Und die Angst bekommt man Gratis…

Es ist schon erstaunlich was in der heutigen Zeit unser Gesundheitssystem für Überraschungen aufzubieten hat.
Aber der Mensch bleibt Mensch, er lebt, leidet, nimmt hin, oder Schicksal her. Hauptsache er funktioniert, hält still oder reißt die Klappe auf.
Manchmal vermag er sogar über sich selbst hinauszuwachsen, vor allem dann, wenn das eigene Fleisch und Blut betroffen ist.
Schon alleine die Diagnose „offene Tuberkulose“ versetzte mich in eine Art Schockstarre, brannte sich tief in meinem Innersten ein und ließ mich das erste Mal in meinem Leben so etwas wie abgrundtiefe Panik verspüren.
Aber da wusste ich noch nicht, wie allein man mit einer Krankheit gelassen wird, die zwar in der heutigen Zeit eher pures Erstaunen bei Ärzten hervorruft, da sie Gott sei Dank so selten geworden ist, aber auf der anderen Seite so viel Angst und Schrecken hervorruft.
Ansteckungsgefahr!
Mein Gott, natürlich die gab es ja auch. Nur für eine Mutter natürlich im ersten Moment nicht gerade der wichtigste Faktor. Und eine Mutter hilft natürlich auch im Krankenhaus von Herzen gerne mit, funktioniert auch ohne sich darüber auch nur einen Hauch von Gedanken zu machen.
Wenn es dem Kind schlecht geht, Entzündungswerte astronomisch hoch sind, Fieberwerte nicht runtergehen, der Kreislauf fast vor dem Zusammenbruch steht, macht eine Mutter wirklich alles.
Und eine Mutter betet, betet für ihr Kind.
Ärzte?
Ja Ärzte erfüllen ihre Pflicht, geben der Krankheit einen Namen und teilen dem Patienten genau das mit. Nicht mehr und nicht weniger.
„Wie sie wissen nicht was Tuberkulose ist?!?“

Oh Entschuldigen sie bitte, dass ich mich nicht schon vor der Diagnose, die ja eigentlich eine ganz andere war zum Zeitpunkt der Krankenhausaufnahme, genauestens darüber informiert habe. Wird nicht wieder vorkommen, und wofür gibt’s denn Internet und so.

Die Tabletten sind wichtig, müssen regelmäßig eingenommen werden und das für viele Monate.
Ok, das war deutlich gesagt, auch für eine Mutter.
Was war nochmal mit Nebenwirkungen??? Egal, Hauptsache erst einmal Quarantäne, damit andere Patienten geschützt sind. Absolut verständlich, und eine Mutter schützt dann auch noch das Pflegepersonal, übernimmt ein paar Aufgaben, denn es gibt ja schließlich Masken, Handschuhe, Kittel und Desinfektionsmittel  als Klinikgroßpackungen.

Intensivstation…, läuft hier eigentlich alles noch nach Plan???
Man ist so dermaßen hilflos und den Ärzten so ausgeliefert. Und man kann dem Kind die Angst nicht nehmen, nur versuchen die eigene zu verbergen.
Und nach 5 !!! Tagen heißt es dann plötzlich, Quarantäneverlegung nach Hause, Ängste und Sorgen inklusive. Alleingelassen in Unwissenheit, zaghafte Beruhigungsversuche seitens Gesundheitsamt, aber Hauptsache keine Panikmache.

„ Haben sie die Anordnungen des Gesundheitsamtes verstanden? Dann unterschreiben sie hier… bei Zuwiderhandlung drohen Bußgeld und Einweisung in die Geschlossene. Sie haben eine gefährliche Krankheit, die hochansteckend ist. Da dürfen wir kein Risiko eingehen was ihre Umwelt anbelangt. Halten sie sich genau an die Anweisungen, denn früher sind die Menschen daran gestorben.“

Hä? Und was ist mit meinem Kind? Wird sie wieder ganz gesund? Was sind die Nebenwirkungen? Wie verkraftet sie das alles psychisch? Welche Schäden können bleiben? Wie können wir unterstützen? Was ist mit ihren Ängsten? Und mit ihren Freunden?
Bis zu 3 Monate Quarantäne???? GEDULD??????
Fragen über Fragen……  ach ja was ist eigentlich mit unserer Ansteckung?
Na ja, dafür gibt’s ja schließlich Internet und da gibt’s für alles eine Antwort.
Und zur Not bezahlen wir auch alle Hilfsmittel aus eigener Tasche. Masken, Handschuhe Kittel und Desinfektionsmittel sind zwar absolut notwendig, fallen aber nicht unter den Satz der Krankenkasse.
Aber was zählt ist das Kind. Und für das Kind macht man alles.
Angst inklusive…., gratis dabei!

Über arsfendi

Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.
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