SiebenLeben

bild auge

Heute fließt der Fluss in dem ich ein Tropfen bin,
nur ein wenig langsamer,
aber ich bin hemmungsloser als der Sturm.
Meine Geister haben ein Eigenleben,
stumm wie alle Hieroglyphen
brech ich die Zeit in Stücke und
frag die Zukunft wer ich gestern war.
Du sprichst so leise, leiser als vorher,
ich kann dich fast nicht hören, und dennoch versteh ich dich.
Das nenn ich Glück.

Weil ich heute so glücklich bin, erzähle ich Ihnen wie es damals war im Paradies, als die Schlange es noch vermochte, mit lechzender Zunge Adam und Eva zum Tanzen zu bringen, im Glauben daran, dass ihr geballter kalter Charme jeden Verstand eisig zum Erliegen bringt. Präventiv hatte ich aber damals schon die Klarsichtbrille aufgesetzt, und mit roten Ohrenwärmern konnte mir zumindest nichts passieren. Was für ein Glück, – was sich im Laufe der nachfolgenden Zeit noch vermehrte.
Vielleicht glauben Sie jetzt, ich bin als Glückskind unter einem guten Stern geboren, aber
schenken Sie erst einmal ein, Trugbilder leben so leichter, vor allem in der Nacht, wenn man überlegt, wie viele Stunden sie hat, wenn sie zum Tag gemacht wird.
Ich träume gut, sogar wenn der Werwolf lockt und ich in Lust zergehe.
Der Zeiger der Uhr läuft Marathon im Licht des Mondes, quälend und im Schweiße seines
Angesichts.

Damals, das waren noch Zeiten, dort auf den glutroten Meeren fern jeglicher Existenz.
Jeder Orkan war willkommen, das Schiff eine stolze Galeere aus goldenen Absichten gebaut und stets gelenkt vom freiwilligen Gefühl in Übermacht. Überschwänglich dem Möglichen trotzend und genießend das Unmögliche zum Möglichen zu führen.
Der Orbit war ein anderer, und der Vollmond lenkte in rauschende Gewässer, den Gezeiten trotzend und dennoch belanglos.
Der Beifall war frenetisch, als das stolze Schiff in See stach, nur der Steuermann argwöhnte dem Lug. Denn keine Möwe begleitete die Jungfernfahrt und nur eine einzelne Ratte schaute gewitzt aus einem Spinn um dann ekelerregt den Schwanz einzuziehen um zu fliehen.
Es war glaube ich, als der Mond zur Sichel gebar, als der erste Sturm sich auf das Schlachtmeer gesellte. Orkan, Windstärke 9 und ich wusste nicht wie mir geschah.
Ich stand an der Reling und das letzte was ich hörte war der Gesang der Sirenen, die hohnvoll lockten mit gar lieblicher Stimme und aufreizendem Anblick, der jedes Blut in Wallung brachte. Süßsäuselnd als Verlockung bereit das Schiff zu entern um die begehrte Trophäe zu erhalten um so jegliches Defizitäre für sich selbst unspürbar zu machen.
Die schwere See stampfte vor sich her, weiß auf schwarz mit beißender Gischt.
Die dunkel gekleidete Bordkapelle spielte schwungvoll zum Tanz und die Ratten summten leise ein Humpatätärätä mit.
Die Ladung war bereits angefault, das Logbuch vergilbt und alle Luken standen weit offen, fast wie nach einer überhasteten Flucht ins eiskalte Meer.
Sogar die Lenzpumpen leckten und alle Schotten waren blockiert. Feuchtigkeit durchdrang das Gebälk und die mannshohen Wellen ließen den Laderaum bereits vermodern.
Zwei verirrte Fische zeigten sich verwirrt darin und suchten vergeblich nach dem Ausgang.
Elmsfeuer flammten hoch am Segelmast, doch keiner an Bord vermochte die Zeichen zu deuten.
Hinter vorgehaltener Hand flüsterte man, dass der Kapitän längst verendet den Geiern zum Fraß vorgeworfen war, der Steuermann lügt und der Maschinist in Alpträume versunken schien.
Die Mannschaft bestand eh nur aus meineidigen Halunken und der Funker war zu feige ein SOS zu funken, hätte es auch die Rettung versprochen.
Von da ab führte der Klabautermann das Narrenschiff immer volle Fahrt voraus mit Kurs aufs Riff. Egal, er hatte Wachs in den Ohren und die Sirenen sangen vergeblich ein liebliches Lied, welches dem Sturm nur so trotzte in aller Höhe der Ton.
Ganz in der Ferne am Horizont Wetterleuchten als Zeichen der Zeit.
Niedertracht, Raffsucht und Eitelkeit vereint unter dem Deckmantel des Gutmenschentums.
Auf der Brücke tanzten Tölpel und Einfallspinsel den sanften Blues die Polka folgend.
Im trüben Gewässer fischte der scharfgezahnte Hai um anschließend seinen Fang ins Trockene zu bringen, ans Land welches vom Fegefeuer bereits in Schutt und Asche niedergebrannt war.
Als ich aus der schwarzen Ohnmacht erwachte, trieb ich treibholzgleich auf einem schwarzen Meer aus Vogeldung und anderen Exkrementen und fraß meine Träume und trank meinen Sinn, verlor mich, um mich selbstbestimmt neu zu finden. Taub, stumm und blind wartete ich gelassen auf jede neue Woge. Hinter mir das sinkende Schiff, wo nur noch der augenlose Leichtmatrose im Krähennest Ausschau hielt, wo er später einer Fata Morgana erlag und laut „Land in Sicht“ flüsterte und zärtliche Elfen ihn seiner Lügen strafend in die Kloake warfen.
In der dritten Nacht, hörte ich die Kojoten heulen und sah wie die Sonne starb.

Vor meinen blinden Augen wurde ein stimmloser Mann für sinnloses Sprechen gefoltert, um ihn spöttelnd den schon wartenden Geiern zum Fraß vorzuwerfen.
Das Meer tat sich vor mir auf und verschluckte alles, was ihm mehr als Übelkeit verursachte.
Deswegen spukte es mich wieder aus um nach neuen goldenen Absichten zu suchen, die des Sinns würdig sind.
Doch da hatte ich schon längst vergessen, dass ich Eva war, die sah, dass die Schlange sich um Adam schlang, den vergifteten Apfel reichend, den er niemals aß.
Stattdessen gebar aus meiner Hülle eine Katze mit 7 Leben und die Regentin der schönen Worte war schon bereit um sich im Elfenbeinturm zu duellieren. Ich schenkte ihr 6 Leben ohne Worte und ging.
Das letzte woran ich mich dann noch erinnern kann, ist dass ich laufe. Ich laufe ohne Unterlass, verleugne meine Gedanken und lasse sie im Nichts vergehen.

Verstehen Sie nun, warum ich an mein eigenes Glück glaube und keine Angst habe vor der Vergänglichkeit eines flüchtigen Augenblicks?
Ich hab noch ein Leben übrig und das genieße ich mit all diesem Glück, welches sich mir bietet in aller Leichtigkeit des Seins.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
Dieser Beitrag wurde unter Glück veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s