Ohne Groll

Als du damals gingst, einfach so ohne ein Wort, war ich so hin und her gerissen. Zuerst wusste ich nicht, ob ich eher lachen sollte oder ob es der Situation angemessener wäre zu weinen. Es waren so typisch die Zweifel einer Frau, die Enge nicht ertragen kann und trotzdem zuweilen gehalten werden möchte.
Trotzdem tat sich ein kleiner Graben vor mir auf, in den ich mich im Zeitlupentempo selbst hineinfallen ließ. Ich glaube ich hatte selbst sogar noch mit Hand angelegt, um ihn tief genug werden zu lassen.
Mein Leben ging weiter und das war das was zählte. Jeder hat so seine Art mit Verlusten umzugehen. Es war ja auch nicht das erste Mal und somit wird es vielleicht auch immer leichter.

Da kann man auch noch so gut darauf vorbereitet sein, irgendwie versetzt so ein Goodbye einem einen Stich, ob man will oder nicht.
Vielleicht hätten wir auch das Gehen in unterschiedliche Richtungen ganz gut hinbekommen, wenn die Umstände es besser mit uns gemeint hätten.
Aber so gingen wir dann halt eben los, ohne uns umzudrehen und mit einer scheinbaren Gleichgültigkeit, die, so fanden wir zumindest, uns ganz gut zu Gesichte stand.
Sicherlich gab es auch Zeiten, wo ich wütend auf dich war, wo ich dich verflucht habe, weil ich meine Gedanken nicht auslöschen konnte. Somit relativierte sich auch dies wieder, weil ich dann eher streng mit mir ins Gericht gering.

Der Selbstreflektion geschuldet musste ich sogar einsehen, dass ich genauso dazu beigetragen hatte, unsere Wege auseinander driften zu lassen und ich somit nicht meine Hände in Unschuld waschen konnte.
Im Grunde genommen aber war das sowohl für dich als auch für mich eher unwichtig.
Saubere Hände hätten die Sache vielleicht ein wenig vereinfacht, aber im Selbstmitleid zu baden, hätte bei mir sich kräuselnde Nackenhaare verursacht und ich mag es lieber glatt.
Abgearbeitet habe ich dich an mir selbst. Heute zu sagen, es wäre einfach gewesen, scheint mir einer Lüge gleichzukommen.
So manche Hinterlassenschaft lag einfach so im Weg und war deswegen hinderlich. Aber mit Sturheit beißt man sich sogar da durch, auch wenn es zuweilen mal Zahnschmerzen verursacht.

Ich hab versucht dich zu hassen, mit dem Resultat, dass ich über meine eigene Naivität zu lachen begann und mich als Narren im Spiegel sah.
Ich hab mir dann lieber eine neue Haarfarbe zugelegt und die Haare raspelkurz geschnitten. Dadurch bin ich zwar nicht zu einem anderen Menschen geworden, aber doch eben anders.
Erst heute kann ich Vieles mit dem nötigen Abstand sehen und insbesondere mich selbst nicht mehr so wichtig nehmen.
Heute würde ich wohl eher meinen Mund aufmachen und nicht nur schlucken, gerade weil ich genau weiß, dass ich es war, die dich oft genug im Regen hat stehen lassen, weil Erwartungen nur einem selbst ein Bein stellen.
Ich bin mir sicher, du bist damals auch eher im Zorn gegangen und hast mich irgendwann angefangen zu hassen, weil nur das eine logische Konsequenz war, die ich auch erst heute verstehe.
Viermal bin ich jetzt schon nach unserer Zeit umgezogen und dein altes Hemd begleitet mich immer noch, genauso, wie ich auch noch immer nicht deine Mails und Nummern gelöscht habe, ohne ihnen in der Zeit danach auch nur einmal Beachtung geschenkt zu haben.. So kleine Sentimentalitäten müssen einfach sein.

Heute Morgen musste ich zum ersten Mal darüber lachen, dass kein einziges Bild von uns beiden gemeinsam existiert, was ich jemals dem Reißwolf hätte übergeben können.
Wahrscheinlich würden wir uns heute gar nicht mehr wieder erkennen. Und doch wüsste ich gerne wie es dir geht, ob du deine Oase gefunden hast und in einer Diskussion deinen Unmut immer noch zum Ausdruck bringst, indem du erst einmal tief die Luft zwischen den Zähnen einziehst.

Ob wir heute wohl zusammen lachen könnten? Ich denke schon. Nein, ich bin mir sicher.
Ich glaube schon, dass du deinen Weg einfach gegangen bist und du das Glück auch gefunden hast, welches ich dir immer gewünscht habe.

Es tut richtig gut, heute nicht mehr im Groll an dich zurückzudenken und wünsche mir nur, dass es dir genauso geht.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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