Vergänglichkeit

Würdest Du etwas vermissen?
Ein Leben geben für ein Gefühl?
Kennst Du dieses Sehnen?
Geben und nicht Nehmen?
Bis zum Mond und wieder zurück.
Kämpfen für das Wir
und bleiben im Ich.
Halten und doch so frei.
Stark in aller Schwäche.
Keine Fassade.
Ich zeig Dir meine Wahrheit
und damit meine Welt
nur für einen Augenblick.
Alles hängt am seidenen Faden.
Umarme mich
und meinen Kopf in Deinem Schoß.

“Komm ich zeig Dir meine Welt”, sagte er damals zu ihr, als er so plötzlich und unerwartet vor ihr stand. Er kam aus dem Nichts und irgendwie war sie nicht so vorbereitet auf diesen Mann, der zwar leise sprach aber eher wie ein Orkan daher wehte.
Er war groß und sie musste zu ihm aufblicken ob gewollt oder nicht.
Sein schwarzes Haar trug er kurzgeschoren, was ihren Blick ins Gesicht zog, welches gelebt sich zeigte. Ein paar Narben durchbrachen die Ebenheit, dennoch waren es die Augen, die bestachen.
Grün war nie ihre Farbe, weder an sich noch drum herum, aber sein Grün kam aus der Tiefe, wie der Strudelsog in einem Bergsee, dem man sich nicht entziehen konnte.
Seine Kleidung war schwarz, und nie sah sie etwas anderes als dieses tiefgründige Schwarz ohne farbliche Abgrenzung oder Aufhellung. Nur das Grün seiner Augen gab den einzig vorhandenen Kontrast.
Sie wusste nicht, wie lange er sie vielleicht schon beobachtet hatte. Sie war selbst in ihren Gedanken vertieft, weil sie mittlerweile all diese verdammten Abschiede nicht mehr wollte, wusste sie doch, dass die Abstände sich vergrößerten, im gleichen Verhältnis wie diese innere Unruhe, die sich immer wieder neu breit machte. Die Neugier trieb voran, wohin immer es auch sein mochte. Und sie allein wusste, dass es immer auch eine Flucht war, die nicht Ankommen auch bedeutete. Gleichzeitig gab es aber auch immer wieder neue Welten, neue Worte und Gedanken an die es sich zu erinnern galt, ob man wollte oder nicht.
Immer wieder dann, wenn sie sich an dieses Land gewöhnt hatte, an diese flirrende Hitze an eine andere Mentalität und überhaupt ein anderes Leben, trieb es sie wieder fort, weil es sowohl ein Hier als auch ein Dort gab, was sie nicht missen wollte.
Nur das Vermissen machte es immer wieder schwerer auch endlich zu vergessen. Die Strecke von Conil, ihrer 2. Heimat zum Flughafen, wollte nicht mehr so gerne gefahren werden.
Wahrscheinlich fuhr sie deswegen immer später los um schneller fahren zu müssen, ohne jeglichen Blick nach links oder rechts und zurück schon gar nicht.

“Komm ich zeig Dir meine Welt”, das waren damals seine ersten Worte, nach diesem endlos langen Blick aus grünen Augen.
Der Flughafen Jerez war übervoll mit Menschen, die nur aus der Distanz betrachtet an ihr vorbei rauschten, ohne dass sie sie wahrnahm.
Vielleicht hätte sie es wissen müssen, dass es immer Menschen gibt, die fixierend aus der Menge herausstechen, ohne dass sie laut und gestikulierend auf sich aufmerksam machen.
Er wirkte eher mit der Stille und Wortlosigkeit, die ihn umgab, und wahrscheinlich zog sie genau das an, gnadenlos und ohne Bedenken.
Es war ein Rausch, psychedelisch wirkend, genau wie diese Welt, die er ihr für einen Augenblick nur zeigte.
Es war nicht diese Farbengewalt, die sie sonst so liebte, da jegliches Schwarz alles überzog, wie eine undurchsichtige Wand, die man nur ertasten konnte.
Und dennoch wehte dort ein kräftiger Wind, der die Frische brachte, wie in Conil wenn er durch die Orangenhaine landeinwärts zog, und man immer das Gefühl hatte, dass silbrige Fäden durch die Luft flirrten.
Viele Worte verließen auch danach nie seine Lippen, nur seine Augen sprachen Romane, die er ihr in den Nächten zuflüsterte und sie wie Hieroglyphen entschlüsseln musste, und die dennoch wie Honig auf der Haut sich niederlegten.
Fasziniert tauchte sie für ein paar Momente in diese fremde Welt ein, Momente die nur für die Sinne und den Genuss gedacht waren in dem Begehren des Füreinander.
Berauscht voneinander sogen sie alles gegenseitig auf was sie sich gaben und nahmen das mit.

Es reichte für die Zeit danach, da wo die Vergangenheit beginnt, die immer jedem dieser Momente folgen würde.

Und auch danach würde nichts vergessen sein, auch wenn Abschiede immer diesen Hauch von Tristesse haben und dennoch vorprogrammiert sind, weil Momente eben nur Momente sind und damit vergänglich zu aller Zeit. Nichts davon kann man festhalten nur mitnehmen und sich erinnern, wenn man nicht zu müde ist vom Gehen.

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