das Puzzle

A DREAM WITHIN A DREAM
Take this kiss upon the brow!
And, in parting from you now,
Thus much let me avow-
You are not wrong, who deem
That my days have been a dream;
Yet if hope has flown away
In a night, or in a day,
In a vision, or in none,
Is it therefore the less gone?
All that we see or seem Is but a dream within a dream.
Edgar Allan Poe

Als sie den ersten selbst entworfenen und grob skizzierten Stein in die Hand nahm, wusste sie schon, dass es alles andere als leicht werden würde.
Eine Herausforderung, der es entweder galt sich zu stellen oder einfach die ersten skizzierten Versuche zu verwischen.
Inspiriert allein durch Worte, aneinander gereiht zu Konstrukten, um selbst ein Bild in die fließenden Gedanken einzuflechten.

Kein Stein lag irgendwie verstreut, eher malte sie ihn sich selbst und versuchte ausgehend vom Rand jeden einzelnen anzupassen um ein Gesamtbild nur für ihre eigenen Augen bestimmt zu kreieren.
Schon jetzt, da sie erst wenige Puzzlesteine vor ihren Augen sah, wusste sie, dass dieses Bild niemals der Vollständigkeit bestimmt war und vieles als Geheimnis im Raum weiter umherschwirren würde je näher sie sich kamen. Für sie war es der Traum von einem Traumbild, zusammengesetzt einzig aus Worten und dennoch konnte sie darin selbst sehend versinken.

Alles war nicht vorhersehend erklärbar und der Beginn waren ein paar Worte, distanziert und dennoch nicht weniger eindringend.
Unwissend, nicht der Erwartung ergeben und durch diese gehemmt.
Und doch der Drang mehr zu erfahren, umso wie der Komponist die Melodie bereits im Kopf die erste Note zu setzen.
Ein paar gelesene Worte ergaben den ersten Stein des Bildes von ihm, der sie von da an in Traumbildern verfolgte.
Keine Äußerlichkeiten, eher die Interpretation Geschriebenes ließen die Hand den Pinselstrich vollziehen.
Sie wusste nichts von ihm, stellte auch keine Fragen und dennoch verharrte sie in Freude auf jedes weitere Wort, welches ihn auch weiter im Nebel verharren lassen würde.
Auf der einen Seite hätten Fragen vielleicht das Bild genauer entstehen lassen aber auf der anderen auch womöglich zerstört.
Und gerade bei ihm, nur dessen Worte sie kannte, sollte die eigene Interpretation den Pinselstrich führen und die eigene Hand die Kontur formen.

Nicht immer passte sofort ein neuer Stein zum Gefüge der anderen, auch wenn sie ihn drehte und wendete.
Mal mußten die Konturen nachgebessert werden, dort wo sie eine Ecke vermutete, paßte die Rundung besser. Dann wieder paßte die farbliche Abstimmung nicht ins Konzept.

Im Grunde genommen wußte sie aus Gelesenem genug um jeden einzelnen Stein mit Gefühl zum Leben zu erwecken.
Dennoch ließ die Anziehungskraft alles so nah erscheinen dem Nichtwissen zum Trotz.
Oft fragte sie sich selbst, ob man ein Bild entstehen lassen kann, dessen Umrisse man gar nicht kennt, nur spürt wo im Inneren die Wärme ist, dadurch den Fokus setzt um neue Verbindungslinien zu zeichnen.
Mal entstand ein einzelner Stein in Schwarz-Weiß, dann wiederum ein paar wenige in leuchtend bunten aber dennoch warmen Farben.
Durch einen Satz ergab es sich, dass sie ihn als Lehrer sah, der ihr zeigte wie das Leben spielte, ihr neue Wege durch seinen Vorsprung an Evolution aufzeigte, deren Begehung in ihrem eigenen Ermessen lag.
Die Tiefe seiner Worte sog sie auf und vermochte sie in eigene Energie umzuwandeln.
Sie spürte, dass er schon längst ein Stück des Weges voraus war und ohne Zwang und Berechnung ihr zeigen konnte die eigenen Schritte in die gewünschte Richtung zu lenken.
Sein Humor, nicht ohne ein paar Tropfen Selbstironie, gewürzt mit etwas Sarkasmus fesselten sie und zeigten auf, dass es Mittel der Selbsterkenntnis waren, die nach außen getragen vieles leichter machten.
Und immer wieder wußte sie, dass er sein letztes Geheimnis auch ihr niemals offenbaren würde..

Immer wieder sah sie den Mann in ihm, nach dem es sie gierte.
Ein Mann, der sie mit Verlangen berührte selbst dem Wahnsinn der Gier nahe.
Es war immer ein sehr verschwommenes Bild und dennoch vermochte sie es seine feste Hand auf ihrem Körper zu spüren, manchmal sogar die Perlen des Schweißes tropfen sehen, die sich dann mit den Ihren vereinten.

Sie wusste, dass es niemals ein klares Bild ergeben würde.
Aber spielte es eine Rolle?
Oftmals ist es schön sich sein eigenes Puzzle zu malen, mit eigenen Formen und Farben, nicht wissend woher es kommt, wie lange es bestehen bleibt und ob es überhaupt jemals ein vollständiges Bild ergeben wird.

Wichtig war, dass sie jeden einzelnen Stein liebte, denn alle zusammen ergaben ihn in seiner Gesamtheit.

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