Arsfendi's Weblog

Vorweihnachtsstress

Dezember 11, 2009 · 5 Kommentare

Wie ich es liebe, wenn in der Zeit vor Weihnachten der Stress so richtig losgeht.
Pünktlich zum Glockengeläut wurde auf der Hütte erst einmal die Kurzarbeit beendet, was natürlich sehr erfreulich sich anmutet und dem Geldbeutel gefällt.
In den letzten Monaten konnte ich mich zwar über Arbeitsmangel nicht beklagen, ganz im Gegenteil, der Schreibtisch war stetig mit Projekten voll belegt.
Auch die Qualifizierungsmaßnahmen waren super und bei 2 Tagen im Monat vom Arbeitsvolumen her zu bewältigen.
Aber Kurzarbeit Ade und wir starten also wieder voll durch, was bedeutet, nicht 100 % sondern gleich mal zu Beginn auf 150 % steigern.
Ein Leichtes für jeden einzelnen Hütterianer.

Insofern also nichts Beklagenswertes, wenn nicht jetzt auch noch der Weihnachtsstress hinzukommen würde.
Ich bin ja nicht so der große Weihnachtsrummelfreak, trotzdem packt es mich dann doch immer wieder pünktlich zum Jahresende.
Wegen der USA Reise im März nächsten Jahres, fallen die Wünsche der Kinder Gott sei Dank nicht so groß und vielfältig aus, aber auch Kleinigkeiten wollen erdacht und erlaufen sein.
Die letzten Klausuren der Kinder sind fällig, Jani muss noch Mathe üben. Fenster müssen noch geputzt werden und der Wagen muss noch zur Inspektion.
Was koche ich morgen, der Pizzaservice hat Ruhetag.
Jubiläumsfeier heute, Weihnachsfeier in der Firma nächsten Montag, Weihnachtskonzert Kiki Dienstag,
nächste Weihnachtsfeier Donnerstag und runder Geburtstag des Kollegen am Freitag.

Diese Woche herrschte eh das Chaos pur bei uns.
Kiki war ein paar Tage mit dem Oberstufenchor und Orchester in der Musikakademie in Borken und Jani als unser Langschläfer bekannt, war morgens einfach nicht wachzubekommen.
Kein Wunder, wenn man die Nächte damit verbringt, mit der Freundin zu telefonieren.
Nächste Woche ist meine Große aber wieder da und da weht dann wieder ein anderer Wind.;-)
Zumindest keine Handyweckversuche mehr von unterwegs auf der Autobahn und Sorge, dass der Kleine verschlafen könnte.

Gesundheitlich haben wir alle auch wieder die Kurve gekriegt, Schweinegrippe mäßig auch alles jetzt überstanden.
Heute dann zuguterletzt ein gutes Ergebnis bei meinem CT, was mich dann die letzten Wochen dann doch ein wenig beunruhigt hat.

Am Wochenende freue ich mich auf „deftig“ und anderes…
Jetzt aber erst einmal tief Luftholen und die täglichen Yogaübungen einhalten, dann klappts auch mit dem Bewältigen des Weihnachtsstresses.

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Immer wenn es dunkel wird

Dezember 6, 2009 · 2 Kommentare

Die Dunkelheit kam plötzlich aus dem Nichts. Sie hatte die Jahre nicht gezählt, die seitdem vergangen waren, doch es wäre nie lange genug gewesen, um es zu vergessen.
Ebenso wenig war es noch nicht so lange her gewesen, dass sie sich hätte einreden können, es wäre niemals geschehen.

Immer wieder kamen nachts die Träume, die sie dämonisch verfolgten. Wenn sie die Augen schloss, wünschte sie sich manchmal, dass der Nebel sich wenigstens über diese Bilder legen würde, um Distanz zu schaffen.
Bilder, auf denen er ihr mit einer debilen Luziferfratze entgegen grinste, als wolle er sagen: “Du entkommst mir nicht.”

Er kam jede Nacht, immer und immer wieder, drang dabei durch verschlossene Türen und dickste Mauern, ohne dass sie es verhindern konnte.
Und es gab kein Entrinnen für sie, seit damals, als sie den Dolch zur Hand genommen und mitten ins Herz getroffen hatte.

Worte peinigten sie, aus tausend Stimmen genau die eine heraus erkennend. Jedes Wort, einzeln für sich so harmlos und doch aneinander gereiht schlagend wie Peitschenhiebe, die eindrangen und die Haut in Fetzen rissen.
Im Schutz der Dunkelheit war es ihre Sühne für all die Schuld, die nicht schwerer lastete wie jegliches andere auch.
Der Traum kam immer wieder, unbarmherzig und ohne Gnade.
In Ketten gebunden stand sie vor dem höheren Gericht und sollte sich zu ihren Sünden bekennen. Und schon tat sich der Boden auf und sie konnte das Höllenfeuer erkennen, das bereits auf sie wartete.
Sie sah die anderen armen Kreaturen, die nach ihr riefen und die Hände ausstreckten, um sie dorthin zu holen, wo man für Sünden büßt.
Ein Schauern erfasste ihren Körper und gleichzeitig legte sich der eiserne Ring um ihren Hals.

Dort unten in der Glut, wo die Untoten ihr Dasein fristen, wartete er bereits auf sie, um ihr zu sagen, dass sie ihn niemals loswerden würde für alle Zeit im Danach.
“Mein Wille wird immer der Deinige sein und keine Gnade vor Recht”, flüsterte er ihr ins Ohr, und sie fror in der Hitze der Nacht.
Der Dolch steckte noch in seinem Herzen und die Kreaturen um sie herum zeigten auf das Blut, welches noch an ihrer Hand klebte.
Seine Worte hämmerten gegen ihre Gehirnwände und verursachten einen körperlichen Schmerz, der als Echo in sämtlichen Regionen ihres Innersten widerhallte.

Irgendwann am Anfang, in einem anderen Leben, hatte es so etwas wie Gefühle gegeben, Vertrauen und sogar Respekt voreinander, aber dann hatte irgendwann der Nebel all das in sich verschlungen und nichts übrig gelassen, was man der Bedeutungsbehaftung anheim geben konnte.

Da war es wieder, dieses dämonische Wesen, das mit sanfter und leiser Stimme lockte, um dann, zum Untier mutierend, sein wahres Gesicht zu zeigen.

Die Bestie im Schafspelz, die ihr zeigte, wie man funktioniert, Schlag für Schlag.
Und sie spürte auch hier wieder seinen heißen Atem an ihrem Hals, wie in so vielen Nächten zuvor, und der Geruch nach Whisky und Weinbrand ließ sie aufblicken, um es mit eigenen Augen zu erkennen, wie die Droge den Zwang verursachte.
Seine Hände waren grob und sein Blick aus blutunterlaufenen Augen war starr und gierig. Das Glas stand neben ihm, bereit für die nächste Dröhnung, und sie hörte sein hämisches Lachen, weil sie die Tränen nicht verbergen konnte.
Damals wie heute, immer und immer wieder, und es gab nichts was ihn aufhalten konnte.
Der Gestank seines Atems wurde unerträglich, genau wie seine Hände und sein Grinsen und er machte weiter, Stunde für Stunde.
Sie sagte nichts, weil sie schon damals gelernt hatte zu schweigen. Nur ihr Blick flehte um Gnade oder was auch immer.
Das Ticken der Uhr schlug den Takt, unbarmherzig, nicht schnell genug.
Nicht weinen, Kleines, es ist gleich vorbei. Halte einfach nur still. Gleich fordert der Rausch seinen Tribut und der Schlaf bringt die Erlösung.
Doch es gab keine Erlösung, zumindest nicht für sie.
Nur irgendwann wachte sie auf und hielt den Dolch in der Hand.
In der Hand, die vom Hass geführt, den letzten Ausweg suchte. Hass, der übermächtig wurde und bereits ihr Blut vergiftet hatte.
Es war so einfach und es tat nicht weh, denn er schlief durch den Rausch in einer anderen Welt. Wenigstens diese Gnade gewährte sie ihm und so war sie die Einzige, die vor Schmerzen schrie.

Nach irdischem Recht würde sie es als Notwehr sehen, wofür sie aus ihrer Sicht und ihrem Leid Mitgefühl für sich erflehte, aber da gab es ein höheres Gericht, dessen Vorsitz er selbst hatte.
Als Richter sprach er unbarmherzig sein Urteil und schickte sie in eine Welt, in der die Wirklichkeit und der Traum eins waren und niemand wusste, an welcher Stelle alles miteinander verschwamm.
Keiner konnte mehr sagen, wo das eine endete und das andere begann.
Als Gnadenstoß fickte er ihr die Erinnerungen aus dem Hirn und schenkte ihr als Henkersmahlzeit noch sein letztes hämisches Grinsen, um sie im Zustand der seelischen Divergenz zurückzulassen.

“Ich komme wieder, Kleines. Immer wenn es dunkel wird.”
Dann verschwand er und sie begann den Sonnenuntergang zu hassen, wie auch sich selbst, für diese eigene Schwäche, die er ihr immer wieder im Traum vor Augen führte.
Und sie hörte sich selbst schreien und übertönte damit die Stimme, die sie rief, um sie zu entsorgen, so wie alles, welches seinen Wert verloren hatte im Sinne der Bedeutung.

Nach jeder dieser Nächte stand sie im Morgengrauen auf, um dann am stärksten im Kopf dieses unaufhaltsame Pochen zu spüren, als ob ein Hammer auf den Ambos schlug.
Die schwarzen langen Haare hingen ihr wirr ins Gesicht und vereinigten sich mit den salzigen Perlen, die ihr wie Blut, miefig riechend, aus jeder Hautpore tropften.
Ihre Augen brannten und das Blut floss in ihren Adern, unaufhaltsam gepumpt, weil die Natur es verlangte.
Der Geschmack auf der Zunge war schal und die dunklen Augenränder wirkten bizarr im Kontrast zu ihrer blassen Haut.
Der Schmerz zog sich in Wellen durch ihren Körper und für einen Moment wünschte sie sich einfach, nichts mehr zu spüren und nicht mehr denken zu müssen.
Ewige Dunkelheit als Erlösung aus diesem Traum war der einzige Wunsch, der noch in ihr keimte.
Doch in der Ferne hörte sie nur ein hämisches Lachen und spürte das zärtliche Streicheln einer Dolchspitze auf ihrer Haut.
Dazu ertönte eine letzte Melodie, um schaurig schön einer seltsamen Melancholie Zeugnis zu tragen.
Aber auch sie verstummte, schon von der Tonlosigkeit in ihrer Tragweite geweiht.
Zuerst wichen die weichen Töne den dumpfen, dann wurde es noch einmal wenigstens aufmüpfig schrill, um dann in der Null-Linie zu enden.
Herzstillstand, da war nichts mehr zu machen.
Sie verstarb um 0:00 Uhr an den Tönen des Liedes vom traurigen Sonntag.

→ 2 KommentareKategorien: Dunkelheit

BedauernsWert

Dezember 6, 2009 · Kommentar schreiben

Mitgefühl, eines der Güter, die man
zu verschenken vermag.
Ich verschenke gerne,
und darum heute an dich du armes Herz
wo dein vielleicht mal ansehnliches Gesicht
schon längst zur Fratze mutiert,
weil das hässliche Innere
sich einen Weg suchend,
nach außen dringt.
Von Neid zerfressen
mit der Gier nach Mehr.
Nie zufrieden mit dem was du hast
in jedem den Konkurrenten sehend
weil Glück dir nie vergönnt.
Verkauft den Körper
mit starrem Blick, bettelnd nach
dem die Seele streichelndem
Applaus.
Und am Ende wird nichts bleiben
außer die Ignoranz,
die dich verfolgt
bereits prasselnd auf dein zerfetztes
Haupt als Aschenregen.
Mitgefühl für nie erreichtes
Glück, welches doch oft so nah
wenn man es nur zu sehen
vermag.
Trotzdem oder gerade deswegen
lacht man auch
zuweilen
über die Erbärmlichkeit der
Kreatur.
Dem Defizit an Aufmerksamkeit geschuldet
sei dem bedauernswerten Dasein eines
solchen Geschöpfes,
mein Mitgefühl sicher.
Dem folgt die Ignoranz, nicht ohne noch
vorher my 5 ct in den Klingelbeutel der
Bedürftigkeit zu werfen.

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: Armes Geschöpf · Ignoranz · Mitgefühl · Mitleid

Penguin Cafe

Dezember 4, 2009 · Kommentar schreiben

„Ich sonnte mich gerade am Strand, als plötzlich ein Gedicht in meinem Kopf auftauchte. Es begann mit: „Mir gehört das Penguin Cafe, ich werde Dir willkürlich von Sachen berichten“ und fuhr damit fort, welch kostbare Güter Zufälligkeit, Spontaneität, Unerwartetheit und Irrationalität im Leben sind. Und wenn man diese unterdrückt, um ein nettes geregeltes Leben zu führen, tötet man damit das was am wichtigsten ist, während im Penguin Cafe unser Unbewusstes einfach es selbst sein kann. Dort ist dieses, so wie jeder, willkommen. Dort herrscht eine Aufnahmebereitschaft, die damit einhergeht, das Jetzt ohne eine innenliegende Furcht leben zu können.“
Simon Jeffes Gitarrist, Komponist und Arrangeur

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: 1

Lass mich endlich hassen

Dezember 3, 2009 · Kommentar schreiben

“Ich hab versucht dich zu hassen”, merkte sie, so beiläufig wie es nur ging, an und wunderte sich selbst, dass die Worte ganz betont ruhig über ihre Lippen gingen.
Dabei hatte sie ihn selbst von diesem hohen Sockel gestoßen, wo das Aufsehen auch heute noch beim bloßen Gedanken daran, Nackenschmerzen verursachte.
Er gehörte einer Sorte Mensch an, die sich selbst auf ein Podest stellten, damit sie auf etwas herabblicken konnten, um es dann mit einem hämischen Grinsen zu belohnen.
Hass ist immer für etwas gut, nur darf der Versuch nicht schon zum Scheitern verurteilt sein.
Dabei fing das Ende schon so gut an. Selbstbestimmt verließ er sie mit knappen Worten, weil das Bessere schon so greifbar war. Somit war zumindest Wut der Köder für das tiefergehende Zornesgefühl, um damit dem Hass den Weg zu ebnen.
Alles schien so einfach im Fühlbaren, wenn nur schon das Gift die Umlaufbahn erreicht hat, sich im Körper auszubreitend, um die Gedanken zu beherrschen.
Alles Gute musste nur noch schnellsten vergraben werden, ausgelöscht, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Transzendental beschwörerisch versuchte sie das Gesicht zur Fratze mutieren zu lassen mit glutroten Augen, denen sie unweigerlich ausweichen musste.
Der männliche Duft verlor sich in einer miefigen Kloake, worin sich damit auch seine Anziehungskraft verlieren sollte.
Erwähnte jemand seinen Namen, hielt sie sich die Nase zu, um nicht mit den Augen hören zu müssen, was ihr Innerstes erwiderte.
Seine Stimme, die früher ihren Körper mit Gänsehaut überzog, bekam den Klang eines quakenden Frosches, einer Kröte, deren schleimiges Wesen jede Prinzessin die Flucht ergreifen ließ, um eher Rumpelstilzchen den begehrlichen Kuss zukommen zu lassen.
So viel Mühe für all dieses scheinbar Einfache.
An den Beinen des Podestes hatte sie gesägt und lediglich sich blutige Finger geholt, während er sich wacker oben hielt und sie immer noch angrinste, als wollte er sagen: „ Versuchs gar nicht erst.“
Dann lockte er sie wieder mit ein wenig Zucker, um im gleichen Atemzug alles ad absurdum zu führen, nicht ohne sich vorher das zu nehmen, wonach ihm war.
Es war nicht alles schlecht, vor allem als seelischer Mülleimer machte sie sich gut und den Trost spendete sie dann angemessen im Rausch der Nacht.
Bevor er ging spendete sie ihm noch einen letzten Trip ohne jedes Gefühl.
Er nahm es dankbar an.

“Ich hab wirklich versucht dich zu hassen.”
Nur die Variablen der Formel ergeben immer noch einen Wert >0.
Heute ruft er wieder nach ihr und sie wünscht sich ihn endlich zu hassen.

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: Hass

Kannst Du verstehen?

Dezember 2, 2009 · Kommentar schreiben

Kannst Du verstehen, wenn ich sage
die Zeit kennt immer ihre eigene Zeit.
Manche Woche hat sieben Jahre
und die Sekunde eines Moments,
schnell verflogen,
bleibt Dir für die Ewigkeit.

Kannst Du verstehen, wenn ich sage
jedes Gefühl ist ein eigenes Land
und die Welt hat viele Länder.
Heiße Wüsten kannst du finden,
kühles Blau des Meeres gefährlich tief
ohne jemals anzukommen, reist du dich um den Verstand.

Kannst du verstehen, wenn ich sage
jede deiner Wahl hat ihren Preis
und wir wählen alle ständig.
Nimm dir Freiheit, Liebe oder Treue,
zahlen wirst du doch
mit der Angst kann nur leben,
wer zuvor die Währung weiß.

Kannst du verstehen, wenn ich sage
auch ein Abgrund ist ein Weg
und es lohnt sich abzustürzen.
Ohne Angst vor diesem Aufprall,
den Schmerz doch nie gefühlt
und bevor du aufschlägst merkst du
dass es noch mal weitergeht.

Dann kannst Du vielleicht auch verstehen,
wenn ich sage
das Leben macht uns blind
und es gäbe so viel anzusehen
doch wir wollen alles halten,
was im Augenblick uns Glück verspricht.
Und bezahlen dafür jeden Preis

Und ich weiß, dass du verstehst,
wenn du endlich angekommen bist,
dass kein Weg, war er auch noch so beschwerlich,
jemals umsonst gewesen ist.
Egal ob es der höchste Berg war
den du im Schweiße deines Angesichts erklommen
oder der Sog nach unten in die Tiefe
dir den Atem hat geraubt.
Wichtig ist das Ziel vor Augen
und immer du selbst geblieben.

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: 1

Sternenklar

November 30, 2009 · 1 Kommentar

Wir wissen nicht, wie viel Zeit uns bleibt. Doch in der Magie des Augenblicks sind wir jenseits von Raum und Zeit – und nichts hat ein Ende.

Es war mal wieder einer dieser verflixten Tage, an denen alles schief lief.
Tage, an denen das Aufstehen so unendlich schwer fiel und an denen sogar der Blick in den Spiegel einem das kalte Grauen einjagt.
Durchwachte Nächte gefüllt mit Sehnen nach den Stunden zuvor und der Wunsch Glück halten zu können für alle Zeit danach.
Ihr Kopf dröhnte und vor ihren Augen lief immer wieder der gleiche Film ab.
Warme Haut an Haut und Liebe aus jedem Blick, welcher in aller Kälte wärmte und das Feuer selbst nährte.
Er allein gab sich selbst ohne zu fordern und dafür liebte sie ihn mit einer Leidenschaft, die sie selbst immer wieder aufs Neue faszinierte.
Nur sie allein wusste, dass es nie so war, wie sie es sich selbst versuchte glauben zu machen.
Es waren einzig ihre Gedanken und damit eine Welt die real so nie existierte.
Und dennoch machte es so vieles vergessend oder zumindest verdrängte sie in solchen Momenten, was sie sonst von innen auffraß, wie ein elender Wurm, der sich in allen Innereien breit machte, hungrig auf alles was sie angestaut hatte.

Ihr Kopf schmerzte. Sie musste raus, fliehen vor sich selbst und der eigenen Verantwortung, die sie nur sich selbst gegenüber forderte.
Manchmal hatte sie das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, dann wenn sie die Abrasion des Berges, der sich auftürmte, von sich erwartete, ohne jemals auch nur einmal sich etwas von der Last anmerken zu lassen.
Manchmal gelang die Simulation perfekt, auch wenn es an den Kräften zehrte. Aber Schwäche zu zeigen war nicht gestattet, so hatte sie es gelernt.

Draußen war es sternenklar.
Tief sog sie die Nachtluft ein. Die Kühle tat ihr gut und prickelte auf ihrer glühenden Haut.
Der Wind wehte eisig ins Gesicht, und wirkte damit ein wenig befreiend und der gefräßige Wurm in ihr machte einen kurzen Moment Pause.
Der Park war fast menschenleer.
Da saß er wieder mutterseelenallein auf dieser Bank, zu der sie immer ging, wenn sie sich selbst von ihren Gedanken für einen kurzen Moment befreien wollte.
Sie kannte ihn schon so lange, diesen alten Mann, der immer ein wenig traurig blickte und dennoch von seiner ganzen Haltung her so stolz wirkte.
Damals, als sie sich neben ihn setzte, begann er wie selbstverständlich zu erzählen, von seinem Leben, von der Frau, die ihn verlassen hatte, weil er zu sehr liebte, und er Trost im Alkohol suchte, der gar keiner war.
Er sprach von den Fehlern, die er gemacht hatte und die er bereute, jetzt da es zu spät war.
Alles war ihm zwischen den Fingern zerronnen. Nichts hatte er halten können.
Am Rad des Schicksals drehten so viele. Nicht alles liegt in eigener Macht.
Aus seinen Augen aber blitzte der Stolz des Nicht daran Zerbrochen zu sein mit der Einsicht, dass es an einem selbst liegt immer und immer wieder auch selbst wieder aufzustehen.
Er blickte kurz auf, als sie sich wieder einmal neben ihn setzte und lächelte erkennend.
Sie erinnerte sich an seine Worte von damals.
„Kleines, lass niemals zu, dass die Angst vor dem nächsten Schritt dich auffrisst. So wie sie mich aufgefressen hat.
Es lohnt sich immer zu kämpfen. Geh Deinen Weg mit der Überzeugung, dass es der richtige ist und lasse Dich nicht beirren.“

Als er sie anschaute nickte er kaum merklich. Trotzdem wusste sie, dass er verstand.
Von dieser Angst hatte sie sich nie ganz auffressen lassen. Irgendwie ging es immer weiter. Vielleicht auch, weil sie sich so oft an diese Worte erinnert hatte. Und der Kampf hatte sich immer wieder aufs Neue gelohnt. Da wo sie heute stand, sah selbst dieser Fremde, dass sie ihren Weg bis jetzt gut gegangen war.
„Man sieht Dir an dass Du glücklich bist. Glücklich durch Dich selbst. Doch manchmal steht Dir noch Dein Stolz im Weg. Das braucht es doch gar nicht. Gesteh Dir Deine Schwächen auch mal ein und übersehe nicht die Hand, die Dir gereicht wird.“
Er sprach ganz leise zu ihr und dennoch wusste sie, dass er genau ihren wunden Punkt getroffen hatte.
Viel zu oft stellte sie sich selbst ein Bein. Immer wieder suchte sie sich in den Irrungen der Wege um sich dann doch wieder zu verpassen.
Manchmal überholte der eigene Schatten sie, oder sie hörte Stimmen aus dem Inneren, die aber mit einer anderen Sprache in ihr Ohr flüsterten und sie damit nichts verstand.
Als er wieder ging, schaute sie ihm lange nach.
Sein Gang war schleppend aber aufrecht, so wie jemand, der sich trotz allem, trotz jeder Niederlage immer noch seines Stolzes bewusst war.
Er war ganz in Schwarz gekleidet und ihr schien es, als wenn er mit jedem seiner Schritte etwas mehr an seine eigenen Worte glaubte.
Sie hatte verstanden, was er ihr sagen wollte, so wie damals, als er sie auch schon offen mit seinen Worten konfrontierte.

→ 1 KommentarKategorien: It's my way · Mond · Park

Letters

November 29, 2009 · 1 Kommentar

Ich liebe das Leben und fange an, ein NEIN nicht mehr zu akzeptieren.

Mein Lieber,

ich kenne Dich nicht, habe Dich noch nie gesehen und vielleicht gibt es Dich auch gar nicht.
Aber eine zeitlang hast Du einen sehr wichtigen Platz in meinem Leben eingenommen.
Ich glaube nicht, dass Du gerade auf diesen Brief gewartet hast.
Trotzdem schreibe ich gerade heute, nicht weil Du es erwartest, sondern weil ich es so möchte.
Denn wie oft macht man Dinge, gerade weil man glaubt andere würden es von einem erwarten und macht es damit zur erzwungenen Pflicht für einen selbst.
Wie lange habe ich danach gehandelt, bis Du mich endlich auf den richtigen Weg gebracht hast, indem Du mich so genommen hast, wie ich wirklich bin.
Du hast nichts verlangt und so konnte ich freiwillig geben.
Dadurch sehnte ich mich nach Deiner Nähe, ohne dass es zum Zwang wurde.
Wertvoll bist Du für mich geworden, weil ich durch Dich erkannt habe, dass ich nicht im Selbstmitleid vergehen, sondern auch in der Niederlage aufrecht weitergehen kann.
Du hast mir beigebracht auch ohne Worte zu verstehen, dann wenn ich mir die Mühe mache ins Innere zu schauen, ohne meine Gedanken auf den anderen zu übertragen.
Auch wenn ich Fehler machte, schenktest Du mir ein Lächeln und gabst mir den Mut für einen neuen Versuch.
Aufgeben gab es für Dich nicht, und ich lernte über mich selbst hinauszuwachsen.
Oftmals reagierte ich mit Aggression, wenn ich mich in die Enge getrieben fühlte. Du zeigtest mir Sachlichkeit und Objektivität ohne Emotionen da wo es erforderlich war.
Meine Fehler nanntest Du Erfahrungen, die ich machen mußte um das Richtige zu erkennen um dadurch meine Ziele zu erreichen.
So manches Mal hast Du mich aufgefordert zu lernen um meinen Horizont zu erweitern.
Für Dich war es immer wichtig über den Tellerrand zu schauen um die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen.
Du zeigtest mir wie wichtig es ist meine Gedanken niederzuschreiben um nichts zu vergessen, weil jedes einzelne Wort seinen eigenen Wert hat.
Ich lernte meine Gedanken mit Kreativität zu füllen und für mich selbst sie zu einem Ganzen werden zu lassen.
Stillstand ließest Du dabei nicht gelten, denn im Fluss und in der Bewegung lag für Dich immer der Sinn des Ganzen.
Meine Stärken hast Du mir immer wieder geduldig ins Bewusstsein gerufen, aber mir auch gezeigt, dass auch meine Schwächen liebenswert sind und als Gesamtheit gesehen mich als Menschen auszeichnen.
Durch Dich habe ich am Boden liegend noch einen Sinn im Fallen gesehen.
Selbstwertgefühl kannte ich nicht, erst durch Dich begann ich mir selbst wichtig zu sein und lernte, dass auch ich einen Wert habe, nicht nur für andere, sondern insbesondere für mich selbst.

Manches Mal habe ich mich in Deine Arme geflüchtet, Schutz und Kraft an Deiner Schulter gesucht. Dein Glaube an mich haben mich dann aufgerichtet um mir geholfen mich selbst zu finden auch in meiner Vergangenheit, die ich mühselig lernte zu akzeptieren.
Ganz erschrocken ja fast gelähmt war ich, als Du so plötzlich fort warst.
Mir fehlte etwas, Deine Nähe, Wärme und Klugheit.
Ich fiel wieder hin dadurch, weil mir eine Stütze fehlte.
Ja ich war auch wütend auf Dich weil ich mich alleingelassen fühlte.
Ich sah andere Menschen, die wie ich mut- und kraftlos am Boden lagen und sich selbst am Aufstehen hinderten.
Aber ich sah auch Dich, wie Du dabei lachtest und mir zuriefst, komm steh auf du schaffst es allein, tu es für dich.
In diesem Moment fing ich an zu begreifen, und stand alleine auf, zwar noch etwas wackelig auf den Beinen aber nicht kraftlos sondern auf eigene Stärke besinnend.
Heute fühle ich mich so frei, vor allem weil ich auch innerlich von mir selbst frei bin und mich nicht mehr über andere definiere.
Hin und wieder einen Rückschlag wirst Du mir verzeihen mögen. Kein Mensch ist vollkommen. Aber ich habe wieder Gefühl in mir, vor allem auch für mich selbst.
Ich liebe das Leben wieder und genug ist für mich noch lange nicht genug.
Es grüßt Dich , den ich gar nicht kenne

arsfendi

***

Mal wieder an Dich, den ich nicht kenne
Zwischenbilanz auf halber Strecke

Auf dem Weg nach oben muss man manchmal einen Schritt zurücktreten, um Anlauf zu nehmen.

Mein lieber Unbekannter,

erinnerst Du Dich noch an die Frau, deren Weg vor langer Zeit den Deinen gekreuzt hat?
Ja genau die, deren Blick so getrübt war, mit so unzähligen verqueren Ansichten.
Deren Trotz oftmals eher der innewohnenden Verzweiflung entsprach und die mit Aggression ihre Schwächen zu verbergen versuchte.
Die Frau, an deren Stärke Du geglaubt und ihr bewiesen hast wie wichtig es ist, über den Tellerrand zu schauen um sich selbst zu befreien.
Auch als Du schon lange fort warst, hast Du ihr immer wieder lachend zugerufen, sie möge sich nicht beirren lassen und nach dem Hinfallen gefälligst wieder aus eigener Kraft aufstehen.
So manches mal hast Du sie es auch etwas härter spüren lassen, wenn ihr Gang mal wieder schwerfälliger und träger wurde.
Irgendwie warst Du immer in der Nähe und das war auch gut so.
Heute sitze ich hier und meine Gedanken wandern zurück.
Seitdem ist viel passiert.
Nicht alles war gut, aber es ist ein Blick zurück ohne Zorn.
Wie sagtest Du immer, „ auch schlechte Erfahrungen und gemachte Fehler bringen uns weiter.“
Viele Dinge fallen mir immer noch schwer.
Weißt Du noch, wie oft ich Dich mit komplizierten Gedankengängen zur Weißglut getrieben habe?
Vor allem dann, wenn ich unbedingt verstehen wollte und versuchte Fragen mit eigenen Gedanken selbst zu beantworten.
Ich muss zugeben, auch heute noch fällt es mir schwer Unverständnis anderer und ebenso auch meinem eigenen mit Nachsicht zu begegnen.
Auch heute noch denke ich viel zu sehr darüber nach, wie sich meine Handlungen auf andere Menschen auswirken können.
Immer noch ist es meine Angst meine Worte und Gedanken könnten einen anderen ja verletzen und werde mir selbst dabei untreu.
Wenn ich ganz ehrlich bin, auch von Erwartungen kann ich mich immer noch nicht ganz freisprechen.
Ich ertappe mich dabei, doch immer wieder eigene Sichtweisen und Wertmaßstäbe zugrunde zu legen.
Du wirst jetzt sicher lachen. Ja ich weiß auch, dass es falsch ist eigene Denk- und Handlungsweisen als Erwartungen auf andere zu projizieren.
Asche über mein Haupt, aber ich arbeite weiter an mir.
Menschen bin ich auf meinem Weg vielen begegnet.
Manche sind ein Stück mit mir gelaufen, andere haben meinen Weg nur gekreuzt.
Bei manchen kann ich mich noch an jeden einzelnen Gesichtszug erinnern, von anderen ist nicht einmal der Name geblieben.
Manche haben mich tief berührt, andere haben mich wiederum nur gestreift.
Ein paar wenige sind besonders wertvolle Menschen für mich geworden, die einen wichtigen Platz in meinem Leben eingenommen haben.
Durch sie habe ich gelernt, was es bedeutet Vertrauen schenken zu können und einander wirklich Freund zu sein.
Es waren auch Menschen dabei, die mich mit Gedankenlosigkeit und erbarmungsloser Härte verletzt haben.
Trotzdem möchte ich keine dieser Begegnungen missen.
Alle haben mich auf meinem Weg Stück für Stück weitergebracht.
Und so werde ich heute weitergehen.
Hin und wieder werde ich für mich rückblickend Bilanz ziehen.
Einfach nur um zu sehen, wo ich gerade stehe.
Aber ich denke schon, dass ich auf einem guten Weg bin.
Ich verspüre gerade sogar so etwas wie Stolz auf mich selbst.
Und es ist ja schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Höre ich Dich da gerade schon wieder lachen?
Aber Du hast ja recht.
Ich werde mir Mühe geben, und immer besser werden, um die Dinge so zu sehen, wie Du es mich gelehrt hast.

arsfendi

***

Wieder mal ein Brief….
…an Dich, den ich gar nicht kenne

…weil Du noch in dir suchst und zweifelst,
auch wenn du dich dabei verlierst,
und deine Grenzen überschreitest
und weil du Recht hast, wenn du irrst.
Weil du Verbote einfach auslässt,
weil du Gesetze hasst wie ich,
weil du dich täglich etwas loslässt,
weil du die Schatten kennst vom Licht.
….weil Du nicht bist wie die anderen…
[Klaus Hoffmann]

Und wieder einmal möchte ich Dir berichten.
Dir, den ich gar nicht kenne, der mir aber dennoch stets so vertraut zur Seite steht.
Schritt für Schritt als Schatten neben mir geht, mein Handeln lenkt, gar nicht wissend, dass es überhaupt im Bereich des Möglichen liegt.
So lange begleitest Du mich schon, mal direkt nur einen fingerbreit neben mir, dann wieder aus der möglichen Distanz, die dennoch ein Bewegen durch Fühlen möglich macht.
Vieles hast Du bisher bewirkt, auch wenn ich mich so oft der Renitenz hingegeben habe, weil ich aus einem anderen Blickwinkel heraus eher intuitiv auf meine Weise gehandelt hätte.
Wie oft habe ich dabei Dein Lachen gehört, weil Du wusstest, dass die Zeit meinem Sturkopf die Einsicht folgen lassen würde.
Und dennoch war immer wieder die Rebellion in mir, mich nicht der Kongruenz hinzugeben.
Widerspruch nur um des Widerspruchs Willen, war Deine Antwort.
Und wie so oft war das Recht auf Deiner Seite.
Aber in all der Zeit, die Du mich so nah begleitet hast, niemals sichtbar, aber dennoch auf Einsichten beruhend, wusstest Du auch, dass Reformationen notwendig waren.
Du warst es, der mir genau das aufgezeigt hat, wissend, dass es für mich selbst ein notwendiges Aufräumen bedeutete.
Und dies konnte nicht Anpassung bedeuten, sondern die Suche nach neuen Alternativen, nicht dem Mainstream folgend.
Du hast mich gelehrt, dass es durchaus im Rahmen des Möglichen besteht, den Anspruch an mich selbst noch zu erhöhen, und damit neue Ziele zu beschreiben, die es galt zu erreichen.
Du verlangtest von mir immer wieder neu meine eigenen Grenzen auszuloten und selbst darin den Zauber einer Leichtigkeit zu entdecken.
Du verlangtest von mir immer wieder neu meine eigenen Grenzen auszuloten und selbst darin den Zauber einer Leichtigkeit zu entdecken.
Ich sollte feststellen, dass Widerspruch in mir selbst auch den gegen andere ermöglicht.
Zu oft hatte ich es in der Vergangenheit nicht gewagt, um der Auseinandersetzung damit aus dem Weg zu gehen.
Du hast mir in so vielen Stunden erst aufgezeigt, welche Macht ich aus den Händen gegeben habe, um als Folge der Manipulation zu erliegen.
Im Nachhinein betrachtet, hast Du mich für einen langen, nicht immer leichten Weg gestärkt, den ich dann wissend gehen konnte, dass Du auch auf die Distanz hin mich immer mal ein wenig anstubsen würdest. Gerade dann, wenn Kopf und Geist sich im Widerspruch nicht einigen konnte, wem die Intuition folgen sollte.
Heute weiß ich, dass es ab und zu auch möglich ist, Grenzen zu überschreiten, um aus Unmöglichem etwas Mögliches zu machen. Mir selbst wenn es das wert ist.
Zu oft bin ich damals durch Gedankenknoten ins Stolpern gebracht worden, und weiß heute, dass es gar nicht notwendig ist jeden Knoten zu lösen. Vieles ist dadurch heute leichter, vor allem durch die Neusetzung meiner eigenen Prioritäten.
Vor allem steht es mir aber auch zu, so manchen Faden einfach selbst zu zerreißen, da wo in gewissem Sinne einfach Egoismus auch gesund ist.
Ja, ich kann Dir heute sagen, dass es mir wirklich gut geht.
Im Moment erstaune ich mich selbst sogar wieder. Und ich genieße so wirklich jeden einzelnen Moment.
Auch wenn es sogar für mich immer noch verwunderlich ist, welche Möglichkeiten es doch immer wieder gibt, gebe ich mich diesen Unbekannten offen hin.
Ich bin so neugierig geworden und spüre wieder diese Spannung in mir, ohne Angst vor irgendwelchen Risiken.
Ja, ich weiß, ich höre gerade Dein wohlwollendes Lachen und
Dich sagen: „ Siehst du, war doch gar nicht so schwer. Und jetzt geh weiter, du hast gerade erst angefangen!“
Ich werde weitergehen. Neugierig auf alles was noch kommt.

Arsfendi

***

…ein Brief an Dich, den ich gar nicht kenne.

Es ist lange her, dass ich an dich geschrieben habe. Und doch ist nichts vergessen von der Zeit davor und auch danach.
Damals war ich dir mit den Zeilen und ebenso dazwischen immer sehr nah, was mir eben auch in der Zeit danach immer sehr geholfen hat mich selbst zu sehen und anderes, was des Sehens wert war.

Ich hatte immer das Gefühl, Du kanntest mich, wie ich wirklich war, eben auch das, was ich verbarg hinter dieser mühsam aufgerichteten Wand, hinter der es sich geschützter lebte.
Es war schon immer das, was ich mir gewünscht hatte, dass sich jemand die Mühe macht, aus eigenem Antrieb etwas tiefer zu blicken, ohne dann mit erhobenem Zeigefinger mir die Richtung zu weisen.
Für dich waren Fehler da, um sie zu machen. Und ich machte immer schon derer viele und hörte dich dann lachen und sagen, „komm schon, das kannst du besser“.
Manchmal wollte ich aus Feigheit lieber einen Umweg gehen oder versteckte mich aus Angst um nicht die Tiefe vor mir zu sehen, als ich versuchte über den Tellerrand zu blicken.
Dann warst Du es, der mir die andere Möglichkeit vorlebte, auch mit einer Schwäche die nächsten Schritte zu gehen.
Vor allem meine Ungeduld war es, die mir selbst immer wieder Steine in den Weg warf.
Tief in mir gab die Unruhe Befehle und beschleunigte meine Schritte.
Deine sachliche Besonnenheit kannte ich nicht und war dann doch erstaunt, wie locker gerade damit alles von der Hand ging.

Ganz extrem war es, was ich in Bezug auf Erwartungen lernen musste.
Es hat lange gedauert, bis ich mich davon frei sprechen konnte um nicht mehr mir selbst im Weg zu stehen.

Irgendwann war die Zeit da, wo ich alleine ging.
Natürlich war ich zuerst wütend, weil Du auf einmal fort warst. Es ging auch am Anfang nicht immer alles glatt, denn es war nicht so sehr mein eigener Antrieb, der mich lenkte, vielmehr der Gedanke daran, wie du wohl handeln würdest.
Trotzdem lief es mit der Zeit immer besser.
Das Wichtigste war, ich akzeptierte das, was mich selbst ausmachte, insbesondere auch meine Fehler und Schwächen. Auf einmal war ein Verstecken gar nicht mehr nötig, denn ich war nicht mehr klein und wuchs eher an meinen Erfahrungen und den damit verbundenen Einsichten.
Es mag sein, dass ich auch heute immer noch so meine Schwierigkeiten mit dem Erwachsensein habe. Vielleicht ist es aber auch nur so, dass ich bestrebt bin, das Kind in mir zu bewahren um die Zeit zu nutzen Fehler zu machen, die ein Kind einfach machen darf um zu lernen.
Diese Unruhe ist immer noch in mir, aber sie ist ein Antrieb für das Vorangehen um nicht stehen zu bleiben. Die stetige Neugier wird wohl auch immer bleiben, so als Lebenselixier, weil sie die Angst vor dem Unbekannten einfach schluckt.
ch denke heute würdest du dich oftmals über mich wundern. Vieles ist so unbeschwert geworden und mit Leichtigkeit angefüllt.
Die Zeit hat vieles gerichtet.
Visionen sind zu Zielen geworden und so manches Schlachtfeld habe ich auch in der Niederlage als Sieger verlassen.
Mein Fell ist etwas dicker geworden, dennoch ziehe ich es hin und wieder doch lieber vor mich abzuwenden als mich einem unnötigen Kampf zu stellen.
Vor allem aber leuchtet meine Welt seit einiger Zeit in ganz besonders bunten und schimmernden Farben.

Aus der Gemeinsamkeit heraus ist vieles so viel leichter geworden.
Ich lausche den Worten, die sich mit der Zeit zu einem Gedicht zusammensetzen und mit jeder Silbe meine Haut streicheln.
Da berührt jede Geste und zaubert im größten Sturm jenen Sonnenstrahl der in der Kälte wärmt.
Dieses Glück zu empfinden, ohne Zwang dafür mit jeder Freiwilligkeit, möchte ich einfach nicht mehr missen. Und ich bin mir sicher, dass es unter der Symbiose noch weiter wächst.

Vielleicht wird kein weiterer Brief mehr nötig sein. Ich bin mir sicher, meinen weiteren Weg zu gehen. Auch wenn man vor den Stürmen niemals sicher sein kann, habe ich doch bereits schon festgestellt, dass meine Angst vor dem Gewitter schon kleiner wird.

Und überhaupt gilt es das Leben zu genießen und alle Zeit die man hat.

Arsfendi

***

Und dann doch noch ein paar Zeilen an Dich, den ich nicht kenne und dem ich nie begegnet.
bin.
Lange ist es her, dass ich an Dich geschrieben habe, auch wenn Du vielleicht darauf gewartet hast oder auch eher nicht.
Über so viele Jahre hast Du mich begleitet, versteckt hinter meinem Schatten, der sich oftmals dann auch über mich legte.
Es war immer wieder schön, wenn wir einen Grund hatten gemeinsam zu lachen und trostreich beruhigend an Deiner Schulter auszuruhen, wenn ich mal wieder müde und außer Atem war.
Ich weiß auch, dass Du es nicht immer leicht mit mir Querkopf hattest, gerade dann, wenn mir das Akzeptieren so unendlich schwer fiel und ich schmerzhaft durch die aufgestellte Wand wollte.
Wie oft hast Du den Kopf geschüttelt oder auch einfach nur gelacht. Aber das Resultat war immer das Gleiche, ich hab aus meinen Lektionen gelernt, wenn das auch oftmals mit blauen Flecken verbunden war, die ich mir dann aber selbst verzieh.
Manchmal hatte ich das Gefühl, Du kanntest mich besser und wusstest so viel mehr über mich als ich selbst. Und das machte mir Angst, obwohl es nie Dein Trumpf im Ärmel war.
Du hast mich machen lassen, hast mir sogar meine Illusion gegönnt. Und selbst dann, wenn ich sogar mal mich selbst überschätzte und zu hoch flog, war ich nach dem Fall nicht allein.
Heute lache ich selbst über diese Zeit meiner Selbstzweifel, so unbegründet sie auch waren.
Sie waren ihrer selbst nichts wert.
Hinter meiner Arroganz warst Du der Einzige, der meine Schwächen gesehen hat, die ich damit zu verbergen versuchte.
Heute weiß ich, dass es Unfehlbarkeit gar nicht gibt und kann mir mit Selbstironie begegnen.
Das Leben ist oftmals so wunderlich und auch wandelbar. Garantien brauchte ich noch nie.
Manchmal war diese meine Ruhelosigkeit ein Fluch und gleichwohl auch ein Segen.
Zu oft habe ich in der Vergangenheit etwas gesucht, nichts vergessen und bin doch davor geflohen, weil ich nichts fand außer kalter Asche.
Egal. Ich bereue nichts.
Für mich gab es immer ein Ganz oder gar nicht. Und Du hast mir gezeigt, dass Grenzen auch dazu da sind, um sie zu verschieben. Plötzlich ging es ganz alleine von der Hand, auch aus Unmöglichem das Mögliche zu machen.
Wenn ich geliebt habe, dann unermesslich, selbst wenn man mich nicht ließ. An der Konsequenz änderte sich damit auch nichts.
Ebenso faszinierend war es die Leidenschaft zu erleben ohne an das Danach zu denken.
Das waren die Nächte, die nachgewirkt haben und damit bleiben.
In diesen fühlte ich mich so wahnsinnig frei und spürte, dass Hingabe gleichsam mit Wiedergabe verbunden ist, ohne Forderung nach eben dieser.
Das alleine war das gute Gefühl was man sich selbst geben konnte.

Ich schreibe Dir all das hier, obwohl ich Dich gar nicht kenne. Ich weiß nicht wer Du bist, hab mich Dir nur sehr nah gefühlt in manchen Momenten.
Aber Du hast so viel zu meiner heutigen Sichtweise beigetragen, dass ich Dir einfach diese Worte nachschicken möchte.
Als Du auf einmal fort warst, empfand ich im ersten Moment so etwas wie Leere, aber im Brustton der Überzeugung rief ich Dir ein „ich verstehe“ hinterher.
Mach’s gut, wer immer Du auch warst und heute bist, es ist ok.

Arsfendi

***

Huxley:
To make this trivial world sublime,
take half a Gramme of phanerothyme.
Osmonds:
To fathom hell or soar angelic
just take a pinch of psychedelic.

Mein lieber Unbekannter,

wie du siehst, hänge ich immer noch daran, dir zu schreiben, auch wenn dich noch nie eine Zeile von mir erreicht hat. Alle Briefe an dich habe ich fein säuberlich gebündelt hier in der Schublade meines Schreibtisches liegen, nur für mich Zeugnis dafür, dass meine Gedanken genau so existiert haben und ich nichts von dem vergessen kann, was nie gewesen ist.
Im Grunde genommen war alles eine Reise ohne Anfang und Ende, nie wirklich und doch wahr.

So manches Mal hatte ich das Gefühl, die Sonne zieht an mir vorüber, während die Welt an ihr vorbei einfach so untergeht.
Die Abenddämmerung habe ich immer schon geliebt. Nur dann, in der Dunkelheit der Nacht, haben sich die Gedankenströme selbst eingeladen, die ich bei hellem Licht lieber verneint habe. Und mitunter bekamen sie mich zu fassen und zogen mich hinab in diesen Strudel, der in der Singularität endete um genau dort wieder zu beginnen.
Weißt du, auch das konnte mir am Ende nichts mehr anhaben, weil ich mir zur Angewohnheit machte, mir meine Fehler nicht so ohne weiteres selbst zu verzeihen. Lieber genoss ich die Rebellion gegen mich und rieb mir selbst im Kampf noch meine blauen Flecken wund.

Meinen Stolz habe ich immer bewundert und verflucht. Aber die Tarnung meiner Gefühle wurde nahezu perfekt mit der Zeit.
Ich weiß, du schüttelst jetzt deinen Kopf und sagst mehr zu dir selbst, dass ich es immer noch nicht begriffen habe.
Vielleicht hast du damit ja sogar recht. Aber ich bin schon zu oft dem Missverständnis unterlegen, als dass es deswegen mir noch ein Wort aus meinem Munde rauben würde.
Ich passe mich nicht an, sondern wende mich ab, wenn ich keine andere Wahl habe. Und ich bin froh, wenn es dann keiner Erklärung bedarf. Dafür überziehe ich auch schon mal das eigene Gefühl zum Schutz mit einem Kondom. Für die Entsorgung sorge ich schon selbst. Merkt ja niemand, denn im Simulieren neige ich dazu, die Perfektionskurve nach oben anzustreben.
Würdest du das nun unehrlich nennen? Für mich ist es heute der ideale Schutz. Und dabei bin ich sogar ehrlich zu mir selbst.
Und wenn ich mich selbst in Frage stelle, sage ich offen heraus, dass ich das Heute viel mehr genieße als das Davor.
Dafür habe ich dir diese Briefe geschrieben um sie selbst zu lesen, weil ich mich darin wiederfinde und gleichzeitig verliere.
Ich erkenne meine Grenzen und manchmal versuche ich sie zu überwinden.

Und glaub mir, heute ist so mancher Flug durch die Nacht ein wahres Aphrodisiakum mit faszinierend psychedelischer Wirkung. Da brauche ich keine Tarnung und mich nicht zu verstellen. Und in diesen Momenten ist es einfach nur herrlich ich selbst zu sein, zu genießen mich hinzugeben, um vom Rausch der Leidenschaft getragen, ohne Maske fliegen zu können. Nicht mehr und nicht weniger. Ich denke nicht mehr an das Morgen, sondern genieße es in manchem Augenblick zu wissen, wie die Wolken schmecken.

Kannst du verstehen, warum ich jetzt manchmal förmlich darauf warte, dass die Sonne an mir vorüberzieht und die Welt an ihr vorbei einfach untergeht und eintaucht in dieses leidenschaftliche Schwarz der Nacht?

ArsFendi

****

Lieber bekannter Unbekannter,

Du siehst, ich hänge immer noch an diesem Ritual.
Dir zu schreiben, dabei die Gedanken
rückwärts zu lenken, war immer wieder etwas Besonderes für mich.

Ich habe immer wieder festgestellt, dass ich durch meine Briefe an Dich, oftmals meinen Blickwinkel im Nachhinein ändern konnte, indem ich mich selbst anders aufgestellt, von außen nach innen betrachtet habe.

Heute habe ich mich an Deine letzten Worte an mich erinnert. Du sagtest damals zu mir schon halb im Gehen, dass der Tag kommen wird, wo ich Dich nicht mehr brauche. Wo ich ganz alleine meinen selbstbestimmten Weg gehen werde, ohne mich umzublicken, ohne Hilfestellung und ohne jegliche Stütze, geschweige denn Kraftverstärker.
Deine Augen haben vor Lachen geblitzt, als Du dabei meinen ungläubigen Blick erhascht hast.

Ich war aber einfach nur traurig, weil ich genau wusste, dass es unseren Abschied bedeutete.
Da war so viel Angst im ersten Moment in mir und ich war wütend, weil ich von diesen ewigen Good Byes einfach nur noch müde war.
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich merkte, dass es dieses Band zwischen uns gab, was Dich als Schatten neben mir gehen ließ.
Jetzt begleitest Du mich schon so lange, mal direkt ganz nah neben mir, dass ich fast schon Deinen Atem spüren kann, dann wieder aus der Distanz, die einzig mir wenigstens ein Fühlen möglich macht.
Aber egal wie, immer hast Du etwas bewirkt. Denn selbst in meiner Renitenz bin ich mittlerweile sanfter geworden und mein Sturkopf lässt hin und wieder auch schon mal eine Wand aus.
Erst durch Dich habe ich gelernt, meinen Nonkonformismus ganz offen nach außen zu tragen, da wo er mich selbst sonst eher in die Flucht getrieben hatte.

Du hast mich gelehrt, dass es durchaus im Rahmen des Möglichen liegt, den Anspruch an mich selbst noch zu erhöhen, und damit neue Ziele zu beschreiben, die es gilt zu erreichen.
Mittlerweile lote ich immer wieder meine Grenzen neu aus und entdecke den Zauber der Leichtigkeit, der auch darin liegt.
Dabei habe ich festgestellt, dass Widerspruch in mir auch den gegen andere ermöglicht.

Zu oft hatte ich es in der Vergangenheit nicht gewagt, um der Auseinandersetzung damit aus dem Weg zu gehen, um heute festzustellen, welche Macht ich aus den Händen gegeben habe, um als Folge der Manipulation zu erliegen.
Im Nachhinein betrachtet, hast Du mich für einen langen, nicht immer leichten Weg gestärkt, den ich dann wissend gehen konnte, dass Du auch auf die Distanz hin mich immer mal ein wenig anstubsen würdest.
Gerade dann, wenn Kopf und Geist sich im Widerspruch nicht einigen konnten, wem die Intuition folgen sollte.
Heute weiß ich, dass es ab und zu auch möglich ist, Grenzen zu überschreiten, um aus Unmöglichem etwas Mögliches zu machen.
Auch wenn es sich vielleicht manchmal nicht gelohnt hat oder ein Kraftakt umsonst war.
Gelohnt hat sich alles, für was auch immer.
Und wenn die Welt eben mal nicht in warmen Farben getaucht war, habe ich selbst Hand angelegt und sie bunt angemalt.

Es wird gerade Herbst und hin und wieder ist mir so, als wäre der Mond eiskalt und die Sterne wärmen den Himmel auch nicht so wirklich.
Ich bin mal wieder auf der Suche nach meiner eigenen Neutralität, und wünschte gerade, dass es einen Teil von mir gibt, der kein Gefühl hat.
Zumindest manchmal.
Vielleicht fehlt es mir dann doch noch an Akzeptanz von dem, dass es auch Spiele ohne einen Gewinner gibt.
Kannst Du Dich noch an mein Rotes Buch erinnern? Viele Seiten sind bereits mit noch roterer Tinte beschrieben.
Die letzten Wochen war ich beseelt von dem Gedanken, ich müsse noch schneller schreiben, weil ich den Schlusspunkt nicht verpassen will.
Und jetzt wo der Herbst mit so schnellen Schritten Einzug hält, schreibe ich über das, was nicht ist und denke an das, was ich gerne hätte.

Und dann steht dieser Mensch vor mir und streichelt mir sanft übers Gesicht, während er mich traurig bittet, dass uns kein Gefühl verbinden möge.
Ich verspreche es und mache ihm damit ein letztes Geschenk aus Liebe.

Ja, ich weiß, Du wirst jetzt bestimmt lachend den Kopf schütteln, weil mir der Mut fehlte, die Wahrheit zu sagen und ich es vorzog, lieber schweigend meiner Wege zu ziehen.
Hier blieb mir keine andere Wahl.
So aber füllen sich nun die letzten Seiten von ganz alleine. Ich schreibe und schreibe in der Hoffnung mich in meinen Worten wiederzufinden, während ich mich aber immer wieder darin verliere.
Aber auch das spielt keine Rolle.

Es reichte mir bei ihm wenigstens einmal das Gefühl gespürt zu haben, dass die Sonne an uns vorüberzieht, für einen kurzen Moment innehält und die Welt dann einfach so an ihr vorbei untergeht, um einzutauchen in ein leidenschaftliches Schwarz der Nacht.
Und das Glück empfinden zu können, ohne jeglichen Zwang, dafür in der Freiwilligkeit des Gebens, möchte ich nicht missen.
Da gibt es nichts zu bereuen, auch wenn ich gerne wüsste, ob auch er noch manchmal an mich denkt.

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Eine Stimme mit Gänsehaut-feeling

November 28, 2009 · 3 Kommentare

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Meer sehn

November 26, 2009 · Kommentar schreiben

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