UnEndlichkeit

 Weil wir niemals uns anhalten, halten wir einander fest.

Steine haben wir damals ins Meer geworfen, erinnerst du dich? Du konntest viel weiter werfen und ich konnte ihnen mit meinen Augen folgen, bis sie dann in der Tiefe versanken um einen neuen Platz für ihr Dasein zu finden.
Ein paar Mal sind wir wieder hergekommen, an diesen Ort wo wir versuchten Dinge zu ordnen, die ein wenig aus dem Ruder gelaufen waren, und uns damit eher hemmten an voranzubringen.
Zusammen waren wir ein gutes Team, ergänzten uns in manchen Dingen und schöpften Energie aus unserer Symbiose.
Mag sein, dass wir auch manchmal die Zeichen falsch deuteten, konnten aber vieles abwenden, weil wir redeten.
Es war uns beiden wichtig, dieses gegenseitige Verstehen und die Unterstützung, die wir uns damit gaben.

Unsere Tage am Meer habe ich geliebt und dich dort noch ein klein wenig mehr, so weit weg von allem was manchmal schwer auf Schultern zu tragen war.
Unbeschwert waren diese Tage und irgendwie war jeder Tag dort heller und jede Nacht leuchtender.
Ausgelassen schwammen wir im Meer, tobten wie Kinder am Strand und der Wind wehte ungestüm vom Wasser her.
Manche Nacht saßen wir gedankenverloren auf den Stufen der Terrasse, lauschten den Klängen von Vangelis oder Herb Alpert und wir gaben uns der Melancholie des Augenblicks hin.
Oft hast Du mir aus einem deiner Lieblingsbücher vorgelesen, mit deiner unverwechselbaren Stimme, die es immer wieder vermochte mich zu streicheln und zu berühren wie ein sanfter Windhauch, der für einen kurzen Moment sich in den Haaren verfängt.
Und du warst derjenige, der ein Gedicht für mich geschrieben hat, so ganz ohne Vergleiche und Metaphern. Aus deinen Worten habe ich so viel Glück gehört, denn das Gedicht hatte den Rhythmus meines Pulsschlages, die Deutung meines Blickes und die Berührung meiner Finger auf deiner Haut, es roch nach mir und ich spürte darin die Kraft unserer Umarmung.
Und immer wieder erwachte in uns das Begehren, dieses Haut an Haut Gefühl zu spüren und in Ekstase auszuleben, weil wir wussten, dass wir beide das gleiche Verlangen verspürten, und wir nur beide zusammen diesen Hunger uns gegenseitig stillen konnten.

Ich weiß nicht warum, aber irgendwann gingen wir auseinander. Wir verloren die Worte einer gemeinsamen Sprache, die uns vorher so innig verband.
Es war als hätten wir uns zu Eisbergen entwickelt, die auseinanderdrifteten, weil sie sich selbst keinen gemeinsamen Halt mehr gaben.
Seltsam war, dass wir wenigstens zum Abschied viele Worte fanden.
Fast wie in dem Gedicht damals ohne jeglichen Schnörkel. Ein Gedicht über eine gemeinsame Zeit, ein wenig wehmütig und melancholisch aber auch lachend über uns selbst und glücklich über faszinierende Augenblicke.
Als du dann die Straße runtergegangen bist, habe ich dir lange nachgeschaut.
Einen winzigen Stein hast du vor dir hergetreten, fast übermütig wie ein kleiner Junge.
Ich bin mir sicher, du dachtest das Gleiche wie ich, dass wir alles richtig gemacht haben.
Denn heute wissen wir es.
Wir sind beide glücklich, jeder auf seine Art, mit Menschen um uns herum, die uns lieben und für die wir genauso empfinden. Und wir haben eine gemeinsame Zeit an die wir gerne denken, auch wenn sie mit jedem Tag in weitere Ferne rückt.

Hin und wieder rufst du aus dem Nichts an, liest mir aus deinem neuen Buch vor und ich lausche deiner unverkennbaren Stimme, die ich aus tausenden heraushören würde.
Manchmal treffen wir uns, wenn ich mal wieder in deiner Stadt bin, unten am Fluss und werfen Steine. Und du kannst immer noch weiter werfen als ich und sie versinken immer noch in die Tiefe eines unsichtbaren Grundes.

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