GedankenUnlosigkeit

Gestern war….
Zuweilen sind die eigenen Gedanken einem immer ein paar Schritte voraus.
Bei so manchen lohnt es sich einen Schritt zuzulegen um diese nicht entfliehen zu lassen, sondern gemeinsam mit ihnen im Gleichschritt in die Wirklichkeit zu treten.

Endlich lugt die Sonne wieder mit einzelnen Strahlen durch die dichte Wolkendecke.
Wie sehr hatte Marie sich danach gesehnt, nach all den kalten Strömungen, die sich ohne Rücksicht und unverlangt ihr entgegen flogen.
Immer wieder schossen die eisigen Wellen gegen das Bug, welches ungeschützt das entgegennehmen musste, was nicht vorhersehbar und damit auch nicht in ihrem Einflussbereich lag.
Marie liebte diese Tage, an denen sie spürte, dass die Sonne in den Kampf gegen die Kälte ging, letztere in ihrer Kraft schwächelnd, um dann letztendlich ehrfurchtsvoll der Stärkeren das Feld zu räumen.
Wie oft hatte Marie selbst diesen Kampf geführt, nicht aufgebend, mehr denn je wissend, dass sie selbst ihre eigene Energie immer wieder aus dem Kampf selbst zog um letztendlich einzig vor sich allein bestehen zu können.

Gedankenüberströmt saß sie in dem kleinen Bistro, wo man sich beim Namen kannte und das persönliche Du zur Wertschätzung gehörte.
Bernd, der junge Student, der sich hier durchs Kellnern sein Studium finanzierte, wusste dass sie den Kaffee gerne extra stark trank ohne Milch und Zucker, aber mit diesen kleinen Ghiottos dabei, deren Kalorien man lieber verschwieg.
Manchmal trank sie auch gerne einen Latte Macchiato, was er seltsamerweise ihr schon ansah, wenn sie das Bistro betrat.
Sie mochte ihn, seine Stimme war so angenehm und beruhigend und es gefiel ihr, wenn er manchmal beim Sprechen etwas nervös wurde und sich verhaspelte.

Wie lange war es her, dass sie diese Unruhe in sich verspürte, diese Anspannung des Körpers, Steine die sich im Bauch drehten und Gedanken wie im Fieber und Worte wie im Rausch?
Marie lächelte bei diesem Gedankengang.
Hätte man sie vor ein paar Monaten gefragt, hätte sie lange überlegen müssen um Antwort geben zu können.
Zu lange gab es die Zeit, wo sie der Kälte nicht entfliehen konnte. Steine gab es auch damals, aber die drehten sich nicht mehr, lasteten eher zentnerschwer, als dass sie hätte fliegen können dabei.
Die Anspannung ergab sich der Kühle, die ihr ins Gesicht wehte und sie immer mehr erstarren ließ.
Damals spürte sie immer wieder diesen Klammergriff, den er stets anwendete wenn er spürte, dass sie einen Schritt von ihm weggehen wollte.
Worte gab es keine mehr, und wenn, dann verhallten sie von der rauen Brandung längst weggespült. Da wo sie lange Zeit zu zweit gerade auch die Stille genießen konnten, wurde diese zum Schluss fast unerträglich. So unerträglich, weil sie beide wussten, dass sie einfach keine Worte mehr fanden, mit der Gewissheit, dass sie den anderen auch im eigenen Sinne erreichen könnten. Sie spürten dass es die Ruhe vor dem eigentlichen Sturm war, der unausweichlich immer näher kam.
Irgendwann konnte sie diese schweren Steine nicht mehr ertragen und lief dem Sturm entgegen um nicht kampflos dem Gegner das Feld zu überlassen.
Und die Worte sprudelten wieder und sie spürte, dass sie ihn erreichten .
Es war das erste mal wieder nach so langer Zeit, dass er sie verstand und sie ihn auch.
Irgendwann waren sie beide mit sich selbst im Reinen und sie konnte gehen. Gehen mit dem Gefühl, dass er es verstand. Auch wenn dies ohne jegliche Konsequenz für sich stand, war es wichtig für sie.

Lange Zeit danach genoss sie es mit sich alleine zu sein. Eine Zeit, in der sie sich selbst aufrichtete, sich veränderte und mit sich allein lebte. Sie ordnete, sortierte, räumte auf und weg. Es war eine Zeit ohne Steine, ohne Rausch und Anspannung. Sie war gut und richtig.
Und Marie fing wieder an zu malen. Erst zaghaft und mit zuweilen linkischer Hand, aber dennoch schon alleine von der Farbgewalt und Ausdruckskraft eine Stärke nach außen kehrend, die doch stets in ihr war und nur schlummerte.

Vielleicht lag es daran, dass irgendwann die Anspannung wieder eine andere wurde und Steine sich wieder drehten, federleicht und nichts erschwerend.
Bei diesen Gedanken nahm sie lächelnd ihre süße Kekskugel in die Hand.
Sie sah sein Gesicht vor sich, welches sie mit Wärme anstrahlte. Sie konnte dabei seine Hände auf ihrer Haut spüren mit einem Griff, der sie fliegen ließ und dabei eine Gänsehaut hinterließ, die selbst als solche sie glutheiß spürte.
Sie hörte seine wärmende Stimme, und die Worte die sie in sich aufsog und sie eins werden ließen. Er, der so anders war, der sie spüren ließ was es heißt gierig aufs Leben zu sein, der sie Grenzen ausloten und verschieben ließ und der ihr zeigte was es bedeutete sich selbst auch loszulassen zu können.
Jede Distanz wurde mit ihm unwirklich und verlor an jeglicher Bedeutung.
Was zählte war allein dass die Brandung mit aller Macht ihr ins Gesicht schoss und sie dennoch weich und warm umspülte
Mit ihm zusammen war sie die Brandung , addiert in der Kraft der freiwilligen Gemeinsamkeit und Einigkeit.
Sie standen sich ohne jegliche Erwartung gegenüber und genossen das was der andere zu geben bereit war. Und Vertrauen umspielte sanft ihre Körper in der Bereitschaft sich darin fallenzulassen.

Als Marie aufstand, winkte sie kurz lächelnd zu Bernd herüber.
Es geht immer weiter.
Was zählt ist das Jetzt und das ist ohne Einschränkung gut, ausgesprochen gut.

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