Arsfendi's Weblog

Wieder und wieder

November 3, 2009 · Kommentar schreiben

Lieber bekannter Unbekannter,

Du siehst, ich hänge immer noch an diesem Ritual.
Dir zu schreiben, dabei die Gedanken nochmals rückwärts zu lenken, war immer wieder etwas Besonderes für mich.
Ich habe immer wieder festgestellt, dass ich durch meine Briefe an Dich, oftmals meinen Blickwinkel im Nachhinein ändern konnte, indem ich mich selbst anders aufgestellt, von außen nach innen betrachtet habe.
Heute habe ich mich an Deine letzten Worte an mich erinnert. Du sagtest damals zu mir schon halb im Gehen, dass der Tag kommen wird, wo ich Dich nicht mehr brauche. Wo ich ganz alleine meinen selbstbestimmten Weg gehen werde, ohne mich umzublicken, ohne Hilfestellung und ohne jegliche Stütze, geschweige denn Kraftverstärker.
Deine Augen haben vor Lachen geblitzt, als Du dabei meinen ungläubigen Blick erhascht hast.
Ich war aber einfach nur traurig, weil ich genau wusste, dass es unseren Abschied bedeutete.
Da war so viel Angst im ersten Moment in mir und ich war wütend, weil ich von diesen ewigen Good Byes einfach nur noch müde war.
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich merkte, dass es dieses Band zwischen uns gab, was Dich als Schatten neben mir gehen ließ.
Jetzt begleitest Du mich schon so lange, mal direkt ganz nah neben mir, dass ich fast schon Deinen Atem spüren kann, dann wieder aus der Distanz, die einzig mir wenigstens ein Fühlen möglich macht.
Aber egal wie, immer hast Du etwas bewirkt. Denn selbst in meiner Renitenz bin ich mittlerweile sanfter geworden und mein Sturkopf lässt hin und wieder auch schon mal eine Wand aus.
Erst durch Dich habe ich gelernt, meinen Nonkonformismus ganz offen nach außen zu tragen, da wo er mich selbst sonst eher in die Flucht getrieben hatte.

Du hast mich gelehrt, dass es durchaus im Rahmen des Möglichen liegt, den Anspruch an mich selbst noch zu erhöhen, und damit neue Ziele zu beschreiben, die es gilt zu erreichen.
Mittlerweile lote ich immer wieder meine Grenzen neu aus und entdecke den Zauber der Leichtigkeit, der auch darin liegt.
Dabei habe ich festgestellt, dass Widerspruch in mir auch den gegen andere ermöglicht.
Zu oft hatte ich es in der Vergangenheit nicht gewagt, um der Auseinandersetzung damit aus dem Weg zu gehen, um heute festzustellen, welche Macht ich aus den Händen gegeben habe, um als Folge der Manipulation zu erliegen.
Im Nachhinein betrachtet, hast Du mich für einen langen, nicht immer leichten Weg gestärkt, den ich dann wissend gehen konnte, dass Du auch auf die Distanz hin mich immer mal ein wenig anstubsen würdest.
Gerade dann, wenn Kopf und Geist sich im Widerspruch nicht einigen konnten, wem die Intuition folgen sollte.
Heute weiß ich, dass es ab und zu auch möglich ist, Grenzen zu überschreiten, um aus Unmöglichem etwas Mögliches zu machen.
Auch wenn es sich vielleicht manchmal nicht gelohnt hat oder ein Kraftakt umsonst war.
Gelohnt hat sich alles, für was auch immer.
Und wenn die Welt eben mal nicht in warmen Farben getaucht war, habe ich selbst Hand angelegt und sie bunt angemalt.

Es wird gerade Herbst und hin und wieder ist mir so, als wäre der Mond eiskalt und die Sterne wärmen den Himmel auch nicht so wirklich.
Ich bin auf der Suche nach meiner eigenen Neutralität, und wünschte gerade, dass es einen Teil von mir gibt, der kein Gefühl hat. Zumindest manchmal.
Vielleicht fehlt es mir dann doch noch an Akzeptanz von dem, dass es auch Spiele ohne einen Gewinner gibt.
Kannst Du Dich noch an mein Rotes Buch erinnern? Viele Seiten sind bereits mit noch roterer Tinte beschrieben.
Die letzten Wochen war ich beseelt von dem Gedanken, ich müsse noch schneller schreiben, weil ich den Schlusspunkt nicht verpassen will.
Und jetzt wo der Herbst mit so schnellen Schritten Einzug hält, schreibe ich über das was nicht ist und denke an das, was ich gerne hätte.
Und dann steht dieser Mensch vor mir und streichelt mir sanft übers Gesicht, während er mich traurig bittet, dass uns kein Gefühl verbinden möge.
Ich verspreche es und mache ihm damit ein letztes Geschenk aus Liebe.

Ja, ich weiß, Du wirst jetzt bestimmt lachend den Kopf schütteln, weil mir der Mut fehlte die Wahrheit zu sagen und ich es vorzog, lieber schweigend meiner Wege zu ziehen.
Hier blieb mir keine andere Wahl.
So aber füllen sich nun die letzten Seiten von ganz alleine. Ich schreibe und schreibe in der Hoffnung mich in meinen Worten wiederzufinden, während ich mich aber immer wieder darin verliere.
Aber auch das spielt keine Rolle.
Es reichte mir bei ihm wenigstens einmal das Gefühl gespürt zu haben, dass die Sonne an uns vorüberzieht, für einen kurzen Moment innehält und die Welt dann einfach so an ihr vorbei untergeht, um einzutauchen in ein leidenschaftliches Schwarz der Nacht.
Und das Glück empfinden zu können, ohne jeglichen Zwang, dafür in der Freiwilligkeit des Gebens, möchte ich nicht missen.
Da gibt es nichts zu bereuen, auch wenn ich gerne wüsste, ob auch er noch manchmal an mich denkt.

Arsfendi

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Verschwinde

November 2, 2009 · Kommentar schreiben

Hinter uns verbrannte Erde
Trümmer einer guten alten Zeit
am Himmel ein Viertel des Mondes
im Garten vergraben die letzte der Illusion
Unbedarftheit der Gedanken
im bewundernden Entsinnen
an jene Unverwüstlichkeit des Lebens
die wir ihm gaben, als alles noch so einfach schien

„Lass mich endlich in Ruhe und verschwinde aus meinem Leben.“
Ihre Stimme klang schneidend und ein wenig zu schrill. Aber auch das war ihr egal.
Zu lange galt es ein Spiel nach seinen Regeln zu spielen, und selbst einmal zuviel war bereits schon überschritten.
Wenn man sie fragte, warum sie es sich selbst ja doch immer wieder antat, blieb ihr
zu guter Letzt nur noch ein hilfloses Schulterzucken.

Der Kaffee, den sie trank, wärmte wenigstens von innen heraus, während äußerlich eher eine Eisschicht ihre Haut überzog.
Vielleicht wäre ein Whisky das geeignetere Mittel, um wenigstens die Kehle freizubrennen.
Mittlerweile hasste sie es, wenn das Telefon schellte und sie nur die ersten Zahlen brauchte, um zu wissen, dass er nach ihr rief.
Und ihm verlangte nach ihr. Immer und immer wieder.
Sogar nachts erschien er ihr in den Träumen, als hässliche Fratze eines unsäglichen Dämons, um Besitz zu ergreifen, von dem, was er als Trophäe dann letztendlich verstauben lassen konnte.

Irgendjemand besiegt immer einen anderen und wendet sich dann ab, um lieber den Triumph zu feiern, als sich umzuwenden.
Auch der Torero dreht nach dem Todesstich lieber nach vorne schauend stolz unter frenetischem Beifall seine Runden, anstatt in die traurig leblosen Augen des Stieres zu schauen. Er könnte womöglich eine Anklage darin erkennen.
Nur würde sie nicht anklagen. Sie hatte nur mittlerweile gelernt seinen Egoismus zu verachten, der zumindest für sie ungesund war.

Es war totenstill in diesem kleinen Raum und dennoch verstärkte genau dies den dumpfen Ton des Hammerschlags in ihrem Kopf.
In eintöniger Taktfolge pochte es von innen heraus und sie hielt sich die Ohren zu, als würde sie damit den Schmerz eindämmen können.
Sie war nur froh endlich allein zu sein.
Im Zimmer roch sie noch seinen kalten Schweiß, vermischt mit dem teuren Eau de Cologne, von dessen Duft sie früher nie genug bekommen konnte.

Alles hatte sich verändert, nicht nur der Duft, oder er oder sie. Es war einfach alles, wie in eine große Schüssel geworfen, vermengt und vermischt.
Es war auch gar nicht so plötzlich gekommen, eher schleichend, dafür unaufhaltsam.
Und Gleichgültigkeit war gerade jetzt als Schutz gut geeignet. Und sie konnte schreien, endlich schreien.
Vielleicht war es gut, dass Worte endlich ihren Weg gefunden hatten, auch wenn es nicht leicht war, gerade jetzt wo alles sich so tief eingefressen hatte und nach außen hin brannte.

Sie wäre jetzt gerne so was wie Heldin gewesen, fühlte sich aber schwach und klein und hätte sich am liebsten in einem tiefen Loch vergraben um alle Gedanken unwiderruflich auszulöschen.
Aber vergraben konnte man vieles, nur nicht wegrennen vor dem was einen doch immer wieder einholt.

Auch vorher gab es immer wieder Momente, da wünschte sie sich diese Neutralität zurück, in der die Unbeschwertheit sich durch die Unbefangenheit breit machen konnte.
Keine Gedankenknoten, die sich ihren Weg durch Gehirnwindungen suchten und nichts als Schmerzen verursachten.
Sie erinnerte sich an dieses Leben in dem kleinen Ort, wo die Farben noch ein wenig fröhlicher leuchteten. In dem Elternhaus gab es immer wieder Schutz und wenn nachts die Träume kamen, war jemand da, der sie hielt.

Gedankenverloren schaute sie in die Glut ihrer Zigarette. Sie rauchte zuviel und sie hatte Angst, dass irgendwann wieder der Atem rebellieren würde.
Trotzdem war es gut, dass sie es endlich gesagt hatte.
Vielleicht hatte er selbst sogar darauf gewartet. Gewartet, dass sie endlich den Mund aufmachte, Renitenz zeigte und einfach nur endlich sich zur Wehr setzte, ihm seine Grenzen aufzeigend.

Aber immer wieder war da nur dieses laute Schweigen, welches die Räume immer enger werden ließ und das Nichtwissen zur Qual machte.
Heute hatte sie zum ersten Mal geschrieen und selbst gespürt, wie sich der Ring von ihrem Brustkorb löste. Es war an der Zeit, weil das ganze Aufgestaute sie von innen aufzehrte und sie ihre Gedärme wie unter Feuer spürte und keine Luft mehr bekam.
Nie war es ihr bewusst gewesen, wie feige sie eigentlich die ganze Zeit war, nichts von dem zu sagen, was sie dachte und was fehlte.
Die Zeit ist niemals gnädig, und sie war es am wenigsten zu sich selbst.
Und dennoch hatte sie jetzt die Möglichkeit wenigstens im Danach das Gewesene zu löschen, indem sie weitergeht ohne sich umzublicken und damit die Vergangenheit als solche zurücklässt.

Glaubst du noch oder weißt du schon?

Glaubst Du,
Du würdest mich wirklich finden
in diesem Gewirr aus Buchstaben
in dem ich mich schon längst
freiwillig verloren habe?

Glaubst Du,
ich würde wirklich die Wirklichkeit verkennen,
die ich selbst nie in Frage gestellt habe
um mich darin zu platzieren,
weil ich mir treu bleiben muss?

Glaubst Du,
ich könnte nicht die Gleichung bilden
aus der Summe mit den Unbekannten,
die Du mir an die Hand gegeben hast,
deren Lösung für mich ganz einfach
aus der Summe meiner Einsichten zu ziehen war?

Glaubst Du,
ich würde das Spiel nicht auch beherrschen,
und lachen über den Narrn,
den ich selbst mime,
und Dir deinen Triumph gönne,
auch wenn er in Deinem Hass
meine Niederlage bedeutet?

Glaubst Du,
Du kannst morgen noch in den Spiegel schaun,
weil Du nicht den Glauben an Dich selbst verloren hast,
und die Werte Deines Ichs auf festem Fundament stehn,
weil Du weißt woran ich glauben möchte
und nicht mehr weiß was ich glauben soll?

Glaubst Du wirklich,
die Berechnung Deiner nächsten Züge
war vom Ergebnis her korrekt,
weil Du meintest mich zu kennen
trotz oder gerade, weil ich nicht in Frage stelle
und Du so viel klüger bist
als ich mich von diesem verdammten Gefühl her gebe?

Komm sag mir, was glaubst Du?

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Ich geb den Rest für Dich

Oktober 30, 2009 · Kommentar schreiben

Ich war nicht immer ein Vorbild
Ich war nicht immer der Held
Ich war ganz sicher kein Braver
Hab so manchen Menschen verprellt
Ich war oft launisch und fertig
Die Welt war mir scheißegal
Doch ich hab dafür geblutet
Und meinen Preis gezahlt

Vor dir steht im Regen
Was von mir übrig ist
Du kannst es alles haben
Ich geb den Rest für dich
Ich geb den Rest für dich

Ich hab mich im Chaos verlaufen
War oft genug ein Idiot
Manchmal war ich blau
Wie der Ozean
Manchmal sah ich einfach rot

Vor dir steht im Regen
Was von mir übrig ist
Du kannst es alles haben
Ich geb den Rest für dich
Ich geb den Rest für dich

Ich bin alles andere als heilig
Doch ehrlich bin ich schon
Und ich schwör dir ab jetzt
Bleib ich bei dir
Und bin immer da für dich

Vor dir steht im Regen
Was von mir übrig ist
Du kannst es alles haben
Ich geb den Rest für dich
Ich geb den Rest für dich

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Dämonisch

Oktober 25, 2009 · Kommentar schreiben

„Du kleines Miststück, du entkommst mir nicht.“
Seine Worte hämmerten gegen ihre Gehirnwände und verursachten einen körperlichen Schmerz, der als Echo in sämtlichen Regionen ihres Innersten widerhallte.
Nicht einmal seine Hände vermochten sich so tief in ihr Fleisch einzukerben, wie jeder einzelne Buchstabe zu Silben zusammengefügt, seine Lippen verließ.
Er hatte sich verändert, und manchmal wusste sie nicht einmal mehr, wer er überhaupt war.
Am Anfang gab es so etwas wie Gefühle und Vertrauen und sogar Respekt voreinander, aber das alles hatte schon längst der Nebel in sich verschlungen.

Im Morgengrauen stand sie auf. Am stärksten spürte sie im Kopf dieses unaufhaltsame Schlagen am, gleichkommend dem Schlag auf dem Ambos. Der Schmerz zog sich in Wellen durch ihren Körper und für einen Moment wünschte sie sich einfach nichts mehr zu spüren.
Ihre Augen brannten und das Blut floss in ihren Adern, unaufhaltsam gepumpt, weil die Natur es verlangte.
Der Geschmack auf der Zunge war schal und die dunklen Augenränder wirkten bizarr im Kontrast zu ihrer blassen Haut.
Irgendwo da drin hatte sich ein Geschwür festgesetzt, welches sein Gift bereits als Metastasen streute und sie wünschte sich an einen stillen Ort, wo sie es sich wenigsten hätte ausbrennen können um dann irgendwann nicht mehr denken zu müssen.

Aber sie lebte, weil es so sein musste, um zu funktionieren im gesamten System, welchem sie unterstellt war ohne jemals selbst ihre Einwilligung dazu gegeben zu haben.
Die Fäden der Marionette zogen andere und sie tanzte dazu im Takt, auch wenn der Rhythmus ihr nicht gefiel, weil die Töne zu dumpf, laut und damit zu hart erschienen.

Hätte man sie jemals gefragt, wäre sie gelaufen ohne sich umzudrehen, gleichkommend einer Flucht, um der ungewünschten Gegenwärtigkeit zu entfliehen, sich selbst zu entkommen, den eigenen Gedanken, der Hoffnung und der Begierde.
Rennen ohne Unterlass, den Blick gesenkt und egal wohin.
Sie hasste sich selbst für ihre Schwäche, wissend, dass sie diese sich nicht verzeihen konnte und somit in eigener Schuld stand.

Wäre da ein Wort des Vermissens gewesen, auch nur eine Hand, die sie hielt, sie hätte die Richtung gewechselt. Aber da war nichts, außer der Hoffnung und ein Wunsch, der niemals das Licht erblickte, weil Illusionen im Nebel verschwinden.
Es war ihre Pflicht zu leben in der Funktionalität und sie wäre nahezu gerannt, vor den Blicken davongelaufen, weil die das Feuer entfachten und sie innerlich
verbrannten.
Sie hätte ihre eigene Neutralität gesucht, die so viel sicherer erschien und doch so wenig bedeutete.
Weil, da war diese Stimme, die sie rief, immer und immer wieder und die sie berührte weil sie liebte und es zuließ, ohne Anspruch auf eine Gegengabe, was auch immer.
Begierde ließ sie leben aber bestimmte auch die Richtung des Weges, den man nicht verlassen konnte.
Und der Weg war kalt, so wie sie innerlich erfror und ihre Finger nichts mehr fühlten.
Jede Träne wurde zu Eis und brannte in den Augen, weil sie sie nicht zeigte und lieber nach innen drängte, um zu verbergen.
Und sie hätte fliehen müssen, wenn sie nur gekonnt hätte, denn so verlor sie sich selbst und die Distanz wurde immer größer und die Wunden tiefer.
Wunden, in denen sie selbst bohrte, um im Schmerz zu spüren, dass sie noch lebte.
Und sie hörte sich selbst schreien und übertönte damit die Stimme, die sie rief, um sie zu entsorgen, so wie alles, welches seinen Wert verloren hatte im Sinne der Bedeutung.
Nur ein einziges Mal wichtig sein, in aller Unwichtigkeit, um selbst zu erkennen, dass eigene Wertmäßigkeit so wahnsinnig relativ ist, wie so vieles andere auch.
Der Unrat war gewaltig und die Worte peitschten ihr ins Gesicht und brannten sich ein, um nie vergessen zu lassen, weil sie sich erinnern sollte, dass sie selbst ein Irrtum war. Eine einzige Lüge im Schweigen selbst und sie schwieg auch dazu, weil sie es nicht anders kannte, nicht anders durfte.
Aufbegehren war tödlich, und jedes Schweigen brachte Gnade im unbarmherzigen Spiel.
Jahrzehnte zurück in einem anderen Leben, blickte sie angstvoll zu ihm auf. Sie war selbst eine andere und wurde durch ihn zu dem gemacht, was sie heute lieber durch eigene Hand vernichtet hätte.
Er war ihr Todesurteil, immer und immer wieder.

Die Bestie im Schafspelz, die ihr zeigte, wie man funktioniert, Schlag für Schlag.
Und sie spürte seinen heißen Atem an ihrem Hals in so vielen Nächten und der Geruch nach Whisky und Weinbrand ließ sie erwachen, um es zu erleben, wie die Droge den Zwang verursachte.
Seine Hände waren grob und sein Blick aus blutunterlaufenden Augen war starr und gierig. Das Glas stand neben ihm, bereit für die nächste Dröhnung und sie hörte sein hämisches Lachen, wenn sie die Tränen nicht verbergen konnte.
Immer und immer wieder und es gab nichts was ihn aufhalten konnte. Der Gestank seines Atems wurde unerträglich, genau wie seine Hände und sein Grinsen und er machte weiter Stunde für Stunde.
Und sie sagte nichts, lernte zu schweigen. Nur ihr Blick flehte um Gnade oder was auch immer.
Das Ticken der Uhr schlug den Takt, unbarmherzig nicht schnell genug.
Nicht weinen Kleines, es ist gleich vorbei. Halte einfach nur still. Gleich fordert der Rausch seinen Tribut und der Schlaf bringt die Erlösung.
Der Schlaf ist gnädig und die Nacht ist auch so schwarz.

Heute ist da der Mond, den sie liebt, dann wenn er voll ist, weil es hell ist, noch bevor das Morgengrauen erscheint.
Zuweilen gab er Wärme, und sie fror oft in diesen Nächten, die ihr den Stolz nicht rauben konnten.
Was bleibt ist die Angst, die sie dennoch nicht zeigt.
Vielleicht wird sie irgendwann anfangen zu laufen, um sich selbst zu erhalten, dann wenn der Mond voll scheint und sie antreibt.
Sie wird sich nicht umdrehen und einfach nur rennen, egal wohin in die Neutralität.
Der Kaffee in der viel zu großen Tasse war kalt, erfroren so wie sie, weil nichts wärmte und dennoch der Nebel alles verschlang in einer Unwirklichkeit die fast schon einer Erlösung gleichkam.
Und dann ist es vollstreckt und die Dunkelheit ist gnädig.

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so simple

Oktober 23, 2009 · 11 Kommentare

Das Beste am Bloggerleben sind die Vernetzungen.
Manchmal entstehen richtige reale Freundschaten.
So wie z.B. bei Paradalis und mir.
Es gibt immer wieder Neues zu entdecken, man kann sich Inspirationen holen und auch Abneigungen entwickeln.
Oftmals trifft man sich dann auch auf einer anderen Plattform wieder, wie z.B. auf Myspace oder Stayfriends.
Irgendwie ist es ein schönes Gefühl, wenn man dann auf einmal von jemandem Post bekommt, den man schon lange aus den Augen verloren hat.
Genauso ging es mir mit einem Freund, von dem ich jahrelang nichts gehört hatte, und der mir dann Anfang des Jahres ein paar Zeilen schrieb.
Zuerst waren wir uns irgendwie total fremd, wobei es wohl daran lag, dass noch sehr viel Unausgesprochenes zwischen uns lag.
Aber es gibt nichts, was man nicht bereinigen kann. Und wenn dann aus Hass, Wut und Zorn eine wirklich Freundschaft entsteht, man sich selbst auch anfängt zu hinterfragen und nicht nur die Schuld für den Cut beim anderen sucht, stehen plötzlich 2 Gewinner voreinander.
Was gibt es Besseres?

Natürlich gibt es auch Blogs, die mir absolut nicht zusagen. Aber die werden dann halt gemieden.
Ich umgebe mich gerne mit Schönem und muss mir kein ewiges Selbstmitleidsgesülze antun oder aber Hasstiraden oder Rumgejammere, wie schlecht doch die Welt ist und wie toll man selbst. Genauso wenig liegt mir Schlechtmachen von anderen, nur um sein armes kleines Ego selbst zu streicheln.
Das ist dann zwar manchmal recht witzig zu lesen, oder sogar auch fast zum Kaputtlachen, aber mir persönlich tun solche Menschen dann fast schon eher leid.
Ein Grund mehr, solche Blogs dann wirklich nicht zu lesen.
Was mich aber dann doch ganz schön amüsiert ist, dass ich von genau diesen Blogbesitzern fast täglich gelesen werde.
Es wäre wirklich mal interessant zu erfahren, welchen tieferen Sinn das hat.
Ich freu mich über jeden Blogbesucher, und vielleicht bewirkt ja der Besuch hier bzw. das Lesen, dass sich bei diesen Bloggern mal etwas zum Positiven wendet und man dort dann auch endlich mal etwas Schönes anstatt Vergrämtes zu lesen bekommt.
Würde mich freuen. Wäre aber wohl zu schön um wahr zu sein.

→ 11 KommentareKategorien: Blogger · Freundschaft · Hass · Neid · Paradalis · Schmutz · Schönes · Vermeiden · vergrämt

Schläfst Du schon?

Oktober 20, 2009 · Kommentar schreiben

Schweige bitte
bleib einfach stumm
er muss ja nicht wissen,
dass ich noch oft an ihn denk.
Lass mich einfach stärker sein
als jedes Gefühl
hab diesen Wahnsinn Liebe genannt
mich in diesem Feuer selbst verbrannt.
Für dich hätte ich den Horizont gesucht
im freien Fall meine Angst besiegt
trotz Scherben noch getanzt.
Ich muss jetzt weiter
mit meinen Gedanken
an Dich in mir.
mein letztes Geschenk,
ich wünsch Dir Glück.

“Schläfst Du schon?”
Deine Stimme am Telefon geht mir unter die Haut. Wieder mal oder noch immer, aber das spielt auch keine Rolle, da ich schon bei deinen ersten Worten weiß, dass es mich Mühe kosten wird deiner Distanz gerecht zu werden.
Ganz egal woran ich gerade denke, am Ende denk ich immer nur an dich.

Ich kann mich noch genau an unsere erste Begegnung erinnern. So als wäre es gestern gewesen. Aber die Zeit läuft einfach weiter und es gibt nichts, was sie aufhalten könnte.
Wir sind uns damals über den Weg gelaufen und waren nicht darauf vorbereitet.
Wozu auch, Dinge passieren, ohne dass man selbst am Rädchen drehen kann, um so die Beeinflussung in den Händen zu halten.
Von mir habe ich dir nie viel erzählt. Wozu auch, es war die Konsequenz daraus, dass du nie danach gefragt hast und du gabst mir letztendlich damit das Argument an die Hand, hinter dem ich mich verstecken konnte.
Trotzdem konnten wir reden, fast bis in die tiefsten Tiefen unserer dunkelsten Seiten und manchmal war ich verwundert, dass Du es vermochtest mich zu durchschauen, da wo ich mich selbst nicht kannte, oder mich bewusst unbewusst gab, wie ich nie sein wollte oder konnte. Ja, durchschaut hast du mich von Anfang an und ich konnte es nicht verhindern.
Trotzdem habe ich mich vor dir nackt hingestellt und wusste doch gleichzeitig, dass es nicht richtig war.

Im Nachhinein betrachtet, denke ich, es war die Verzweiflung, die uns aneinander gefesselt hat und mein unbändiger Stolz, der immer wieder versucht hat zu lösen, weil mir deine Freiheit wichtig war. Viel wichtiger als meine Tristesse beim Fortgehen.
In unserem Nonkonformismus waren wir uns ähnlich und doch trennte er uns, weil unser gegen den Strom in unterschiedliche Richtung ging und doch bewirkten wir Fortschritt und Wandel allein in unserem Kopf.
Unsere Reformation war die kognitive Abrüstung zugunsten intuitiver Entfaltung und so genossen wir den Rausch der Leidenschaft in aller Leichtigkeit, ohne in unserem Wissen und Gewissen zu ersticken.
Wir wussten beide, je mehr wir unser Leben reglementieren, desto berechenbarer wird es, und desto mehr geht die Lebendigkeit verloren. Damit hielten wir uns aneinander fest, so gut es ging und so weit unsere Ratio uns ließ.
Mit deinem Atem im Nacken, dachte ich an Wilde und seine Exzentrik: “Reizvoll ist nur die Ungewissheit. Der Nebel macht die Dinge zauberhaft.”

Du sagtest mir, dass mein erster Kuss bitter geschmeckt hätte und gabst mir Zucker, den ich wohl niemals aß.
Dafür habe ich im Garten nach deinen Träumen gesucht, die du schon lange vorher dort vergraben hattest. Gefunden habe ich sie nicht. Dafür habe ich meine für mich behalten und wäre manches Mal fast daran erstickt.
Du warst so viel weiter als ich und als ich dich fragte, “wer bin ich für dich?”, konnte es keine andere Antwort geben von dir, als: “du bist wie immer der Narr.”

Ich hab dir nie von meinen schlaflosen Nächten erzählt, hätte nur gerne gewusst ob das jemals aufhört. Und dann kamen sie wieder diese Stimmen, die mich ins Fegefeuer meiner Schuld riefen und mir sagten, dass es dir besser ohne mich geht.
Wusstest du eigentlich, dass ich Heiterkeit simulieren kann, vor allem dann, wenn mir eher nach Weinen ist?
Ich glaube wir haben viel zusammen gelacht.
Und es gab einen Moment, da standen wir da oben auf dieser Klippe und unter uns konnte man den Nebel sehen, der sich über dem tosenden Meer erhob.
Ich spürte dich so nah hinter mir, dass sogar meine Angst vor der Tiefe verflog.
Mit deinem Atem im Nacken hätte ich für einen Augenblick den Sprung gewagt, aber in deinen Augen sah ich die Grenzen, die auch wir mit vereinter Kraft nicht verschieben konnten.
An Wunder hab ich noch nie geglaubt nur daran, dass wir wenigstens eine Chance hatten und sie so gut es ging hätten nutzen können.
Als ich ging, tat ich es mit dem Wissen, dass du mich nicht aufhalten würdest.
Die Schatten waren zu lang, und selbst mit Anlauf wäre der Sprung darüber nicht gelungen.
Für uns hat es nicht gereicht und doch war nichts umsonst.
Und mein Gehen war das was ich dir noch geben konnte.
Ich hab dir nie erzählt, dass du mir fehlen wirst. Wozu auch?

Und jetzt am Telefon erzählen wir uns, wie gut alles ist. Du redest von dir und deinem Leben und ich erinnere mich einfach nur.
Ich höre den Regen als Symphonie und mir ist kalt.
Mein Maske verrutscht ein wenig und ich hoffe, dass du es nicht bemerkst., denn du hast mich gerne lachen gehört und ich ein wenig mehr Halt gesucht.
Meinen letzten Traum verrate ich dir nicht. Wozu auch? Es würde nichts ändern.
Ich wünsch dir so viel und alles ist gut.

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Spruch des Tages

Oktober 19, 2009 · 5 Kommentare

Person A: Boah ich muss gestehen, ich bin richtig neidisch auf Dich.

Person B: Warte mal ab, Du kommst auch noch dran. Bei Dir kommt was ganz Besonderes. Die läuft sich gerade noch warm.

Person B: Wie sag ich doch immer: Schuster bleib bei deinen Leisten.

Person A: Manche können ja auch nichts anderes.

Person B: Weißt Du was richtig klasse ist?

Person A: Nein.

Person B: Wenn wir telefonieren, und ich muss gähnen, dabei meinen Kiefer so weit aufreiße, komme ich an die Lautsprechertaste.
Wenn Du dann weitersprichst, bist Du so laut, dass es mir mein eigenes Trommelfell um die Ohren haut.

Person A: Bist Du gut versichert? Hörst Du mich noch? Hallooooooooooo.

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Brief in die Singularität

Oktober 16, 2009 · Kommentar schreiben

Im Moment bin ich müde. Müde von diesem Allerlei, was doch immer wieder an mir abperlt, wie Wasser an dem Gefieder der Vögel.
So fließt Absurdes eh an mir herab, ungebremst, ohne dass es mich zu berühren vermag.
Und dann spüre ich, wie durch meinen Körper der Lebensstrom fließt, gedankenbewegt im fortwährenden Fluss.
Niemals Stillstand.
Meine Gedanken gehen zu Dir und ich weiß, dass Du da bist, an diesem Ort, wo es so unendlich ruhig ist.
Ich lehn mich an Dich und spüre hier in meiner Müdigkeit Deine Stärke.
Und mein Blut pulsiert, weil gerade dieser Regen gekommen ist.
Und ich laufe, laufe und laufe, um Dich nicht zu verpassen.

Würdest Du auch etwas vermissen, wenn wir schwiegen?Und dann wünsch ich mir heute eine Vision.
Ich bräuchte noch etwas mehr Mut
und sehr viel mehr Zeit.
Und ein Leben danach
in diesem anderen Land
und dann wieder Luft zum Atmen.
Ich brauch diese Gedanken an Dich
schon heute für morgen, wenn die Vergangenheit beginnt.

Wo immer Du jetzt sein magst, hoch droben in himmlischen Sphären oder in den Tiefen sitzend, an der wärmenden Glut des Höllenfeuers, eilen mir meine Gedanken voraus, um Dir so wenigsten Stück für Stück entgegenzulaufen.
Manchmal wünschte ich, wir könnten wenigstens mit dem Rauch, der in Himmel steigt, uns noch Zeichen geben oder Dein Lachen würde mich über die Schallwellen durch die Unendlichkeit des Orbits erreichen.
Die Stille ist manchmal unerträglich, seit Deine Stimme mich irdisch nicht mehr berührt.
Dabei spüre ich immer noch, auch nach all diesen Jahren, die Zärtlichkeit Deiner Hand auf meiner Haut und sehe dabei Dein Bild vor mir, auf dem Du mir neckisch grinsend zublinzelst
Wie oft habe ich in dieser Zeit Dein verdammtes Herz verflucht, weil Du einfach so gegangen bist, ohne jede Vorwarnung und Abschiedsszene.

Zuerst war ich traurig, hab mir dann aber auch die Wut gestattet, weil Du mir einfach gefehlt hast. Sogar das Streiten habe ich vermisst.
Den Krieger des Lichts habe ich verbrannt, weil ich dann irgendwann alles anders sah und mir sicher war, dass ich niemals so stark sein würde, wie er.
Und doch fühle ich mich ihm heute näher als damals.
Meine Säulen habe ich auf festes Fundament gebaut und da stehen sie sicher. Ganz so, wie Du es mir vorgemacht hast.
Manchmal weht mir der Wind heute hart ins Gesicht, aber ich gehe ihm entgegen genauso, wie ich mir meinen Trotz bewahrt habe immer noch nicht mit dem Strom zu schwimmen.
Ich glaube es würde Dich freuen, dass ich mittlerweile zu einer Leichtigkeit gefunden habe, mit der ich mich Herausforderungen stelle, um aus Unmöglichem das Mögliche zu machen.
Zuviel reden mag ich immer noch nicht, wahrscheinlich weil ich hoffe, dass irgendeiner meine Gedanken errät.
Und wenn ich alleine sein will, fahre ich immer noch ans Meer und laufe mit den Möwen um die Wette.
Geliebt habe ich im Danach auch wieder und fand es schön.
Aber wenn ich dann gemerkt habe, dass ich mich selbst verliere, weil gefordert wird, war ich wieder auf der Flucht, um mich selbst zu suchen. Dabei habe ich mich dann doch meistens verpaßt.

Meine Höhenangst habe ich noch immer nicht besiegt, auch wenn ich den Flug durch die Leidenschaft in der Nacht so ganz ohne Fallschirm genieße. Aber dann suche ich nach einer Notlandebahn und stelle fest, dass jemand das Sichtfeuer ausgeblasen hat.
Wenn ich in der Nacht aufwache, weil sich ein Alptraum durch meinen Kopf zwängt und gegen die Wände hämmert, stehe ich auf und koch mir so wie früher einen Schokoladenpudding und rauch die Zigarette danach auf der Terrasse.
Du hattest mir immer eine Decke gebracht und Dich zu mir gesetzt. Manchmal hast Du mir dann vorgelesen aus Deinen Gedanken und wir haben gelacht, während Du gewartet hast.
Die Räume sind heute manchmal kalt und leer, wo sie damals immer wieder meine Zuflucht waren. Aber ich bleibe hier und hoffe dabei, dass dein Bild nicht verblasst, wie so vieles andere, was man einfach so schnell vergisst, oder mit eigener Hand auslöscht.

Das alles wird mein gedanklicher Besitz bleiben, den Du bei mir gelassen hast.
Du hast mir gezeigt, was wirklich wichtig ist.

Mach’s gut, da wo Du jetzt bist. Ich werde hier noch ein Stück weitergehen, immer mal wieder zurückschauend, und vielleicht ab und zu Deinen Atem in meinem Nacken spüren.

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In luftigen Höhen

Oktober 14, 2009 · Kommentar schreiben

modell

Meine Höhenangst ist ja allseits bekannt.
Aber was macht man nicht alles um seine Hüttentauglichkeit unter Beweis zu stellen.
Dafür ging es dann auch gleich fast in 60 Meter Höhe, um sich da mal so richtig den Wind um die nase wehen zu lassen.
Nun denn, auf die Silos mussten wir die Außentreppe nehmen, die dann netterweise auch noch mit Gitterrosten ausgestattet ist, so dass ich auch immer schön den Blick nach unten, herrliche Aussicht inklusive, genießen konnte.
Die letzten Meter ging dann auch gar nichts mehr, weil der starke Wind mir nicht gut gesonnen war und ich bei weiteren Schritten gen Himmel wahrscheinlich wieder nach unten getragen hätte werden müssen.
Gut, auf der Anlage an sich gab es dann Himmel sei Dank einen Aufzug und oben aus sicherer Entfernung vom Geländer, war die Aussicht einfach nur phantastisch.
Überhauptall diese Technik dann auch mal aus nächster Nähe zu betrachten, hat wirklich was.
Ich war schwer beeindruckt.

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Verhärtet

Oktober 6, 2009 · Kommentar schreiben

herz-aus-stein

Irgendjemand sagte mal zu mir, ich wäre nicht wie die Frau da im Film, die, die ihren Triumph zur Passion machend, voll auskostet und es nichts Ungewöhnliches ist, weil sie nur Siege gewohnt ist.
Er kannte mich nicht oder hatte sich von mir ein Bild gemalt, so wie er mich gerne hätte.
Dabei nahm ich es ihm noch nicht einmal übel, denn alle Veränderungen passierten schleichend in mir, ohne dass ich mein ursprüngliches Ich feierlich zu Grabe tragen konnte und anderen die Gelegenheit zur Kondolenz gab.
Und dennoch geschah es bewusst, weil Leben kein Stillstand bedeutet und ich mich stattdessen Schritt für Schritt fortschreibe, so ganz ohne Sehnsucht nach dem Halt, dafür mit der Erinnerung im Nacken.
Ich war zu lange auf der Suche nach mir selbst und hab mich dabei doch immer wieder verpasst. als dass ich nicht wüsste, worin der Sinn meiner eigenen Mutation lag.
Früher hatte ich mir wenigsten einen Stein als Herz gewünscht, in den ich dann unsentimentale Worte einritzen konnte, denn in der Verletzlichkeit
blieb immer nur die Flucht vor dem, dem ich dann doch nicht entkommen konnte.
Als ich die ersten Verhärtungen feststellte, war ich zunächst noch erstaunt und es machte mir ein wenig Angst.
Doch wo ich vorher den Preis bezahlt hatte, war es nun an der Zeit, selbst die Rechnung aufzustellen.
Mit der Zeit konnte ich sogar der Kälte mehr abgewinnen und begann das Tageslicht zu hassen, weil es mir oft genug Menschen zeigte mit Fratzen, die keine Rücksicht nahmen und viel zu laut lachten und reden und reden und reden.
Außerdem war ich müde von all diesen Good byes mit schönen Worten, die doch nur dazu dienten, der Lüge mit Weichzeichner zu begegnen.
Schon damals hoffte ich, dass wenigstens dieser Teil dann von mir kein Gefühl hätte und zählte im Geiste rückwärts, wie viele Katastrophen noch nötig sind um am Endes eines Traumes anzukommen, wo endlich alle Utopien sich der Illusion hingeben, im Niemalsland zu verschwinden.
Im Vorwärtsgang suchte ich nach der Neutralität, die mir sicher schien und verirrte mich im Netz der Erwartungen, die zu fordernden Bastarden mutierten.
Ausschlaggebend war dann, dass es jemand wagte mir 2x das gleiche Messer an die Kehle zu halten. Die scharfe Klinge hätte ich vielleicht noch verkraftet, aber das geraspelte Holz schmeckte mir einfach zu süß und sein hämisches Grinsen zu bitter.
Den Judas Kuss nach der letzten Nacht habe ich ihm nie verziehen, aber wenigstens schwiegen da schon die Lämmer, weil nicht nur die Luft bereits schon zum Ersticken trocken war.
Aber das war auch mein anderes Leben, da wo ich als Liebende ihm verstehend das Messer noch eigenhändig wetzte um ihm dann die Stelle zu zeigen, die dünnhäutig einen noch größeren Schmerz zuließ.
Von ihm habe ich dieses Grinsen gelernt und heute bin ich böse genug, jeden meiner Züge voll auszukosten, mit der Gewissheit, dass es in diesem Spiel nie einen Gewinner geben wird, auch wenn das immer gerne jeder für sich selbst in Anspruch nimmt.
Als er mir dann noch ein letztes Mal gegenüber stand, gönnte ich es ihm, dass er ihr im gleichen Maße verfallen war, wie sich bei mir die Gleichgültigkeit breit machte.
Er war nur Teil einer Reihe von schlaflosen Nächten. Nächte, die irgendwann aufhörten Spaß zu machen und die man dann irgendwann ad acta legt und vergisst.
Der Blick in sein schmal gewordenes Gesicht und das Zittern seiner Hände sind dann auch für mich ein letzter Triumph, der es sogar vermag den Stein in mir zum Rollen und Hüpfen zu bringen.
Jeder andere hätte vielleicht noch ein Rest von Mitgefühl aus mir herauspressen können,
Aber er hatte sich einmal zuviel lustig gemacht und über das Klischeebild der kleinen sensiblen Liebenden gelacht, welches nur schon damals einen bedeutsamen Fehler hatte.
Es entsprach nicht der Wirklichkeit.
Und ich war böse genug, kein Mitleid zu haben, weder mit ihm noch mit ihr, geschweige denn mit seinem Leben.
Es war sein eigener Kampf der Ratio gegen das Gefühl und diesmal zahlte er den Preis, während ich böse genug war, ihm wenigstens noch Glück zu wünschen.
Mir war nur ein wenig kalt dabei, aber auch daran könnte ich mich gewöhnen.

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