Delektion

Für den einen bin ich das seltsame Mädchen
Du aber nennst mich eigentümlich.
Unbegreifbar und nicht zu fassen sagen andere, deren Verständnislosigkeit mich nicht berührt.

Was ich letztenendlich wirklich bin,
offenbart sich nicht einmal mir selbst.
Und dabei genieße ich jede Sekunde,
in der die Steine sich in mir drehen.
Denn sie sind Deine Spur.
Und wenn sie aneinanderreiben,
sprühen Funken, die mich verbrennen.
Letztenendes bin ich einfach nur verrückt,
denn die Normalen kommen mir seltsam vor.

Es ist der Raum der Phantasie, der genau in diesen magischen Momenten
die Türen zur lebendig empfundenen Realität öffnet. Nur fassbar für dich und mich als Protagonisten in diesem Raum.
Es sind all die Bilder, die fassbar nah kommen, vermögend das Erleben real zu erzeugen.

Irgendwann sind wir uns begegnet.
Du warst einfach da und setztest Dich fest. Wehren war sinnlos, denn jedes Wort drang
ein und verankerte sich tief.
Worte, mit denen Du mir begegnetest, ohne zu wissen und zu fragen wer ich war, bin oder sein werde.
Niemals ein Erfragen der Konsequenz aus der Zufälligkeit heraus.
Denn jede Frage hätte dem folgenden Wort die Möglichkeit des noch tieferen Eindringens genommen und uns den Blick für den anderen geraubt.

Und ich wollte von Anfang an, dass Du mich anschaust. Mich anschaust mit einem Blick, der tiefer geht als nur zur äußeren Schale, oder der möglichen Maske, die ich vielleicht anlege um nicht mein Innerstes nach außen zu kehren.
Wir sind uns begegnet und Du schautest mich an.

Begehren? Wir begehren nicht was wir sehen, sondern das, was wir uns vorstellen.
Ich stehe vor Dir in diesem schwarzen Kleid mit den Trägern, die an den Schultern
herabhängen. Mein Blick ist auf Dich gerichtet und Du weißt nichts von dem was ich denke und was das Kleid verhüllt.
Und trotzdem begehrst Du mich, so wie ich Dich.
So wie Du vor mir stehst, regt sich was in mir.

Es ist nicht der Wunsch zu besitzen, etwas was man niemals besitzen kann. Es ist nicht die bloße Hülle, die ich vor mir sehe.
Genau wie Du vermag ich es ganz tief zu blicken.
Die innere Berührung streichelt mir über die Haut, und richtet jedes einzelne Härchen auf
und erzeugt eine Gänsehaut die den Blutfluss nach Außen kehrt.
Ich sehe Dein Begehren in den Augen, die mir über den Körper fahren und ich weiß, dass es nach Berührung verlangt, wo wir so weit von einander entfernt stehen.

Dieses Begehren war ein freies Gefühl, nicht abhängig von Besitzen, vielmehr freier Wille der Hingabe jenseits von Konventionen und jeglicher Grenzen.
Es war ein Begehren, was uns umgab in einem Raum ohne Materie, mit der Kraft der Gedanken, die Dich zu mir hinbringt, spürend ohne zu berühren.
Ein Raum in dem nichts weiter existierte als das obskure Objekt der Begierde und alles andere an Bedeutung verlor.
Du schaust mich nur an, so wie ich Dich mit meinen Augen betrachte. In Gedanken ziehst Du mich aus, streichst über meine Haut, vermischst Zärtlichkeit mit Wildheit und Ekstase.
Du schwitzt mit mir und unsere Schweißperlen vermischen sich ohne dass sich unsere Körper berühren.
Wir hören uns schreien und Stöhnen im wechselseitigen Rhythmus und wir flüstern uns die Dinge in den Nacken, die kein anderer verstehen würde.
In Wirklichkeit knien wir uns gegenüber, sagen kein Wort um die Stille nicht zu
unterbrechen um damit einzig dem Fühlen den Vorzug zu geben.
Ich stelle mir vor, wie Deine Hände mich berühren, langsam über meinen Körper streichen und Dein Mund und Zunge keine Stelle auslassen.
Ich spüre, wie sich mein Körper Dir entgegenstreckt um sich in Dir fallen zu lassen.

Begehren, ja ich begehre Dich mit jeder Faser meines Körpers und ganz tief in mir drin.
Ich sehne mich nach Deiner Berührung, nach Deinem Atem und Deiner Gier.
Und Du spürst es. Du fühlst, dass mein Körper nach Dir schreit.
Ich schreie nach Dir und bettle um die Vereinigung, um zu vollenden, was in meiner
Vorstellung immer und immer wieder sich vollzieht.
Und Du fühlst es obwohl kein Laut meine Lippen verlässt.
Du schaust mich an und blickst tief. Genau wie Du weiß ich, dass es nun nichts mehr zu sagen gibt.
Das Fühlen ist so viel mehr.
Schau Dir die Liebenden an. Dann wenn sie bekennen, wie oft fängt dann schon die Lüge an.
Nein es gibt nichts zu bekennen.
Die Freiheit meines Gefühls für Dich besteht darin, nichts zu erhoffen oder zu erwarten.
Wer so wie wir imstande ist, Lust und Begehren zu empfinden ohne den anderen zu
berühren, der fühlt.
Ich habe für mich selbst dieses Gefühl für Dich gewählt, weil ich frei bin, frei von Dir und auch von mir selbst.
Und es fühlt sich gut an, genau so gut wie Du Dich anfühlst, wenn ich Dich in Gedanken
vor mir sehe und mit meinen Lippen über Deinen Körper streife und Dein Begehren immer tiefer in mir spüre.

Manchmal tun wir Dinge, die nicht zu erklären sind.
Ich habe Dich noch nie gesehen, weiß nicht wer Du bist, was Dich ausmacht, und dennoch bist Du mir in der Distanz nah in allem was mich selbst definiert.
Damit beherrscht Du mich und all meine Gedanken, was keiner Erklärung bedarf, weil wir selbst nicht nach einer solchen suchen solange wir dieses Begehren in uns spüren.

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Mea Culpa

Ich sehne mich nach dem Rausch der Leidenschaft
im bedeutungsvollen Flug durch die Nacht.
Und dann wünsche ich mir eine Landebahn
ohne Fallschirm und doppelten Boden.
Mit einer Hand, die mich hält bis zum Morgen,
ohne nach dem Danach zu fragen.
Land in Sicht?
-Nein, ich suche noch den Horizont.

“Setzen Sie sich, es könnte etwas länger dauern. Sie haben es ja nicht anders gewollt.
Ich werde Ihnen meine Geschichte erzählen, aber nur damit Sie endlich Ruhe geben. Sie werden geschockt sein, vielleicht auch zur Tode erschrocken. Es kann sein, dass Sie mir glauben, oder auch nicht. In meiner Geschichte wird alles so sein, wie es nie war oder auch nicht so sein, wie es nicht war.
Sie werden Zweifel hegen oder unzweifelhaft meinen eigenen Zweifeln Glauben schenken oder auch nicht.

Im Grunde genommen aber ist das alles unwichtig, denn am Ende werden Sie selbst nicht mehr sicher sein, ob Sie der Wirklichkeit begegnet oder einem Trugbild erlegen sind.

Nachts sind alle Katzen grau, das wissen Sie ja und ich habe gemordet in einer Nacht wie dieser.
Meine Hände waren mein Tatwerkzeug von meinen Gedanken gelenkt.
Schauen Sie mich nicht so ungläubig an. Die Uhr an der Wand hat in der Nacht auch viel lauter getickt und die Zeiger besaßen die Frechheit einfach weiterzurasen, als sei nichts geschehen.
Uhren bleiben im Augenblick des Todes nicht einfach stehen.
Sie gehen gnadenlos weiter ohne Rücksicht auf den Verlust.

Wußten Sie, dass die Zeit die Dinge zernagt? Manchmal sogar auch unseren Verstand.
Haben Sie schon mal gespürt, wie es ist wenn der bittersüße Hauch des Todes einem eiskalt im Nacken sitzt? Diese Kälte ist unerträglich und man spürt die vernichtende Jagd der eigenen weißen und roten Blutkörperchen. Die Angst setzt sich wie ein eiserner Ring um den Brustkorb und sie denken an all ihre Sünden, die sie nie begangen haben.

Tut mir leid, ich schweife ein wenig ab und Zeit ist kostbar, ich weiß.
Sie werden sich jetzt sicher fragen, wen um Gottes Willen ich umgebracht habe.
Diese Frage ist durchaus berechtigt, nur falsch gestellt.
Was! muss es heißen und nicht wen.
Es sei denn Sie gestatten mir meine eigene Vergangenheit zu personifizieren.
Ja Sie haben richtig gehört: meine Vergangenheit.
Ich habe sie eigenhändig ermordet, gekillt, vernichtet und ausgelöscht.
Nein, sagen Sie jetzt nichts. Ich weiß selbst was für ein Frevel sich daraus ergibt aber ich bereue es nicht.

Da lebt man ein halbes Leben auf der Seite der Sicherheit umgeben vom Schmutz der Gedankenlosigkeit in aller Dynamik.
Bloß keine Innehalten immer im Rahmen der Konventionen.
Kein Blick in den Spiegel des Augenblicks. Wer weiß, welche Fratze einen daraus anstarrt.
Noch jetzt verursacht alleine der Gedanke daran bei mir Übelkeit.

Alles war so normal, ein Haufen Müll, der auch dem Maßstab der Normalität genügte.
Und dann passierte etwas Unerwartetes.
Es ist eigenartig. Jahre lang scheint nichts zu geschehen, die Zeit tropft gleichmäßig vor sich hin, und eigentlich ist alles in bester Ordnung.

Doch unter der Oberfläche gärt etwas, macht sich breit und breiter und bahnt sich einen Weg nach außen.
Und dann genügt ein Anstoß, der Blick eines anderen Menschen, eine zufällige Begegnung, und alles ändert sich schlagartig.
Die ganze eigene Vergangenheit erscheint einem als eine gigantische Anhäufung von Umleitungsschildern, als einziger langer Wartezustand.
Warten auf diesen einen Augenblick der Berührung, des Versinkens.

Wehrt man sich dagegen? Oh nein. Ich zumindest nicht.
Ich hab dafür gemordet. Einfach mit eigener Hand eine Löschtaste gedrückt. Alles vernichtet, was ohnehin schon der Wertlosigkeit anheim gegeben worden ist.
Sie wundern sich gerade nicht wahr?
Vergleichen Sie einfach diesen Mord mit dem Urknall. Es ist wie der Beginn einer anderen Zeitrechnung in einem anderen Raum bestehend aus nicht existierender Materie.

Ich weiß heute nicht mehr was gestern war und genieße den Augenblick. Verstehen Sie?
Und dafür hat es sich gelohnt. Dafür würde ich immer wieder alles Vergangene auslöschen.
Sehen Sie es mir nach.
Sie können mir ruhig glauben. Denn genau das ist meine Wahrheit in aller Unwirklichkeit.”

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Neil

Er war ein kluger Kopf, manchmal zu klug um neben ihm bestehen zu können.
Ich nannte ihn Neil*, weil ich Coraline mag und auch sonst Märchen, bei denen ich mich zu Tode erschrecke.
Richard wäre auch ein guter Name, weil ich durch ihn durchs Niemalsland geflogen bin, um dort meine Identität zu verlieren.
Meine Pflanzen gediehen viel prächtiger in seiner Gegenwart, weil sie sich auch während der ganzen Zeit seiner Anwesenheit fürchteten, was ich als gutes Omen ansah.
Aber bleiben wir bei Neil, um ihm, als einer der sieben Ewigen Respekt zu zollen, der im Gegensatz zu allen anderen Göttern keinen Gläubigen braucht um zu existieren.

Neil war irgendwie anders als die Männer, die ich sonst so kannte.
Er gefiel mir, weil er genau wie ich nicht so dem Normalen entsprach und in seinem Wahn meinem Wahnsinn sehr nahe kam. Ihm war so herrlich bewusst, dass wir alle im Grunde genommen Götter und Monster sind, ebenso wie Narren und Traumweber zugleich. Und das änderte meine Konsistenz von einem Moment zum anderen. Ich war das Wachs in seinen Händen aus dem er sich die Kerze fürs Morgengebet formte.

Neil hatte einen sehr skurrilen Charme, der ihm durchaus bewusst war und den er damit unterstrich, sich seine grauen Nackenhärchen mit einer Dauerwelle kräuseln zu lassen und den Rest dunkelbraun zu färben. Durch seine geballte Wortgewalt konnte er jeden in Grund und Boden ziehen und sein Sarkasmus faszinierte mich immer wieder, während sein Humor der Farbe Schwarz den Rang ablief.

Neil liebte das Alleinsein. Und natürlich die Frauen. Er sprach nicht viel darüber, während ich seine Schweigsamkeit mochte. Sie machte vieles leichter, weil man sich so dem Angenehmen widmen konnte, ohne es zu zerreden.
Manchmal lachten wir zusammen, sogar über uns selbst. Hin und wieder genossen wir unsere Geilheit und fickten uns unsere schwarze Seele wund oder das Herz aus dem Leib, bis wir in unserem eigenen Schweiß ein Vollbad nehmen konnten.

Einmal überraschte er mich mit Orchideen, meinen Lieblingsblumen, um mir zu sagen, dass er mein blumiges Parfum nicht mag und es eher Übelkeit hervorruft anstatt Lust und Leidenschaft.
Ich genoss seinen Charme und blies ihm einen, dass er die Engel tanzen sah.

Mit Neil waren es gute Trips. Der beste von letzterem war auf der Zugtoilette im ICE von München nach Venedig, wo wir sogar die Zigarette davor und danach bei geöffnetem Fenster genießen konnten.
Bis Venedig war mein Lidstrich verschmiert und ich fand meinen String nicht mehr, aber es war dann diese charismatische Eleganz einer vergangenen Zeit, die mich stattdessen gefangen nahm.
Noch bevor wir ausstiegen, schaute er mich seltsam entrückt an.
Selbstbestimmt und sehr direkt teilte er mir mit, dass er ja wüsste, dass ich Humor hätte und es mir damit leicht fallen würde es hinzunehmen, dass er jetzt gehen muss, weil er dort erwartet wurde, wo er herkam.

Ich trug es mit Fassung und schenkte ihm zum Abschied mein schönstes Lächeln, eingepackt in grünem Papier mit lustigen Froschaugen drauf und der Gräte eines Fisches. Mit Genugtuung wünschte ich ihm Glück, was ich auch so meinte, der Gesamtheit meines Wissens geschuldet.
Für mich wäre es schon eher Zeit gewesen zu gehen.
Danach habe ich von ihm nur noch einmal etwas gehört. Aber ich kann mich auch irren. Und bin einfach nur verrückt, weil ich im Niemalsland hin und wieder seinen Atem in meinem Nacken spüre und seine Hand auf meiner Brust und ich Verlangen nach ihm habe, genauso stark wie damals. Dann höre ich, wie er über mich lacht und sich pfeifend abwendet um seiner Wege zu ziehen.

Er war wirklich jemand, der mich um den Verstand brachte und meine Pflanzen zum Blühen.
Aber wenigstens den grünen Daumen hat er mir dagelassen und mittlerweile habe ich das gleiche Grinsen drauf wie er.

*Tribute to Neil Gaiman

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DaNach

Und dann wünsch ich mir heute eine Vision.
Ich bräuchte noch etwas mehr Mut
und sehr viel mehr Zeit.
Und ein Leben danach
in diesem anderen Land
und dann wieder Luft zum Atmen.
Ich brauch diese Gedanken an Dich
schon heute für morgen.
Seltsam.

„Haben Sie sich entschieden, Frau E? Sie wissen, wir sollten keine Zeit mehr verlieren.“

Er sprach mit leiser Stimme, so als sollte sie gar nicht verstehen, was er ihr mitteilen wollte.
Sie blickte auch nur kurz auf, weil genau diese medizinische Kühlheit ihm schon lange vorausgeeilt war.
Sie wusste, für ihn war sie auch nur eine von vielen, der er die Wahrheit schonungslos ins Gesicht sagen musste. Keine Worte mit Bedacht gewählt, eher begleitet von stoischer Ruhe.
Sie war es gewohnt.
Sie stellte auch keine Fragen, vor allem nicht nach dem “wie lange noch”.
Es wäre eh nie genug gewesen.
Eine Weile schaute er sie noch stumm an, als warte er auf eine Reaktion, vielleicht auf Tränen oder Wut, weil das Leben so ungerecht war und sie noch so viel vorhatte , nur das Leben das nicht mehr hergab.

Sie wartete auf die Frage nach dem letzten Wunsch.
Denn dann wäre der Vergleich mit dem Henker der die Todeszelle betritt, gar nicht so abwegig oder skuril.
Die Gefühle waren die Gleichen im Jetzt und Hier, nur etwas weniger dramatisch von der Inszenierung her.

Als er ging, atmete sie auf. Er würde später diesen weißen Kittel ausziehen und leben. Er würde nach Hause gehen, und vielleicht würde seine Frau schon warten und ihn fragen wie der Tag war. Und während einer Umarmung würde er von Stress erzählen und von keinen besonderen Vorkommnissen.
Es musste wohl so sein, weil er durfte sich nicht in diesen Sog nach unten ziehen lassen, der nicht sein Leben war. Mit dem Ausziehen des weißen Kittels warf er auch den Ballast ab, der einfach nicht schwer lasten durfte.
Die Hände würde er immer wieder neu desinfizieren und nur der Geruch begleitete ihn durch beide Welten.

Sorgen machte sie sich nur um ihn. Er wird es nicht so leicht zu akzeptieren wissen, auch wenn sie gemeinsam schon einige Zeit damit lebten.
Sie würde ihn stark machen müssen, ihn trösten für die Zeit danach.
Das war sie ihm schuldig.
Vielleicht könnten sie sich gegenseitig helfen. Bei ihm war sie sich nur nicht so sicher.
Da war so viel Gefühl, was verband, aber dadurch auch weniger Stärke, die aufzufangen vermochte beim letzten Schritt auf den freien Fall zu.

***
Er kam mit Blumen, so wie immer. Und es waren immer Orchideen, nur die Farbe wechselte.
Ihre Ruhe machte ihn etwas unsicher.
Woher nahm sie nur diese gottverdammte Gelassenheit? Gerade jetzt wo alles im Nichts entschwand und jeder Atemzug quälend sich durch einen ausgemergelten Körper zog.

“Wir sollten noch in eine andere Klinik. Es kann nicht sein, dass Du jetzt aufgibst. Nicht jetzt. Wie kannst Du nur da so ruhig liegen ? Wir müssen doch etwas unternehmen.”

Fast trotzig kamen seine Worte über die Lippen. Sie wusste wie es in ihm aussah. Immer dann, wenn er etwas nicht akzeptieren wollte, sah es so aus, als wolle er wie ein Kind mit dem Fuß aufstampfen.
Sie lächelte ihn an.

“Gebe ich denn auf? Ich will einfach nur nicht mehr. Kannst Du das nicht verstehen?
Ich bin müde, siehst Du das denn nicht?
Das Problem ist aber, ich liege hier und es geht um mich. Du kannst nicht akzeptieren, weil Du Angst vor dem Danach hast. Angst vor Deiner eigenen Einsamkeit, vor dieser Leere, die sich vielleicht irgendwann in Dir einnisten wird, wenn Du nichts dagegen unternimmst.
Verdammt, schau mich an. Siehst Du was ich nicht mehr will?”

Sie wusste, dass die Wut ihnen beiden half. Es wäre nicht das Richtige sich jetzt gegenseitig mit Mitleid zu überhäufen.
Sie befanden sich ja schon jetzt im freien Fall ohne Rettungsseil, nur sie hatte keine Angst mehr davor.

Sanft ergriff sie seine Hand.

***

“Erinnerst Du Dich noch an unser erstes Treffen? Mein Gott, was hab ich Dich begehrt.
Und Du trugst dieses schreckliche schwarze Kleid, wo ich Dich lieber nackt bis ins Innerste gesehen hätte.”

“Ich weiß.
Ich möchte keine große Beerdigung. Du weißt wie ich die Stille liebe. Ich will nicht diese große Show mit traurig dreinblickenden Heuchlern. Ich will keine Reden über mein Leben und über mich.
Und wenn ich einen Wunsch noch frei hätte, wünschte ich mir einen rauhen unebenen Steinauf dem geschrieben steht: Sie hatte wunderschöne Brüste.”

Mit der Faust hämmerte er auf den Tisch. “Hör verdammt noch mal damit auf. Red nicht so. Ich will das nicht hören.”

Fast hatte sie den Eindruck als wolle er sie schlagen. Nur um ihr etwas von seinem Schmerz abzugeben.

“Wirst Du bei mir sein, wenn es so weit ist? Ich will nicht alleine sein. Ich glaube nur davor habe ich Angst. Nicht vor dem Danach.
Ich möchte, dass Du Dich dann noch einmal zu mir legst. Ganz nah möchte ich Dich spüren, Deine sanften Hände auf mir und deinen Atem. Noch einmal in diesem Rausch versinken.
Wirst Du da sein?
Und mir helfen, wenn es nicht mehr geht?”

***
Zärtlich strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ein paar Schweißperlen hatten sich auf der Stirn gebildet und rannen ihre Schläfe hinab.
Er dachte an damals, als sie ihn schon einmal verlassen hatte. Da hatte er lange um sie gekämpft und sie doch gehen lassen, auch wenn er nicht wusste ob sie wiederkam.

Jetzt war alles anders.
Langsam fast wie in Zeitlupe legte er sich zu ihr aufs Bett und schob seinen Arm unter ihren Kopf und seine Hände strichen sanft über ihren schmalen Körper.
Als er den schnellen Schlag ihres Herzens spürte, schloss er die Augen ohne an das Danach zu denken. Genau wie es ihr Wunsch war.

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Heaven stood still

http://www.myvideo.de/watch/6226079/Die_Fantastischen_Vier_Fluechtig

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Briefe an Unbekannt

Hallo mein bekannter Unbekannter,

so lange habe ich nicht mehr geschrieben. Die Zeit hat mich durchs Leben getrieben oder ich bin mit ihr um die Wette gelaufen.
Doch zwischendurch habe ich mich immer wieder umgedreht und nach ihr geschaut. Nicht wehmütig, eher gespannt auf das was sie mir vorausgeschickt hat.
Heute kann ich sagen, das Leben hat es gut mit mir gemeint, ja fast schon perfekt, mit all diesen Höhen und Tiefen. Ich bin daran gewachsen.
Erinnerst Du Dich noch an das seltsame Mädchen, was Dir irgendwann mal begegnet ist? An das Mädchen, welches so viele Fragen und Erwartungen hatte und zornig auf jede vergeudete Stunde war. Dessen Trotz oftmals eher der innewohnenden Verzweiflung entsprach und die mit Aggression ihre Schwächen zu verbergen versuchte. Ständige Rebellion, um der Kongruenz im Mainstream auszuweichen.

Im Moment ist mir immer wieder nach Reformation.
Erwachsen werden wollte ich nie.
Da wo Grenzen ein Hindernis bildeten, blickte ich drüber.
Die blauen Flecke habe ich mir längst verziehen.
Hin und wieder bin ich geflogen, versuchte aus Unmöglichem das Mögliche zu machen.
Ich sah, dass es noch ein schwärzeres Schwarz als Schwarz gibt und liebte auch wenn man mich nicht ließ.
Manchen Moment kostete ich bis zur Unendlichkeit aus, erlebte die Leidenschaft und genoss den Rausch.
…auch wenn nach Allem am Ende das Nichts bleibt, oder alles ganz anders war, wenn gerade das Nichts doch Alles war hat sich das Erleben auch nur eines einzigen Momentes gelohnt.
Ich bin manchmal ganz weit oben, aber ich habe Höhenangst.
Im freien Fall wird mir schwindelig, aber ich suche nicht nach dem Fallschirm.
Ich bin ziemlich eigentümlich, dass es fast schon normal anmutet.
Manchmal bin ich auch einfach nur verrückt, denn normal kommt mir dann doch etwas seltsam vor.
Wenn ich liebe dann leidenschaftlich, aber bedingungslos.
Einfach mag ich es nicht gerne, man gönnt sich ja sonst nichts.
Melancholie ist für mich kein Fremdwort und in so mancher Nacht bin ich mondsüchtig.
Ich liebe Schwarz, aber manchmal auch gelb.
Ich mag es gerne warm, aber ich fürchte die Kälte nicht.
Hin und wieder kommt das Kind in mir zum Vorschein, aber im Grunde genommen bin ich schon fast erwachsen.
Ich kann Heiterkeit simulieren, vor allem dann wenn mir zum Weinen ist.
Sehr oft bin ich schlaflos, dann mag ich es Geschichten zu hören, von einer Stimme die ich aus Tausenden heraushören und wiedererkennen würde.
Manchmal suche ich einen Platz zur Notlandung, kann aber die Landebahn nicht finden.
Ich mag Stille, aber nicht immer ist Schweigen angebracht.
Irgendwann kommt mal jemand und schreibt ein Gedicht über mich, und ich glaube daran.
Ich arbeite permanent an mir, während ich lebe und das ziemlich gerne.

Heute ist vieles anders oder eben auch nicht.
Erwachsen bin ich wohl immer noch nicht und manchmal denke ich, dass mich sogar schon die Kinder überholt haben. Aber das ist auch gut so, denn ich hab ihnen all das mit auf den Weg gegeben, was mich zumindest in aller Reformation hat wachsen lassen.
Grenzen verschiebe ich immer noch gerne, nur hin und wieder geht mir jetzt schon die Puste aus.
Unruhe ist immer noch in mir, aber sie ist ein Antrieb für das Vorangehen, um nicht stehen zu bleiben. Die stetige Neugier wird wohl auch immer bleiben, so als Lebenselixier, weil sie die Angst vor dem Unbekannten einfach schluckt.

Die Zeit hat vieles gerichtet.
Ich denke heute würdest du dich oftmals über mich wundern. Vieles ist so unbeschwert geworden und mit Leichtigkeit angefüllt.
Visionen sind zu Zielen geworden und so manches Schlachtfeld habe ich auch in der Niederlage als Sieger verlassen.
Mein Fell ist etwas dicker geworden, dennoch ziehe ich es hin und wieder doch lieber vor, mich abzuwenden als mich einem unnötigen Kampf zu stellen.
Das Beste aber ist, dass ich heute voller Stolz sagen kann: Ich bin glücklich. Ich liebe und ich werde geliebt.
Ich habe es geschafft, denn ich bin mit mir selbst im Reinen und bin angekommen.
Um mich herum ist es wärmend hell. Und ich fliege mit diesem atemberaubenden Gefühl ohne jede Höhenangst.
Heiterkeit brauche ich nicht mehr zu simulieren, und auch wenn ich mal hin und wieder etwas Traurigkeit verspüre, schaue ich in seine Augen und tauche in seine Lachfalten ein.
Wir verstehen uns ohne Worte und jede Stille zeugt von unendlicher Liebe. Es ist warm um uns herum selbst in eisiger Kälte. Und jede Dunkelheit erstrahlt in hellem Gelb und Rot.
Jeder einzelne erlebte Moment hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.
Eine Frau, die das Kind in sich bewahrt hat, nicht erwachsen aber neugierig. Nicht weise aber klug genug, um zu wissen, dass das Glück in ihr wohnt.
Immer noch ein wenig verrückt, denn das Normale ist zu einfach.
Geliebt und liebend.
Und immer noch mondsüchtig.

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Brief einer Mutter an ihre Kinder

Mein Kind,
ich hoffe du verstehst, wenn ich älter werde, und hast Geduld mit mir.
Wenn ich einen Teller zerbreche oder Suppe auf den Tisch spucke, weil ich langsam mein Augenlicht verliere, schrei mich bitte nicht an….
Ältere Menschen sind sensibel. Verfallen in Selbstmitleid, wenn man sie anschreit.
Wenn ich schlechter höre und nicht mitbekomme, wenn du etwas zu mir sagst,
schimpf mich bitte nicht “Taub!”
Bitte wiederhole, was du gesagt hast, oder schreibe es auf.
Es tut mir leid, mein Kind. Ich werde älter.
Wenn meine Knie schwächer werden,
dann hoffe ich, dass du mir aufhilfst,
wie ich dir geholfen habe,
als du klein warst und gerade gelernt hast zu laufen.
Bitte ertrag mich, wenn ich mich ständig wiederhole,
wie eine kaputte Schallplatte.
Ich hoffe, du hörst mir einfach weiter zu.
Bitte mach dich nicht über mich lustig oder sei genervt von mir.
Erinnerst du dich noch daran, als du klein warst und einen Ballon haben wolltest? Du hast dich so lange wiederholt, bis du bekommen hast, was du wolltest.
Bitte entschuldige auch meinen Geruch. Ich rieche wie ein alter Mensch.
Bitte zwing mich nicht, zu duschen. Mein Körper ist schwach.
Alte Menschen werden leicht krank, wenn ihnen kalt ist.
Ich hoffe sehr, du ekelst dich nicht.
Erinnerst du noch, wie du als Kind warst? Ich habe dich ewig gejagt, weil du nicht in die Dusche wolltest.
Ich hoffe, du kannst geduldig mit mir sein, wenn ich immer verschrobener werde.
Das gehört zum Altwerden dazu.
Du wirst verstehen, wenn du selbst älter wirst.
Wenn du ein bisschen Zeit hast, dann sprich bitte ein paar Minuten mit mir. Ich bin immer alleine und habe niemanden, mit dem ich reden kann.
Ich weiß, dass du viel arbeiten musst.
Selbst wenn meine Geschichten dich nicht interessieren, nimm dir bitte etwas Zeit für mich.
Erinnerst du dich noch, wie es war, als du klein warst? Ich habe deinen Geschichten über deinen Teddybär zugehört.
Wenn die Zeit kommt und ich krank und bettlägerig werde,
dann hast du hoffentlich die Geduld, dich um mich zu kümmern.
Es tut mir leid, wenn ich aus Versehen das Bett nass mache oder kleckere.
Ich hoffe, du findest die Geduld,
dich in den letzten Momenten meines Lebens um mich zu kümmern.
Ich werde nicht mehr lange da sein.
Und wenn es Zeit ist zu sterben, dann sei bitte da,
halte meine Hand und gib mir die Kraft, mich dem Tod zu stellen.
Sorge dich nicht. Wenn ich am Ende unserem Schöpfer begegne,
werde ich in sein Ohr flüstern und ihn darum bitten, dich zu segnen
weil du deine Mutter und deinen Vater geliebt hast.

Vielen Dank für all deine Mühe.
Ich liebe Dich mein Kind.

Deine Mutter

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Es ist anstrengend

10 Wochen ist es jetzt her. Der Rücken fordert sein Tribut und weitere Schrauben, Platten und ein paar Spreizer, die ihn aufrecht halten.

Spondylodese heißt das Zauberwort, aber zaubern kann es nicht. 7 Wirbel sind jetzt mittlerweile miteinander fest verbunden und damit versteift. Aber es gibt ja noch ein paar mehr oder weniger und darauf kommt’s nun auch nicht an.

Der Arzt ist gut, kam extra auch am Wochenende in die Klinik, erklärte die Schmerzen und impfte Zuversicht ein. Balsam für die Seele und vor allem Vertrauen.
Das Zimmer in der Hattinger Klinik war schön, nicht so steril weiß, dafür warm und nur für mich.
Meine Lieben nahmen jeden Weg in Kauf und waren immer da. Das machte es erträglich und wischte jeden traurigen Gedanken hinfort.

OP gelungen und jetzt bin ich dran und wie ich das bin. Der Wille ist da, jedes Ziel fest gesteckt, Zähne zusammenbeißen, Augen zu und durch.
Was sind schon Grenzen und das Leben ist doch viel zu kurz.
Geduld? Nein die hab ich nicht, Verzweiflung will ich nicht und klein beigeben oder gar resignieren erst recht nicht.
Nach der OP hieß es 8 Wochen liegen. Mehr oder weniger. Der Weg ins Bad war weit aber machbar und im Wasser ist es noch erträglicher, fast himmlisch entspannt.
Und wieder liegen.
Nach endlosen Tagen die ersten Sonnenstrahlen und ich darunter von Alex gestützt.
Wie dankbar man doch für einen Spaziergang im Frühling sein kann.
Und ich freu mich auf Berlin. Bald oder demnächst, aber es ist ein Ziel. So wie vorher, leben in der Normalität.

Schritt für Schritt wieder leben. Anstrengung ist gut, da weiß man, dass man lebt.
Alex macht alles und die Kinder so viel. Nicht gerade mein Ding aber mein Kopf muss auch was tun.
Vielleicht doch Grenzen akzeptieren und es so nehmen wie es ist.
Meine Ziele können momentan nicht so hoch gesteckt werden, denn das Leben geht langsamer als vorher. Und warum auch nicht.
Die OP war ja nur die Basis. Jetzt heißt es auf dieses Fundament aufzubauen, ich ganz alleine und die Menschen, die mir nah sind.
Bis zur Arbeit habe ich es jetzt geschafft. Stundenweise wenigstens aber das ist schon ein Erfolg.
Und ich sage brav danke für jede Hilfestellung und lerne gerade „bitte“ wenn die Grenzen es verlangen. Es ist alles anders als vorher und noch will mein Kopf nicht so wie es der Rücken verlangt.
Aber auch das bekomme ich noch in den Griff, vielleicht nicht heute aber morgen ganz bestimmt.

Es ist anstrengend, aber leicht wäre zu einfach. Bild.

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Alles wird gut und besser

Alles wird gut

Und wieder wechselt die Jahreszahl. Nicht, dass ich den Standpunkt vertrete, die 13 als meine persönliche Unglückszahl zu bezeichnen, aber Tränen der Trauer und des Abschieds haben sich definitiv nicht eingestellt.
Nun ist 2014 angesagt und floskelbehaftet will ich nun meinen: Alles wird gut und noch besser.
Und da komme keiner mir irgendwelche Steinchen in den Weg zu rollen, die womöglich sich auch noch magisch zu Größerem entwickeln. Denn felsig kann ich selbst noch besser.
Es mag am Alter liegen, aber ich hasse Jahresrückblicke, schau lieber nach vorne oder gegenwärtig nach oben oder unten, je nachdem.
Alles wird ja gut oder auch besser.

Kiki gesundet und das ist erst einmal das Wichtigste. Gebete erhört und überhaupt wir haben alle gekämpft und das will was heißen in aller Anstrengung. Nackenschläge nehmen wir gekonnt hin, schlagen dem Schicksal einen Haken, straffen die Schultern und gehen weiter ohne uns umzudrehen.
Ja manchmal muss jeder seine Erfahrungen sammeln, auch wenn’s wehtut. Aber es stärkt ja, und Mamutschka tröstet immer und überall.
Den Rest schaffen wir auch noch und alles wird gut.

Bild

Mein Großer ist angekommen hier wie da. Ich bin nur noch manchmal Mama mehr jetzt Sabine, aber es erfüllt mich mit Stolz.
Das eigene Geld verflüchtigt sich schnell fast wie von selbst aber auch das wird gut und besser.
Er geht seinen Weg und mehr wollte ich nie.
Heute lerne ich so viel von ihm und blicke zu ihm auf.
18 Jahre sind so schnell vergangen, so manches graue Haar mir gewachsen, aber jetzt erblondet wird alles gut und sogar besser.

 

Bild

 

Und Alex und ich gehen jeden Weg, immer mit dem Glück an unserer Seite. Wir träumen von Schottland, nur wir Zwei.
Gemeinsam nehmen wir jede Hürde und stützen uns da, wo es zuweilen mal beschwerlich wird.
Jetzt nimmt er mir gerade die Angst vor der nächsten OP, denn wieder verlangt der Rücken danach.
Wissend dass es unumgänglich ist, hadere ich dennoch mit dem Schicksal. Das vierte Mal nun werden die Messer gewetzt und noch ein paar Schrauben und Platten mehr in mir.
Aber Hauptsache die Schmerzen kapitulieren endlich und suchen das Weite.
Auch die paar Steinchen der Krankenkasse umlaufe ich doch mit einem Lächeln. Denn der nächste Wechsel kommt bestimmt.
„Freie Krankenhauswahl liebe Frau Engel und wir sind nur um ihr Wohl besorgt. Und überhaupt ist uns das Risiko in so einer kleinen Klinik in Essen einfach zu groß“, dass ich nicht lache.
Risiken gibt’s bei jeder OP und 1,5 Jahre nach meiner letzten OP bin ich schon wieder dran, weil damals nicht genug gemacht wurde, aber das war ja eine große Klinik und das Risiko entsprechend klein.
Und genau in dieser Klinik möchte man mir jetzt nicht schon wieder so eine große OP zumuten, aber man könne ja dieses oder jene mal ausprobieren….
Hä?
Sorry, ich möchte wirklich keinen krankenhausinternen Schnitt versauen oder eventuelle Fehlereinsicht provozieren.
„Aber bis Februar ist ja auch nicht mehr lang“, und alles wird gut. Haha!
Nein, ich habs mir verkniffen der Dame am Telefon mein Leid zu klagen, ihr von schlaflosen Nächten zu erzählen, von Ängsten, weil die Beine nicht mehr so wollen, davon, dass Alex alles von mir mitträgt und wir uns nur noch Normalität wünschen.
Es geht sie auch nichts an, dass Kiki Meisterin der Frikadellen ist und Jani den besten griechischen Bauernsalat hinbekommt, ebenso wenig, dass ich es mit dem besten Mann an meiner Seite immer noch schaffe, gerade und den Kopf oben haltend, durchs Leben zu laufen.
Es sind ja nur 4 Wochen längere Wartezeit und alles wird gut.

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Genug gefaselt. Das neue Jahr hat begonnen. Wir schreiben 2014 und alles wird gut!

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Es wird langsam besser

Es wird langsam besser.

Die letzten Wochen waren anstrengend, aufreibend, schlaflos und oftmals fehlte uns allen die Zuversicht.
Krankenhaus, Quarantäne zu Hause und dann doch wieder Krankenhaus, Rückschlag sei Dank.
Aber als Einheit meistern wir alles und wenn der eine nicht mehr konnte reichte der andere seine Hand oder Schulter manchmal auch den Atem.
Verfluchte Krankheit , die uns zuweilen bis an die Grenzen treibt oder auch darüber.
Und manchmal lachen wir zusammen und geschweißt.

Es lässt einen die Zeit überstehen, während man auf den Notarzt wartet, der dann doch nicht kommt, weil Ansteckungsgefahr noch vor Patientenwohl steht. Warum auch nicht, wenn Mutschka verzweifelt versucht das Abklopfen der Nieren zu erlernen, um dann per Telefon ungenaue Diagnosen genauestens erklärt zu bekommen.
Zur Not überlegt man sich schon währenddessen, in welchem Gefäß man am Wochenende den Urin ins Krankenhaus transportiert bekommt, tröstet das Kind, fragt Temperaturwerte ab und kocht den nächsten Tee.

Zumindest haben da aber schon 2 Ärzte gesagt, dass vorrübergehend ein Medikament gegen die Nebenwirkungen der anderen Medikamente weggelassen werden kann, womit sich eventuell die Übelkeit schleichen könnte, was sich aber dann am nächsten Tag als fälschlich herausstellen sollte.
Also doch Übelkeit in Kauf nehmen, abwarten wie die Nieren sich entwickeln, Appetitlosigkeit wegfuttern und noch ein weiteres Medikament um die Nebenwirkungen des Medikaments zu lindern, welches gegen die Nebenwirkungen des anderen Medikaments eingesetzt wird.
Nein, wir sind noch lange nicht fertig.

Trotzdem, es wird langsam besser und zuweilen schaffen wir es sogar uns die Welt bunt zu malen.
Und die Angst haben wir schon lange besiegt. Damals in der Nacht, wo das Fieber selbst im Raum noch zu spüren war, es kein Mittel mehr gab und nur noch Eis diesen viel zu dünnen Körper umgeben durfte. Aber auch das haben wir zusammen geschafft und allem getrotzt.
Sogar die Uni hilft mit und gibt die Richtung für die Zukunft vor.
Momentan bestimmen Tabletten den Tagesablauf. 15 Stück wollen ihren Weg finden, gewissenhaft, von der Menge her überprüft, immer zur selben Zeit, viel zu groß und bitter schmeckend.
Übelkeit danach ist fast schon normal und schlafen hilft gegen die Müdigkeit. Im Schlaf spürt man wenigstens nicht den Schmerz und die nächste Tablettenration steht danach ja auch noch auf dem Plan.
Mutschka kauft Rotbäckchen, frisches Obst und Gemüse und frische Blumen erhellen den Raum.

Der erste Sputumtest ist endlich jetzt negativ. Und die nächsten Zwei schaffen wir auch noch.
Think positive, wie auch immer. Wir schaffen das, egal welche Hürde uns diese Krankheit noch in den Weg stellt.
Es wird langsam besser

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