SchwarzWeiß

Dann wenn man mich sieht bin ich.
Dann wenn ich gehe, war ich. Nur wer ich war ist danach unwesentlich.
Deswegen ist es auch nicht wesentlich, wer ich bin oder wer ich sein werde.
Ich bin schon vergänglich, bevor man mich sieht.

Seit gestern liege ich wieder hier in diesem weißen sterilen Zimmer. Sie haben gesagt es ist besser so.
Es ist gut, dass du nicht gefragt hast, ich wollte dich auch nicht beunruhigen. Du hast so viel mit dir selbst zu tun und dich habe ich niemals belogen.
Ich weiß nicht was schlimmer ist, diese Stille um mich herum oder das monotone Geräusch des Apparates, welches mich fast schon um den Verstand bringt.
Ich schreibe, um zu testen, ob ich noch denken kann und immer wieder erscheint dazwischen dein Bild vor meinen Augen.
Neben mir liegen deine letzten Zeilen und ich weiß, dass du jetzt sofort hier sein würdest, um mich zum Lachen zu bringen.
Dabei lache ich gerade, weil du schreibst, dass du mich nicht auch noch mit deinen Problemen belasten willst. Wir sind uns wohl doch ähnlicher als wir dachten.
Die Nacht war so endlos lang. Ich hab die Striche an der Wand gezählt und dann wieder rückwärts von vorne angefangen.
Nein Schmerzen habe ich keine, du weißt doch, als Simulantin mache ich mich gut. Ich hab lange genug geübt.
Ich wollte auch lange genug wach bleiben, um meinen Gedanken die Möglichkeit zu geben mühelos noch so weite Strecken zurückzulegen ohne jegliches Hindernis, damit sie mir so den nächsten Dope für eine neue Runde zu geben.
Eine Frage, die ich mir die ganze Zeit stelle ist die, ob ich noch irgend jemandem etwas schuldig bin. Nein, ich werde jetzt nicht sentimental oder gar weich. Ich versuche nur gerade mir selbst zu folgen und damit ins Reine zu kommen. Vielleicht bin ich auch einfach nur müde.

Heute nacht habe ich ihn wieder gesehen, diesen düsteren schwarzen Mann, wie er am Fenster steht und mich beobachtet und dabei fast wohlwollend grinst.
Es war kalt mit ihm im Zimmer und wenn er ausatmete gefror das Blut in meinen Adern.
Ich bin mir sicher, ich kenne ihn von irgendwo her, habe es aber vergessen.
Dann denke ich, die Zeit ist gnädig, weil ich schon lange vergessen habe mich zu erinnern.
In all dieser Zeit hat der Mann auf etwas gewartet, wo er genau wusste, dass es nie passiert. Er hat verlernt sich selbst zu bedauern und konnte nie danke sagen, weil der Hass stärker war, als das was er bekam. In meinem letzten Traum wischte er sich das Blut aus den Mundwinkeln und geißelte sich selbst, für all das was nie war.
Dann nahm er mich in seine Arme und seine Hand drang ein, bis zu diesem viel zu schnell schlagenden Herz, um ihm den richtigen Takt zu zeigen, während er mit der anderen Hand nach den Wolken griff um mir meinen Mund zu stopfen. Dabei war ich schon so lange wortlos,
und draußen schien dieser Mond, der dich auch nur anlügt, selbst wenn er in einem Blau erstrahlt.

Viele Jahre waren so nutzlos, kennst du dieses Gefühl?
Ich höre Liwa und er erzählt mir die Geschichte von seiner Mutter, die noch einmal im Meer baden wollte, bevor sie starb und ich halte einen Stein in den Händen in den ich mein Herz für dich einmeißel und sentimentale Worte einritze .
Hier im Zimmer ist es still und der Mann steht immer noch am Fenster und klagt mich an, dass ich mit meiner unsäglichen Art die Schlange getötet hätte, die er geliebt hat. Ich hab nie Schlangen getötet oder ich habe es vergessen.
Oder waren es die Lämmer, die schon schwiegen, weil die Luft zum Ersticken trocken war.
Und dann schau ich ihn an, präge mir jeden Zentimeter seines Gesichts ein, um nicht zu vergessen. Und er wusste doch wovon ich rede, denn er drehte sein Gesicht weg bevor sich seine Hände um meinen Hals legten.
Und im Traum spüre ich, dass alles um mich herum zu Eis gefriert und ich sehne mich nach dir und nach der Glut des Feuers.
Und dann sehe ich dich am See unten und wir starren in den Himmel wo 6 Flugzeuge ein Hexagramm zeichnen, die Gitterstäbe hinter denen wir uns verstecken.
Und wir flüstern von Gefühlen und ich glaube dir.
Im Traum höre ich die Sterne lachen und ich weiß, dass ich keine Angst mehr vor diesem schwarz gekleideten Mann mehr zu haben brauche.
Und all diese Sterne am Himmel sind gefallene Könige und eigentlich sind sie nicht mehr als Licht.
Ich wünschte, du wärst jetzt hier und würdest mich für einen kurzen Moment aus diesem stickigen und kalten Zimmer mitnehmen. Dorthin wo du die Lachse aus dem See angelst und ich nicht den Bären jage, weil ich genau weiß, dass dies uns als letztes zum Lachen gebracht hat.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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