Der schwarze Prinz

Es gibt Dinge, für die es leichter ist Verständnis zu haben, als sie zu begreifen.
Und gewisse Dinge muss man auch gar nicht verstehen, sondern sollte sie einfach nur annehmen ohne nach dem Warum zu fragen.

Marie war immer schon eine Träumerin. Sie träumte ihre Welt in goldschimmernden Farben, so wie sie es vielleicht nie erlebt hatte, es sich aber immer wünschte, nicht so sehr für sich, mehr noch für andere.
Sich selbst nahm sie dabei nie so wichtig, vielleicht weil ihr dafür der Blick nach innen fehlte, oder weil sie für andere sensibilisierter war
Es spielte keine Rolle, was sie fühlte oder auch dachte. Sie sah den anderen und das genügte.

So war es wohl auch, als sie Mickey begegnete. Es genügte sein Lächeln und ein Streicheln wie ein Windhauch. Genau so wie er selbst auch war.
Stets streifte er nur, wie ein Windzug leicht durch das Haar weht.
Wenn er da war, war er im nächsten Augenblick schon wieder fort. Trotzdem blieb etwas von seiner Berührung auch im Danach.

Wo sie Mickey traf, darüber hat sie nie gesprochen und wir fragten auch nicht.
Es war unwichtig, denn was für uns zählte war, dass Marie mit ihm lachen konnte.
Er war einfach eines Tages an ihrer Seite. Einmal mehr und manchmal weniger.
Genau so wie der Wind, der flach am Boden entlang streift, bis ihm irgendwann die Puste ausgeht und er im Nichts verschwindet.

Marie wollte wohl auch nicht wissen wer er war und woher er kam. Denn Fragen stellte sie nie.
Mit ihm malte Marie wieder in hellen Farben, manchmal etwas wirr und scheinbar mit zittriger Hand, aber immer mit einem Lächeln im Gesicht.
Mir gefielen ihre Bilder aus jener Zeit. Ich mochte dieses leuchtende Rot und das schreiende Orange gemischt mit dem Sonnengelb. Selbst ich konnte beim Betrachten spüren, welche Kraft sie ausstrahlten und die Energie die es vermochte alles Unebene zu überdecken.
Nur je länger Marie den Windhauch von Mickey spürte, umso intensiver wurde das Schwarz, das sich als Farbkleckse in ihre Bilder mischte.
Wie gerne hätten wir damals die Pinsel in andere Farbeimer getaucht um damit dieses Schwarz zu übermalen.
Auch wenn Marie das wusste, ließ sie es nicht zu.
Mickey war ihre Welt, sie war sein Anker und wollte nichts anderes sein.
Und Mickey beherrschte sein Spiel. Ein Spiel, bei dem nur er die Fäden zog und die Spielregeln bestimmte, wo der Sieger schon von vornherein immer feststeht , nur der Verlierer nichts davon weiß.
Er wirkte wie Gift in ihren Adern, für sie wohl eher süß und nur am Anfang nicht schmerzhaft. Aber manches Gift wirkt langsam, vielleicht dadurch aber umso wirkungsvoller.
Er flüsterte es mit jedem Wort in ihr Ohr, von wo aus es jeden Winkel ihres Innersten erreichte.
Ich weiß nicht, was er je in ihr gesehen hat, wahrscheinlich nur eine weitere Trophäe, mit der man sich schmückt und die danach in einer Vitrine verstaubte und nicht mehr beachtet wurde..
Mickey war genau der Typ, der den Glanz der Bewunderung brauchte um sich darin zu sonnen und ein Stück größer zu erscheinen, als er wirklich jemals es sein konnte.

Gekonnt umschmeichelte er Marie mit Worten und einem Lächeln zur Unterstreichung.
So wie der schwarze Prinz, der uns in Märchen begegnet.
Der in Babylon die Fäden des Bösen zog, der Pizarros Schwert führte, als das Reich der Inkas unterging und neben Napoleon stand, als das Feuer in Moskau umging.
Mickey war so ein schwarzer Prinz, der Marie mit Violinen umwarb, ihr eine Symphonie komponierte, deren Melodie aber nur am Anfang voll mit harmonischen Tönen war, dann aber wie ein Sturm aufbrauste und im Orkan endete.
Mit dem Sturm begann auch Maries schwarze Zeit.
Auch wenn sie hoffte und ihm glaubte, spürte sie doch immer mehr die Schlange in ihm, die sie bereits umzüngelte.Lange noch gab sie sich seinen Spielregeln hin, schloss vor vielem die Augen oder stellte sich auch nur blind.

Er war der Meister der großen Worte, wodurch sein Gift auch noch süß wirkte.
Das Schlimme war, dass süßes Gift noch viel gefährlicher in den Adern seine Wirkung entfaltet.
Es kommt langsam wie eine Schlange angezüngelt, aber es berührt jeden inneren Winkel.
Und Marie hing an seinen Lippen, um auch jeden Tropfen davon abzubekommen.
Ab und zu sahen wir in Marie eine Herzensmasochistin.
Vielleicht haben ihr seine Lügen und Geschichten gut getan, Wahnsinn und Quälerei ohne Ende. Wer lieben will kann auch leiden. Und ich denke , sie hat ihn sehr geliebt.
Mit ihm war wohl ein bisschen so viel mehr und ein wenig war genug.
Wie gerne hätten wir Marie damals aus diesem Fadenkreuz gezogen.

Aber irgendwann ging er von allein.
Streifte sie ab wie eine lästige Fluse auf seiner Jacke.
Marie litt wie ein verwundetes Tier, aber sie hielt ihn nicht fest.
Vielleicht wusste sie, dass so sein Leben war. Niemals nach Gefühlen fragend weil er selbst dazu nicht fähig war.
Ich war oft bei ihr in der Zeit danach, bewunderte sie für ihre Stärke, die ihr auch nicht viel
bedeutete.

Als er ging, schaute er sich nicht einmal um, und konnte nicht sehen, dass Marie sogar in diesem Moment zu einem Lächeln fähig war.
Ich glaube sie war schon bei seinem letzten Kuss längst erfroren.
Vielleicht fiel es ihr dadurch leicht loszulassen, auch wenn sie lange  gebraucht hat, um sich von ihren Gefühlen ihm gegenüber zu lösen.
Heute malt Marie wieder ihre Welt in goldschimmernden Farben, nur hin und wieder taucht mal ein schwarzer Farbklecks darin auf.
Und genau so liebe ich ihre Bilder. Die Bilder einer Träumerin, in denen sich ihre erträumte Welt widerspiegelt.
Oder vielleicht doch eher das wirkliche Leben…

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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Eine Antwort zu Der schwarze Prinz

  1. sido schreibt:

    ich muss ein räffarat machen und da steht nichts über der schwarze ritter nur über“sonic und der schwarze ritter“

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