Mach’s gut

Stumm wie ein Partisan,
sagtes du, sei ich, jetzt
begreife ich
das Bild, erschöpft
sind alle Reserven, alle
Munition verschossen,
kein Rückzugsweg
offen, ich befinde mich
im aufgegebenen
Hinterland des Feindes,
den ich liebe.
(Steffen Mensching)

„Ich hab mich schon immer gefragt, warum du mich immer wieder willentlich falsch verstehst. Da wo ich die Hand reichen wollte, sahst du Angriff. Als ich Frieden wollte, nahmst Du Wut wahr und als ich ein Zeichen setzte gingst du fort.“

Und da saßen wir nun wieder an diesem Ort, der mal vor ewig langer Zeit ein Asyl gewesen ist, ein Fluchtpunkt, der nichts und doch alles war.
Wir wussten beide, dass wir uns gleich die Hand reichen und vielleicht noch einen letzten Kuss auf die Wange geben würden.
Ab und zu blinzelte die Sonne zwischen den Wolken hervor aber noch war sie nicht stark genug um gegen die innere Kälte anzukämpfen, die sich in uns gefangen hielt.
Das Wasser des Rheins floss an uns vorbei und wie gerne hätte ich ihm etwas von der Schwere mitgegeben, die in diesem Augenblick genauso schwer lastete wie die Steine, die er auf seinem Grund verbarg.
Hin und wieder trieb ein Stück Holz an uns vorbei und entschwand aus meinem Blick genauso schnell, wie du gleich gehen wirst.
Ich wünschte mir gerade etwas Leichtigkeit in allem Sein, um wenigstens einmal der Bodenhaftung zu entgehen.
Irgendwie magst du mich nicht anschauen, stattdessen beobachtest du in der Ferne zwei Schiffe, die sich freundlich begegnen um sich dann fast schwerelos auf dem Wasser gleitend, wieder voneinander entfernen.
Es sieht lustig aus, wie du fast krampfhaft versuchst blinzelnd der Sonne standzuhalten um auch ja nicht in meinem Schatten Schutz zu finden.
Aber ich glaube dich zu verstehen. Zu schwer wiegen die Worte, die mit Verletzungen einhergingen, egal ob gewollt oder eher nicht.
Auch wenn wir manchmal vielleicht zu wenig geredet haben, sagte anderes mehr. Nichts ging mehr und trotzdem werde ich dich vermissen, auch wenn ich dich liebend gerne mehr als einmal aus meinem Leben verbannt hätte.
Wie zufällig lege ich meine Hand auf Deine und spüre, dass du wenigstens jetzt einen leichten Druck erwiderst.
Wie oft habe ich mir eine Reaktion von dir vorher gewünscht um doch immer wieder nicht mehr als das Vakuum in den Händen zu halten.
Es ist still um uns herum. Ich glaube du genießt es noch mehr als ich.
Jede Wut ist verraucht und keine Frage verlangt mehr nach einer Antwort, die sowieso nichts mehr ändern würde.
Mir war nie bewusst, wie viel kleiner ich bin, wo du mit geradem Rücken mir nur dein Profil zeigst und ich hochschauen muss.
Ab und zu mal ein Lachen hattest du dir gewünscht und dass ich nicht immer alles so dermaßen in Frage stellen soll.
Schau, an diesem Ort hier bin sogar ich dazu bereit zumindest über mich selbst zu lachen, in aller Ernsthaftigkeit.
Ist dir auch jemals aufgefallen, dass wir es stets vermieden haben über die Wahrheiten zu sprechen, sowohl über deine als auch meine?
Auch wenn es heute keine Bedeutung mehr hat, scheint mir das heute wie ein Damokles Schwert über allem zu schweben.
Heute wischen wir es mit einer Handbewegung von uns und genießen die Ruhe, die uns für das Weitere umhüllt.
Es ist alles gesagt und ein kleiner Spatz schaut uns am Stegrand sitzend vorwurfsvoll zu.
„Ich wünsch dir Glück und pass auf dich auf“, kommt es leise von deinen Lippen.
Statt einer Antwort küsse ich dich lieber sanft, so wie ich es immer gerne getan habe, wenn mir die Worte fehlten.
„Mach’s gut!“

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
Dieser Beitrag wurde unter Abschied, Erinnerungen, Gedanken, Gedankensplitter, Menschen, Nichtigkeit, nothing more, Wortlos veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Mach’s gut

  1. arsfendi schreibt:

    Seltsam, halb leer war auch noch nie mein Ding.
    Trotzdem habe ich mich immer schon gewundert, warum die Übersetzung „Mach’s gut […]“ auf dem Buch lautet.
    Aber das sind so meine eigenen Irritationen, (nicht übertragbar, dem Willen sei Dank)
    Und wer könnte es besser als Douglas ausdrücken: „Mit meinem Verhältnis zur Realität ist alles in bester Ordnung. Ich lasse es alle vierzehn Tage vorschriftsmäßig warten.“

    Fehler sind korrigierbar, der Einsicht gefolgt.
    Und es

  2. k2u schreibt:

    So und anders:

    Ich ziehe mir den Text einerseits willentlich als Schuh an.
    Passt. Und macht mir eine wohlige Gänsehaut. Respekt.

    [Ein wenig Interpunktion mehr, noch mal drüber lesen. Egal, das tut der Sache auch keinen Abbruch.]

    Andererseits gilt mir das Geschriebene nicht, so dass ich meine Kreise ohne Irritationen ziehen kann. „Macht’s gut und danke für den Fisch“ – hinterließen die Delphine auch auf meinem halb vollen Glas.

    […]

  3. k2u schreibt:

    “Macht’s gut […]”
    meint den Plural, weil die Säugetiere sich noch mal eben für den Fisch bedanken, den ihnen die Menschen haben zukommen lassen und dann den Abflug machen. Nur die Mäuse wissen wohin, jedenfalls weg von der Erde, die die Vogonen im nächsten Moment wegen der Umgehungstraße sprengen werden.

    Ich finde auch: Mit uns ist alles in bester Ordnung, wir sind quasi wartungsfrei auf dem Weg zum nächsten Stoppschild, wo wir erst mal Ausschau halten nach der weiteren Einsicht.

    Schreib Du nur mal weiter so.
    Dann komm ich Dich lobhudeln,
    bis Dir die Sonne lacht.

    🙂

  4. arsfendi schreibt:

    „Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau rausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. “

    Wer kanns den Delfinen verdenken…
    Mensch hats nicht anders gewollt.

    So mag dann das nächste Stoppschild ruhig kommen. Das Risiko ist es wert, der Erkenntnis sei Dank.
    Manchmal nimmt man einfach so eine Umgehungsstraße, egal, dann dauerts halt ein wenig länger.
    Die Sonne scheint, was will Mensch mehr […]

  5. N.N. schreibt:

    „Er ließ seinen Geist langsam und weit in die Erde hinabsinken – rieselnd, sickernd, sinkend. Er folgte der Erde durch deren Tage, ließ sich mit den Rhythmen ihrer Myriaden Pulsschläge treiben, sickerte durch das Netzwerk ihres Lebens, stieg in ihren Gezeiten und drehte sich mit ihrer Schwere.“ (D.A)

    Die Schwere ist oft in Deinen Texten zu lesen.
    Und im Kontrast dazu, Hure und Geliebte,Kind und Frau.
    Dann kommt der Fremde auf einem Flughafen, dem die Protagonistin folgt um im Rausch der Nacht in der Schwerelosigkeit allen Konventionen zum Trotz der Schwere zu entfliehen.

    Während ich da so lese und lese frage ich mich, wer mag sich wohl hinter der Schreiberin Arsfendi verbergen.
    So undurchsichtig und nicht greifbar.

    An Deinem Machs gut gefällt mir besonders der letzte Satz. Denn der steht für mich als Leser im Zusammenhang mit den verschwiegenen Wahrheiten textlich weiter oben.
    Dadurch wirkt der Text ehrlich.

  6. arsfendi schreibt:

    Ist das wichtig wer sich dahinter verbirgt?
    Ich weiß nicht so recht, aber ich mag solche Fragen nicht so gerne, wenn sie auch nur indirekt gestellt werden.
    Derjenige, der mich kennt, wird mich irgendwo in den Texten schon finden. Und wenn nicht, ist es auch nicht weiter von Bedeutung.
    Manchmal bin ich alles und dann wieder einfach nur Nichts.
    Und überhaupt, was sind schon Wahrheiten?

    Aber danke fürs Lesen.

  7. VerenaB. schreibt:

    Ein trauriger aber schöner Text. Ich finde so sollten Abschiede immer sein. Dann tuts auch nicht so weh.

    Ein lesenswerter Blog.

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