Vertraglich perfekt

Der Vertrag war perfekt ausgehandelt.
Sie hatten sich viel Zeit dafür genommen, um auch nicht das kleinste Detail zu vergessen. Am Anfang war er noch ein wenig skeptisch, aber sie wischte einfach so jeden Vorbehalt vom Tisch. Es war auch kein Realvertrag im herkömmlichen Sinne, sondern ein Konsensualvertrag als gegenseitige Willenserklärung. Als gegenseitige Willenserklärung waren alle Voraussetzungen erfüllt. Die Freiwilligkeit war gegeben, der Inhalt der vertraglichen Vereinbarung wurde von beiden Beteiligten im gleichen Sinne verstanden und jegliche Täuschung war im Vorfeld der Nutzlosigkeit anheim gestellt.
Mündig waren sie beide und sprachen und entschieden auch vorher stets nur für sich selbst. Autonom waren sie und wollten es auch bleiben, genauso wie sie befähigt waren das Wort des Versprechens zu verstehen und demnach zu handeln. Das Problem, dass einer von beiden in Vorleistung ging, stellte sich mangels Unmöglichkeit erst gar nicht und somit bekam das Wort Vertrauen erst in einem anderen Sinn eine Bedeutung. Ein zeitliches Problem, inwieweit sich die vereinbarten Leistungen in die Zukunft erstrecken, ergab sich nicht, da dies bereits in einer hinzugefügten Klausel geregelt war.
Der Vertrag galt so lange bis eine der Parteien ihm widersprach, was von dem anderen Beteiligten widerstandslos zu akzeptieren war. Gründe brauchten keine angegeben zu werden, denn die ergaben sich eh aus dem Vertragsinhalt. So können in der Zwischenzeit auch unvorhergesehene Ereignisse eintreten, die die mit dem Vertrag verbundenen Absichten der Parteien gegenstandslos machen. Natürlich wurde der Inhalt des Vertrages von beiden gemeinsam ausgehandelt, in Abhängigkeit von der Interessenlage der Parteien, ihren Handlungsmöglichkeiten und ihrem Verhandlungsgeschick. Grundsätzlich galt, dass beiden freigestellt war, innerhalb des gegebenen rechtlichen Rahmens ihre Interessen frei zu verfolgen. Das Wichtigste aber war, dass beide Beteiligten bei rationalem Handeln nur einen solchen Vertrag abschließen würden, durch den sie besser gestellt werden als ohne diesen Vertrag. Und so war es dann auch.
Zwischen dem Punkt, wo ein Vertrag für die Parteien vorteilhaft wird, und dem Punkt, wo er nachteilig wird, gibt es einen mehr oder weniger großen Spielraum für Verhandlungen, den sie dann auch bei Nachverhandlungen stets genutzt hatten. Die Verhandlungsmacht der Parteien war zwar nicht sehr unterschiedlich, aber es war zuweilen schwierig, da der Nutzen für den ein oder anderen doch hin und wieder schwankte und auch die Bedürfnisse ab und an schwankten.
Dass Verträge freiwillig abgeschlossen werden, bedeutet natürlich nicht, dass dabei keinerlei Zwang mitwirkt. Falls kein Vertrag abgeschlossen wird, so gilt der Status quo weiter. Dieser Status quo kann für die Parteien unterschiedlich erträglich sein. Wenn sich z. B. eine Partei in einer Notlage befindet und unbedingt zur Bedürfnisbefriedigung auf Vertragserfüllung pochen muss, so ist die Freiheit, den Vertrag nicht abzuschließen, unter Umständen nur die Freiheit, in der Notlage zu verkommen, sprich versuchen, die Bedürfnisse selbst zu befriedigen.

Natürlich galt: Pacta sunt servanda. Wenigstens solange, bis einer von beiden widersprach. Nein, widersprochen haben sie bis jetzt noch nicht. Oder nur mal kurz wegen Sinnlosigkeit eines Vertragsbestandteiles. Aber es war eben nur eine einseitige Aufhebung des Vertrages und man kam dann mit Lust zu einer neuen beidseitigen Willenserklärung. Da dies immer mal wieder vorkommen konnte, galten besondere Accidentalia negotii, die ein Neuzustandekommen immer wieder ermöglichten. Ach, manchmal ist so ein Vertrag auch gar nicht notwenig, wenn man sich der Bedingungslosigkeit freiwillig ergibt, dem Verlangen folgt und leidenschaftlich das tut, wonach es dem Bauch intuitiv dürstet.

Aber so oder so, es war perfekt. Und man schlief gut ohne unangenehme Unterbrechungen zu nachtschlafender Zeit. Wenn das mal nichts ist. Vielleicht verrückt aber ansonsten einfach nur gut.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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