.

    diese tendenz ist absolut nicht neu oder einzigartig. die globalisierung hatte schon lange bevor es diesen begriff gab begonnen. hersteller haben alles daran gesetzt in den export einzusteigen und über diesen eine gewinnoptimierung zu erreichen. das hat dann aber deratige auswüchse angenommen, das märkte dirket bedient wurden – sprich vor ort produziert – und letztendlich nur noch dort hergestellt wurde. die gründe dafür sind uns allen klar.

    den preis dafür zahlen immer die kleine leute. die arbeitnemer hier die ihre jobs loswerden weil werke schließen, wenn die werke hier bestehen bleiben arbeiten sie für dumpinglöhne weil ja die umweltauflagen einen kostenfaktor darstellen und zusätzlich noch arbeitskräfte auftauchen die nur für einen bruchteil des hiesigen lohns arbeiten. das ist ja auch alles soweit legal.

    auf der anderen seite zahlen wir aber auch, wenn die werke abwandern. die subvetionen und aufbauhilfen werden von der EU gezahlt, denn eine abwanderung in ein EU land bedeutet für die hersteller umständliche und langwierige ZOLL formalitäten zu umgehen – denn sie sind ja noch innerhalb der EU. diese fördergelder werden aber letztendlich von unseren steuern aufgewendet. dann kommen noch die ganzen strukturhilfen für das land hinzu, weil es ja auf EU standard gebracht werden muß. da geht das geld dann in die infrastruktur. auch alles soweit legal.

    jetzt geht aber die geschichte soweit, das werke nur solange an einem standort verbleiben bis sich aufgrund der wegfallenden finanzspritzen, eine produktion nicht mehr lohnt- siehe NOKIA.

    selbst bei einer abwanderung in ein nicht EU land fallen gelder für diese firmen an, wenn auch in anderer form. die problematik bekommt nur einen anderen namen, zahlemann und söhne ist aber wieder der kleine mann, wir hier oder die dort.

    natürlich kommen dann bei allen punkten noch problematiken auf wie sie ja schon herr steunenberg aufzeigte. langwierigere problematiken die eventuell zum jetztigen zeitpunkt in ihrer gesamtheit noch gar nicht abzuschätzen sind.

    ( hier fällt mir als gutes beispiel die AKW techologie ein. wenn damals mit aufkommen dieser technologie schon klar gewesen wär, was für einen berg an problematiken man vor sich hat, hätte man mit sicherheit vieles/ alles anders ( oder gar nicht ) gemacht. das ist aber ein nur ein randbeispiel. )

    eine antwort auf die gesamtproblematik kann aber niemand geben. ganz einfach weil der gesamte umfang gar nicht bekannt ist und viele weiterhin ihr eigenens umsatzorientiertes süppchen kosten. das geht dann sogar soweit, daß man hier ruhig auch mal die heuschrecken erwähnen kann. kurz aufgetaucht, in eine funktionierende fa. eingekauft, gewinne optimiert ( kurzfristig ! ), überschüsse abgesaugt und weiter geht´s.

    eine zukunft der gesamten (welt)gesellschaft wird sich nur mit langfristigem nachhaltigem handeln und wirtschaften umsetzten lassen.

    so generell habe ich nichts gegen den gedanken einer EU, die verteilung von fördergeldern, der wanderschaft von arbeitnehmern und sogar der globalisierung meinetwegen. nur so wie es jetzt läuft gibt es zu wenige „gewinner“.

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