Wie so vieles andere auch…

Wir waren immer Fünf. Fünf Menschen, die sich vor langer Zeit fanden und es sich wert waren für das Gefundene zu geben. Zu geben ohne jegliche Erwartungshaltung und doch wissend, dass immer wieder etwas aufs Vielfache zurückkommt.
Jeder von uns hatte zwar seine eigene Definition von Freundschaft, und dennoch gab es Schnittstellen oder wenigstens Parallelverschiebungen.
Das Wichtigste aber war das Gefühl, dass man so akzeptiert wurde, wie man war, egal aus welchem Blickwinkel die Betrachtung erfolgte.
Trotzdem konnte man sich auf die Meinung des anderen verlassen, denn egal wie gegensätzlich sie erschien, konnte man sicher sein, dass es keine unbedachten Worte waren oder zum Verletzen geneigte Phrasen.
Ich denke, zurückblickend vermag ein jeder von uns Fünf zu sagen, dass es eine gute Zeit damals war.
Denn jeder von uns hat etwas mitgenommen. Etwas von dem man auch heute noch zehren kann, wo vielleicht doch so manches mal der Weg etwas steiler bergauf geht und das Vor uns nicht so strahlend leuchtet, sondern eher in nebulöse Farben eintaucht.

Damals dort in unserer kleinen Welt haben wir oft gemeinsam den Pinsel geschwungen, und mit kraftvollen Strichen alles in hell leuchtende Nuancen eingetaucht.
Es spielte keine Rolle, wer den Farbton bestimmte. Denn immer dann, wenn vielleicht für den Einen mal das Dunkle eher überwog, konnten wir sicher sein, dass die anderen den Pinsel mit der richtigen Farbgebung schon parat hielten.
Vielleicht haben wir uns schon damals für alles Kommende gegenseitig stark gemacht, insbesondere durch die innere Verbundenheit des Verstehens ohne auch nur ein Wort zu verlieren.
Als es an der Zeit war, dass unsere Wege auseinanderdrifteten, geschah dies mit dem Wissen unsichtbare Spuren hinterlassen zu haben, die dennoch jederzeit abrufbar waren.
Tom war schon damals der Mensch, der bei mir sehr tiefsitzende Spuren zeichnete.
Es waren seine Worte, die auch heute noch intensiv nachhallen.
Worte, die mich schon damals, wenn wir nach der Schule zu unserem Platz unten am See radelten, immer wieder faszinierten und fesselten.
Kein anderer vermochte es so wie er mit Worten zu malen.
Er verführte mich in Welten furchtlos einzutauchen, die so fremd und unwirklich erschienen, und dennoch das Erleben mit spannender Erwartung zu genießen.
Ich konnte stundenlang seiner sanften Stimme lauschen, wenn er mir aus den “Blumen des Bösen” vorlas oder Miguel de Cervantes zitierte. Ich sah Dulcinea mit langem schwarzem Haar vor mir, litt Höllenqualen im Tod von Morella und empfand Schmerz mit Justine ebenso wie mit Juliette.
Schon damals offenbarte Tom mir den Blick über den Tellerrand um mir das Bewusstsein für das Mögliche zu öffnen, ebenso das Risiko nicht scheuend, aus Unmöglichem das Mögliche zu machen.
Tom lebte mir seine eigenen Worte stets vor. Für ihn war es das Wichtigste, sich selbst zu akzeptieren wie man ist und sich niemals untreu zu werden.
Es hat sich sehr vieles davon in mir verankert.
Aber heute weiß ich, dass ich es wagen kann der Mensch zu sein, der ich bin.
Nicht immer ganz sicher im Blick nach vorne, aber dennoch mich Herausforderungen stellend.
Manchmal zweifelnd und auch zögerlich ernst, vor allem ersteres an mir selbst. Aber dann wieder mutig und so voller Neugier auf alles was noch kommen mag.
Hin und wieder erkenne ich Widersprüche in mir und ein wenig Zerrissenheit, wo aber dennoch der Trotz zum Vorschein kommt, der hilft mit Verbissenheit auch alleine jede Unwegsamkeit zu meistern.
Und sogar auf der Suche nach mir, passiert es ab und an mal, dass ich mich selbst verpasse.
Heute weiß ich, dass mich nicht jeder verstehen muss, ebenso wenig wie ich jeden verstehen kann.
Und genau damit habe ich sogar Verständnis für mich selbst.
Nicht jeder Wunsch hat in der Erfüllung seinen Wert, und ich hoffe dennoch, dass mir kein einziger von ebendiesen verloren geht.
Auch wenn es nicht immer so läuft, wie ich es gerne hätte, vermag mir auch dieses nicht mehr allzu viel anzuhaben.
Vielleicht habe ich gerade damit so etwas wie das Kind von Damals in mir bewahrt.
Das Kind, das mit unbedarfter Neugier sich selbst immer wieder aufs Neue entdeckt und im eigenen Erstaunen schon alleine die Erfüllung findet.
Selbst meine Introvertiertheit steht mir nicht mehr im Weg, vielleicht, weil ich mich selbst darin nicht mehr verfange und ersterer zum Trotz, Gefühle als Meinige akzeptiere und diese auch lebe.
Auch wenn so manche Spur im Sand von Brandungen weggespült wird, wird es immer welche geben, die dem Meer trotzen, weil sie tief in einem selbst verwurzelt sind.
Ich bin mir sicher, dass auch ich genau solche Spuren bereits hinterlassen habe.
Und das ist gut so. Wie so vieles andere auch.

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Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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