Kampf ums Überleben

„Was den berühmten Kampf ums Leben betrifft, so scheint er mir einstweilen mehr behauptet als bewiesen. Er kommt vor, aber als Ausnahme; der Gesamt-Aspekt des Lebens ist nicht die Notlage, die Hungertage, vielmehr der Reichtum, die Üppigkeit, selbst die absurde Verschwendung — wo gekämpft wird, kämpft man um Macht.“
(Nietzsche)

Stumm saß er wie immer auf diesem klapprigen Lehnstuhl, der ihn durch alle Zeiten und Stationen seines Lebens begleitet hatte.
Er sprach nie etwas, fast wie ein lautloser Protest, den er mit seiner Körperhaltung, die so etwas wie den Stolz des Unbesiegbaren aufwies, noch unterstrich.
Seine Augen waren stets dann geradeaus gerichtet, einen imaginären Punkt fixierend, etwas trübe, aber dennoch wach.

Früher, als er noch sprach waren seine letzten Worte die Bitte um den Brei zum Überleben.
“Brei und Pein, Pein und Brei”, und dabei klopfte er mit einem Holzlöffel demonstrativ auf den Tisch.
Und dabei fischte die Welt schon lange im Trüben, sich im Darwinismus wälzend, “the survival of the fittest” stets im Sinn.
Da wo es für den Einen der Kampf ums Überleben war, ging es für den Stärkeren um Macht.
Nur er hatte den schablonenmäßigen Lobgesang der ungeprüften Prinzipien eines übertriebenen Selektionismus erkannt und als Konsequenz rebelliert um dann zu resignieren.
Denn immer wieder erkennen zu müssen, dass es doch noch ein schwärzeres Schwarz als Schwarz gibt, machte ihn schwach im Kampf von David gegen Goliath.
Rücksichtslosigkeit forderte ihren Tribut.
Dabei wäre alles so einfach gewesen, wenn nicht Egoismus, nicht Rivalität und gnadenloser Kampf als erfolgreiche Strategien der Evolution gesehen worden wären.
Die Reibungsverluste der Konfrontation waren unübersehbar, und es war nicht zu verhindern.
Sie hatten nichts gelernt aus der Vergangenheit. Dabei war Kooperation um so vieles effizienter und somit auch intelligenter.
Wenn sie nur die Gemeinsamkeit als Symbiose betrachtet, anstatt rücksichtsloser Durchsetzung der eigenen Interessen vorgezogen hätten, wäre viel erspart geblieben.
Damals als er noch sprach, forderte er oft auf, sich an das mühsame und souveränitätsschädliche Geschäft zu machen, eine kooperative und wohlwollende Interdependenz aufzubauen. Aber sie wollten ja nicht hören.
Ellbogenmentalität war angesagt, stets unter dem Motto, der Große schluckt den Kleinen, egal ob es schmeckt oder der Magen faulig überläuft.
Kooperation, Fairness, Hilfsbereitschaft und Solidarität wären die Zauberworte gewesen und nicht der Darwin’sche Kampf – jeder gegen jeden.
Und so wie gestern ist es heute.

Und jetzt sitzt er da stumm in diesem Lehnstuhl. Um sich herum Dunkelheit.
Das System krankt und fault vor sich hin.
Brei und Pein. Einerlei.
Vielleicht ist es ja noch nicht zu spät. Wenn sie nur endlich begreifen, dass es in diesem Kampf nur Verlierer gibt.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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