ElfenbeinTürme

Ich habe immer versucht,
in einem Elfenbeinturm
zu leben,
aber es brandet
eine solche Flut von
Scheiße gegen seine Mauern,
dass er einzustürzen droht.
[Flaubert]

Es war zu einer Zeit der Dunkelheit. Die Welt fischte im Trüben, regiert vom Unverständnis und gedrückt von der Last des Zuviel und Zuwenig, vom Auf und Ab der Unliebe im Diesseits auf der Flucht vor der Ewigkeit hin zum Endlichen.
Sie waren nur Wenige, nicht auserwählt, eher der Rest des Lebendigen noch nicht erkaltet und zu Staub
zerfallen.
In Lumpen gehüllt und mit Gnade versehen machten sie sich auf, um das Verstehen zu suchen, barfüßig auf dem Grat wandernd, der von Ungeduld bestückt war um damit der Schwerkraft entgegenzuwirken.
Kein Licht leuchtete den Weg, und nur der Hauch von Sehnsucht im Blickwinkel trieb voran.
Kalt war es zu jener Zeit und nur eine Melodie erklang im luftleeren Raum, sanft und dennoch fordernd nach Gleichklang verletzter Seelen, die übrig blieben vom großen finalen Gefühl im Meer der Unendlichkeit.
Aus den einzelnen Tönen erwuchs der letzte wärmende Strahl der in sie drang, und damit eine Glut entfachte, die immer weniger Nahrung fand.
Unfassbare Mauern wuchsen am Wegrand empor, imposant und gewaltig aber dennoch den sicheren Halt gebend. Stein für Stein trugen sie davon ab, um den letzten Elfenbeinturm zu errichten um sich darin in der Not zu verschanzen, weil der Atem knapp wurde mit jedem weiteren Schritt.
Das Verstehen war das Ziel und dennoch war nur das Rauschen des Meeres zu hören, welches alles
übertönte.
So musste Odysseus sich gefühlt haben, als er dem Gesang der Sirenen lauschte, die jetzt nicht mehr lockten sondern dem Meer die Flut gaben und deren Töne vom Schluchzen überjauchzt wurden.Jedes Verstehen war mit der verronnenen Zeit abhanden gekommen, weil jeder mit Tunnelblick nur sich selbst sah in all der Einöde, die sich mal Welt nannte bevor sie im Unrat versank.
Neid, Missgunst und Hass aufeinander hatten leuchtende Farben geschwärzt und den Boden aufgeweicht in dem alles Lebenswerte an Bedeutung verlor und darin versank.
Am Anfang hatten sie noch nach Verstehen suchend, versucht zu graben, dann aber aufgegeben, weil sich bald die Schwäche des Einzelnen zeigte und man lieber resignierte anstatt Energien zu bündeln.
Und sie gingen weiter, die Unsicherheit im Gepäck und dennoch nicht umkehrend, weil das Gefühl um Verständnis bat, nicht abhanden zu kommen um immer wieder neue Nahrung zu erhalten, weil dies alles war, was noch blieb.
Und es trieb voran, nur dieses einzige Gefühl, mit dem Feuer in sich, weil nur dies wärmte und die Bedeutung in sich trug, während alles andere sich im Nichts auflöste und nur Dunkelheit blieb.
Sie zogen einander und warteten wenn einem die Puste ausging, hauchten sich Atem ein oder rieben die Haut, die genauso geschwärzt war wie die Nacht um sie herum.
Noch verstanden sie sich nicht, denn die eigene Sprache war nicht die des anderen, aber ihre Sinne ließen sie fühlen vor allem die Wärme im Blick.
Gegenseitig gaben sie sich Mut um nicht stehenzubleiben, weil der Morast alles überspülen würde und die Angst war groß, vor allem vor der Einsamkeit, die die Dunkelheit mit sich brachte.
Froh waren sie nicht alleine zu sein und hofften dass es so bliebe und die Melodie nicht verstummte, bevor sie sie verstehen würden.
Keiner wusste wer der andere war und doch war Dankbarkeit und Wärme in ihrem Blick füreinander.
Und sie spürten es, weil es ehrlich war in jeglicher Hinsicht.
Hin und wieder gab es Rückschritte, weil der Unglaube groß war aber dennoch nicht am Weitergehen
hinderte.
Denn die Melodie wurde lauter aus ihrer eigenen Kraft heraus geboren und sie lauschten ihr fasziniert in aller Sinnlichkeit, weil sie ihnen den Weg wies, den sie breit waren gemeinsam zu gehen.
Und sie würden weitergehen Schritt für Schritt auf diesem schmalen Grat, der geblieben war. Immer von diesem Sehnen getrieben nach Erfüllung suchend und dem Willen einander und sich selbst zu verstehen.
Sie waren sich sicher, sie würden finden, weil es nichts anderes gab als immer und immer wieder in Liebe sich selbst das Verstehen als Lohn zu geben.
Elfenbeintürme würden sie irgendwann nicht mehr brauchen, weil darin die eigene Unfreiheit verborgen und ein Verschanzen nicht mehr nötig war.
Und es würde heller werden mit jedem gesagten Wort, weil sie es selbst verstanden und nachfragten aus jeder Einsicht heraus und der eigene Atem langsam ruhiger wurde mit der Angst, die sich verlor.
Mit jedem Ton dieser Melodie wuchs die Zuversicht und vor allem Geduld die notwendig war um den nächsten Schritt zu gehen in der Symbiose gemeinsamer Kraft.
[dankend]

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Eine Antwort zu ElfenbeinTürme

  1. akronym schreibt:

    Elfenbeintürme und Einhörner sind genauso märchenhaft schön, wie diese Geschichte!

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