365 Tage

Das Jahr hat 365 Tage und viele waren davon ins Land gegangen, mit all den Jahreszeiten, die jedem Jahr zueigen sind. 12 Schaltjahre hatte sie erlebt, die das Jahr um einen Tag verlängerten und auch dieser Tag ging einfach so vorbei in aller Alltäglichkeit, die die Zeitabfolge mitbrachte.
Den Tagen folgten die Nächte und der Sonne folgte der Regen und Schnee, dem Gelb das Grau und der Kälte die Eiszeit.
Sie ging einfach mit oder sie lief, je nachdem was die Gegebenheiten des Weges hergaben und zuließen.
Himmel und Hölle war sie sich immer selbst und somit brauchte sie sich für nichts rechtfertigen.
365 Tage kamen und gingen und sie lebte und atmete und das Herz schlug in dem Rhythmus, den sie ihm vorgab und aus den Tagen wurden immer wieder Nächte geboren aus denen sie morgens erwachte und schon wusste dass der nächste Tag die gleiche Handschrift des letzten trug.
Ein wenig grauer wurden die Haare von alleine und ein paar Knitter im Gesicht gingen auch nicht mehr weg. Aber sie lebte. Und die Bedeutung gab sie sich selbst, an 365 Tagen im Jahr.
Zu vermissen gab es nichts, weil sie nichts anderes kannte als stolz darauf zu sein, alleine Stufe für Stufe zu erklimmen und es zu vermögen Steine aus dem Weg zu räumen, waren sie auch noch so schwer oder wuchsen beim Rollen ins Unermessliche an.
Es war egal, Himmel und Hölle war sie sich immer selbst und pflegt damit jeden blauen Fleck, den sie sich nach einiger Zeit dann auch verzieh.

Mit jedem weiteren Jahr und mit jedem Tag, dem ein neues Kalenderblatt folgte, verlor sie ihre Angst vor dem Sterben, weil sie zu dem Mut fand zu leben.
Sie las viel von Tennessee Williams und vermochte es die Hoffnungen und Ängste seiner Protagonisten zu verstehen und wusste von dem Zusammenprall mit der Realität und der zwangsläufigen und hart zu empfindenden Desillusionierung. Träume wurden keine Wirklichkeit, nicht in all der Zeit, nicht an einem der 365 Tage.
Kompromisslos führte ihr Williams immer wieder die Abgründe der menschlichen Seele vor Augen und dennoch gab es die starken Charaktere, die der Lüge aufbegehrten und bereit waren zu kämpfen.
So wie Maggie die Katze. Maggie kämpfte, selbst manchmal aus der Ausweglosigkeit heraus. Sie kämpfte, weil sie wusste wofür und weil sie die Heuchelei und Doppelmoral erkannte und die Käfigtür öffnen musste, um dem zu entkommen.
Sie verstand diese Maggie, die als Katze sich auf dem heißen Blechdach festkrallte und deren Sieg darin bestand oben zu bleiben. Drauf zu bleiben, solange es möglich ist, selbst wenn die Tatzen schmerzten und Brandblasen eine unerträgliche Qual bedeuteten.

Es war Winter und der 352. Tag des Jahres. Da stand eine Frau auf einem kalten Bahnhof inmitten von vorbeihastenden Menschen.
Es war eisig und es schneite und die Schneeflocken verfingen sich in ihrem Haar.
Der Himmel über dem Gleis war sternenklar und der Mond erhellte all die Dunkelheit und ließ den Bahnsteig in einem hellen mattgelb erstrahlen.
Für sich selbst war sie allein auf diesem Bahnsteig und sie hatte einzig seine Stimme im Ohr. Eine Stimme, die sie aus tausenden herauszuhören vermochte und die sie mit jedem Ton streichelte mit Zärtlichkeit in aller Sanftheit. Weil diese Stimme sie tief im Inneren berührte und sich darin in Wellen ausbreitete und jeden Winkel erreichte, um dort eine Melodie erklingen zu lassen, die Geschichten erzählte.
Geschichten, die von einer großen Liebe erzählten, von Vertrauen und Sehnsüchten. Geschichten, die voll von Begehren und Gefühlen waren, und Geschichten, die lachten und auch weinten.
Und er erzählte sie an 365 Tagen im Jahr mit einer Stimme, die nur ihr gehörte, die so zärtlich klang und wie eine Feder über ihre Haut strich.

Es war der 352. Tag, der durch die Einzigartigkeit des Gefühls zu etwas Besonderem wurde. Und auf einmal spürte sie den Himmel auf Erden und sie vermochte in der Gemeinsamkeit zu fliegen.
Auf einmal wurde jede Sekunde zu einer Kostbarkeit, an 365 Tagen im Jahr und nichts war alltäglich.

12 Schaltjahre hatte sie erlebt und das nächste wird einen Tag mehr Glück bedeuten.
„Weißt du, manchmal macht es mich traurig, dass wir uns nicht schon früher begegnet sind. So viel Zeit verbringt man im Leben, bei der man sich fragt, wofür sie eigentlich nutzvoll ist.
Seit du da bist, habe ich mich das nie wieder gefragt.
Mit dir hat alles einen Sinn bekommen. An 365 Tagen im Jahr.“

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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