PerlenSchweiß

Nächtens schweißgebadet ruhelos den Gedankenpegel hochgeschraubt.
Ich hab so vieles gehört, von dem ich nichts verstehe.
Die Weisheit mit Löffeln nicht gefressen, dafür mir lieber die Ohren verschlossen und mir eigene Bilder gemalt.
Alles, was wahrhaft ist, und was ich letztendlich ganz sicher weiß,
ist, dass Wissen im Vergleich zum Gefühl nicht allzu viel bedeutet.
Heute würde mich das Geräusch unbekannter Schritte im Flur bereits schon zufriedenstellen.
Irgendwann ist alles vergessen. Du wirst nicht mehr wissen wer ich war,
wenn ich gegangen bin.
Und wenn ich erst vergesse mich zu erinnern, hat es uns nie gegeben, weil nie etwas war.

Manchmal kamen nachts die Träume und damit die Visionen von der Wirklichkeit, ehe der Nebel gnädig alles verschlang.
Im Traum war sie lange unterwegs gewesen, obgleich es nirgends geschrieben stand, wo die Wirklichkeit aufhörte und die Vision schon begann. Sie war eines jener Geschöpfe, die man als Ruhelose betitelte und der man es schon von weitem ansah. Eines von der man sich lieber fernhielt, aus Furcht vor Ansteckung, weil es nichts als Prophylaxe gab.
Als Konsequenz dessen, musste sie morgens bereits schon schweißgebadet von Übelkeit geschüttelt und blind beschlagen aufwachen.
Die schwarzen langen Haare hingen ihr wirr ins Gesicht und vereinigten sich mit den salzigen Perlen, die ihr wie Blut miefig riechend aus jeder Hautpore tropften.
Ihr war übel, obwohl sie nicht wusste, ob es an dem irrigen Trip der letzten Nacht. dem billigen Brandy, der jetzt noch in der Kehle brannte oder doch an dem fahlen Beigeschmack der Offenbarung des sich stets wiederholenden Traumbildes lag.
Traum und Wirklichkeit waren schon längst eins und niemand wusste an welcher Stelle alles miteinander verschwamm.
Sie war immer schon so rastlos gewesen wie heute, nur kam im Hier und Jetzt der Geruch des Verbrannten dazu, so wie es ein Rest von Asche tat, deren letzte Glut noch glimmte.
Dieser Planet gab keine Ruhestätte für sie her, weder im Gestern noch im Übermorgen.
An jeder Stelle, an jedem Ort zogen die Nebelschwaden hinter ihr her, so als wenn sie das Böse einzuweben vermochten, wie in einen Concon, in dessen Mitte sie kein Licht mehr sah.
Vielleicht war sie einer jener apokalyptischen Reiter, nur war selbst sie sich nicht sicher, auf welchem Pferd sie saß.
Die Apokalypse fand auch ohne sie statt, den Kampf zwischen Gut und Böse fochten andere aus, alle auf farbigen Pferden mit dem Ziel zu siegen oder in der Niederlage unterzugehen.

Sie hatte Visionen jenseits von dem einen und dem anderen. Dennoch war ihr bewusst, dass sie nie den Mut finden würde ihnen zu folgen. Deswegen ließ sie diese im Nebel, weil Angst ein guter Grund ist.
Nur manchmal in ihren Träumen konnte sie die Angst besiegen und setzte sich selbst damit die Krone auf, in deren Schein sie sich selbst die Ovationen zollte. Manches Problem erledigte sich von alleine.
Tausende von Vögeln wetzten ihre Schnäbel am Berg zur Ewigkeit hinter dem Universum und so kam manches früher als erwartet.

Irgendwann dann kam die Einsicht, dass Wissen im Vergleich zu Gefühlen nicht allzu viel bedeutet, und das war der Anfang vom Ende.
Sie hatte so viele Dinge gehört, die sie nicht verstand und heute würde sie das
Geräusch unbekannter Schritte im Flur zufriedenstellen.
Als sie ihm begegnete, wusste sie bereits, dass er sie eines Tages hassen und vor den Rat der Allwissenden stellen würde, die über jede Leidenschaft urteilten um sie anschließend mit Häme und Spott zu übersäen.
Nur einzig die Gleichgültigkeit ließ ihn für einen kurzen Moment stillhalten, weil sie die Magie beherrschte ihn in höhere Sphären steigen zu lassen und er ihr dafür das Gleiche gab.
Dabei war sie als Täter längst schon das Opfer, weil den Hass schon längst bereuend, standen sie sich beide in nichts nach.
Als Gnadenstoß fickten sie sich die Erinnerungen aus dem Hirn und genossen als Henkersmahlzeit das Lachen über sich selbst im Zustand der seelischen Divergenz.

Danach floh er vor ihr und sie suchte ihn in jedem anderen Gesicht. Im Traum ließ sie ihn sterben und begrub ihn unter ihrer eigenen Asche, die sie sich aus Trotz auf ihr eigenes Haupt streute.
Zum Opferlamm war sie nicht geboren.
Nur war sie schon viel zu lange unterwegs, als dass sie noch unterscheiden konnte, wo der Traum endete und die Wirklichkeit begann.
Aber als sie erwachte, hörte sie sein Lachen und ihr war fast so, als würde sie eine Hand streifen, die ihr sanft die Schweißperlen aus dem Gesicht strich und aus jeder Pore ihres Körpers loderte wie verrückt, heiß das Feuer der Leidenschaft.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
Dieser Beitrag wurde unter apokalyptisch, Divergenz, Hitze, Lachen, Leidenschaft, Lust, Rausch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu PerlenSchweiß

  1. zippo schreibt:

    Beim Lesen bin ich auch gerade ins Schwitzen gekommen. Auch surreal gefällt mir gut, und noch besser die Vorstellung, dass Erinnerungen aus dem Hirn gefickt werden können.
    Im Zusammenhang mit dem Satz: „Und wenn ich erst vergesse mich zu erinnern, hat es uns nie gegeben, weil nie etwas war.“, ein interessanter Aspekt.

    Ein schönes We, Frau Arsfendi.

  2. gokui schreibt:

    es ist doch immer wieder ein schöner traum, diese dinge zu träumen, träume die nie waren, nie werden durften oder/ auch wahr geworden sind, wenn auch nur für ein paar traumhafte augenblicken.

  3. arsfendi schreibt:

    Das ist es Herr Gokui.
    Ich bin mir sicher, das sind sogar die schönsten Träume, vor allem die, wo man sich dann so ein paar traumhafte Augenblicke zurückholt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s