Am Ende der Zeit

Ende der Zeit, vier Uhr morgens.
Schlaflos aus einem bedeutungsschwangeren Schlaf gerissen. Schweiß, der in Rinnsalen als blutbefleckte zu Eis gefrorene Masse an mir runter tropft.
Ich schreibe Dir, weil ich wissen will, ob es Dir jetzt besser geht, da wo die Ruhe nach dem Sturm wie Watte sich in den Raum gelegt hat und friedvoll vor sich hin grinst.
Nein, das ist wohl nicht der Grund, denn die Antwort liegt bereits auf meiner Zunge, der Intuition ergeben, der ich selbst zu gerne immer wieder zum Opfer falle.
Hör ich dich gerade lachen? Dort an diesem Ort, wo du dich deiner Ruhe ergeben, gebettet hast. Es sei dir gegönnt, nichts anderes wäre in meinem Sinne gewesen.
So einfach ist das. Für mich manchmal auch, weil ich weiß, dass du allem Gewesenen nichts abgewinnen konntest, es eine Last war, sich mit der Ursache abzuplagen, deren Wirkung der Bedeutungslosigkeit schon immer anheim gestellt worden war.
Nur war ich nie der Antagonist, den du in mir gesehen hast.

Hier in meiner Oase ist es kalt, aber mir gefällt es hier. Der Sandberg ist der Abrasion bereits zum Opfer gefallen. Zwingende Determinanten habe ich längst abgestreift, küsse bereits meine eigene Muse und gebe mich betont autark.
Alles Wesentlich habe ich in Anbetracht der Unwesentlichkeit bereits den Geiern zum Fraß vorgeworfen, gewürzt mit dem Salz ein paar nicht geweinter Tränen und habe ihnen gut zugeredet aus rotumrandeten Lippen mit schwarzem Trauerflor.
Der Narr im Hintergrund spielte auf dem Waschbrett die Ode der Freude und ich tanzte dazu den letzten Blues, während dein letztes Lachen noch im Repeatmodus verhallt.
Ich denke, dass Du Dir jetzt ein Haus mitten in einer grünen Wüste baust, umgeben von Palmen, die dir leidenschaftlich die Lust am Leben zufächern.
Du lebst jetzt ohne anderer Ziele, außer Deinen Eigenen in jener Unabhängigkeit von gewinnbringender Rationalität.
Letzterer wegen habe ich Dich geschätzt, gab sie mir doch die Möglichkeit der eigenen gelebten Dramaturgie abzuschwören, jegliches Selbstmitleid zu eliminieren und das eigene Heil in einer abstrusen Mischung aus Selbstironie und Zynismus zu suchen.
Erwarte jetzt keine Dankesszene, ich übe noch das passende Gesicht.
Den Tisch, haben wir gemeinsam rein gemacht und wie die restliche Kulisse der Vergangenheit übergeben.
Nun zollen wir gemeinsam der Distanz Tribut oder auch den entsprechenden Applaus, wissend, dass die Unabhängigkeit in der Freiheit der seelenlosen Masturbation liegt.
Schade nur, dass es erst jetzt so ins Gewicht fällt, wie ähnlich wir uns doch sind, auch wenn ich fehlende Empathie immer schon nachgetragen habe.
Manchmal bei Vollmond überkommt mich zwar noch ein Gefühl von Sehnsucht, aber das hat nichts zu sagen, denn meine lautlosen Schreie mutieren schon längst
zu feuerspeiendenden farbigen Naturkatastrophen um der apokalyptische Exekution zu entgehen.
Hin und wieder spüre ich auch noch deinen Atem in meinem Nacken und deine Hand auf meinem Körper und es verursacht zugegebenermaßen ein leicht berauschendes Gefühl.
Dann rede ich mir ein, dass ich es vermag dir gleichzutun, alles der Egalität zu übergeben und einfach so zu vergessen, was eh nie gewesen ist.
Gott sei dank brauche ich ja den Beweis nie anzutreten, weil heute schon morgen Vergangenheit ist und damit der Gegenstandslosigkeit übergeben.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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4 Antworten zu Am Ende der Zeit

  1. Erich schreibt:

    am anfang des chaos, wollte bloss mal kurz hallo sagen, hab echt den ganzen salat durchgelesen, schön 🙂

  2. arsfendi schreibt:

    Na gut, Salat hat ja wenigstens etwas Frisches an sich.
    Getroffen hätte es mich, wenn Du in diesem ganzen Chaos auf Morastiges gestoßen wärst.;-)

    Und jetzt geh ich mal in den Spiegelwelten lesen.

  3. Erich schreibt:

    gerne, aber verlauf dich dabei nicht, – du schreibst etwa so wie ich es tun würde wenn ich das talent dazu hätte, weiter so!

  4. arsfendi schreibt:

    Ich find mich schon zurecht. Im Spiegel sowieso.
    Gewisse Ähnlichkeiten sind vorhanden.
    Und ich schau gerne in andere Spiegel und in diesen besonders.

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