Lass mich endlich hassen

“Ich hab versucht dich zu hassen”, merkte sie, so beiläufig wie es nur ging, an und wunderte sich selbst, dass die Worte ganz betont ruhig über ihre Lippen gingen.
Dabei hatte sie ihn selbst von diesem hohen Sockel gestoßen, wo das Aufsehen auch heute noch beim bloßen Gedanken daran, Nackenschmerzen verursachte.
Er gehörte einer Sorte Mensch an, die sich selbst auf ein Podest stellten, damit sie auf etwas herabblicken konnten, um es dann mit einem hämischen Grinsen zu belohnen.
Hass ist immer für etwas gut, nur darf der Versuch nicht schon zum Scheitern verurteilt sein.
Dabei fing das Ende schon so gut an. Selbstbestimmt verließ er sie mit knappen Worten, weil das Bessere schon so greifbar war. Somit war zumindest Wut der Köder für das tiefergehende Zornesgefühl, um damit dem Hass den Weg zu ebnen.
Alles schien so einfach im Fühlbaren, wenn nur schon das Gift die Umlaufbahn erreicht hat, sich im Körper auszubreitend, um die Gedanken zu beherrschen.
Alles Gute musste nur noch schnellsten vergraben werden, ausgelöscht, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Transzendental beschwörerisch versuchte sie das Gesicht zur Fratze mutieren zu lassen mit glutroten Augen, denen sie unweigerlich ausweichen musste.
Der männliche Duft verlor sich in einer miefigen Kloake, worin sich damit auch seine Anziehungskraft verlieren sollte.
Erwähnte jemand seinen Namen, hielt sie sich die Nase zu, um nicht mit den Augen hören zu müssen, was ihr Innerstes erwiderte.
Seine Stimme, die früher ihren Körper mit Gänsehaut überzog, bekam den Klang eines quakenden Frosches, einer Kröte, deren schleimiges Wesen jede Prinzessin die Flucht ergreifen ließ, um eher Rumpelstilzchen den begehrlichen Kuss zukommen zu lassen.
So viel Mühe für all dieses scheinbar Einfache.
An den Beinen des Podestes hatte sie gesägt und lediglich sich blutige Finger geholt, während er sich wacker oben hielt und sie immer noch angrinste, als wollte er sagen: „ Versuchs gar nicht erst.“
Dann lockte er sie wieder mit ein wenig Zucker, um im gleichen Atemzug alles ad absurdum zu führen, nicht ohne sich vorher das zu nehmen, wonach ihm war.
Es war nicht alles schlecht, vor allem als seelischer Mülleimer machte sie sich gut und den Trost spendete sie dann angemessen im Rausch der Nacht.
Bevor er ging spendete sie ihm noch einen letzten Trip ohne jedes Gefühl.
Er nahm es dankbar an.

“Ich hab wirklich versucht dich zu hassen.”
Nur die Variablen der Formel ergeben immer noch einen Wert >0.
Heute ruft er wieder nach ihr und sie wünscht sich ihn endlich zu hassen.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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