Ich hör die Sterne lachen

5 Tage haben wir gehofft, und genau 5 Tage waren es, die wir gebangt haben.
5 Tage war es Dein Kampf und 5 Tage haben wir gebetet.
Seitdem ist Trauer in uns. Unendliche Trauer.
Du fehlst so sehr und es gibt noch keinen Trost.

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Und die Erde dreht sich weiter. Morgen sind es 3 Wochen. 3 Wochen ohne Dich.

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Irgendwann werde ich nach oben zu den Sternen schauen können. Noch nicht aber bald. Und es wird tröstlich sein Dich auf den Sternen lachen zu hören, mein geliebtes Schwesterherz.

Jede Erinnerung begleitet mich und ich weiß, dass Du mit Mutter jetzt zusammen da oben sitzt und glücklich bist wenn Du Deine Kinder hier zusammen siehst, die Deiner mit mir in Liebe gedenken.

Sprechen zu dürfen
von dir
mit denen die dich kannten
dich liebten
Sprechen zu können
von dir
wie du warst
dich in Worten
wiedererleben
nur ein paar
Stunden lang
Und dann
einschlafen
vor dem nächsten
Alleinsein
das doch
unausweichbar
wartet

(Gitta Deutsch)

Und wir reden viel von Dir. Dann bist Du uns hier ganz nah.
53 Jahre sind wir unseren gemeinsamen Weg gegangen. Und es sind so viele Erinnerungen die mich jetzt weiter begleiten.

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Du warst ein wunderbarer Mensch meine Kleine. Mutter zu sein war Deine Lebensaufgabe. Dein Mann und Deine Kinder waren Dein Glück. Dein Kampf für Tobi war bewundernswert und Deinem Dasein für alle gebührt mein Respekt.

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Auf Deinem letzten Weg haben wir Dich alle begleitet, mein Schwesterherz.
Du liegst jetzt neben Mutter, bei Oma und Opa.

Wir hatten Mutter versprochen immer aufeinander achtzugeben. Ich konnte es nicht verhindern.
Wir haben Luftballons und Luftblasen steigen lassen, die Dich zu Mutter, Oma und Opa begleiten. Dort bist Du sicher.
Für Deine geliebten Kinder werde ich immer da sein. Alle 4 sind so tapfer.
Wir haben Deine Lieblingslieder von Unheilig gespielt, die Du so gerne mit Deinem Mann gehört hast.
Und wir sind traurig, aber auch dankbar für jede Stunde mit Dir.

Bis bald Schwesterherz.

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Ich bin müde

So oft muss ich in letzter Zeit an dieses gedankenprägende Zitat denken. Es schlingt sich durch meine Gehirnwindungen, krallt sich fest, um im nächsten Moment kräfteraubend weiter zu fliegen.
Der Schmerz und das Leid drehen auch in meinem kleinen Orbit ihre Runden ohne jegliche Rücksicht und gönnen keine Pause.
Nichts ist vergleichbar, viele ja sehr viele trifft es schlimmer und das macht mich traurig und betroffen.
Nicht Selbstmitleid macht mich so müde, es ist das Leid in der Addition, und in der Summe unerträglich.
Ich bin müde. Gedankenknoten machen so mürbe und lassen keinen Schlaf finden.

Eine kurze Atempause wäre schön. Aber auch das Luftholen fällt schwer. Aber auch dafür gibt es genügend Pillen. Nur nicht als Doping für die Seele.

Früher bin ich gelaufen um den Wind durchs Gehirn wehen zu lassen. So mancher Gedankenknoten ist ihm zum Opfer gefallen. Heute bin ich zu müde und das rechte Bein wehrt sich mit allem was es aufbringen kann. Keinem Körperteil kann ich es recht machen und so lasse ich es.
Der Fernseher läuft und in meinem Kopf klirren die Glasscherben.
Ich bin so entsetzlich müde.
Die Kämpfe fordern jetzt wohl ihren Tribut.
Der Rücken schmerzt und verlangt nach seiner Medizin.
Und dennoch, die Nachrichten lassen einen nicht zur Ruhe kommen.
Zum Schmerz addieren sich noch Trauer und Wut.
Alex ist Balsam für die Seele und der Grund für das kräftig schlagende Herz.
Ich bin so unendlich müde.

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Alle neu macht der Mai?

Immer wieder freue ich mich auf den Mai. Ich liebe diesen Monat.
Die Sonnenstrahlen wärmen und von der Couch aus genieße ich das Blau des Himmels.
Alex`Geburtstag naht in schnellen Schritten. Ungewohnt ist nur, dass ich diesmal im Krankenhaus sein werde. Nun gut, alles neu macht der Mai….
Zumindest bringt er mir wieder ein paar Metallstücke mehr, und vielleicht doch dann endlich wieder etwas mehr Bewegungsfreiheit.
Seit 2006 ist es dann die 7. Rücken-OP, fast schon Gewohnheit oder eher Routine.
Ich vertrau dem Arzt, er macht schon das Richtige.
Wenigstens hebt die Maisonne meine Stimmung und zaubert traurige Gedanken einfach hinweg.
Die Haarfarbe ist auch neu, etwas dunkler und der Stimmung angepasst.
Wie gerne wäre ich jetzt mit Alex und Creasy am Meer.Am Strand laufen, über Creasy lachen und Stöckchen werfen und laufen wie schon lange nicht mehr.  Der Mai bringt neue Träume, oder aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
Abschalten können wäre jetzt gut. Stattdessen fliegen immer wieder Gedanken durch die Hirnwindungen und erschrecken vor dem was sein könnte.
Momentan achte ich auf jedes Zeichen im Kopf und das macht Angst. Nur Bange machen gilt nicht, schon gar nicht im Mai.
Es gibt Schlimmeres. Nur Lachen fällt momentan verdammt schwer.

 

 

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Unfassbar traurig

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Martin Luther King hat einmal gesagt:

Unsere Generation wird eines Tages nicht nur die ätzenden Worte und schlimmen Taten der schlechten Menschen zu bereuen haben, sonder auch das furchtbare Schweigen der guten.

Tuğçe hat nicht geschwiegen sondern gehandelt. Ein wunderschönes junges und intelligentes Mädchen. Sie wollte Lehrerin werden.
Und sie hat helfen wollen. Ein alkoholisierter Schläger trat auf sie ein.
Tuğçe liegt im Koma. Morgen hat sie Geburtstag.
Meinen Respekt und meine Hochachtung.

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Wie schnell die Zeit vergeht

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Creasy

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GedankenOrbit

Ich wünsche mir einen Moment.
ein kurzer Moment reicht.
ein Moment um zu fühlen
ein Moment für die Sinne
ein Moment für den Genuss
und dann einen Moment für das Begehren.
Lass mich in diesem Moment
alles von dir aufsaugen
was für die Zeit danach reicht,
wenn die Vergangenheit beginnt,
die immer jedem dieser Momente folgt.

Im Moment bin ich müde. Müde von diesem Allerlei, was doch immer wieder an mir abperlt, wie Wasser an dem Gefieder der Vögel.
Aber so fließt Absurdes an mir herab, ungebremst, ohne dass es mich zu berühren vermag.
Und dann spüre ich, wie durch meinen Körper der Lebensstrom fließt, gedankenbewegt im fortwährenden Fluss.
Niemals Stillstand.
Meine Gedanken gehen zu dir und ich weiß, dass Du da bist, an diesem Ort, wo es so unendlich ruhig ist.
Ich lehn mich an Dich und spüre hier in meiner Müdigkeit Deine Stärke.
Und mein Blut pulsiert, weil gerade dieser Regen gekommen ist.
Und ich laufe, laufe und laufe, um dich nicht zu verpassen.

Würdest du auch etwas vermissen, wenn wir schwiegen?
Und dann wünsch ich mir heute eine Vision.
Ich bräuchte noch etwas mehr Mut
und sehr viel mehr Zeit.
Und ein Leben danach
in diesem anderen Land
und dann wieder Luft zum Atmen.
Ich brauch diese Gedanken an dich
schon heute für morgen,
wenn die Vergangenheit beginnt.

Wo immer Du jetzt sein magst, hoch droben in himmlischen Sphären oder in den Tiefen sitzend, an der wärmenden Glut des Höllenfeuers, eilen mir meine Gedanken voraus, um dir so wenigsten Stück für Stück entgegenzulaufen.
Manchmal wünschte ich, wir könnten wenigstens mit dem Rauch, der in den Himmel steigt, uns noch Zeichen geben oder dein Lachen würde mich über die Schallwellen durch die Unendlichkeit des Orbits erreichen.
Die Stille ist manchmal unerträglich, seit deine Stimme mich irdisch nicht mehr berührt.
Dabei spüre ich immer noch, auch nach all diesen Jahren, die Zärtlichkeit deiner Hand auf meiner Haut und sehe dabei dein Bild vor mir, auf dem du mir neckisch grinsend zublinzelst
Wie oft habe ich in dieser Zeit dein verdammtes Herz verflucht, weil du einfach so gegangen bist, ohne jede Vorwarnung und Abschiedsszene. Aber vielleicht war auch das mehr ein Geschenk.

Zuerst war ich traurig, hab mir dann aber auch die Wut gestattet, weil du mir einfach gefehlt hast. Sogar das Streiten habe ich vermisst.
Den Krieger des Lichts habe ich verbrannt, weil ich dann irgendwann alles anders sah und mir sicher war, dass ich niemals so stark sein würde, wie er. Trotzdem habe ich mich gezwungen so manches Mal über mich hinauszuwachsen.
Heute bin ich dem Krieger aber dann doch näher als ich es für möglich gehalten habe.
Meine Säulen habe ich auf festes Fundament gebaut und da stehen sie sicher. Ganz so, wie Du es mir vorgemacht hast.
Manchmal weht mir der Wind heute hart ins Gesicht, aber ich gehe ihm entgegen genauso, wie ich mir meinen Trotz bewahrt habe immer noch nicht mit dem Strom zu schwimmen.
Ich glaube es würde dich freuen, dass ich mittlerweile zu einer Leichtigkeit gefunden habe, mit der ich mich Herausforderungen stelle, um aus Unmöglichem das Mögliche zu machen.
Zuviel reden mag ich immer noch nicht, wahrscheinlich weil ich hoffe, dass irgendeiner meine Gedanken errät.
Und selbst im Schweigen bin ich immer noch laut genug, um meine Stimme im eigenen Ohr zu hören.
Und wenn ich alleine sein will, fahre ich auch heute noch ans Meer und laufe mit den Möwen um die Wette.
Geliebt habe ich im Danach auch wieder und fand es schön.
Ich habe den Rausch der Leidenschaft genossen und Nähe zugelassen, wenn man sie mir gab. Es hat mich gewärmt. Es fiel mir am Anfang schwer über mich zu lachen, dennoch vermag ich es heute mir den Narren zu verzeihen.
Wenn ich gemerkt habe, dass ich mich selbst verliere, weil gefordert wird, war ich auf der Flucht, um mich selbst zu suchen. Dabei habe ich mich dann doch meistens verpasst.

Meine Höhenangst habe ich noch immer nicht besiegt, auch wenn ich den Flug durch die Leidenschaft in der Nacht so ganz ohne Fallschirm genieße. Aber dann suche ich nach einer Notlandebahn und stelle fest, dass jemand das Sichtfeuer ausgeblasen hat.
Wenn ich in der Nacht aufwache, weil sich ein Alptraum durch meinen Kopf zwängt und gegen die Wände hämmert, stehe ich auf und koch mir so wie früher einen Schokoladenpudding und rauch die Zigarette danach auf der Terrasse.
Du hattest mir immer eine Decke gebracht und dich zu mir gesetzt. Manchmal hast Du mir dann vorgelesen aus Deinen Gedanken und wir haben gelacht, während Du gewartet hast.
Ich hatte so viele Fragen und du die Geduld, die mir heute doch immer noch fehlt.
„ Wer bin ich?“
„Schau in den Spiegel dann weißt du die Antwort und gibst sie dir selbst.“
Die Räume sind heute manchmal kalt und leer, wo sie damals immer wieder meine Zuflucht waren. Aber ich bleibe hier und hoffe dabei, dass dein Bild nicht verblasst, wie so vieles andere, was man einfach so schnell vergisst, oder mit eigener Hand auslöscht.
Aber wenn die kleine Fotografie auch mit den Jahren vergilbt, bleibt mein Kopf der Tresor, den kein Schlüssel zu öffnen vermag.

Du hast vieles zurückgelassen.
Du hast mir gezeigt, was wirklich wichtig ist.
„Egal was passiert, bleib dir selber treu“, waren deine letzten Worte.

Mach’s gut, da wo Du jetzt bist. Ich werde hier noch ein Stück weitergehen, immer mal wieder zurückschauend, und vielleicht ab und zu Deinen Atem in meinem Nacken spüren.

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Morgen ist auch noch ein Tag

Oft schon habe ich in meinem Leben das Gleichgewicht verloren und kann dennoch gerade stehen. Es ist anstrengend zuweilen und manchmal auch nicht gerecht, aber ich habe 2 gesunde Hände, eine gehörige Portion Phantasie gepaart mit Simulationsvermögen und bau mir aus jedem Stein, der sich anmaßt im Weg zu liegen, etwas Schönes.

Der Schmerz ist nicht unbekannt und wie es der Lauf der Dinge ist, er verlangt gespürt zu werden.
Und trotzdem bin ich süchtig nach Leben, nach jedem einzelnen flüchtigen Moment des Glücks, um ihn aufzusaugen, damit die Sucht sich stillen kann.
An der Dunkelheit morgens erkenne ich, dass die Zeit durchs Leben rast oder umgekehrt.
So langsam wird es kälter obwohl ich die eisigen Winter längst vergraben habe.

In meinem Schweigen bin ich zu laut und Angst ist manchmal ein verdammter Begleiter, gefräßig wie sie ist und unbeirrbar, wenn sie Einzug hält. Dabei ist und bleibt die Seele die große Unbekannte in der Gleichung, abhängig von der Unendlichkeit oder als geniale Erfindung gen 0 strebend.
Ich neige zu Letzterem, denn in ihr gibt es auch nichts zu entdecken, und ihr Geheimnis ist pure Suggestion.
Es wird kälter und in dem Wort Freiheit steckt die Ironie des Schicksals und wer die Wahl hat, hat die Qual.
Der Rücken fordert schon wieder Tribut und ich bin es mehr als leid, dem Rechnung zu tragen.
Wie viel OP darf es diesmal sein? Der rote Faden spinnt sich weiter fort und der Magen rebelliert, während das Blut im steten Fluss durch den Körper rast.
Der Gedankenknoten im Kopf zeugt von Leben und der Achselknoten wird größer in Kongruenz mit der Angst, der ich schon jetzt nicht mehr nachkomme.
Eine kleine Pause wäre gut. Zumindest für Jetzt, gleich bin ich wieder bereit.

Die Jahre von dir zu mir [Celan]

Wieder wellt sich dein Haar, wenn ich wein. Mit dem Blau deiner Augen
deckst du den Tisch unsrer Liebe: ein Bett zwischen Sommer und Herbst.
Wir trinken, was einer gebraut, der nicht ich war, noch du, noch ein dritter:
wir schlürfen ein Leeres und Letztes.

Wir sehen uns zu in den Spiegeln der Tiefsee und reichen uns rascher die Speisen:
die Nacht ist die Nacht, sie beginnt mit dem Morgen,
sie legt mich zu dir.

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Tick Tack

Starr fixierte sie die blauen Zeiger der Uhr an der Wand. Es schien so als bewegten diese sich kaum von der Stelle, außer dem kleinen vorwitzigen Kerl, der mit seinem monotonen Ticken Runde für Runde die Sekunden vorgab.
Nichts änderte diese Taktfolge in Endlosschleife, die aber auch nichts in Bewegung setzte. Tick Tack Tick Tack.
Und immer wieder kam jedes Ticken dem Trommelschlag auf den Galeeren gleich. So mussten sich die Sklaven gefühlt haben, wenn es in ihrem Kopf gedröhnt hat, der Schweiß an ihren ausgemergelten Körpern klebte und sie sich insgeheim die Flügel von Ikarus wünschten, um lieber im Feuer zu verbrennen.
Eine einzelne Kerze flackerte auf dem Tisch, während sie, wie so oft, auf dem Boden mit zum Körper angezogenen Knien hockte. Das Fenster stand weit offen, um dem Wind die Möglichkeit zu geben, etwas von dem Wirrwarr an Gedankenknoten zu lösen, die mit dumpfem Schlag gegen ihre Hirnwände schlugen.
20 Stunden hatte schon der Tag und auch der Rest würde nicht dem vergessenden Schlaf zum Opfer fallen.
Zumindest konnte man sich an der Zigarette festhalten, sie rauchte eh viel zu viel in solchen Nächten, in denen sie sich selbst wach hielt, um wie die Katze auf dem heißen Blechdach zu verweilen.
10 x konnte man an diesen Zigarettensticks ziehen, bevor sie dem Nichts übergeben waren.
Diese verdammten Dinger hatten es eilig, viel eiliger als diese noch verdammteren Zeiger der Uhr. Tick Tack Tick Tack.
Es war nichts. Es war wirklich nichts, außer dieser verfluchten Rastlosigkeit, die sie sich selber gab, weil dieses Hämmern im Kopf es so verlangte.
Nichts konnte diese monotone Taktfolge ändern. Und nur das Blut in ihrem Körper floss schneller als normal und brachte damit die Ruhelosigkeit in jeden Winkel ihres Innersten.
Nein, es war wirklich nichts oder vielleicht war auch das alles.
Die Tage waren berauschend und das konnte man mitnehmen in diese Stunden der Dunkelheit, in denen das Brennen in den Augen vielmehr zeigte, dass man lebte.
Einen Zug gab die Zigarette noch her und sie spürte, wie das Blut in ihr anfing zu brodeln.
Der Herzschlag folgte nicht der Taktfolge dieses kleinen Zeigers der Wanduhr, sondern hatte genau 3 Schläge mehr in aller Unregelmäßigkeit.
Tick Tick Tick Tack.
Wie gut kannte sie dieses immer schneller werdende Pochen des Herzens und das Gefühl, dass die Schlagfolge ihren Körper auseinander bersten ließ.
Vielleicht würde sich damit auch der Druck auf dem Brustkorb lösen, der kaum das atmen zuließ.
Doch da war nichts, außer diesem Ticken an der Wand und leichte Windzüge, die das Flackern der Kerze verstärkten.
Trotzdem hieß es einfach voll durch.
Der Unruhe folgend, drehte sie die Musik an, die alles übertönte, sogar das Rauschen im Kopf.
Müde schloss sie die Augen und doch hielten fortwährende Gedanken wach.
Gleich würde die Sonne aufgehen.
Und im Traum liegt sie in diesem weißen sterilen Zimmer.
Die Stille ist erdrückend und die Zeiger der Uhr schlagen Salto vorwärts und zurück, abwechselnd mit dem monotonen Surren des Apparates neben ihr, dessen Taktfolge dem Lied zum traurigen Sonntag Konkurrenz macht und sie fast um den Verstand bringt.
Tick Tack Tick Tack
An den Strichen der Wand konnte man sich festhalten, zählen und wieder rückwärts von vorne anfangen. Die endlose Nacht gab das her.
Am Fenster steht dieser düstere Mann, ganz in Schwarz gekleidet, aber er grinst wohlwollend, während seine feuerspeienden Augen ihr sanft eine Fieberperle von der Stirn rauben.
Es war kalt mit ihm im Zimmer und wenn er ausatmete gefror das Blut in ihren Adern, was sie gleichzeitig im Fieberwahn wärmte.
Irgendwoher kannte sie ihn, aber vergessend kann manchmal gnädig oder wohlwollend sein.
In all dieser Zeit hat der Mann auf etwas gewartet, wo er genau wusste, dass es nie passiert. Er hat verlernt sich selbst zu bedauern und konnte nie danke sagen, weil der Hass stärker war, als das was er bekam. In ihrem letzten Traum wischte er sich das Blut aus den Mundwinkeln und geißelte sich selbst, für all das was nie war.
Dann nahm er sie in seine Arme und seine Hand drang ein, bis zu diesem viel zu schnell schlagenden Herz, um ihm den richtigen Takt zu zeigen, während er mit der anderen Hand nach den Wolken griff um ihr den Mund zu stopfen. Dabei war sie schon lange wortlos,und draußen schien dieser Mond, der dich auch nur anlügt, selbst wenn er in einem Blau erstrahlt.

Viele Jahre waren so nutzlos, kennst du dieses Gefühl?
Sie hört Liwa und er erzählt die Geschichte von seiner Mutter, die noch einmal im Meer baden wollte, bevor sie starb und sie hält den Stein in den Händen in dem ich damals mein Herz für dich einmeißelte und sentimentale Worte einritzte .

Und heute ist es in meinem Zimmer still und der Mann steht immer noch am Fenster und klagt mich an, dass ich mit meiner unsäglichen Art die Schlange getötet hätte, die er geliebt hat. Ich hab nie Schlangen getötet oder ich habe es vergessen.
Oder waren es die Lämmer, die schon schwiegen, weil die Luft zum Ersticken trocken war.
Und dann schau ich ihn an, präge mir jeden Zentimeter seines Gesichts ein, um nicht zu vergessen. Und er wusste doch wovon ich rede, denn er drehte sein Gesicht weg bevor sich seine Hände um meinen Hals legten.
Und im Traum spüre ich, dass alles um mich herum zu Eis gefriert und ich sehne mich nach dir und nach der Glut des Feuers.
Und dann sehe ich dich am See unten und wir starren in den Himmel wo 6 Flugzeuge ein Hexagramm zeichnen, die Gitterstäbe hinter denen wir uns verstecken.
Und wir flüstern von Gefühlen und ich glaube dir.
Im Traum höre ich die Sterne lachen und ich weiß, dass ich keine Angst mehr vor diesem schwarz gekleideten Mann mehr zu haben brauche.
Und all diese Sterne am Himmel sind gefallene Könige und eigentlich sind sie nicht mehr als Licht.
Ich wünschte, du wärst jetzt hier und würdest mich für einen kurzen Moment aus diesem stickigen und kalten Zimmer mitnehmen. Dorthin wo selbst die Wolken in ihrer Schwerelosigkeit aus dir ein Lachen herauskitzeln und die Uhren anhalten können.
Tick Tack Tick Tack.

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Tiefenrausch

Kennst Du das auch?

Da begegnet dir ein Mensch und du spürst sofort, dass er wichtig ist für dich.
Dass er nur aus diesem einen Grund in dein Leben getreten ist, um dir dabei zu helfen, herauszufinden wer du bist und sein willst.
Ein Mensch der dir das Gefühl gibt wichtig zu sein, für ihn und für dich selbst.

In Gedanken sehe ich dieses Buch vor mir. Ein Buch mit vielen tausend leeren weißen Seiten.
Früher war da diese Angst, dass diese Seiten sich niemals füllen werden und ich immer nur auf dieses grelle Weiß starren muss, was so schwer wiegt in meiner Hand.
Dieses Weiß war so kalt wie der Schnee draußen, der die Stadt einhüllt und mit der Zeit zu einer schmutzig grauen Masse wird.
Nur für kurze Zeit glitzert er im Neonschein und fast zärtlich wirken die Kristalle, wenn sie aus luftigen Höhen in den Abgrund gleiten.

Die Leere war es, die mich ans Laufen brachte. Irgendwann fing ich an zu rennen, immer auf der Flucht, nicht nur vor anderen, sondern hin und wieder sogar vor mir selbst.
Da war immer diese Unruhe in mir, die mich vorantrieb, als Motor für diese Stetigkeit, die so vorhersehbar war, wie das nicht bleiben zu können.
Anzukommen entpuppte sich als Illusion, der ich mich eh nie hinzugeben vermochte.
Denn es blieb nie etwas so wie es war und es war nie etwas wie es ist oder sein würde.
Und in jeder Nacht dann diese wiederkehrenden Träume in der Schlaflosigkeit, die mich laufen ließen, ohne jemals zu Atem zu kommen.

Und ich lief und lief und lief, weg vor diesen weißen Seiten gejagt von meinen eigenen hämmernden Gedanken im Kopf mit neuen Visionen vor Augen, ohne den Blick rückwärts zu richten. Weg von dieser Leere, die mir dieses Buch vor Augen führte.
Zum Schutz baute ich um mich herum eine Mauer, die mit der Angst korrelierte.
Und doch wusste ich immer, dass da etwas war, was mich verfolgte im Schatten meiner selbst und selbst durch den dicksten Stein drang, ohne dass ich es aufhalten konnte.
Schwer trug ich an meinen Fehlern und an der Schuld, die ich auf mich geladen hatte, mit der Einsicht, dass nur dazu stehen wohl das Beste ist.
Ich lief weiter und lief und lief und lief.
Immer wieder ging es durch Berg und Tal, ohne Unterlass dafür mit Adrenalin als peitschender Trieb, dem selbst kein Ende zu setzen.

Mal waren es dunkle Einöden, wüstenartige Gebilde, schwarz in grau, wo der Durst die Eingeweide ausdorrte und das Herz sich vor Schmerzen zusammenkrampfte.
Dann wieder lief ich durch braun grüne Wälder, durch die der Sturm brauste und der Regen sich in meinem Haar verfing. Das weiche Moos tat meinen wunden Füßen gut und dennoch flüchtete ich immer wieder vor diesen Stimmen, die sich in den rauschenden Blättern verfingen und damit zum Echo mutierten.
Manchmal erklomm ich Eisberge und spürte nicht einmal den Schmerz des Erfrierens.
Dem folgten Feuerfluten, die zwar die Glut in mir entfachten, dafür aber nicht wärmten, weil sie doch wieder erloschen.
Prickelnde Momente erlebte ich im Flug, genießend, ohne nach einem Notlandeplatz Ausschau zu halten.
Ich lief weiter und immer weiter, vom Unsichtbaren gejagt, weil mich nichts festhielt in dieser verdammten Bedeutungslosigkeit, der ich mich freiwillig stellte.

Es war nie an der Zeit anzukommen oder zumindest zu rasten, um endlich mal ein wenig zur Ruhe zu kommen und um damit diese leeren weißen Seiten zu füllen.
Zuweilen war es auch der bequemere Weg einfach wegzurennen, dann wenn das Fell nicht ausreichte und schützte, weil es zu undicht war und zuviel Ungemach hindurchließ. Erdrückende Enge konnte ich nie ertragen, also floh ich so schnell ich konnte, nicht nur um des Laufens willen.

Und mitten in diesem verdammten Lauf begegnet mir ein Mensch und hielt mich einfach so abrupt an, dass ich sogar noch ins Straucheln kam, weil ich nicht darauf vorbereitet war.
Mit seinen Fingern strich er mir sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht, um dann meine heiße Stirn mit seiner Hand zu kühlen.

In der Abenddämmerung nahm er mir dieses kleine Buch aus der Hand und begann die erste leere Seite zu füllen.
In jedem Wort konnte ich seinen Herzschlag hören, und spürte wie sich seine Ruhe auf mich übertrug.
„Irgendwann“, sagte er, „schreiben wir hier gemeinsam Wort für Wort und Zeile für Zeile.
Wir werden die Seiten füllen, so ganz ohne Vergleiche und Metaphern, nur mit dem Rhythmus unseres Pulsschlages.
Die Worte werden die Deutung unserer Blicke und die Berührung unserer Finger auf unserer Haut widerspiegeln. Es wird nach Dir riechen und nach mir schmecken. Und das Besondere an diesem Buch wird es sein, dass mit jeder gefüllten Seite sich eine neue leere hinten anfügt. Es wird ein Buch sein, welches in der Singularität beginnt und in dieser endet.“

Er sprach so vollkommen ruhig zu mir und doch spürte ich, dass er auch schwer an einer Last trug. In seinen Augen lag genau der Schmerz des Lebens, den ich nur zu gut kannte.
Aber ich glaubte und glaube ihm. Und das Seite für Seite.

In der Abenddämmerung standen wir dann da oben auf dieser Klippe. Vor uns der Abgrund in tiefdunkler Nacht. Wir brauchten kein Wort zu sagen, da das Fühlen so viel mehr war.
Ich spürte seinen Atem in meinem Nacken und das nahm mir die Angst.
Die Angst vor diesem Sprung in die Tiefe eines Rausches der Leidenschaft und des Gefühls.

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