MorgenGrauen

Im Morgengrauen stand sie auf. Im Kopf spürte sie dieses Hämmern, gleichkommend dem Schlag auf dem Ambos.
Ihre Augen brannten und das Blut floss in ihren Adern, unaufhaltsam gepumpt, weil die Natur es verlangte.
Der Geschmack auf der Zunge war fahl und die dunklen Augenränder wirkten bizzar im Kontrast zu ihrer blassen Haut.
Aber sie lebte, weil es so sein musste um zu funktionieren im gesamten System, welchem sie unterstellt war ohne jemals selbst ihre Einwilligung dazu gegeben zu haben.
Die Fäden der Marionette zogen andere und sie tanzte dazu im Takt, auch wenn der Rhythmus ihr nicht gefiel, weil die Töne zu dumpf und damit zu hart erschienen.
Hätte man sie jemals gefragt, wäre sie gelaufen ohne sich umzudrehen, gleichkommend einer Flucht um der gewünschten Gegenwärtigkeit zu entfliehen, sich selbst zu entkommen. Rennen ohne Unterlass, den Blick gesenkt egal wohin.
Den eigenen Gedanken, der Hoffnung und der Begierde.
Wäre da ein Wort des Vermissens gewesen, auch nur eine Hand die sie hielt, sie hätte die Richtung gewechselt. Aber da war nichts außer der Hoffnung und ein Wunsch, der niemals das Licht erblickte, weil Illusionen im Nebel verschwinden.
Es war ihre Pflicht zu leben in der Funktionalität und
sie wäre nahezu gerannt, vor den Blicken davongelaufen, weil die das Feuer entfachten und sie innerlich
verbrannten.
Sie hätte ihre eigene Neutralität gesucht, die so viel sicherer erschien und doch so wenig bedeutete.
Weil, da war diese Stimme, die sie rief, immer und immer wieder und die sie berührte.
Begierde ließ sie leben aber bestimmte auch die Richtung des Weges, den man nicht verlassen konnte.
Und der Weg war kalt, so wie sie innerlich erfror und ihre Finger nichts mehr fühlten.
Jede Träne wurde zu Eis und brannte in den Augen, weil sie sie nicht zeigte, lieber nach innen drängte um zu verbergen.
Und sie hätte fliehen müssen, wenn sie nur gekonnt hätte, denn so verlor sie sich selbst und die Distanz wurde immer größer und die Wunden tiefer.
Wunden, in denen sie selbst bohrte um im Schmerz zu spüren, dass sie noch lebte.
Und sie hörte sich selbst schreien und übertönte damit die Stimme, die sie rief um sie zu entsorgen, so wie alles, welches seinen Wert verloren hatte im Sinne der Bedeutung.
Nur ein einziges Mal wichtig sein, in aller Unwichtigkeit um selbst zu erkennen, dass eigene Wertmäßigkeit so wahnsinnig relativ ist, wie so vieles andere auch.
Der Unrat war gewaltig und die Worte peitschten ihr ins Gesicht und brannten sich ein, um nie vergessen zu lassen, weil sie sich erinnern sollte dass sie selbst ein Irrtum war. Eine einzige Lüge im Schweigen selbst und sie schwieg auch dazu, weil sie es nicht anders kannte,nicht anders durfte.
Aufbegehren war tödlich, und jedes Schweigen brachte Gnade im unbarmherzigen Spiel.
Jahrzehnte zurück in einem anderen Leben, blickte sie angstvoll zu ihm auf.
Die Bestie im Schafspelz, die ihr zeigte, wie man funktioniert, Schlag für Schlag.
Und sie spürte seinen heißen Atem an ihrem Hals in so vielen Nächten und der Geruch nach Whisky und Weinbrand ließ sie erwachen um es zu erleben, wie die Droge den Zwang verursachte. Seine Hände waren grob und sein Blick aus blutunterlaufenden Augen war starr und gierig. Das Glas stand neben ihm, bereit für die nächste Dröhnung und sie hörte sein hämisches Lachen, wenn sie die Tränen nicht verbergen konnte.
Immer und immer wieder und es gab nichts was ihn aufhalten konnte. Der Gestank seines Atems wurde unerträglich, genau wie seine Hände und sein Grinsen und er machte weiter Stunde für Stunde.
Und sie sagte nichts, lernte zu schweigen. Nur ihr Blick flehte um Gnade oder was auch immer.
Das Ticken der Uhr schlug den Takt, unbarmherzig nicht schnell genug.
Nicht weinen Kleines, es ist gleich vorbei. Halte einfach nur still. Gleich fordert der Rausch seinen Tribut und der Schlaf bringt die Erlösung.
Der Schlaf ist gnädig und die Nacht ist auch so schwarz.
Heute ist da der Mond, den sie liebt, dann wenn er voll ist, weil es hell ist, noch bevor das Morgengrauen
erscheint.
Zuweilen gab er Wärme, und sie fror oft in diesen Nächten, die ihr den Stolz nicht rauben konnten.
Was bleibt ist die Angst, die sie dennoch nicht zeigt.
Vielleicht wird sie irgendwann anfangen zu laufen, um sich selbst zu erhalten, dann wenn der Mond voll scheint und sie antreibt.
Sie wird sich nicht umdrehen und einfach nur rennen, egal wohin in die Neutralität.
Der Kaffee in der viel zu großen Tasse war kalt, erfroren so wie sie, weil nichts wärmte und und dennoch der Nebel alles verschlang in einer Unwirklichkeit die fast schon einer Erlösung gleichkam.

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