Briefe an Unbekannt

Ich liebe das Leben und fange an, ein NEIN nicht mehr zu akzeptieren.

Mein Lieber,

ich kenne Dich nicht, habe Dich noch nie gesehen und vielleicht gibt es Dich auch gar nicht.
Aber eine zeitlang hast Du einen sehr wichtigen Platz in meinem Leben eingenommen.
Ich glaube nicht, dass Du gerade auf diesen Brief gewartet hast.
Trotzdem schreibe ich gerade heute, nicht weil Du es erwartest, sondern weil ich es so möchte.
Denn wie oft macht man Dinge, gerade weil man glaubt andere würden es von einem erwarten und macht es damit zur erzwungenen Pflicht für einen selbst.
Wie lange habe ich danach gehandelt, bis Du mich endlich auf den richtigen Weg gebracht hast, indem Du mich so genommen hast, wie ich wirklich bin.
Du hast nichts verlangt und so konnte ich freiwillig geben.
Dadurch sehnte ich mich nach Deiner Nähe, ohne dass es zum Zwang wurde.
Wertvoll bist Du für mich geworden, weil ich durch Dich erkannt habe, dass ich nicht im Selbstmitleid vergehen, sondern auch in der Niederlage aufrecht weitergehen kann.
Du hast mir beigebracht auch ohne Worte zu verstehen, dann wenn ich mir die Mühe mache ins Innere zu schauen, ohne meine Gedanken auf den anderen zu übertragen.
Auch wenn ich Fehler machte, schenktest Du mir ein Lächeln und gabst mir den Mut für einen neuen Versuch.
Aufgeben gab es für Dich nicht, und ich lernte über mich selbst hinauszuwachsen.
Oftmals reagierte ich mit Aggression, wenn ich mich in die Enge getrieben fühlte. Du zeigtest mir Sachlichkeit und Objektivität ohne Emotionen da wo es erforderlich war.
Meine Fehler nanntest Du Erfahrungen, die ich machen mußte um das Richtige zu erkennen um dadurch meine Ziele zu erreichen.
So manches Mal hast Du mich aufgefordert zu lernen um meinen Horizont zu erweitern.
Für Dich war es immer wichtig über den Tellerrand zu schauen um die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen.
Du zeigtest mir wie wichtig es ist meine Gedanken niederzuschreiben um nichts zu vergessen, weil jedes einzelne Wort seinen eigenen Wert hat.
Ich lernte meine Gedanken mit Kreativität zu füllen und für mich selbst sie zu einem Ganzen werden zu lassen.
Stillstand ließest Du dabei nicht gelten, denn im Fluss und in der Bewegung lag für Dich immer der Sinn des Ganzen.
Meine Stärken hast Du mir immer wieder geduldig ins Bewusstsein gerufen, aber mir auch gezeigt, dass auch meine Schwächen liebenswert sind und als Gesamtheit gesehen mich als Menschen auszeichnen.
Durch Dich habe ich am Boden liegend noch einen Sinn im Fallen gesehen.
Selbstwertgefühl kannte ich nicht, erst durch Dich begann ich mir selbst wichtig zu sein und lernte, dass auch ich einen Wert habe, nicht nur für andere, sondern insbesondere für mich selbst.

Manches Mal habe ich mich in Deine Arme geflüchtet, Schutz und Kraft an Deiner Schulter gesucht. Dein Glaube an mich haben mich dann aufgerichtet um mir geholfen mich selbst zu finden auch in meiner Vergangenheit, die ich mühselig lernte zu akzeptieren.
Ganz erschrocken ja fast gelähmt war ich, als Du so plötzlich fort warst.
Mir fehlte etwas, Deine Nähe, Wärme und Klugheit.
Ich fiel wieder hin dadurch, weil mir eine Stütze fehlte.
Ja ich war auch wütend auf Dich weil ich mich alleingelassen fühlte.
Ich sah andere Menschen, die wie ich mut- und kraftlos am Boden lagen und sich selbst am Aufstehen hinderten.
Aber ich sah auch Dich, wie Du dabei lachtest und mir zuriefst, komm steh auf du schaffst es allein, tu es für dich.
In diesem Moment fing ich an zu begreifen, und stand alleine auf, zwar noch etwas wackelig auf den Beinen aber nicht kraftlos sondern auf eigene Stärke besinnend.
Heute fühle ich mich so frei, vor allem weil ich auch innerlich von mir selbst frei bin und mich nicht mehr über andere definiere.
Hin und wieder einen Rückschlag wirst Du mir verzeihen mögen. Kein Mensch ist vollkommen. Aber ich habe wieder Gefühl in mir, vor allem auch für mich selbst.
Ich liebe das Leben wieder und genug ist für mich noch lange nicht genug.
Es grüßt Dich , den ich gar nicht kenne

arsfendi

***

Mal wieder an Dich, den ich nicht kenne
Zwischenbilanz auf halber Strecke

Auf dem Weg nach oben muss man manchmal einen Schritt zurücktreten, um Anlauf zu nehmen.

Mein lieber Unbekannter,

erinnerst Du Dich noch an die Frau, deren Weg vor langer Zeit den Deinen gekreuzt hat?
Ja genau die, deren Blick so getrübt war, mit so unzähligen verqueren Ansichten.
Deren Trotz oftmals eher der innewohnenden Verzweiflung entsprach und die mit Aggression ihre Schwächen zu verbergen versuchte.
Die Frau, an deren Stärke Du geglaubt und ihr bewiesen hast wie wichtig es ist, über den Tellerrand zu schauen um sich selbst zu befreien.
Auch als Du schon lange fort warst, hast Du ihr immer wieder lachend zugerufen, sie möge sich nicht beirren lassen und nach dem Hinfallen gefälligst wieder aus eigener Kraft aufstehen.
So manches mal hast Du sie es auch etwas härter spüren lassen, wenn ihr Gang mal wieder schwerfälliger und träger wurde.
Irgendwie warst Du immer in der Nähe und das war auch gut so.
Heute sitze ich hier und meine Gedanken wandern zurück.
Seitdem ist viel passiert.
Nicht alles war gut, aber es ist ein Blick zurück ohne Zorn.
Wie sagtest Du immer, „ auch schlechte Erfahrungen und gemachte Fehler bringen uns weiter.“
Viele Dinge fallen mir immer noch schwer.
Weißt Du noch, wie oft ich Dich mit komplizierten Gedankengängen zur Weißglut getrieben habe?
Vor allem dann, wenn ich unbedingt verstehen wollte und versuchte Fragen mit eigenen Gedanken selbst zu beantworten.
Ich muss zugeben, auch heute noch fällt es mir schwer Unverständnis anderer und ebenso auch meinem eigenen mit Nachsicht zu begegnen.
Auch heute noch denke ich viel zu sehr darüber nach, wie sich meine Handlungen auf andere Menschen auswirken können.
Immer noch ist es meine Angst meine Worte und Gedanken könnten einen anderen ja verletzen und werde mir selbst dabei untreu.
Wenn ich ganz ehrlich bin, auch von Erwartungen kann ich mich immer noch nicht ganz freisprechen.
Ich ertappe mich dabei, doch immer wieder eigene Sichtweisen und Wertmaßstäbe zugrunde zu legen.
Du wirst jetzt sicher lachen. Ja ich weiß auch, dass es falsch ist eigene Denk- und Handlungsweisen als Erwartungen auf andere zu projizieren.
Asche über mein Haupt, aber ich arbeite weiter an mir.
Menschen bin ich auf meinem Weg vielen begegnet.
Manche sind ein Stück mit mir gelaufen, andere haben meinen Weg nur gekreuzt.
Bei manchen kann ich mich noch an jeden einzelnen Gesichtszug erinnern, von anderen ist nicht einmal der Name geblieben.
Manche haben mich tief berührt, andere haben mich wiederum nur gestreift.
Ein paar wenige sind besonders wertvolle Menschen für mich geworden, die einen wichtigen Platz in meinem Leben eingenommen haben.
Durch sie habe ich gelernt, was es bedeutet Vertrauen schenken zu können und einander wirklich Freund zu sein.
Es waren auch Menschen dabei, die mich mit Gedankenlosigkeit und erbarmungsloser Härte verletzt haben.
Trotzdem möchte ich keine dieser Begegnungen missen.
Alle haben mich auf meinem Weg Stück für Stück weitergebracht.
Und so werde ich heute weitergehen.
Hin und wieder werde ich für mich rückblickend Bilanz ziehen.
Einfach nur um zu sehen, wo ich gerade stehe.
Aber ich denke schon, dass ich auf einem guten Weg bin.
Ich verspüre gerade sogar so etwas wie Stolz auf mich selbst.
Und es ist ja schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Höre ich Dich da gerade schon wieder lachen?
Aber Du hast ja recht.
Ich werde mir Mühe geben, und immer besser werden, um die Dinge so zu sehen, wie Du es mich gelehrt hast.

arsfendi

***

Wieder mal ein Brief….
…an Dich, den ich gar nicht kenne

…weil Du noch in dir suchst und zweifelst,
auch wenn du dich dabei verlierst,
und deine Grenzen überschreitest
und weil du Recht hast, wenn du irrst.
Weil du Verbote einfach auslässt,
weil du Gesetze hasst wie ich,
weil du dich täglich etwas loslässt,
weil du die Schatten kennst vom Licht.
….weil Du nicht bist wie die anderen…
[Klaus Hoffmann]

Und wieder einmal möchte ich Dir berichten.
Dir, den ich gar nicht kenne, der mir aber dennoch stets so vertraut zur Seite steht.
Schritt für Schritt als Schatten neben mir geht, mein Handeln lenkt, gar nicht wissend, dass es überhaupt im Bereich des Möglichen liegt.
So lange begleitest Du mich schon, mal direkt nur einen fingerbreit neben mir, dann wieder aus der möglichen Distanz, die dennoch ein Bewegen durch Fühlen möglich macht.
Vieles hast Du bisher bewirkt, auch wenn ich mich so oft der Renitenz hingegeben habe, weil ich aus einem anderen Blickwinkel heraus eher intuitiv auf meine Weise gehandelt hätte.
Wie oft habe ich dabei Dein Lachen gehört, weil Du wusstest, dass die Zeit meinem Sturkopf die Einsicht folgen lassen würde.
Und dennoch war immer wieder die Rebellion in mir, mich nicht der Kongruenz hinzugeben.
Widerspruch nur um des Widerspruchs Willen, war Deine Antwort.
Und wie so oft war das Recht auf Deiner Seite.
Aber in all der Zeit, die Du mich so nah begleitet hast, niemals sichtbar, aber dennoch auf Einsichten beruhend, wusstest Du auch, dass Reformationen notwendig waren.
Du warst es, der mir genau das aufgezeigt hat, wissend, dass es für mich selbst ein notwendiges Aufräumen bedeutete.
Und dies konnte nicht Anpassung bedeuten, sondern die Suche nach neuen Alternativen, nicht dem Mainstream folgend.
Du hast mich gelehrt, dass es durchaus im Rahmen des Möglichen besteht, den Anspruch an mich selbst noch zu erhöhen, und damit neue Ziele zu beschreiben, die es galt zu erreichen.
Du verlangtest von mir immer wieder neu meine eigenen Grenzen auszuloten und selbst darin den Zauber einer Leichtigkeit zu entdecken.
Du verlangtest von mir immer wieder neu meine eigenen Grenzen auszuloten und selbst darin den Zauber einer Leichtigkeit zu entdecken.
Ich sollte feststellen, dass Widerspruch in mir selbst auch den gegen andere ermöglicht.
Zu oft hatte ich es in der Vergangenheit nicht gewagt, um der Auseinandersetzung damit aus dem Weg zu gehen.
Du hast mir in so vielen Stunden erst aufgezeigt, welche Macht ich aus den Händen gegeben habe, um als Folge der Manipulation zu erliegen.
Im Nachhinein betrachtet, hast Du mich für einen langen, nicht immer leichten Weg gestärkt, den ich dann wissend gehen konnte, dass Du auch auf die Distanz hin mich immer mal ein wenig anstubsen würdest. Gerade dann, wenn Kopf und Geist sich im Widerspruch nicht einigen konnte, wem die Intuition folgen sollte.
Heute weiß ich, dass es ab und zu auch möglich ist, Grenzen zu überschreiten, um aus Unmöglichem etwas Mögliches zu machen. Mir selbst wenn es das wert ist.
Zu oft bin ich damals durch Gedankenknoten ins Stolpern gebracht worden, und weiß heute, dass es gar nicht notwendig ist jeden Knoten zu lösen. Vieles ist dadurch heute leichter, vor allem durch die Neusetzung meiner eigenen Prioritäten.
Vor allem steht es mir aber auch zu, so manchen Faden einfach selbst zu zerreißen, da wo in gewissem Sinne einfach Egoismus auch gesund ist.
Ja, ich kann Dir heute sagen, dass es mir wirklich gut geht.
Im Moment erstaune ich mich selbst sogar wieder. Und ich genieße so wirklich jeden einzelnen Moment.
Auch wenn es sogar für mich immer noch verwunderlich ist, welche Möglichkeiten es doch immer wieder gibt, gebe ich mich diesen Unbekannten offen hin.
Ich bin so neugierig geworden und spüre wieder diese Spannung in mir, ohne Angst vor irgendwelchen Risiken.
Ja, ich weiß, ich höre gerade Dein wohlwollendes Lachen und
Dich sagen: „ Siehst du, war doch gar nicht so schwer. Und jetzt geh weiter, du hast gerade erst angefangen!“
Ich werde weitergehen. Neugierig auf alles was noch kommt.

Arsfendi

***

…ein Brief an Dich, den ich gar nicht kenne.

Es ist lange her, dass ich an dich geschrieben habe. Und doch ist nichts vergessen von der Zeit davor und auch danach.
Damals war ich dir mit den Zeilen und ebenso dazwischen immer sehr nah, was mir eben auch in der Zeit danach immer sehr geholfen hat mich selbst zu sehen und anderes, was des Sehens wert war.

Ich hatte immer das Gefühl, Du kanntest mich, wie ich wirklich war, eben auch das, was ich verbarg hinter dieser mühsam aufgerichteten Wand, hinter der es sich geschützter lebte.
Es war schon immer das, was ich mir gewünscht hatte, dass sich jemand die Mühe macht, aus eigenem Antrieb etwas tiefer zu blicken, ohne dann mit erhobenem Zeigefinger mir die Richtung zu weisen.
Für dich waren Fehler da, um sie zu machen. Und ich machte immer schon derer viele und hörte dich dann lachen und sagen, „komm schon, das kannst du besser“.
Manchmal wollte ich aus Feigheit lieber einen Umweg gehen oder versteckte mich aus Angst um nicht die Tiefe vor mir zu sehen, als ich versuchte über den Tellerrand zu blicken.
Dann warst Du es, der mir die andere Möglichkeit vorlebte, auch mit einer Schwäche die nächsten Schritte zu gehen.
Vor allem meine Ungeduld war es, die mir selbst immer wieder Steine in den Weg warf.
Tief in mir gab die Unruhe Befehle und beschleunigte meine Schritte.
Deine sachliche Besonnenheit kannte ich nicht und war dann doch erstaunt, wie locker gerade damit alles von der Hand ging.

Ganz extrem war es, was ich in Bezug auf Erwartungen lernen musste.
Es hat lange gedauert, bis ich mich davon frei sprechen konnte um nicht mehr mir selbst im Weg zu stehen.

Irgendwann war die Zeit da, wo ich alleine ging.
Natürlich war ich zuerst wütend, weil Du auf einmal fort warst. Es ging auch am Anfang nicht immer alles glatt, denn es war nicht so sehr mein eigener Antrieb, der mich lenkte, vielmehr der Gedanke daran, wie du wohl handeln würdest.
Trotzdem lief es mit der Zeit immer besser.
Das Wichtigste war, ich akzeptierte das, was mich selbst ausmachte, insbesondere auch meine Fehler und Schwächen. Auf einmal war ein Verstecken gar nicht mehr nötig, denn ich war nicht mehr klein und wuchs eher an meinen Erfahrungen und den damit verbundenen Einsichten.
Es mag sein, dass ich auch heute immer noch so meine Schwierigkeiten mit dem Erwachsensein habe. Vielleicht ist es aber auch nur so, dass ich bestrebt bin, das Kind in mir zu bewahren um die Zeit zu nutzen Fehler zu machen, die ein Kind einfach machen darf um zu lernen.
Diese Unruhe ist immer noch in mir, aber sie ist ein Antrieb für das Vorangehen um nicht stehen zu bleiben. Die stetige Neugier wird wohl auch immer bleiben, so als Lebenselixier, weil sie die Angst vor dem Unbekannten einfach schluckt.
ch denke heute würdest du dich oftmals über mich wundern. Vieles ist so unbeschwert geworden und mit Leichtigkeit angefüllt.
Die Zeit hat vieles gerichtet.
Visionen sind zu Zielen geworden und so manches Schlachtfeld habe ich auch in der Niederlage als Sieger verlassen.
Mein Fell ist etwas dicker geworden, dennoch ziehe ich es hin und wieder doch lieber vor mich abzuwenden als mich einem unnötigen Kampf zu stellen.

Vielleicht wird kein weiterer Brief mehr nötig sein. Ich bin mir sicher, meinen weiteren Weg zu gehen. Auch wenn man vor den Stürmen niemals sicher sein kann, habe ich doch bereits schon festgestellt, dass meine Angst vor dem Gewitter schon kleiner wird.

Und überhaupt gilt es das Leben zu genießen und alle Zeit die man hat.

Arsfendi

***

Und dann doch noch ein paar Zeilen an Dich, den ich nicht kenne und dem ich nie begegnet.
bin.
Lange ist es her, dass ich an Dich geschrieben habe, auch wenn Du vielleicht darauf gewartet hast oder auch eher nicht.
Über so viele Jahre hast Du mich begleitet, versteckt hinter meinem Schatten, der sich oftmals dann auch über mich legte.
Es war immer wieder schön, wenn wir einen Grund hatten gemeinsam zu lachen und trostreich beruhigend an Deiner Schulter auszuruhen, wenn ich mal wieder müde und außer Atem war.
Ich weiß auch, dass Du es nicht immer leicht mit mir Querkopf hattest, gerade dann, wenn mir das Akzeptieren so unendlich schwer fiel und ich schmerzhaft durch die aufgestellte Wand wollte.
Wie oft hast Du den Kopf geschüttelt oder auch einfach nur gelacht. Aber das Resultat war immer das Gleiche, ich hab aus meinen Lektionen gelernt, wenn das auch oftmals mit blauen Flecken verbunden war, die ich mir dann aber selbst verzieh.
Manchmal hatte ich das Gefühl, Du kanntest mich besser und wusstest so viel mehr über mich als ich selbst. Und das machte mir Angst, obwohl es nie Dein Trumpf im Ärmel war.
Du hast mich machen lassen, hast mir sogar meine Illusion gegönnt. Und selbst dann, wenn ich sogar mal mich selbst überschätzte und zu hoch flog, war ich nach dem Fall nicht allein.
Heute lache ich selbst über diese Zeit meiner Selbstzweifel, so unbegründet sie auch waren.
Sie waren ihrer selbst nichts wert.
Hinter meiner Arroganz warst Du der Einzige, der meine Schwächen gesehen hat, die ich damit zu verbergen versuchte.
Heute weiß ich, dass es Unfehlbarkeit gar nicht gibt und kann mir mit Selbstironie begegnen.
Das Leben ist oftmals so wunderlich und auch wandelbar. Garantien brauchte ich noch nie.
Manchmal war diese meine Ruhelosigkeit ein Fluch und gleichwohl auch ein Segen.
Zu oft habe ich in der Vergangenheit etwas gesucht, nichts vergessen und bin doch davor geflohen, weil ich nichts fand außer kalter Asche.
Egal. Ich bereue nichts.
Für mich gab es immer ein Ganz oder gar nicht. Und Du hast mir gezeigt, dass Grenzen auch dazu da sind, um sie zu verschieben. Plötzlich ging es ganz alleine von der Hand, auch aus Unmöglichem das Mögliche zu machen.
Wenn ich geliebt habe, dann unermesslich, selbst wenn man mich nicht ließ. An der Konsequenz änderte sich damit auch nichts.
Ebenso faszinierend war es die Leidenschaft zu erleben ohne an das Danach zu denken.
Das waren die Nächte, die nachgewirkt haben und damit bleiben.
In diesen fühlte ich mich so wahnsinnig frei und spürte, dass Hingabe gleichsam mit Wiedergabe verbunden ist, ohne Forderung nach eben dieser.
Das alleine war das gute Gefühl was man sich selbst geben konnte.

Ich schreibe Dir all das hier, obwohl ich Dich gar nicht kenne. Ich weiß nicht wer Du bist, hab mich Dir nur sehr nah gefühlt in manchen Momenten.
Aber Du hast so viel zu meiner heutigen Sichtweise beigetragen, dass ich Dir einfach diese Worte nachschicken möchte.
Als Du auf einmal fort warst, empfand ich im ersten Moment so etwas wie Leere, aber im Brustton der Überzeugung rief ich Dir ein „ich verstehe“ hinterher.
Mach’s gut, wer immer Du auch warst und heute bist, es ist ok.

Arsfendi

***

Huxley:
To make this trivial world sublime,
take half a Gramme of phanerothyme.
Osmonds:
To fathom hell or soar angelic
just take a pinch of psychedelic.

Mein lieber Unbekannter,

wie du siehst, hänge ich immer noch daran, dir zu schreiben, auch wenn dich noch nie eine Zeile von mir erreicht hat. Alle Briefe an dich habe ich fein säuberlich gebündelt hier in der Schublade meines Schreibtisches liegen, nur für mich Zeugnis dafür, dass meine Gedanken genau so existiert haben und ich nichts von dem vergessen kann, was nie gewesen ist.
Im Grunde genommen war alles eine Reise ohne Anfang und Ende, nie wirklich und doch wahr.

So manches Mal hatte ich das Gefühl, die Sonne zieht an mir vorüber, während die Welt an ihr vorbei einfach so untergeht.
Die Abenddämmerung habe ich immer schon geliebt. Nur dann, in der Dunkelheit der Nacht, haben sich die Gedankenströme selbst eingeladen, die ich bei hellem Licht lieber verneint habe. Und mitunter bekamen sie mich zu fassen und zogen mich hinab in diesen Strudel, der in der Singularität endete um genau dort wieder zu beginnen.
Weißt du, auch das konnte mir am Ende nichts mehr anhaben, weil ich mir zur Angewohnheit machte, mir meine Fehler nicht so ohne weiteres selbst zu verzeihen. Lieber genoss ich die Rebellion gegen mich und rieb mir selbst im Kampf noch meine blauen Flecken wund.

Meinen Stolz habe ich immer bewundert und verflucht. Aber die Tarnung meiner Gefühle wurde nahezu perfekt mit der Zeit.
Ich weiß, du schüttelst jetzt deinen Kopf und sagst mehr zu dir selbst, dass ich es immer noch nicht begriffen habe.
Vielleicht hast du damit ja sogar recht. Aber ich bin schon zu oft dem Missverständnis unterlegen, als dass es deswegen mir noch ein Wort aus meinem Munde rauben würde.
Ich passe mich nicht an, sondern wende mich ab, wenn ich keine andere Wahl habe. Und ich bin froh, wenn es dann keiner Erklärung bedarf. Dafür überziehe ich auch schon mal das eigene Gefühl zum Schutz mit einem Kondom. Für die Entsorgung sorge ich schon selbst. Merkt ja niemand, denn im Simulieren neige ich dazu, die Perfektionskurve nach oben anzustreben.
Würdest du das nun unehrlich nennen? Für mich ist es heute der ideale Schutz. Und dabei bin ich sogar ehrlich zu mir selbst.
Und wenn ich mich selbst in Frage stelle, sage ich offen heraus, dass ich das Heute viel mehr genieße als das Davor.
Dafür habe ich dir diese Briefe geschrieben um sie selbst zu lesen, weil ich mich darin wiederfinde und gleichzeitig verliere.
Ich erkenne meine Grenzen und manchmal versuche ich sie zu überwinden.

Und glaub mir, heute ist so mancher Flug durch die Nacht ein wahres Aphrodisiakum mit faszinierend psychedelischer Wirkung. Da brauche ich keine Tarnung und mich nicht zu verstellen. Und in diesen Momenten ist es einfach nur herrlich ich selbst zu sein, zu genießen mich hinzugeben, um vom Rausch der Leidenschaft getragen, ohne Maske fliegen zu können. Nicht mehr und nicht weniger. Ich denke nicht mehr an das Morgen, sondern genieße es in manchem Augenblick zu wissen, wie die Wolken schmecken.

Kannst du verstehen, warum ich jetzt manchmal förmlich darauf warte, dass die Sonne an mir vorüberzieht und die Welt an ihr vorbei einfach untergeht und eintaucht in dieses leidenschaftliche Schwarz der Nacht?

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Eine Antwort zu Briefe an Unbekannt

  1. Black Mirror schreibt:

    Manchmal frage ich mich was nach dem Nichts kommt, wenn am Anfang schon das Nichts uns in Empfang nimmt.
    Es macht mir Angst, wenn am Ende immer nur das Nichts übrigbleibt und uns dann auch noch dieses zwischen den Fingern hindurch rieselt.
    Nichts ist da was man halten kann und am Ende sind wir auch nur noch Nichts.
    Hast Du schon ein schwärzeres Schwarz als Schwarz gesehen?

    Mir gefallen deine briefe an unbekannt, irgendwie fühle ich mich darin angesprochen, das schönste und schwärzeste schwarz hab ich einmal in meinem rückspiegel gesehen, damals, als ich noch als kleiner funke, in die zukunft raste.

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