liebend gehaßt

„Warum hasst Du mich?“

Seine Frage kam nichtsdestotrotz unerwartet und erschreckte sie ein wenig in all der vorhandenen Gleichgültigkeit.

„Du hast dich so sehr verändert. Wenn es nur Wut wäre, damit könnte ich leben, wenn du sie mir erklären würdest. Aber dieser Hass nach all dieser Zeit, den verstehe ich nicht.“

 

Man sah es ihr an, dass sie so mit dieser Frage nicht gerechnet hatte. Nervös zündete sie sich eine Zigarette an, nur um etwas in der Hand zu haben, woran man sich festhalten konnte.

Idiot, er hatte wirklich das Talent die falschen Fragen zum falschen Zeitpunkt zu stellen.

Verstört schaue sie einem Rauchkringel nach, der sich bläulich silbrig von der Luft des Raumes abhob und im Nichts verschwand.

 

Das Nichts war immer gut, wohltuend und befreiend. Aber war das die Antwort auf seine Frage?

Wie arrogant er da saß, in seiner Erwartungshaltung ihr gegenüber. Und doch ging Unsicherheit von ihm aus, betont überspielt mit der Lässigkeit, die nur er an den Tag zu legen vermochte.

Schon damals empfand sie diese Art von ihm zum aus der Haut fahren, weil es sie klein machte in jeglicher Hinsicht.

Nur machte sie das nicht klein, was nur in ihrer eigenen Empfindung lag und er damit gar nicht beeinflussen konnte.

 

Sie dachte ungern an die Zeit zurück. Vergangenheitssentimentalitäten waren ihr eh zuwider. Vorbei war vorbei und das war gut aus heutiger Sicht betrachtet.

Die Zeit war damals unruhig genug, da musste man nicht jetzt auch noch wieder rumstochern um Antworten auf Fragen zu finden, die keinen Sinn ergaben.

 

„Geliebt haben wir uns eigentlich nie, hm?“, warf er ihr als Fraß vor die Füße, wissend, dass diese Suppe ihr nicht schmeckte.

Sie schaute in sein leicht grinsendes Gesicht, was die Frage auch nicht besser machte.

Was wusste er schon von ihr und von damals?

Nur für einen kurzen Moment spürte sie einen leisen Stich in der Magengrube, nicht schlimmer als das unblutige Ansetzen einer Narkosespritze, dem der wohltuende alles überdeckende Schlaf folgte.

Nein, er wusste nichts von diesem Warten auf etwas was man so nie haben wollte, auch nichts von der Unruhe und von den tagtäglichen Ängsten und den schlaflosen Nächten.

Und somit brauchte er dem auch nicht Rechnung tragen, weil es nie existiert hat.

Noch nicht einmal der Schmerz bei dem Gedanken niemals gewusst zu haben, ob sie ihn wiedersieht.

Verfluchte Einfalt.

Aber auch dafür bedurfte es keiner Korrektur, da derer Bedeutung ohnehin für niemanden wichtig war.

 

„Nein ich hasse dich nicht.“ Wie von alleine flogen die Worte über ihre Lippen.

„Hass ist ein Gefühl, was sich bei Gleichgültigkeit nicht einstellt. Ich weiß, dass du besser damit umgehen könntest, weil dir damit die bessere Rolle zukommen würde, frei nach dem Motto, der arme gehasste Mann. Es würde deine eigenen Gefühle mir gegenüber rechtfertigen.

Nur leider kann ich nicht damit dienen. Da ist nichts, auch nicht im tiefsten Winkel meiner unreinen Seele versteckt.“

Als sie zu ihm sprach schaute sie in das Gesicht eines Fremden. Zu einem Menschen, dem sie auf der Straße begegnete, nur mit ein wenig Neugier aber sonst nichts was von Interesse wäre.

Vielleicht hätte sie ihn kurz angelächelt und wäre dann weitergegangen ohne sich umzudrehen.

 

Wie gnädig die Zeit sein konnte. Bei diesem Gedanken überzog ein Lächeln ihr Gesicht.

Erstaunt sah er sie an. Kurz überlegte er noch, ob er was erwidern sollte, ließ es dann aber, weil es nichts mehr zu sagen gab.

 

Die Stille danach war wohltuend. Mit einem Glas Rotwein kauerte sie sich neben dem Kamin auf dem Boden und holte sich im schnellen Lauf der Gedanken selbst wieder ein.

Küssen konnte er verdammt gut und prickelnd war es seine fordernden Hände auf ihrem Körper zu spüren. Dabei keinen Zentimeter auslassend. Ihr war es als spürte sie gerade noch seine Schweißperlen, die sich in der Erregung mit den ihrigen vermischten.

Ob man sich auch hassend lieben kann mit all dieser sich ergebenden Ekstase?

Alleine bei diesem Gedanken kam es ihr.

 

Staubwischen wäre jetzt genau das Richtige um alles wieder dem Nichts zu übergeben.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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