Hass, wie auch immer

Zu hassen bedeutet gleichzeitig auch immer Selbsthass. Denn zwangsläufig hasst man sich für seine Ohnmacht.

„Ja, hasse dich nur selbst, du verdammtes kleines Miststück.
Es wird dir nur nichts nützen, denn du entkommst mir nicht.“

Seine Worte hämmerten gegen ihre Gehirnwände und verursachten einen körperlichen Schmerz, der als Echo in sämtlichen Regionen ihres Innersten widerhallte.

Nicht einmal seine Hände vermochten sich so tief in ihr Fleisch einzukerben, wie jeder einzelne Buchstabe zu Silben zusammengefügt, seine Lippen verließ.

Luzifer wäre gnädiger gewesen oder leichter zu ertragen. Vielleicht auch leiser, zumindest ein wenig.
Er dagegen war laut und gnadenlos. Wie immer, wenn etwas nicht genug war. Wie immer, wenn sie weinte und wie immer, wenn sie zitterte.
Und wie immer blieb sie. Und sie blieb, selbst da, wo schon der Hass auf sich selbst begann.
Und sie hasste sich selbst in aller Gewalt und in dieser ganzen Abhängigkeit.

Im Morgengrauen stand sie auf. Im Kopf spürte sie dieses Hämmern, gleichkommend dem Schlag auf dem Ambos. Jeder Ton setzte sich dumpf in jedem Winkel ihres Körpers fest.
Das Schlimmste aber war dieses Echo, weil es ohne Unterlass, ohne jede Gnade weiterhallte und Panik sie fast schon in die Knie zwang.
Ihre Augen brannten und das Blut floss in ihren Adern, unaufhaltsam gepumpt, weil die Natur es verlangte.
Der Geschmack auf der Zunge war schal und die dunklen Augenränder wirkten bizzar im Kontrast zu ihrer blassen Haut.
Aber sie lebte, weil es so sein musste, um zu funktionieren im gesamten System, welchem sie unterstellt war ohne jemals selbst ihre Einwilligung dazu gegeben zu haben.
Die Fäden der Marionette zogen andere und sie tanzte dazu im Takt, auch wenn der Rhythmus ihr nicht gefiel, weil die Töne zu dumpf und damit zu hart erschienen.
Hätte man sie damals gefragt, als er noch nicht in ihrem Leben war, wäre sie gelaufen ohne sich umzudrehen, gleichkommend einer Flucht, um der gewünschten Gegenwärtigkeit zu entfliehen, sich selbst zu entkommen. Rennen ohne Unterlass, den Blick gesenkt egal wohin.
Sie hätte niemals erzählt, dass es auch ein fliehen vor sich selbst, vor
den eigenen Gedanken, der Hoffnung und der Begierde gewesen wäre.

Wäre da ein Wort des Vermissens gewesen, auch nur eine Hand, die sie hielt, sie hätte die Richtung gewechselt. Aber da war nichts außer der Hoffnung und ein Wunsch, der niemals das Licht erblickte, weil Illusionen im Nebel verschwinden.
Es war ihre Pflicht zu leben in der Funktionalität und sie wäre nahezu gerannt, vor den Blicken davongelaufen, weil die das Feuer entfachten und sie innerlich
verbrannten.
Sie hätte ihre eigene Neutralität gesucht, die so viel sicherer erschien und doch so wenig bedeutete.
Weil, da war diese Stimme, die sie rief, immer und immer wieder und die sie berührte weil sie liebte und es zuließ.
Begierde ließ sie leben aber bestimmte auch die Richtung des Weges, den man nicht verlassen konnte.
Und der Weg war kalt, so wie sie innerlich erfror und ihre Finger nichts mehr fühlten.
Jede Träne wurde zu Eis und brannte in den Augen, weil sie sie nicht zeigte, lieber nach innen drängte, um zu verbergen.
Und sie hätte fliehen müssen, wenn sie nur gekonnt hätte, denn so verlor sie sich selbst und die Distanz wurde immer größer und die Wunden tiefer.
Wunden, in denen sie selbst bohrte, um im Schmerz zu spüren, dass sie noch lebte.
Und sie hörte sich selbst schreien und übertönte damit die Stimme, die sie rief, um sie zu entsorgen, so wie alles, welches seinen Wert verloren hatte im Sinne der Bedeutung.

Der Unrat war gewaltig und die Worte peitschten ihr ins Gesicht und brannten sich ein, um nie vergessen zu lassen, weil sie sich erinnern sollte, dass sie selbst ein Irrtum war. Eine einzige Lüge im Schweigen selbst und sie schwieg auch dazu, weil sie es nicht anders kannte, nicht anders durfte.

Aufbegehren war tödlich, und jedes Schweigen brachte Gnade im unbarmherzigen Spiel.
Und irgendwann kam dann der Hass dazu.
Sie hasste sich selbst für ihre Schwäche.
Sie hasste sich für jede Sekunde, die sie blieb in Abhängigkeit dessen, was das Gefühl verlangte. Und sie hasste sich für jedes Gefühl.

Vielleicht wird sie irgendwann anfangen zu laufen, um sich selbst zu erhalten, dann wenn der Mond voll scheint und sie antreibt.
Sie wird sich nicht umdrehen und einfach nur rennen, egal wohin in die Neutralität.
Der Kaffee in der viel zu großen Tasse war kalt, erfroren so wie sie, weil nichts wärmte und dennoch der Nebel alles verschlang in einer Unwirklichkeit, die fast schon einer Erlösung gleichkam.

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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10 Antworten zu Hass, wie auch immer

  1. nurembourgh schreibt:

    Er wusste es. Hat es immer gewusst. Und dieses Wissen war es, was ihn so lebendig machte. Gleich wird sie aufstehen, wird sich aus Laken wühlen, wird die Decke fallen lassen, wird in ihrer Nacktheit das Zimmer verlassen, fröstelnd beide Arme um ihren Oberkörper geschlungen, zittrig wird sie laufen, und an der Tür, genau dort, an dem gesprungenen Glas wird sie zögern, und er wird lächeln, jetzt schon, weil er weiß, weil er es immer wußte, weil es immer so war…Dieser kurze Moment genau an dieser Tür, nach der Dunkelheit, nach Schweiß und nach Lauten, die nur dieses Zimmer kennt, genau danach wird sie an dieser Tür zögern, weil sie nicht kann, nicht anders kann, nie anders können wird, weil ihr Kopf ,der sich genau jetzt umdrehen wird, sich eigentlich nicht mehr drehen möchte, doch sie wird sich umdrehen müssen, wird ihn anschauen müssen, wird ihn verachten müssen, wird ihn strafend und mit Ekel betrachten wollen, so wie sie es immer getan hat, danach, ganau in Augenblicken wie diesen, und er wird lächeln, und dieses Lächeln ist die Antwort darauf, was sie ihm nie sagen wird, weil sie weiß, das ihr Hass nur in ihr selbst stattfindet, das dieser Hass immer nur im Badezimmerspiegel zum Ausdruck kommt, weil sie weiß, das dieser Hass nur sie verbrennen wird, weil sie die Klospülung drückt, und kurz das Gefühl gerniessen könnte, ihn endlich fortgespült zu haben. Und ihr Kopf dreht sich, und da ist sein Lächeln, und in ihrem Körper beginnt es zu kochen, weil sie diese Flammen selbst entfacht hat, weil sie nie rennen wollte, weil sie auslaufen möchte, weil sie jetzt, genau jetzt alles haben möchte, auch wenn sie vor Sekunden schon alles bekommen hat, sich in Ekel gewunden an seinen Körper gepresst hat, weil sie das Brennen fühlen möchte, dort, wo ihr Herz klopft, und ihre Beine schon lange in Bewegung sind, doch nicht zu laufen vermochten, genau dann, wenn sein Hohn sie am meisten erniedrigte.
    Nach dieser Drehung verlässt sie das Zimmer, und der Spielgel wartet schon auf ihr Gesicht, wartet schon auf diesen Schmerz, wartet auf Tränen, und nur, um ihr zu zeigen, wo alles stattfindet, was sie sich selbst am meisten vorenthält. Und die Brille ist kalt, auf die sich setzt, und das Wasser heiß, das ihren Körper verlässt, und die Gedanken kalt, weil sie mit ihr nichts mehr zu tun haben. Und wieder der Spiegel, und hinter ihrem Gesicht die Frau, die jetzt, genau jetzt zur Haustür laufen möchte, gehen möchte, ertragen möchte und am Ende verstehen…
    Als sie wieder das Schlafzimmer betritt ist dort immer noch sein Lächeln, und als seine Stimme ertönt, ist in ihr wieder dieses Brennen, und bei den Worten: „Ja, Hasse dich, so wie du dich schon immer gehasst hast…“ weiß sie, das es genau dieser Hass ist, der die Gier wachsen lässt, und als sie sich zu ihm legt ist dort nichts mehr, ausser unendliche Kälte die über zwei Körper schwappt.

  2. arsfendi schreibt:

    Und in dieser Kälte, in der sie schon längst erfroren ist, könnte sie vielleicht endlich als Erlösung ein Aufbäumen spüren. Ein Aufbäumen, welches aus einer Kraft entsteht, die einfach nur in ihr schlummert und niemals entdeckt wurde, weil sie nie danach suchte.
    Und das Aufbäumen würde ihr helfen einen endlich den ersten Schritt zu tun, endlich zu sehen und sich selbst zu verstehen.
    Vielleicht wäre es durch diese Kälte endlich möglich zu verstehen, dass ihr Hass ihm gegenüber auch nur ein gottverdammtes Gefühl ist und jedes Gefühl zuviel.
    Gleichgültigkeit käme der Erlösung gleich.

    Und noch hält er die Fäden in der Hand und sie tanzt als Marionette nach jedem Ton, auch wenn er mehr und mehr in ihr zerstört.
    Wie oft hat sie sich schon die Ruhe der Dunkelheit gewünscht. Kein Atmen mehr als Ausweg und keinen Herzschlag, der eh nur schmerzt.
    Aber dann greifen seine Finger wieder nach ihr, ob sie will oder nicht.
    Und dann vögelt er ihr jeden Gedanken aus dem Kopf und sein Stöhnen ruft wieder und wieder den Ekel in ihr hervor. Und es ist sein Wille, der zu ihrem geworden ist und es ist ihre Unterwerfung, die ihm gefällt.

    Aber in ihr lodert dann das Feuer und wärmt wenigstens von innen und die Begierde schenkt neuen Hass. Hass auf sich selbst, weil sie nicht gehen kann und er das weiß. Und sie hasst sein Lächeln, und jeden Spiegel und sich selbst am meisten dafür, dass sie immer noch atmet.

  3. nurembourgh schreibt:

    Er spürt die Wellen, er spürt jede verdammte Welle, die durch ihren Körper rauscht, und er weiß, das er es ist, der diese Wogen hervorrufen kann, und gleichzeitig glätten, und dieses Gefühl läßt ihn wachsen, in einen Himmel aus tausend Laken, gespannt über dem Firmament aus Lust und Ekstase. Er weiß, wie er durch Hass hindurchgreifen kann, um ihr Feuer zu entfachen, er weiß, mit welchen Worten sie sich öffnet, oh ja, er weiß genau, in welchem Moment sie aufhört zu denken, und nach wie vielen Stößen sie anfängt zu flehen, und er wartet auf den Augenblick, wenn sein eigenes Stöhnen von ihren Schreien übertönt wird … Er braucht die Gedanken an das danach, um ihr vorher genau das zu geben, was sie hier von ihm fordert…er braucht diese Wut in ihrem Gesicht, und die unausgesprochenen Gedanken, die längst ihren Mund verlassen haben, wenn sie langsam wieder zu Atem kommt, dann, wenn sie wieder die verfluchten Gedanken in ihrem Kopf ordnet, dann, wenn sie von Kraft redet, und er merkt, das sie selbst nicht weiß, welche Kraft sie meint. Er lächelt, und sie hebt eine Hand, er lächelt breiter, und sie steht auf, er sagt „Miststück“ und sie erhebt sich immer und immer wieder, und er weiß, wenn er jetzt sagt “ Verpiss dich, ich brauche meine Ruhe“ wird sie vor Verzweiflung taumeln, denn er ist es in dem Moment, der ihr den Raum fürs alleinsein spendiert, er, der ihr den Raum gibt, nach dem sie sich so lange schon sehnt…Er lächelt, als er sagt „Verpiss dich“ und wäre beinahe erneut gekommen, mit einen Blick hoch in ihr Gesicht, wo Schmerz und Erkennen einen grauseamen Tanz vollführen.
    Als die Tür sich schließt lächelt er immer noch, und er weiß, wenn sie sich irgendwann wieder öffnet ist er es, der ihren Hunger stillt…Er weiß, das sie erst entgültig gehen kann, wenn sie aufgehört hat ihn zu hassen, dann, wenn sozusagen das letzte Gefühl gegangen ist,…, er weiß es, und das macht ihn so unendlich satt…Hass ist zum Glück auch ein Gefühl…so wie unendlich Gier…

  4. arsfendi schreibt:

    Und sie hasste ihn, auf die gleiche Weise, wie sie sich selbst hasste. Für all die Macht, die er über sie hatte, wenn sein Blick sie erregte und er sie fordernd rief.
    Er wußte immer, welche Fäden er ziehen musste, um die Gier zu entfachen .
    Ihren eigenen Schatten, über den sie hätte springen müssen, hatte sie schon längst verwischt und folgte seiner Spur, an seiner Hand, die sie hinter ihm her zog.

    Und sie hasste ihn für jedes Wort, welches er schrie, wenn sie aufbegehrte und sie hasste ihn für jedes Lachen, wenn sie erniedrigt Schutz im Bad suchte und im Spiegel den Hass auf sich selbst sah.
    Und er lachte oft und immer wieder und sein Hohn traf sie wie Messerstiche auf der Haut und Pfeile bohrten sich tief in ihr Herz, die er dann noch wie Korkenzieher drehte, um sich daran zu ergötzen.

    Mit der Zeit starb sie wenigstens einen kleinen Tod und sie arrangierte sich zumindest mit jedem Gefühl.
    Sie spürte wie sie innerlich verdorrte, weil die Hitze stach und es nichts gab, was den Durst löschte. Hunger verspürte sie schon lange nicht mehr, oder sie hatte vergessen, was das war.
    Den Blick in den Spiegel verbot sie sich, weil die Wahrheit selten geschmackvoll und manchmal schmerzlich nicht zum Aushalten ist.
    Oft sagte sie sich: morgen geh ich. Und tat es dann doch nicht. Es gab immer einen Grund, der sie festhielt. Mit der Zeit ergibt man sich, und irgendwann wählt man jeden Abgrund, wenns von Anfang an nur abwärts geht…

  5. nurembourgh schreibt:

    Und sie dachte, sie würde am Abgrund stehen. Oh Gott, nein, den Abgrund werde ich ihr erst noch zeigen-und der Mann erhebt sich und lehnt sich an das kühle Glas. Streichelt seinen Bauch und Zufriedenheit ist sein Begleiter. Als die Tür knackt weiß er, und nur die Scheibe sieht seinen verzerrten Mund, sieht seine Härte, und als er sich umdreht, weiß er, was sie sagen will, weiß er, was sie vielleicht endlich aussprechen will, weiß er, und seine Erregung wächst vor ihren Augen, und mit diesem Fühlen weiß er auch, das er sie jetzt, genau jetzt in den Abgrund schicken wird…denn sie wird es nicht sagen, kann es nicht sagen, und dieses Wissen macht ihn so verdammt groß, das seine Haut spannt, seine Gedanken pulsieren, so wie alles in ihm pulsiert.
    Sie zittert, und versucht es zu verbergen, ihre Lippen tragen Worte, unendlich lange gesprochen, vor Spiegeln, in Räumen, im Alleinsein, welches er ihr so genussvoll gegeben hat…Sie holt Luft, versucht sich aufzurichten, steht und wartet, und er sagt nichts…noch nicht, lächelt sein Lächeln und genießt die Unerträglichkeit. Sie müßte längst platzen vor Wut…aus allen Wunden sollte Blut sickern…doch nein, sie steht und wartet, erwartet, und es widert ihn an…Und jetzt, als sie zum zweiten mal Luft holt, um endlich auszusprechen, was sie doch niemals sagen kann, schaut er sie direkt an:
    „Ich will, das Du gehst. Jeztzt. Und ich will dich nicht wiedersehen. hau ab.“
    Und in der folgenden Stille weicht alle Farbe aus ihrem Gesicht, er betrachte in Wonne das Schwinden jeglichen Halts, sieht, wie sie auf die Knie sinkt, badet in diesem Zusammenbruch. Und als sie hochschaut, zum dritten mal Luft holt, um dann leise zu zischen: „Das kannst du nicht. Das geht nicht. Das ist mein Satz.“ Und aus dem Zischen wird Kreischen: „Hörst du, mein Satz…hast du verstanden…das ist mein VERDAMMTER Satz… .“ Und sie kriecht auf allen Vieren auf ihn zu, sein Lächeln erwartet sie, während sie kreischt und keucht und mit ihren Tränen seine Dielen nässt. Er weicht nicht zurück, erwartet ihre Umarmung, spürt, wie sich ihre Hände an seine Waden klammern, weicht nicht zurück, als sie sich an ihm hochzeiht, sein Gesäß packt, um irgendwann zitternd und sabbernd an seinem Körper Halt sucht.
    Er ist es, der die Hände löst, der die Arme von seinem Körper löst, er ist es , der sie wegschiebt, um dann ein, zwei Schritte zurückzugehen, betrachtend, lächelnd, und Worte wiederholend:
    „Geh. Jetzt. Und komm nicht mehr wieder. Du widerst mich wirklich an.“ Und wieder streicht seine Hand über seinen Bauch, und wieder steht seine Erregung im Raum, tanzt vor ihrem Gesicht, ihr Blick gesenkt, starr ihre Haltung, fixierend, Zeit raubend.
    Sie bewegt sich nicht. Noch nicht. Und wieder zischt er: „Hau endlich ab.“
    Und mit diesen Worten geht er zum Bett, legt sich auf die zerwühlten Decken, und weiß alles…dieser Moment bedeutet seine Lebendigkeit. Und während er noch einmal lächelt, ohne sie zu betrachten, und in den Sekunden, die verbleiben, bevor sie schreit, und dann über ihm ist, ihre Hände sich in Haut graben, ihre Lippen finden, was eben noch in Leere tanzte, Tränen auf Schenkel tropfen und Fingernägel Halt suchen, und auch dann noch, als sie ihn in ihren Schoß zwängt, und mit glänzenden Lippen immer noch flüstert, „Das – kannst – Du – nicht – machen“ dabei stöhnt und kreischt “ Das ist mein verdammter Satz…hörst Du Arschloch…das ist …“ und als sie kommt, immer und immer wieder…und alles aus ihrem Kopf fliegt, alles vergessen, alles draussen, ja, da weiß er, das alles möglich ist, und sein Lächeln wird breiter, als er anfängt, das Wort Hass auf ihren Rücken zu kratzen, was sie nicht merken wird, da ihre Hitze jede Berührung verbrennt…einfach weg…
    Morgen, denkt er, schmeiß ich sie raus…

  6. arsfendi schreibt:

    H*A*S*S
    4 Buchstaben, die sich in ihr eingebrannt hatten. 4 Worte, die schmerzten und dennoch so unwirklich waren, wie das Nichts, was bleibt, wenn der Nebel sich lichtet.
    4 Worte, die schwer lasteten, weil sie sich selbst für alles verachtete und sich selbst am meisten hasste.

    Sie hörte sich schreien, flehen und betteln. Sie biss sich die Lippen wund um endlich zu schweigen. Und dann spürte sie wieder dieses Hämmern im Kopf und sah vor sich die Sklaven auf der Galeere, die bei jedem Schlag Blut und Wasser schwitzen und deren Blicke angsterfüllt ins Leere gingen.

    H*A*S*S
    4 Buchstaben, die in ihrem Innersten alles vergifteten und ihr war kalt, weil ihr Blut schon längst nicht mehr floss.
    Im Raum schwebte das Lied vom traurigen Sonntag und sie dachte an Luzifer, der immer wieder nach ihr rief.
    „Hau ab,“ vielleicht ist das die Hoffnung an die man sich klammern kann, dann wenn man dem nächsten Abgrund immer näher und näher kommt?
    Aber wo war die Tür?

  7. nurembourgh schreibt:

    Er war zu weit gegangen, hatte ihre Hand nicht früh genug losgelassen, und jetzt, da sie fiel, war er zu träge, um sie aufzufangen. Wann hatte es angefangen? Wann kam der Hass? Sie schläft, und er betrachtet, will nichts mehr von ihr in diesen Räumen haben, und doch alles von ihr besitzen, am meisten ihr schrecklichstes Gefühl. Wann hat es angefangen? Als sie selbst nicht mehr in den Spiegel schauen konnte? Als sie ihre vermeintliche Kontrolle gänzlich aufgegeben hatte?
    Jede dieser Fragen konnte er beantworten, hatte zu oft den Umschwung erlebt, die Veränderungen selbst herbeigeführt, dann, wenn wirklich gar nichts mehr übrig war von den jeweiligen Frauen, die in diesem Raum gefleht, gebettelt, geschrien, ja, soagr geweint hatten.
    Sein Ekel war die grenze. Sein Ekel war das Ende. Und auch das gehörte dazu. Doch das wussten sie nicht.
    Sie schläft, und während er betrachtet sammelt er alle Kleidungsstücke vom Boden, vom laken, von der Kommode, vom Schrank, von seinen CDs,…und wirft den Stapel hinter die Tür. Der Knall, mit dem sie zuschlägt läßt die Frau erschrocken hochfahren. Und er? Lächelt, wie immer.
    „Geh.“ Seine Begrüßung für einen neuen Tag.
    Und sie starrt ihn nur an. Spuren auf ihren Brüsten als Zeugen ihrer letzten Forderungen. Ihrer letzen Nacht.
    Wann hat es angefangen? Nach ihren ersten Begegnungen hat er sie gebeten, ihr intensivstes Gefühl auf einen Zettel zu schreiben, das, was sie am tiefsten erlebt. Und als er den Zettel später fand, standen dort vier Buchstaben. HASS. Und er hat gewartet, bis sie wieder zu ihm kam, hatte sie leiden lassen, immer und immer wieder abgesagt, Zeiten verschoben, ihr Flehen genossen, am Telefon, in ihren Briefen. Dann, als er sagte, sie können sich sehen, war ihre Erleichterung fast spürbar, ihre Dankbarkeit fast ein Orgasmus, gepaart mit diesem süssen Gefühl des Ekels. Er genoss beides.
    Ja, hatte er damals gedacht, den möchte ich erleben. Das wirst du mir schenken.
    Er betrachtet sie , ihr Starren, weidet sich in diesem nicht-los-gehen-können. Überall möchte sie jetzt sein, das weiß er, nur nicht mehr hier.
    „Geh.“ sagt er noch einmal, betont, fordernd.
    „Ich kann nicht.“ Ihre Worte gehaucht, und obwohl er sie verstanden hatte, fragte er nach.
    „Ich kann nicht.“ Lauter. Tief aus der Lunge.
    Er lächelt. Wie immer.
    „Hasst du mich?“
    Schweigen.
    „Hasst Du dich?“
    Und sie starrt weiter, zieht die Decke weg, öffnet sich.
    „Ja. Beides. Jetzt hast du wirklich alles.“

  8. arsfendi schreibt:

    „Jetzt hast du wirklich alles.“
    Bei diesen Worten spürte sie wie der Ekel langsam in ihr hochkroch, gepaart und im Kontrast stehend mit einem erregendem Glücksgefühl.
    Ja er hatte alles, alles durch sie. Und alleine durch sie.
    Ohne sie hätte er nichts.

    Es spielte keine Rolle mehr, was sie gab. Sie gab was sie geben konnte. Sogar oder auch ihren Hass.
    Und dafür hasste sie sich selbst, weil er sie damit in die Knie zwang.
    Früher wäre sie für ihre Lust jeden Weg auf Knien gerobbt, aber heute waren ihre Knie schon blutig und wund, und sie schmerzten.
    Heute war es ein unerträglicher Schmerz, der der Lust zuviel nahm und die Erregung war nur noch im Fleisch, und gab nichts mehr, außer dass sie befriedigt werden wollte.
    Heute verachtete sie sich selbst für diese Lust, die sich nur noch im Rauschen des Blutes bemerkbar machte und noch nicht einmal das Herz beschleunigte.
    Wie unter Zwang öffneten sich ihre Beine von selbst.

    Für einen kurzen Moment gingen ihre Gedanken zurück zu einem Früher, welches schon so unwirklich erschien.
    Da war sie es, die ihm die Macht gab, weil das ihre Lust war. Da bedeutete ihre Lust unbeschreibliches Glück, und sein Wille war ihr steter Wunsch.
    Was er verlangte gab sie freiwillig und ihr Herz pochte wie wild, wenn sie von einer Lust in die Nächste flog.
    Es war schon zu lange her und sie wusste noch nicht einmal mehr, wann sich etwas änderte.

  9. nurembourgh schreibt:

    Klassisch. Die bekannte Situation. Der Höhepunkt und gleichzeitig der Neuanfang. Da war er. Dieser Moment. Er hatte alles bekommen. Und er hatte auch gegeben. So funktioniert das. Auch, das sie nicht gehen wird. Noch nicht. Gott. Er liebte dieses Gefühl. Dieses Wissen darum, alles zu besitzen, beschert ihm jedes mal Gänsehaut. Er steht und betrachtet sie, ihren Schoß, silbrig glänzend, und er weiß, das diese Nässe ihm gehört. Weiß, wie Hass und Lust sich dort vereinen, weiß einfach und schwankt für einen kurzen Augenblick, weil dieser Gottmodus fast die Schwerkraft auflöst.
    „Geh.“ sagt er nocheinmal, obwohl das überhaupt nicht mehr passt, weil es nicht mehr seinem derzeitigen Gefühl entspricht.
    „Geh jetzt. Hau ab.“ und er schreit, weil er gleichzeitig immer härter wird, und sie ihn betrachtet, und gar nichts mehr macht, nur ihre Schenkel bewegen sich, richten sich etwas auf und legen sich noch weiter nach aussen.
    „Hau endlich ab.“ schreit er nun, weil etwas nicht mehr stimmt, weil sein Ekel verschwunden ist, oder, nein, das stimmt überhaupt nicht, sein Ekel ist da, doch er sitzt nun an ganz anderer Stelle, dort, wo er ihn noch nie gefühlt hat.
    Und als sich ihre Arme bewegen, ihre Hände sich genau dorthin legen, wo eben noch alles glänzend und glitzernd war, und ihre Finger sich dort vergraben, wo sonst nur seine Finger den Lauf der Bewegungen bestimmten, wird er fast wahnsinnig.
    „Raus, du mieses kleines Stück Dreck. Hier ist Ende für dich…“ Und als er auf seinen Knien landet, seine Hände nach ihren Füssen greifen und die Berührung einem elektrischen Schlag gleichkommt versteht er plötzlich den fatalen Irrtum seines Denkens…Und als ob man von diesem Wissen kosten durfte, weil es hier irgendwo auf einer Schale lag, sieht er das gleiche Erkennen in ihrem Gesicht, denn gelächelt hatte sie bisher noch nie, nicht so, nicht mit dieser Zufriedenheit…und als er sich hochstemmt, immer wieder einknickt auf dieser weichen Matratze, sich in Laken krallt, um Halt zu finden, weil ihre Füsse sich ihm entzogen hatten, erhebt sie sich, verlässt das Bett, den Raum, und als er die Haustür hört, den Knall, mit dem er sie vorhin geweckt hat, ja, da wußte er, das er gar nichts besessen hatte…nichts…denn, was sind all die Momente, die köstlichen Schmerzen, wenn sie irgendwann verstanden hat, das ohne sie er wirklich gar nichts hat…Nichts.

  10. Martha schreibt:

    An dem Satz „Zu hassen bedeutet gleichzeitig auch immer Selbsthass. Denn zwangsläufig hasst man sich für seine Ohnmacht.“ ist definitiv was dran. Ich kann nur dann anderer Sachen hassen, wenn ich mich selbst dabei ertappe zu hassen. Und dafür hasse ich mich dann auch. Es ist wie diese Personen, die man sieht und schon bei deren Anblick nicht leiden kann. Manchmal stecken dahinter auch die eigenen, dieselben Züge und damit verbunden die eigene Unfähigkeit, das zu ändern. Man ist in der Ohnmacht gefangen. So oder so.

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