psychedelisch

Huxley:
To make this trivial world sublime,
take half a Gramme of phanerothyme.
Osmonds:
To fathom hell or soar angelic
just take a pinch of psychedelic.

Mein lieber Unbekannter,

wie du siehst, hänge ich immer noch daran, dir zu schreiben, auch wenn dich noch nie eine Zeile von mir erreicht hat. Alle Briefe an dich habe ich fein säuberlich gebündelt hier in der Schublade meines Schreibtisches liegen, nur für mich Zeugnis dafür, dass meine Gedanken genau so existiert haben und ich nichts von dem vergessen kann, was nie gewesen ist.
Im Grunde genommen war alles eine Reise ohne Anfang und Ende, nie wirklich und doch wahr.

So manches Mal hatte ich das Gefühl, die Sonne zieht an mir vorüber, während die Welt an ihr vorbei einfach so untergeht.
Die Abenddämmerung habe ich immer schon geliebt. Nur dann, in der Dunkelheit der Nacht, haben sich die Gedankenströme selbst eingeladen, die ich bei hellem Licht lieber verneint habe. Und mitunter bekamen sie mich zu fassen und zogen mich hinab in diesen Strudel, der in der Singularität endete um genau dort wieder zu beginnen.
Weißt du, auch das konnte mir am Ende nichts mehr anhaben, weil ich mir zur Angewohnheit machte, mir meine Fehler nicht so ohne weiteres selbst zu verzeihen. Lieber genoss ich die Rebellion gegen mich und rieb mir selbst im Kampf noch meine blauen Flecken wund.

Meinen Stolz habe ich immer bewundert und verflucht. Aber die Tarnung meiner Gefühle wurde nahezu perfekt mit der Zeit.
Ich weiß, du schüttelst jetzt deinen Kopf und sagst mehr zu dir selbst, dass ich es immer noch nicht begriffen habe.
Vielleicht hast du damit ja sogar recht. Aber ich bin schon zu oft dem Missverständnis unterlegen, als dass es deswegen mir noch ein Wort aus meinem Munde rauben würde. Dennoch gestatte ich mir selbst zu lieben und zu hassen, ohne jegliche Bedingung, die ich an mich selbst stelle.
Ich passe mich nicht mehr an, sondern wende mich ab, wenn ich keine andere Wahl habe. Und ich bin froh, wenn es dann keiner Erklärung bedarf. Dafür überziehe ich auch schon mal das eigene Gefühl zum Schutz mit einem Kondom. Für die Entsorgung sorge ich schon selbst. Merkt ja niemand, denn im Simulieren neige ich dazu, die Perfektionskurve nach oben anzustreben.
Würdest du das nun unehrlich nennen? Für mich ist es heute der ideale Schutz. Und dabei bin ich sogar ehrlich zu mir selbst.
Und wenn ich mich selbst in Frage stelle, sage ich offen heraus, dass ich das Heute viel mehr genieße als das Davor.
Dafür habe ich dir diese Briefe geschrieben um sie selbst zu lesen, weil ich mich darin wiederfinde und gleichzeitig verliere.
Ich erkenne meine Grenzen und manchmal versuche ich sie zu überwinden. Dabei bleibt manchmal sogar mehr als nur ein Abdruck im Kissen und der Duft der im Danach noch im Raum schwebt.

Und glaub mir, heute ist so mancher Flug durch die Nacht ein wahres Aphrodisiakum mit faszinierend psychedelischer Wirkung. Da brauche ich keine Tarnung und mich nicht zu verstellen. Und in diesen Momenten ist es einfach nur herrlich ich selbst zu sein, zu genießen mich hinzugeben, um vom Rausch der Leidenschaft getragen, ohne Maske fliegen zu können. Nicht mehr und nicht weniger. Ich denke nicht mehr an das Morgen, sondern genieße es in manchem Augenblick zu wissen, wie die Wolken schmecken.

Kannst du verstehen, warum ich jetzt manchmal förmlich darauf warte, dass die Sonne an mir vorüberzieht und die Welt an ihr vorbei einfach untergeht und eintaucht in dieses leidenschaftliche Schwarz der Nacht?

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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