Schau zurück

Starr fixierte sie die blauen Zeiger der Uhr an der Wand. Es schien so, als bewegten diese sich kaum von der Stelle, außer dem kleinen vorwitzigen Kerl, der mit seinem monotonen Ticken Runde für Runde die Sekunden vorgab. Nichts änderte diese Taktfolge in Endlosschleife, die aber auch nichts in Bewegung setzte. Eine einzelne Kerze flackerte auf dem Tisch, während sie, wie so oft, auf dem Boden mit zum Körper angezogenen Knien hockte. Das Fenster stand weit offen, um dem Wind die Möglichkeit zu geben, etwas von dem Wirrwarr an Gedankenknoten zu lösen, die mit dumpfem Schlag gegen ihre Hirnwände schlugen. Der Sturm kam langsam näher und wie immer würde sie am liebsten irgendwo Schutz suchen vor dieser gewaltigen Kraft, die ihr den Boden unter den Füßen wegriß. 20 Stunden hatte schon der Tag und auch der Rest würde nicht dem vergessenden Schlaf zum Opfer fallen.

Zumindest konnte man sich an der Zigarette festhalten, sie rauchte eh viel zu viel in solchen Nächten, in denen sie sich selbst wach hielt. 10 x konnte man an diesen Zigarettensticks ziehen, bevor sie dem Nichts übergeben waren. Diese verdammten Dinger hatten es eilig, viel eiliger als diese noch verdammteren Zeiger der Uhr. Es war nichts. Es war wirklich nichts, außer dieser verdammte Flug in die Bodenlosigkeít, ohne Fallschirm und doppelten Boden.War sie es wirklich, die da oben an diesem Abgrund noch kurz hinabgeschaut hatte um dann einfach den freien Fall zu wagen, weil es nichts mehr gab was hielt?
„Attention please, attention pleace, noch können Sie zurücktreten. Sie brauchen es nicht zu tun, weil alles einen Sinn hat.“
Auch das war nur eine Stimme aus dem Nichts und sie verzweifelt genug, dem nicht Rechnung zu tragen.
Müde war sie und sehnte sich nach einer Dunkelheit, die alles umschloss und einhüllte und sogar die Tristesse mit sich nahm im ewigen Vergessen.
Attention please, attention please. Bitte beachten Sie, Sie verlassen nun sicheres Terrain. Wir übernehmen keine Verantwortung mehr. Sie müssen selbst wissen, was Sie tun.
Sie hielt sich die Ohren zu, um der eigenen inneren Stimme kein Gehör zu schenken.

Sie wünschte sich nur noch Ruhe im ewigen Vergessen, und dieses Hämmern im Kopf nahm keine Rücksicht. Nichts konnte diese monotone Taktfolge ändern. Und nur das Blut in ihrem Körper floss schneller als normal und brachte damit die Ruhelosigkeit in jeden Winkel im Inneren. Nein, es war wirklich nichts oder vielleicht war auch das alles. Der letzte Film vor ihren Augen zeigte all die Stunden, die so berauschend waren und das konnte man mitnehmen in diese Stunden der Dunkelheit, in denen das Brennen in den Augen noch zeigte, dass man lebte.

Einen Zug gab die Zigarette noch her und sie spürte, wie das Blut in ihr anfing zu brodeln. Der Herzschlag folgte nicht der Taktfolge dieses kleinen Zeigers der Wanduhr, sondern hatte genau 3 Schläge mehr in aller Unregelmäßigkeit. Wie gut kannte sie dieses immer schneller werdende Pochen des Herzens und das Gefühl, dass die Schlagfolge ihren Körper auseinander bersten läßt. Vielleicht würde sich damit auch der Druck auf dem Brustkorb lösen, der kaum das Atmen zuließ. Doch da war nichts, außer diesem Ticken an der Wand und leichte Windzüge, die das Flackern der Kerze verstärkten. Trotzdem hieß es einfach voll durch.

Der Unruhe folgend, drehte sie die Musik an, die alles übertönte, sogar das Rauschen im Kopf. Die Stimme wirkte beruhigend und die Worte noch mehr. Müde schloss sie die Augen und doch hielten fortwährende Gedanken wach. Gleich würde die Sonne über dem Abgrund aufgehen.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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2 Antworten zu Schau zurück

  1. Alexander Engel schreibt:

    …zuviel rauchen zu zweit, und Musik zu laut in vier Ohren…Vergessen gemeinsam…und nie mehr solche Gedanken…Ich liebe deine texte, auch diesen, auch wenn ich wünschte, ich hätte ihn nicht ausgelöst…nie mehr ohne dich…

  2. arsfendi schreibt:

    Ich denke an Foer und dieses so wahre Zitat über das Glück und die Traurigkeit.
    Und es kommen immer neue weiße Seiten dazu, die beschrieben werden mit Gedanken. Und es gebraucht nur einen Stift.
    Für immer…

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