SchlafLos geschwiegen

 

Schweigen war das Letzte was wir uns antaten und das war erdrückender als jedes zu viel gesagte Wort.
Jede geschwiegene Silbe wirkte wie Gift ins Ohr geträufelt um so in die Umlaufbahn zu dringen, auf der es möglich war auch den verstecktesten Winkel des Inneren zu erreichen.
Hatte ich dir nie verraten, dass Schweigen meine Art von Schrei ist, der aus einer Hilflosigkeit entspringt?
Nein, du wußtest es nicht und deshalb war jetzt dein Schweigen das Mittel zum Zweck.
Zu gehen ohne ein Wort, verstanden hab ich es nie. Aber auch das hab ich dir nie gesagt.
Wozu auch, jedes geschwiegene Wort spricht für sich.
Und fliegt jetzt gerade durch mich hindurch, schreiend und verletzend.

„Ich weiß so wenig von dir“, sagte sie zu ihm als er ihr beruhigend sanft über das Haar strich.

Eingehüllt war er in einem undurchsichtigen Nebel aus Fragen.

Sie kannte ihre Ungeduld und den sich daraus ergebenden Zwiespalt nur zu gut. Dieses Hin und Her gerissen sein und die Flucht in das eigene Schneckenhaus um sich darin geschützt einzuigeln.

Ihre eigenen Gedanken in dieser rasenden Schnelligkeit verwirrten sie und machten unsicher, weil von außen zuviel von diesem Nebel in sie drang und sich dort beängstigend breit machte.

Auf einmal gelang es noch nicht mal die richtigen Worte zu finden, weil die Neutralität schon so unwichtig war.

 

„Was weißt du von meinen Ängsten?“ schaute sie ihn fragend an und wusste doch die Antwort schon selbst. Woher sollte er etwas wissen, was sie nicht in Worte packen konnte um es sich selbst zu erklären.

„Ich war letzte Nacht so schlaflos“, kam als Versuch über ihre Lippen.

Und ich hab alles für dich aufgeschrieben, aber nicht abgeschickt. Dabei habe ich nichts ausgelassen von dem was ich weiß oder nicht weiß.

Ich hab mein Leben beschrieben, meine Angst und Sehnsüchte und was ich vermisse mit 1000 Fragen an dich aber auch an mich und der Nebel wog damit immer schwerer.

Dann kam dieser Traum, dass ich aus diesem Nebel falle und deine Hand nicht da war und ich nur wütend über mich selbst war, weil ich den Fallschirm vergessen hatte.

Vergeblich suchte ich nach einem Notlandeplatz und dann war da dieses Hämmern im Kopf im ungleichmäßigen Takt.

Attention please, flight No: ZeroZeroSevenEight, broken arrow, capitulation…
Wortfetzen, die in meinem Kopf herumwirbelten, prallten immer wieder gegen die Wände und  lieferten sich mit dem Blutfluss eine unbarmherzige Schlacht.

„Atmen Sie, verdammt noch mal atmen sie ruhiger“, und die Stimme klang so beunruhigend erst ganz weit weg, dann wieder so nah. Und ich wollte nur noch schlafen.

Schlafen in einem ruhigen Traum.

Manchmal fehlt mir der Mut Fragen zu stellen. Und ich weiß nicht warum…

Dann bin ich schlaflos und würde gerne deine Stimme hören, die mir dann Geschichten erzählt, an die ich glaube.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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2 Antworten zu SchlafLos geschwiegen

  1. weilwirunslieben schreibt:

    Ich finds immer wieder klasse!

    Auch das hier:

    Und, wenn auch völlig anders, aber zu meiner heutigen Stimmung passend:

  2. weilwirunslieben schreibt:

    Schweigen I

    Hinter allen Worten
    das Schweigen

    Die Welt geht unter
    wenn die Nacht
    das Licht verschlingt
    die Erleuchtung einschläft
    und kein Taubentraum
    erwacht

    Ein blinder Engel
    küsst
    deine Stirn

    (Rose Ausländer)

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