Sublimierung

“Ich weiß so wenig von dir. Aber was weißt du von mir?,” fragte ich in einer schlaflosen Nacht.
Mein Leben war immer schon das Chaos pur. Hast Du das gewusst?
Ich bin dauernd auf der Suche. Und hab früher mal gewusst wonach.
Manchmal bin ich vielleicht stark.
Aber das ist die Arroganz die ich mir erlaube in aller Schwäche.

Ich liebte immer schon das Intensive. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst immer unbeeinflusst zulasse, egal ob es der Trip ganz nach oben oder in die Hölle war.
Irgendwie versuche ich immer allem etwas abzugewinnen, ganz gleich ob gegenwärtig oder erst rückblickend betrachtet.
Da gab es Momente, da hatte zuweilen der Tag 24 Stunden. Getrieben von Unruhe war Schlaf zu finden der Unmöglichkeit anheim gegeben. Ruhelos entstanden Gedankengebilde, die sich verknoteten und als immer größer werdendes Knäuel im Kopf umherwirbelten, dabei gegen Wände schlugen um mit dem hämmernden Schlag wach zu halten.
Manchmal wurde da jeder Raum zu eng, war ohne Fenster und Türen, beängstigend stickig dessen Stille nur durch das durchdringende endlose Tropfen eines Wasserhahns unterbrochen wurde.
Zuweilen waren es unheimliche Trips, denen ich mich aber auch stellen wollte, denn es waren meine Gedanken, die alleine durch mich lebten. Nur ein Monolog dem der Dialog im Nichts nicht begegnen kann.
Eine Flucht daraus hätte ich mir selbst wohl nie verziehen und so pflegte ich meine eigene Ruhelosigkeit in Hingabe. Es war wie in einem Flugzeug als Passagier sitzend, dessen zweites Triebwerk sich gerade in sich schwärzender Luft auflöste und der Pilot versuchte beruhigende Worte zu finden.Im Nichts war nichts zu halten und dennoch hielt mein Sitznachbar beruhigend meine Hand im Versuch des mutigen Dialoges. Einmal Flug all inklusive, aber ohne Fallschirm. Ja, ich würde alles noch mal genauso machen, ohne Einschränkung und ohne Abwägen des Für und Wider. Einfach so und ganz bewusst vor allem in der Bedeutung für mich selbst. Vielleicht noch ein wenig intensiver vor allem das Bedeutungsvollste.
Mein Sitznachbar nickte zustimmend und ich wusste auch so, dass er nichts verstand. Alles war freiwillig und sogar das Nichts nicht gefordert. So konnte ich immer schon geben, wissend, dass das Nichts auch oder insbesondere für mich selbst in seiner Bedeutung alles war und sein wird.
Vielleicht mag man es als eine Stärke ansehen, die sich darin zeigt, zuzulassen ohne einen anderen jemals dafür in die Verantwortung zu ziehen.
Was da in dem Moment zählte war dieser Flug ins Unermessliche
Das andere Extrem wie im Rausch intensivst genießend. Ohne Gedanken an den Ausfall des Triebwerkes und Suche des Fallschirmes.
Auch wenn ansonsten mich meine Höhenangst schon mal zu besiegen gedenkt, würde ich mich immer wieder in diesen Strudel aus Feuerglut fallen lassen ohne einen Feuerlöscher parat zu haben.
Ich knüpfe kein Sicherungsseil aus Fragen, um Antworten zu erhalten an denen man sich festhalten oder für die man sich selbst aus der Verantwortung ziehen kann.
Begehren ist für mich da um die Sehnsucht anzufüttern mit der Gier nach dem Mehr.
Keine Pflicht, der Tanz auf dem Seil ist immer die Kür. Vielleicht erscheine ich hin und wieder ein klein wenig verrückt oder zumindest seltsam. Manchmal gebraucht es eben auch ein paar eisige Winter lang um zu erkennen, dass man doch den unbesiegbaren Sommer in sich selbst trägt.

***

All die verpassten Chancen
All die Chancen, nichts zu verpassen
All die Jahre und Du
so einfach
so verdammt kompliziert
Ich sag Deinen Namen
über und über und immer wieder
Ich rede über Dich
und verschwinde aus meinen konzentrischen Kreisen
Eine Blende aufs Meer
Eine lange ruhige Einstellung
& dann eine Fahrt nach links,wo wir zwei sitzen und aufs Wasser rausgucken.
[Tom Liwa]

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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