NachtFragmente

Starr fixierte sie die blauen Zeiger der Uhr an der Wand. Es schien so als bewegten diese sich kaum von der Stelle, außer dem kleinen vorwitzigen Kerl, der mit seinem monotonen Ticken Runde für Runde die Sekunden vorgab.

Nichts änderte diese Taktfolge in Endlosschleife, die aber auch nichts in Bewegung setzte.

Eine einzelne Kerze flackerte auf dem Tisch, während sie, wie so oft, auf dem Boden mit zum Körper angezogenen Knien hockte. Das Fenster stand weit offen, um dem Wind die Möglichkeit zu geben, etwas von dem Wirrwarr an Gedankenknoten zu lösen, die mit dumpfem Schlag gegen ihre Hirnwände schlugen.

20 Stunden hatte schon der Tag und auch der Rest würde nicht dem vergessenden Schlaf zum Opfer fallen.

Zumindest konnte man sich an der Zigarette festhalten, sie rauchte eh viel zu viel in solchen Nächten, in denen sie sich selbst wach hielt.

10 x konnte man an diesen Zigarettensticks ziehen, bevor sie dem Nichts übergeben waren.

Diese verdammten Dinger hatten es eilig, viel eiliger als diese noch verdammteren Zeiger der Uhr.

Es war nichts. Es war wirklich nichts, außer dieser verfluchten Rastlosigkeit, die sie sich selber gab, weil dieses Hämmern im Kopf es so verlangte.

Nichts konnte diese monotone Taktfolge ändern. Und nur das Blut in ihrem Körper floss schneller als normal und brachte damit die Ruhelosigkeit in jeden Winkel im Inneren.

Nein, es war wirklich nichts oder vielleicht war auch das alles.

Die Tage waren berauschend und das konnte man mitnehmen in diese Stunden der Dunkelheit, in denen das Brennen in den Augen vielmehr zeigte, dass man lebte.

Einen Zug gab die Zigarette noch her und sie spürte, wie das Blut in ihr anfing zu brodeln.

Der Herzschlag folgte nicht der Taktfolge dieses kleinen Zeigers der Wanduhr, sondern hatte genau 3 Schläge mehr in aller Unregelmäßigkeit.

Wie gut kannte sie dieses immer schneller werdende Pochen des Herzens und das Gefühl, dass die Schlagfolge ihren Körper auseinander bersten läßt.

Vielleicht würde sich damit auch der Druck auf dem Brustkorb lösen, der kaum das atmen zuließ.

Doch da war nichts, außer diesem Ticken an der Wand und leichte Windzüge, die das Flackern der Kerze verstärkten.

Trotzdem hieß es einfach voll durch.

Der Unruhe folgend, drehte sie die Musik an, die alles übertönte, sogar das Rauschen im Kopf.

Müde schloss sie die Augen und doch hielten fortwährende Gedanken wach.

Gleich würde die Sonne aufgehen.

Einmal wissen dieses bleibt für immer

ist nicht Rausch der schon die Nacht verklagt

ist nicht Farbenschmelz noch Kerzenschimmer

von dem Grau des Morgen längst verjagt

Einmal fassen tief im Blute fühlen

dies ist mein und es ist nur durch Dich

nicht die Stirne mehr am Fenster kühlen

dran ein Nebel schwer vorüber strich

Einmal fassen tief im Blute fühlen

dies ist mein und es ist nur durch Dich

klagt ein Vogel ach auch mein Gefieder

näßt der Regen flieg ich durch die Welt

[city]

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