Verhärtet

herz-aus-stein

Irgendjemand sagte mal zu mir, ich wäre nicht wie die Frau da im Film, die, die ihren Triumph zur Passion machend, voll auskostet und es nichts Ungewöhnliches ist, weil sie nur Siege gewohnt ist.
Er kannte mich nicht oder hatte sich von mir ein Bild gemalt, so wie er mich gerne hätte.
Dabei nahm ich es ihm noch nicht einmal übel, denn alle Veränderungen passierten schleichend in mir, ohne dass ich mein ursprüngliches Ich feierlich zu Grabe tragen konnte und anderen die Gelegenheit zur Kondolenz gab.
Und dennoch geschah es bewusst, weil Leben kein Stillstand bedeutet und ich mich stattdessen Schritt für Schritt fortschreibe, so ganz ohne Sehnsucht nach dem Halt, dafür mit der Erinnerung im Nacken.
Ich war zu lange auf der Suche nach mir selbst und hab mich dabei doch immer wieder verpasst. als dass ich nicht wüsste, worin der Sinn meiner eigenen Mutation lag.
Früher hatte ich mir wenigsten einen Stein als Herz gewünscht, in den ich dann unsentimentale Worte einritzen konnte, denn in der Verletzlichkeit
blieb immer nur die Flucht vor dem, dem ich dann doch nicht entkommen konnte.
Als ich die ersten Verhärtungen feststellte, war ich zunächst noch erstaunt und es machte mir ein wenig Angst.
Doch wo ich vorher den Preis bezahlt hatte, war es nun an der Zeit, selbst die Rechnung aufzustellen.
Mit der Zeit konnte ich sogar der Kälte mehr abgewinnen und begann das Tageslicht zu hassen, weil es mir oft genug Menschen zeigte mit Fratzen, die keine Rücksicht nahmen und viel zu laut lachten und reden und reden und reden.
Außerdem war ich müde von all diesen Good byes mit schönen Worten, die doch nur dazu dienten, der Lüge mit Weichzeichner zu begegnen.
Schon damals hoffte ich, dass wenigstens dieser Teil dann von mir kein Gefühl hätte und zählte im Geiste rückwärts, wie viele Katastrophen noch nötig sind um am Endes eines Traumes anzukommen, wo endlich alle Utopien sich der Illusion hingeben, im Niemalsland zu verschwinden.
Im Vorwärtsgang suchte ich nach der Neutralität, die mir sicher schien und verirrte mich im Netz der Erwartungen, die zu fordernden Bastarden mutierten.
Ausschlaggebend war dann, dass es jemand wagte mir 2x das gleiche Messer an die Kehle zu halten. Die scharfe Klinge hätte ich vielleicht noch verkraftet, aber das geraspelte Holz schmeckte mir einfach zu süß und sein hämisches Grinsen zu bitter.
Den Judas Kuss nach der letzten Nacht habe ich ihm nie verziehen, aber wenigstens schwiegen da schon die Lämmer, weil nicht nur die Luft bereits schon zum Ersticken trocken war.
Aber das war auch mein anderes Leben, da wo ich als Liebende ihm verstehend das Messer noch eigenhändig wetzte um ihm dann die Stelle zu zeigen, die dünnhäutig einen noch größeren Schmerz zuließ.
Von ihm habe ich dieses Grinsen gelernt und heute bin ich böse genug, jeden meiner Züge voll auszukosten, mit der Gewissheit, dass es in diesem Spiel nie einen Gewinner geben wird, auch wenn das immer gerne jeder für sich selbst in Anspruch nimmt.
Als er mir dann noch ein letztes Mal gegenüber stand, gönnte ich es ihm, dass er ihr im gleichen Maße verfallen war, wie sich bei mir die Gleichgültigkeit breit machte.
Er war nur Teil einer Reihe von schlaflosen Nächten. Nächte, die irgendwann aufhörten Spaß zu machen und die man dann irgendwann ad acta legt und vergisst.
Der Blick in sein schmal gewordenes Gesicht und das Zittern seiner Hände sind dann auch für mich ein letzter Triumph, der es sogar vermag den Stein in mir zum Rollen und Hüpfen zu bringen.
Jeder andere hätte vielleicht noch ein Rest von Mitgefühl aus mir herauspressen können,
Aber er hatte sich einmal zuviel lustig gemacht und über das Klischeebild der kleinen sensiblen Liebenden gelacht, welches nur schon damals einen bedeutsamen Fehler hatte.
Es entsprach nicht der Wirklichkeit.
Und ich war böse genug, kein Mitleid zu haben, weder mit ihm noch mit ihr, geschweige denn mit seinem Leben.
Es war sein eigener Kampf der Ratio gegen das Gefühl und diesmal zahlte er den Preis, während ich böse genug war, ihm wenigstens noch Glück zu wünschen.
Mir war nur ein wenig kalt dabei, aber auch daran könnte ich mich gewöhnen.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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