08
Feb
10

Schau zurück

Starr fixierte sie die blauen Zeiger der Uhr an der Wand. Es schien so, als bewegten diese sich kaum von der Stelle, außer dem kleinen vorwitzigen Kerl, der mit seinem monotonen Ticken Runde für Runde die Sekunden vorgab. Nichts änderte diese Taktfolge in Endlosschleife, die aber auch nichts in Bewegung setzte. Eine einzelne Kerze flackerte auf dem Tisch, während sie, wie so oft, auf dem Boden mit zum Körper angezogenen Knien hockte. Das Fenster stand weit offen, um dem Wind die Möglichkeit zu geben, etwas von dem Wirrwarr an Gedankenknoten zu lösen, die mit dumpfem Schlag gegen ihre Hirnwände schlugen. Der Sturm kam langsam näher und wie immer würde sie am liebsten irgendwo Schutz suchen vor dieser gewaltigen Kraft, die ihr den Boden unter den Füßen wegriß. 20 Stunden hatte schon der Tag und auch der Rest würde nicht dem vergessenden Schlaf zum Opfer fallen.

Zumindest konnte man sich an der Zigarette festhalten, sie rauchte eh viel zu viel in solchen Nächten, in denen sie sich selbst wach hielt. 10 x konnte man an diesen Zigarettensticks ziehen, bevor sie dem Nichts übergeben waren. Diese verdammten Dinger hatten es eilig, viel eiliger als diese noch verdammteren Zeiger der Uhr. Es war nichts. Es war wirklich nichts, außer dieser verdammte Flug in die Bodenlosigkeít, ohne Fallschirm und doppelten Boden.War sie es wirklich, die da oben an diesem Abgrund noch kurz hinabgeschaut hatte um dann einfach den freien Fall zu wagen, weil es nichts mehr gab was hielt?
“Attention please, attention pleace, noch können Sie zurücktreten. Sie brauchen es nicht zu tun, weil alles einen Sinn hat.”
Auch das war nur eine Stimme aus dem Nichts und sie verzweifelt genug, dem nicht Rechnung zu tragen.
Müde war sie und sehnte sich nach einer Dunkelheit, die alles umschloss und einhüllte und sogar die Tristesse mit sich nahm im ewigen Vergessen.
Attention please, attention please. Bitte beachten Sie, Sie verlassen nun sicheres Terrain. Wir übernehmen keine Verantwortung mehr. Sie müssen selbst wissen, was Sie tun.
Sie hielt sich die Ohren zu, um der eigenen inneren Stimme kein Gehör zu schenken.

Sie wünschte sich nur noch Ruhe im ewigen Vergessen, und dieses Hämmern im Kopf nahm keine Rücksicht. Nichts konnte diese monotone Taktfolge ändern. Und nur das Blut in ihrem Körper floss schneller als normal und brachte damit die Ruhelosigkeit in jeden Winkel im Inneren. Nein, es war wirklich nichts oder vielleicht war auch das alles. Der letzte Film vor ihren Augen zeigte all die Stunden, die so berauschend waren und das konnte man mitnehmen in diese Stunden der Dunkelheit, in denen das Brennen in den Augen noch zeigte, dass man lebte.

Einen Zug gab die Zigarette noch her und sie spürte, wie das Blut in ihr anfing zu brodeln. Der Herzschlag folgte nicht der Taktfolge dieses kleinen Zeigers der Wanduhr, sondern hatte genau 3 Schläge mehr in aller Unregelmäßigkeit. Wie gut kannte sie dieses immer schneller werdende Pochen des Herzens und das Gefühl, dass die Schlagfolge ihren Körper auseinander bersten läßt. Vielleicht würde sich damit auch der Druck auf dem Brustkorb lösen, der kaum das Atmen zuließ. Doch da war nichts, außer diesem Ticken an der Wand und leichte Windzüge, die das Flackern der Kerze verstärkten. Trotzdem hieß es einfach voll durch.

Der Unruhe folgend, drehte sie die Musik an, die alles übertönte, sogar das Rauschen im Kopf. Die Stimme wirkte beruhigend und die Worte noch mehr. Müde schloss sie die Augen und doch hielten fortwährende Gedanken wach. Gleich würde die Sonne über dem Abgrund aufgehen.

05
Feb
10

Dostojewski

Augenblicke eines kaum zu ertragenden, überwältigenden Glücks, wie man es nur selten empfindet: Augenblicke, in denen die Lebenskraft im ganzen Menschen sich krampfhaft steigert und der Mensch sich wie in einer höheren Sphäre befindet, wo das Vergangene klar wird, der gegenwärtige lichte Augenblick ein klingendes, tönendes Triumph- und Freudengefühl auslöst und die unbekannte Zukunft wie ein Traum im Wachen vor einem liegt…Augenblicke wo man nicht weiß, woher sich unsagbare Hoffnung wie erquickender Tau auf die Seele legt, und man aufschreien möchte vor lauter Seligkeit, während man doch fühlt, wie schwach und hilflos das Fleisch vor dieser Wucht der Eindrücke ist, wie der Lebenfaden, der ins Vergangene zurückreicht, abreißt und das neue Leben wie in Leben nach einer Auferstehung vor uns erscheint und man sich zu dieser Erneuerung beglückwünscht…

Aus “Ein junges Weib” von Dostojewski

04
Feb
10

Erlegt

Lange war es nicht mehr so kalt gewesen. Selbst der Frostmond schaute eher grimmig drein und die Wölfe kauerten in ihren Höhlen.
Menschen sah man kaum und wenn dann in ihren Hütten, wo sie laut grölend sich mit Wein wärmten.
Manches Tier verendete draußen alleine für sich und man musste sich abwenden von dem gebrochenen Blick aus traurigen leblosen Augen, die fast einer Anklage gleichkamen.

Irgendjemand besiegt immer einen anderen und wendet sich dann ab um lieber den Triumph zu feiern, als sich umzuwenden um noch einmal in diese Augen zu schauen. Wie muss sich der Stier in der Arena fühlen, der unter frenetischem Beifall, den letzten Todesstich erhält?
Er wurde geboren um unter Schmerzen zu sterben, nur weil ein anderer seine Macht über Leben und Tod demonstrieren muss. Tiere folgen immer ihrem Instinkt und wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen, beißen sie zu.

Beim Menschen ist das anders. Da treibt die Intelligenz die Blüten, wo es um Macht, Sieg oder Niederlage geht. Wem der Egoismus nicht gegeben ist, geht vor die Hunde.
Der Mensch schlägt bewusst zu, nicht aus der Not geboren, sondern rational für den eigenen Vorteil. Seine stärkste Waffe ist das Wort, welches gezielt gesetzt, verletzender als jede Biss sein kann. In dieser Eiseskälte konnte man oft das Heulen der Wölfe hören.
Es ging einem durch Mark und Bein, weil es sich wie das Schreien eines kleinen Kindes anhörte, welches zum ersten Mal einen Schmerz empfand und nicht wusste warum.
Der Hunger trieb sie in die Dörfer, in der Hoffnung dort etwas gegen diesen Schmerz zu finden, was wenigstens den nächsten Moment überbrücken könnte. Vieh fanden sie kaum, denn die Ställe waren gut verbarrikadiert, nur ab und zu war es mal ein Huhn, welches sich verirrt hatte. Ein paar fanden dabei selbst ihren Tod, manchmal durch Erschöpfung dann wieder durch eine von Menschenhand gefeuerte Kugel, die die Macht des stärkeren demonstrierte.

Manchmal des Nachts lagen sie im Schutz einer Höhle ganz eng beieinander gekauert mit traurigem Blick und das Geheul klang gequälter und noch ein wenig höher als sonst.
Als sie es nicht mehr aushielten machten Zwei sich auf, während die anderen ihnen kraftlos und angsterfüllt nachblickten. Vielleicht würden die Zwei es schaffen, wenn einer für den anderen einsteht und Acht gibt, weil Stärke summiert auch Kraft gegen den Stärkeren gibt.
Stolz war ihnen zu dieser Zeit schon nicht mehr gegeben. Es war der Kampf ums Überleben, nicht mehr und nicht weniger. Ihre Körper waren bereits schon entsetzlich ausgemergelt und die Rippen standen jämmerlich heraus. Zuerst hatten sie Glück. In der Gemeinsamkeit gelang es ihnen schon am ersten Tag ein Schaf zu reißen. Doch die beiden wurden übermütiger und die Menschen hassender.
Und dieser Hass gab ihnen Macht. Macht über Sieg oder Niederlage zu entscheiden. Der Stärkere gewinnt. Wie wilde Krieger machten sie sich mit Gewehren und Äxten blutrünstig auf den Weg. Gegröle und Gejauchze erklang auf den gefrosteten Wegen. Einen erwischten sie sofort. Eine Kugel traf ihn am Hals und er verendete qualvoll.

Stolz war der Schütze auf sich und andere klopften ihm anerkennend auf die Schulter. Er hatte von Angesicht zu Angesicht zum Schlag ausgeholte und schon der erste Treffer saß. Der zweite Wolf entkam und rannte so lange, bis er halbtot in den Schnee sank.
Er vermisste seinen Gefährten und es machte ihn traurig, dass er nicht helfen konnte.

In der Not ist jeder allein. Vielleicht hätte er damit rechnen müssen, dass manchmal der Mensch unberechenbar ist und damit das Ruder aus der Hand gleitet. Angstvoll blickte er sich um. Hier war er schutzlos allem ausgeliefert. Aber hatte Flucht überhaupt noch einen Sinn? Aber kampflos wollte er sich nicht ergeben. Etwas weiter weg sah er den rettenden Bergwald schon vor sich, steil und mühselig zu ersteigen.
Es war ein Test für ihn selbst, überleben oder sich zum Sterben ergeben. Nur die Gegebenheiten forderten bereits ihren Tribut. Sie hatten ihn ausgesaugt und er war noch nicht einmal mehr zur Gegenwehr bereit. Ein wenig kraftlos zog er sich selbst hoch und stand bereits zum Lauf bereit, als der erste Schuss fiel. Er warf den Kopf in die Höhe und hob die Pfoten um den ersten Schritt zu tun.
Das Blut färbte den Schnee unter ihm rot, aber er spürte den Schmerz nicht. Hinter sich hörte er Stimmengewirr aus Flüchen und Befehlen und wieder Lachen. Mit letzter Kraft erreichte er den Schutz einer Tannenschonung. Sichtlich erschöpft erklang nur noch ein heiseres Gejaule. Hunger verspürte er nicht, nur einen leisen Stich aus dieser verdammten Wunde. Sein Herz pochte schwer und er leckte an seiner Wunde, aus der nur noch ein wenig Blut tropfte.

Am Himmel erhob sich ein blutroter Mond, der nie roter war. Die nächsten Schüsse verfehlten ihn und er schaute sie noch an, als sie mit Stöcken und Äxten über ihn herfielen. Er fühlte es schon nicht mehr. Er hörte auch schon nicht mehr ihr Lachen und Grölen, auch nicht mehr ihren Gesang.
Er spürte nicht einmal mehr ihren Hass nur noch unendliche Ruhe. Der Mond hing immer noch blutrot oben am Himmel und sein Licht spiegelte sich in den gebrochenen Augen des Wolfes wider.

***

inspiriert durch:

“Wohl dem, der ein mitfühlendes Herz findet, das mit gebanntem Interesse lauscht, das an manchen Stellen zusammenzuckt, sich selbst kurz von den Schmerzen berühren läßt, ohne unter der Bürde zusammenzubrechen und dann selbst um Hilfe zu rufen. Durch selbstloses, aber aktiv mitfühlendes Zuhören wird die Erfahrung gemacht, daß man nicht mit allem allein fertig werden muß!” (Clarissa Pinkola Estés – Die Wolfsfrau)

02
Feb
10

Lieblingszitat

“Was stellst du dir eigentlich unter dem Sieg einer Katze auf dem heissen Blechdach vor?” – “Einfach draufzubleiben, verstehst du? Solange es mir möglich ist.”
Ich mag dieses Filmzitat von Maggie an Brick.
Wahrscheinlich weil ich sehr viel davon weiß.  Niemals aufgeben, nicht sich selbst und niemals den Kampf um etwas wofür es sich zu kämpfen lohnt. Solange es möglich ist.

Oder das Gespräch zwischen Brick und seinem Vater:

„Weil ich will, dass etwas von mir weiterlebt. Es soll mit dem Tod nicht alles vorbei sein. Mein Vater hat mir einen einzigen, armseligen alten Koffer hinterlassen. Und soll ich dir sagen, was darin gewesen ist? Nur eine zerrissene, alte Uniform aus dem spanisch-amerikanischen Krieg. Das war sein einziges Vermächtnis, also gleich Null. Und dann habe ich diese Plantage aus dem nichts aufgebaut.“

„Ist das alles, was er dir hinterlassen hat?“

„Ja, er war ein Landstreicher. Der bekannteste Vagabund, der die Güterwagen unsicher machte. Manchmal hat er auch als Landarbeiter gearbeitet. Ich war immer bei ihm. Ich saß auf der Erde und wartete, dass er mir was zu Essen bringen würde. Ich kannte nur Hunger. Das selt-same war, ich habe mich für ihn geschämt. Ich war neun Jahre alt, da fuhren wir mit Güterwagen durchs ganze Land. Das ist dir erspart geblieben und vieles andere auch. Du wirst mich nicht einmal so begraben müssen, wie ich ihn. Ich habe ihn auf einer Wiese neben dem Bahn-gleis begraben. Wir rannten einem Güterzug hinterher, als sein Herz versagte. Du wirst es nicht glauben: Er hat gelacht, als er starb.“

„Worüber hat er gelacht?“

„Vermutlich über sich selbst. Ein richtiger Vagabund, nur leere Taschen, kein Geld drin, keine Zukunft, keine Vergangenheit.“

„Vielleicht hat er deswegen gelacht, weil er glücklich gewesen ist, Vater. Glücklich, weil du bei ihm warst. Das machte ihn froh, weil er wusste, dass er gar nicht einsam sein konnte.“

„Ach, ich will nicht darüber sprechen. Ja, ich habe ihn geliebt. Solange ich denken kann, habe ich nichts mehr geliebt als diesen alten Vagabunden.“

„Und du sagst, er hat dir nichts weiteres hinterlassen, als einen schäbigen Koffer mit einer zerrissenen, alten Uniform?“

„Und ein paar Erinnerungen.“

„Und Liebe.“

„Ja, das natürlich auch. Ich habe jetzt keine Angst vor dem sterben mehr. Ich habe den Mut zu sterben. Aber hast du auch den Mut zu leben?“

„Ich weiß es nicht.“

„Wir könnten es versuchen. Wir wollen damit anfangen, dass wir uns gegenseitig die Treppe hinauf helfen.“

26
Jan
10

Bei der Tante

Seltsam, man könnte kaum vermuten, dass die Beiden manchmal auch wie Hund und Katze sein können;-)
Wenns drauf ankommt sind sie aber einfach ein Herz und eine Seele.

Kiki ist zwar noch ein wenig blass um die Nase, aber mit guter Pflege bekommen wir sie schon wieder auf die Beine.

25
Jan
10

Fragendes

Ich hab geträumt, ich wär aufgewacht und hab mit zuen Augen neben mich gegriffen doch da war nichts als die Kissen ich wußte : Du bist weg. Da war eine weit offene Straße. Da war ein tiefer Krater in meinem Herz & versteckt unter all dem Schmerz die Chance auf ein neues Leben. Ich kann mir nicht helfen : ich werd die Frage nicht los, hat der altbekannte Mann, der nur mal eben Zigaretten ziehn wollte und dann nie wieder kam wirklich bevor er verschwunden ist Zigaretten gezogen oder hat er gelogen ?

[aus Liwas Texten]

24
Jan
10

Danke Mum

Abschied nehmen
Still und leise bist Du einfach gegangen. Genauso wie auch Dein Leben war.
Du fehlst…. Du bist einfach gegangen. Still und leise wie es immer Deine Art war.
Auch wenn ich es schon lange gewusst habe, war ich doch auf diesen Tag nicht vorbereitet.
Bis heute will ich es noch nicht wahrhaben, dass unser gemeinsamer Weg beendet ist.
Einen Tag vorher war ich noch bei Dir.
Aber irgendwie warst Du schon ganz weit weg.
Ich hab noch einmal in Deine Augen geschaut. Wollte Dir so viel sagen.
Aber ich wußte, dass ich nichts sagen brauchte. Deine Augen waren so müde.
Aber als ich ging, schautest Du mir lächelnd hinterher. Dieses Lächeln werde ich bei mir behalten. Es war das Lächeln einer Mutter, die Abschied nimmt.
Dir hab ich so viel zu verdanken. Eine behütete Kindheit auch wenn es manchmal nicht einfach für Dich war.
Am meisten erinnere mich an Dein wärmendes Lachen. Du konntest so fröhlich sein, auch wenn Dir oftmals gar nicht danach zumute war. Trotzdem warst Du immer mein ganzer Halt,
immer für mich da.
Deine Liebe war grenzenlos. Dein eigenes Leben hast Du immer hinten angestellt, selbstlos wie Du  warst.
Mit all meinen Sorgen und Problemen bin ich immer zu Dir gekommen.
Dein Rat war mir wichtig.
Wie oft hab ich in Deinen Armen geweint. Und wie oft hast Du mich immer wieder aufgefangen. Hast mir immer wieder Mut zugesprochen, meinen Weg zu gehen.
Und mir schwirren immer wieder Deine Worte im Kopf:
“Wer bin ich?” fragte ich dich.
“Du bist wie immer der Narr,” hast du geantwortet.
“Was bleibt am Ende, wenn die Nebel das Nichts übriglassen?” ,fragte ich dich.
“Schau in den Spiegel,” hast du gesagt.
“Bin ich wichtig?” habe ich gefragt.
“Gib dir selbst die Antwort,” hast du gesagt.
“Ich habe manchmal Angst,” habe ich dir erzählt.
“Akzeptiere dich, und schau der Wahrheit ins Gesicht,” war deine Antwort.
“Mir ist kalt,” sagte ich.
“Nimm dir eine Decke,” erwidertest du.
“Wie ist es dort, wo Du jetzt bist?” habe ich gefragt.
“Pass auf dich auf, Kindskopf!” hast du gesagt.
“Hört das niemals auf?”, schaute ich dich fragend an.
“Erst wenn du dich selbst nicht mehr in die Flucht denkst, so wie du es immer tust, wenn deine Angst dich zu besiegen droht”, gabst du mir zur Antwort.
“Was kommt danach?”, war meine Frage.
“Setz einfach immer einen Schritt vor dem anderen. Auch der Phönix wird immer wieder neu geboren. Und wenn er sich aus seiner Asche erhebt, ist er stärker als jemals zuvor.”

Ich weiß, Du hast Dir viele Sorgen immer um mich gemacht, weil Du wußtest, dass meine Stärke zu oft simuliert war.

Aber Du hast immer hinter mir gestanden. Warst einfach immer da.
Wenn es sein musste hast Du mir auch den nötigen Tritt gegeben.
Von Dir konnte ich es annehmen. Klar hatten wir auch mal Streit. Immer dann, wenn wir beide versuchten unseren Dickkopf durchzusetzen.
Wir waren uns in jeder Hinsicht sehr ähnlich. Da blieben auch Meinungsverschiedenheiten nicht aus.
Ich war auch wütend über dich. Aber das ist irgendwie schon lange vergessen.
Unserer Liebe aber waren wir uns immer sicher. Ohne wenn und aber…
Heute bist Du nicht mehr da. Und Du fehlst mir. Deine Liebe fehlt mir.
Deine Schulter zum Anlehnen und Deine verstehenden Augen. Ich bin traurig, auch wenn ich Dir immer versprochen habe nicht zu weinen. Ich weiß nicht, wo Du jetzt bist.
Ich hoffe nur, dass es Dir gut geht. Es bleibt viel von Dir zurück.
Und das werde ich mir bewahren. Ich hätte Dir gerne noch einmal Danke gesagt.
Es tröstet mich nur, dass ich es Dir immer gezeigt habe.
Es waren keine Worte mehr nötig….
Meine Liebe wird Dich auf Deinem Weg begleiten.
Danke Mum für Alles.

22
Jan
10

sternenlachend

Marie war immer schon eine Träumerin.

Ich glaube daraus zog sie ihre Kraft, um auch über Unwegsamkeiten leichtfüßig gehen zu können und den Blick nach vorne nicht zu verlieren.

Sie gehörte nicht zu den Menschen, deren Schritte stockten, weil die Furcht davor in die Irre zu gehen größer war als das Wissen, dass auch Irrwege uns weiterbringen.

Für Marie war es wichtig, aus allem was ihr begegnete die Essenz zu ziehen,  um sie zu verinnerlichen.

In ihren Träumen gab es so etwas wie ein Paralleluniversum, wo sie es schaffte, unbehaftet und frei zu atmen und der Horizont einen Grenzwall bildete, der die Angst außen vor ließ.

Und es war ein gutes Gefühl frei atmen zu können, so unbefangen und nicht von den eigenen dunklen Gedanken gefesselt.

Dort träumte sie sich die Welt bunt in Sonnenblumenfarben, die es zuweilen sogar vermochten in die Wirklichkeit rüberzuziehen, weil man festhalten will, das was wichtig ist.

Auch wenn Marie wusste, dass man nichts halten kann, wenn Wege sich gabeln, holte sie sich wenigstens in diesen Träumen die Freiwilligkeit des Bleibens.

Maries Augen waren blau. Blau wie ein Bergsee, auf dem der Nebel alles Dunkle überdeckt.

Sie strahlten immer etwas von Melancholie aus, die einen mitriss und gleichzeitig traurig machte.

Wenn diese Augen einen anschauten, spürte man Fragen darin. Fragen, die sie aber nie stellte, vor allem nicht nach dem Warum.

Vielleicht wusste sie die Antworten manchmal auch schon viel früher, noch bevor sich fragend etwas vor sie erhob.

Ihre Träume holte Marie sich mit ihren gemalten Bildern in die Wirklichkeit.
Marie malte so eindringlich und auf der Leinwand spiegelten sich Geschichten wider.
Geschichten, die mit Worten nicht besser hätten ausgedrückt werden können.
Als ich damals das Bild sah, das sie von mir gemalt hatte, wusste ich, dass sie mich wirklich sah, so wie kein anderer es danach fertig brachte.
Es war ein Bild ohne Maske, das mein Innerstes nach außen kehrte. Es war ein Bild in Oran­getönen, die nach außen hin in ein tiefes Rot übergingen und sogar noch von einer inneren Zerrissenheit getragen wurden.

Das Bild wirkte insbesondere durch das Verschwimmen der Konturen, so als würde man versuchen ein flüchtendes Tier mit der Kamera einfangen, was nie zu gelingen vermag..
Lange Zeit hörte ich nichts von ihr. Ich glaube, es war eine Zeit, in der sie sich von allem ent­fernte, vielleicht weil sie ihren eigenen Weg folgen musste, den ich nicht wirklich verstand.
Irgendwann traf sie ihn. Woher er kam, hatte sie nie erzählt.
Er war von Anfang an ein Fremder, dessen Mauern wohl nur Marie durchdrang.
Ich glaube Claude hieß er und malte genau wie Marie.
Seine Bilder waren von seltsamer Schönheit in wilden Farben mit sehr viel Schwarz, kraftvoll aber wirr auf die Leinwand gebannt.
Alles was er tat erschien irgendwie seltsam, aber Marie verstand ihn, vielleicht weil sie sich die Mühe gab und ihn so annahm, wie er war. Ohne Fragen zu stellen, selbst wenn es noch so in ihrem Innersten brannte.

Wichtig war, dass Marie in der Zeit mit ihm sehr glücklich war.
Sie sprach nie viel darüber.
Nur einmal, als sie anrief, spürte ich, dass die beiden sehr viel verband. Sie war sein Halt und sein Anker hier. Bei ihm war sie stark und er nahm es an, ohne zu hinterfragen und sie zeigte es niemandem, nicht einmal sich selbst
Sie sah so viel in ihm, und gab vor allem Liebe, ohne zu nehmen.
Und sie nahm sich selbst nicht so wichtig. Es gab ihr viel mehr, wenn sie spürte dass sie ihn glücklich machte und er ihr dafür ein Lächeln schenkte oder auch mehr.

.
Irgendwann sagte Marie mir mal, dass sie mit ihm die Sterne lachen hören konnte.
Da wusste ich, dass sie glücklich war.
Er wusste oft nicht wohin, und suchte nach einem Sinn, den er in aller Sinnlosigkeit nie fand.
Es war im Sommer, als er ging.
Auch wenn er das einzig Wichtige für Marie war, sie heimlich für sich alleine leise litt, nahm sie sein Gehen als solches an, ohne nach dem Warum zu fragen.
Nur ihre Augen schauten hin und wieder ein wenig traurig und man konnte Fragen darin erkennen, deren Antworten aber niemals wichtig gewesen wären.

Manchmal sah ich, wie ihr Kinn ein wenig zitterte, weil es sie viel Kraft kostete, stark zu sein.

Es war ihr letztes Geschenk an ihn, dass sie ihn mit einem Lächeln gehen ließ.
Erst lange Zeit danach begann Marie wieder zu malen. Die Farben waren viel kräftiger aber auch leuchtender als früher, nur hinzu kam hin und wieder ein Schwarz auf dem man gelbe Sterne lachen sehen konnte.

20
Jan
10

die Lämmer schweigen

Und dann erscheint mir wieder im Traum dieses weiße sterile Zimmer wo dieses monotone Geräusch des Apparates mich fast um den Verstand bringt.
Meine Gedanken legen mühelos weite Strecken zurück ohne jegliches Hindernis im Weg, verfangen sich selbst und geben sich den Dope für die nächste Runde.
In meinem Innersten fließt glühendheiße Lava und raubt mir den Atem.
Kopflos beginne ich zu laufen um meinen eigenen Schatten zu jagen.
Und dieser schwarz gekleidete düstere Mann steht immer noch  am Fenster und beobachtet mich hämisch grinsend. Er begreift es einfach nicht .Und dennoch greift er schnell zu den Wolken um mir den Mund zu stopfen.
Im Trommelwirbel des Ave Marias peitschen seine Worte mir ins Gesicht und ich fühle wenigstens noch den Schmerz seiner falschen Anschuldigungen um für sich selbst einen Grund zu haben vor mir zu fliehen.
Ja so mache ich es ihm leicht und bejubele frenetisch seinen Abgang.
Irgendwie bin ich zu schnell für mich selbst und hab Mühe mir zu folgen.
All diese nutzlosen Jahre, wo dieser Mann gewartet hat auf etwas, wo er genau wusste, dass es nie passiert.
Er hat verlernt sich selbst zu bedauern und konnte nie danke sagen, weil der Hass stärker war, als das was er bekam. Unruhig wischt er sich das Blut aus den Mundwinkeln und geißelt sich selbst.
Dann nahm er mich in seine Arme und seine Hand drang bis zu diesem viel zu schnell schlagenden Herz um ihm den richtigen Takt zu zeigen.
Und draußen scheint dieser Mond, der dich auch nur anlügt, und trotzdem schlägt mein Herz immer noch, laut und viel zu schnell.
Liwa erzählt mir die Geschichte von seiner Mutter, die noch einmal im Meer baden wollte, bevor sie starb und ich halte einen Stein in den Händen in den ich mein Herz für dich einmeißele und sentimentale Worte einritze .
Es ist nicht die Zeit für große Worte, für Rechtfertigung noch weniger.
Keiner ist sich einer Schuld bewusst.
Alles ist eh gesagt. Man hat sich eine Meinung gebildet und ich bin zu müde um nach einer Rechtfertigung zu suchen, deren Worte an der Mauer des schon vorhandenen Hasses abprallen würden.
Hier im Zimmer ist es still und der Mann steht immer noch am Fenster und klagt mich an, dass ich Schlangen getötet hätte. Ich hab nie Schlangen getötet oder ich habe es vergessen. Oder waren es die Lämmer, die schon schwiegen, weil die Luft zum Ersticken trocken war.
Und dann schau ich ihn an, präge mir jeden Zentimeter seines Gesichts ein, um nicht zu vergessen. Und er wusste doch wovon ich rede, denn er drehte sein Gesicht weg bevor sich seine Hände um meinen Hals legten.
Vorher hatte er noch in diesem kleinen roten Buch gelesen, dessen Seiten mein Leben war. Dann ließ er jede einzelne Zeile zu Staub zerfallen, weil sie ihm keinen Gedanken wert waren.

Und im Traum sehe ich, dass alles um mich herum zu Eis gefriert und ich sehne mich nach dir und nach der Glut des Feuers.
Und dann sehe ich dich am See unten und wir starren in den Himmel wo 6 Flugzeuge ein Hexagramm zeichnen, die Gitterstäbe hinter denen wir uns verstecken.
Und wir flüstern von Gefühlen und ich glaube dir.
Im Traum höre ich die Sterne lachen und ich weiß, dass ich keine Angst mehr vor diesem schwarz gekleideten Mann zu haben brauche.
Und all diese Sterne am Himmel sind gefallene Könige und eigentlich sind sie nicht mehr als Licht.
Das Surren des Apparates wird leiser und immer leiser und ich spüre, dass alles um mich herum in der Stille versinkt.
Und nur diese eine Stimme, die ich so liebe,  hält mich fest.

13
Jan
10

Ohne Worte




Ich bin ein seltsames Mädchen... Meine wilden Träume, die ich bis zum Morgen während dem Vollmond hab, werd ich für immer für mich behalten.

 

Februar 2010
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