Arsfendi's Weblog

Donnergrollen

Juli 6, 2009 · 7 Kommentare

„Du hast irgendwas, nicht wahr?“

Es war nicht wie sonst und für Veränderungen hatte sie mit der Zeit ein Gespür bekommen.
Schweigen war nie unangenehm gewesen, zumindest damals nicht. Nur heute ergab sich ein Gefühl, dass er etwas sagen wollte, aber einfach nicht die richtigen Worte fand.
Gerne wäre sie ihm entgegengekommen, um der Leichtigkeit Willen, die sie sonst immer verband, aber er schaute an ihr vorbei und verpasste sie Meter für Meter.

 „Nein, es ist alles gut.“

Erstaunt sah sie ihn an. Es passte nicht zu ihm.
Er würde sie nicht absichtlich verletzen wollen, aber es war die Direktheit, die ihn ausmachte.
Er versteckte sich nie hinter Ausflüchten und wollte in seiner Ehrlichkeit auch den Schmerz niemals verhindern.

 Das Donnergrollen war schon in der Ferne zu hören.
Sie verspürte die Gänsehaut, die dieses Geräusch verursachte und wusste, dass auch dieses Mal die Furcht nichts aufhalten konnte.
Dennoch schloss sie die Augen, um wenigstens der Grelligkeit des Blitzes ein wenig entgehen zu können, auch wenn sie bereits ahnte, dass es ein sinnloses Hinterfangen sein würde.
Blitze schlugen gnadenlos am Himmel auf und Spannung musste sich entladen, ohne Rücksicht auf das ängstliche Gemüt.
Regen prasselte bereits seit Stunden gegen die Fensterscheibe.
Sie hatte längst aufgehört die Tropfen zu zählen. Die Wassermassen würden die Luft reinigen, so wie es sein musste. Und sie taten es ohne Unterlass.

Vielleicht war es gut, es lag oft so viel Schmutz auf allem was ihr Auge wahrnahm, und sie wollte nicht mehr. Dabei war es keine Resignation, vielmehr eiserner Wille dem jetzt erst recht zu folgen, um damit den Visionen Ziele folgen zu lassen.
Da gab es Träume, die es wert waren sie vor Augen zu sehen, wie einen Film der sich aus Momenten zusammensetzte und von Frequenz zu Frequenz der Wirklichkeit näher kam, weil die Bilder klarer wurden.
Sie waren durchsetzt von Wünschen, die sich der Zuversicht hingaben der Erfüllung nahe zu kommen.
In den Träumen wurden sie real und niemand konnte sie nehmen auch wenn dies ihre Angst war.
Trotzdem wusste sie, dass sie sie für keinen Preis hergeben würde, nicht einmal für Zins und Zinseszins.
Früher hatte sie Angst um ihre Träume. Angst davor, dass sie derer beraubt werden könnte.
Immer wieder kämpfte jeder einzelne von ihnen mit Widersachern wie Hass, Neid und Gier, dann wenn er in die Realität tritt um die Erfüllung zu suchen.
Oftmals war es ein Kampf bis aufs Blut, und sie wurde stärker je mehr die Realität sich als Gegner entpuppte.
Alles konnte man ihr nehmen, aber ihre Träume gehörten ihr. Und das machte sie stark.
Vor allem im Bewusstsein des Wertes ihrer Träume, konnte sie selbst ihre Zuversicht steigern und Paroli bieten.

„Ich werde gehen. Da ist einfach nichts mehr.“ Ganz ruhig und sachlich sprach er die Worte aus.

 „Ich weiß.“

 In Gedanken nahm sie ihre Jacke und schloss die Tür hinter sich.
Der Regen würde ihr gut tun und mit ihm der Wind, der vieles mitnehmen würde.
Es war gut, dass sie sich beide keinen Platz für Täuschung und Sinnlosigkeit gaben. Alles war gewollt und ehrlich sich selbst gegenüber.
Der Regen schlug ihr ins Gesicht und sie ließ es geschehen ohne sich zu wehren und zu schützen.
Es gebrauchte keinen Schutz, weil sie sich selbst dem hingab die Dinge so zu nehmen wie sie sich ergaben.
Für den Moment war es sogar herrlich dem Blitz entgegenzugehen und zu spüren, wie er über ihr die Spannung entlädt du nicht einmal das Grollen des Donners machte etwas aus, selbst als es ohrenbetäubend immer näher zu kommen drohte

Sie hatten es wenigstens versucht und es gab einiges, was man mitnehmen konnte.
Irgendwann wird es aufhören zu regnen, auch wenn immer wieder Wolken sich bilden werden. Das ist der Lauf der Dinge, den es nicht zu ändern gilt.

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Abenddämmerung

Juli 5, 2009 · Kommentar schreiben

veranda

 

Es war kühl. Ein frischer Abendwind zog vom Meer her auf. Wie lange saßen wir jetzt hier schon und ließen unseren Gedanken freien Lauf.
Das sanfte Klingen beim Zusammenstoßen unserer Rotweingläser unterbricht kurz die Stille und ich schaue dir zu, wie du den Rauch der Zigarette in kleinen Ringen in die Luft bläst. Ganz entfernt war ein leichtes Donnergrollen zu vernehmen und trotzdem fühlte ich mich sicher hier so neben dir, wo sich nur unsere nackten Beine leicht berührten.

Es war schön dich hier neben mir zu wissen, auch wenn ich wusste, dass morgen wieder alles anders sein würde. Wege kreuzen sich, vielleicht führen sie auch einige Zeit in die gleiche Richtung aber genau so gut können sie sich auch wieder voneinander entfernen. Wichtig war, wir hatten unseren eigenen nie verlassen, sind immer gerade weitergegangen, haben uns gegenseitig ein wenig begleitet, vielleicht auch manchmal gezogen. Nichts erzwungen, ab und zu mal angehalten um zu sehen wo der andere gerade stand.

Es war eine wärmende Zeit, voller Innigkeit und Nähe. Hier hatte alles begonnen, und wie schnell doch die Zeit verflogen war. Selbst jetzt gerade hatte das Wasser schon wieder unsere Fußabdrücke im Sand verwischt. Voller Zärtlichkeit nimmst Du meine Hand und drückst sie fest. Unsere Blicke treffen sich und es ist so wie immer ein Verstehen ohne Worte. Wie früher so oft lege ich meinen Kopf an Deine Schulter und du streichst mir sanft über das Gesicht. Nur um noch einmal diese Nähe zu spüren, die vielleicht schon gar nicht mehr real war. Es war schön Dich hier und jetzt zu spüren. Alles was von Dir ausging war so voller Zuversicht und Stetigkeit. Schweigend sahen wir uns an, und wussten, dass unsere Gedanken jetzt und hier den gleichen Weg in eine gemeinsame Richtung gingen. Es war nicht wichtig, was morgen sein würde.
Auch wenn ich das erst sehr spät begriffen habe, aber Deine Stärke war immer die Geduld.
Wie oft hatte ich vorher Dinge gemacht, im Glauben andere würden sie erwarten, und habe es damit zur selbst aufgezwungenen Pflicht gewandelt. Geduldig hast Du mir aufgezeigt, dass es eher hemmt, wenn man eigene Denk- und Handlungsweisen als Erwartungen auf andere projiziert.

Du hast nie versucht mich zu ändern, hast mich so akzeptiert wie ich war. Selbst als du merktest, dass mein Weg nicht gerade der ebenste war, hast Du nicht versucht mich auf einen anderen zu ziehen. Für Dich war immer die Erfahrung wichtig, die jeder für sich alleine machen muss. Meine Finger berühren leicht Deine Wangen und ein wenig Wehmut kam auf. Da war es wieder, Dein Lächeln, so wie sonst wenn Du mir Mut machen wolltest für einen neuen Versuch um Anlauf zu nehmen, wenn der Weg zu steil wurde. Ja, Aufgeben gab es nie für Dich und genau das nehme ich mit. Ich hatte ja gelernt, dass es auch so oft gelingen kann, über sich selbst hinauszuwachsen. Heute kann mir auch ein Fehler nichts mehr anhaben. Es sind, so wie Du es immer gesehen hast, Erfahrungen, die man machen muss, um das Richtige zu erkennen.

Unsere Weg liefen nur ein kurzes Stück zusammen und in eine Richtung, aber es reichte um etwas zu verlieren. Trotzdem ist da ein gutes und stärkendes Gefühl, selbst jetzt an dieser Weggabelung, vor der wir gerade gemeinsam stehen. Langsam gehen wir Hand in Hand zum Wasser runter. Nein, wir werden uns nicht fremd werden, auch wenn unsere Wege jetzt Stück für Stück auseinander gehen. Genau wie damals, als du einfach so gingst, weil es einen neuen Weg für dich gab, der nicht für mich bestimmt war.
Der Wind weht uns jetzt schon ein wenig stärker ins Gesicht, und das Wasser an den Füßen ist eisigkalt. Nur um uns herum ist Wärme, die uns wie in einem Kokon einwebt.

Ein ganz winziges Stück gehen wir hier und jetzt noch gemeinsam. Vier Fußabdrücke im Sand, die aber jetzt schon wieder im gleichen Augenblick vom Wasser verwischt sind. Und es spielt keine Rolle, denn es wird sie immer wieder neu geben, mal etwas enger nebeneinander aber auch hin und wieder in großer Distanz.

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Begehrlichkeit

Juli 4, 2009 · Kommentar schreiben

Für den einen bin ich das seltsame Mädchen
DU aber nennst mich verrückt.
Unbegreifbar und nicht zu fassen sagen andere, deren Verständnislosigkeit mich nicht berührt.

Was ich letztenendlich wirklich bin,
offenbart sich nicht einmal mir selbst.
Und dabei genieße ich jede Sekunde,
in der die Steine sich in mir drehen.
Denn sie sind Deine Spur.
Und wenn sie aneinanderreiben,
sprühen Funken, die mich verbrennen.
Letztenendes bin ich einfach nur verrückt,
denn die Normalen kommen mir seltsam vor.

Es ist der Raum der Phantasie, der genau in diesen magischen Momenten
die Türen zur lebendig empfundenen Realität öffnet. Nur fassbar für dich und mich als Protagonisten in diesem Raum.
Es sind all die Bilder, die fassbar nah kommen, vermögend das Erleben real zu erzeugen.

Irgendwann sind wir uns begegnet.
Du warst einfach da und setztest Dich fest. Wehren war sinnlos, denn jedes Wort drang
ein und verankerte sich tief.
Worte, mit denen Du mir begegnetest, ohne zu wissen und zu fragen wer ich war, bin oder sein werde.
Niemals ein Erfragen der Konsequenz aus der Zufälligkeit heraus.
Denn jede Frage hätte dem folgenden Wort die Möglichkeit des noch tieferen Eindringens genommen und uns den Blick für den anderen geraubt.

Und ich wollte von Anfang an, dass Du mich anschaust. Mich anschaust mit einem Blick, der tiefer geht als nur zur äußeren Schale, oder der möglichen Maske, die ich vielleicht anlege um nicht mein Innerstes nach außen zu kehren.
Wir sind uns begegnet und Du schautest mich an.

Begehren? Wir begehren nicht was wir sehen, sondern das, was wir uns vorstellen.
Ich stehe vor Dir in diesem schwarzen Kleid mit den Trägern, die an den Schultern
herabhängen. Mein Blick ist auf Dich gerichtet und Du weißt nichts von dem was ich denke und was das Kleid verhüllt.
Und trotzdem begehrst Du mich, so wie ich Dich.
So wie Du vor mir stehst, regt sich was in mir.

Es ist nicht der Wunsch zu besitzen, etwas was man niemals besitzen kann. Es ist nicht die bloße Hülle, die ich vor mir sehe.
Genau wie Du vermag ich es ganz tief zu blicken.
Die innere Berührung streichelt mir über die Haut, und richtet jedes einzelne Härchen auf
und erzeugt eine Gänsehaut die den Blutfluss nach Außen kehrt.
Ich sehe Dein Begehren in den Augen, die mir über den Körper fahren und ich weiß, dass es nach Berührung verlangt, wo wir so weit von einander entfernt stehen.

Dieses Begehren war ein freies Gefühl, nicht abhängig von Besitzen, vielmehr freier Wille der Hingabe jenseits von Konventionen und jeglicher Grenzen.
Es war ein Begehren, was uns umgab in einem Raum ohne Materie, mit der Kraft der Gedanken, die Dich zu mir hinbringt, spürend ohne zu berühren.
Ein Raum in dem nichts weiter existierte als das obskure Objekt der Begierde und alles andere an Bedeutung verlor.
Du schaust mich nur an, so wie ich Dich mit meinen Augen betrachte. In Gedanken ziehst Du mich aus, streichst über meine Haut, vermischst Zärtlichkeit mit Wildheit und Ekstase.
Du schwitzt mit mir und unsere Schweißperlen vermischen sich ohne dass sich unsere Körper berühren.
Wir hören uns schreien und Stöhnen im wechselseitigen Rhythmus und wir flüstern uns die Dinge in den Nacken, die kein anderer verstehen würde.
In Wirklichkeit knien wir uns gegenüber, sagen kein Wort um die Stille nicht zu
unterbrechen um damit einzig dem Fühlen den Vorzug zu geben.
Ich stelle mir vor, wie Deine Hände mich berühren, langsam über meinen Körper streichen und Dein Mund und Zunge keine Stelle auslassen.
Ich spüre, wie sich mein Körper Dir entgegenstreckt um sich in Dir fallen zu lassen.

Begehren, ja ich begehre Dich mit jeder Faser meines Körpers und ganz tief in mir drin.
Ich sehne mich nach Deiner Berührung, nach Deinem Atem und Deiner Gier.
Und Du spürst es. Du fühlst, dass mein Körper nach Dir schreit.
Ich schreie nach Dir und bettle um die Vereinigung, um zu vollenden, was in meiner
Vorstellung immer und immer wieder sich vollzieht.
Und Du fühlst es obwohl kein Laut meine Lippen verlässt.
Du schaust mich an und blickst tief. Genau wie Du weiß ich, dass es nun nichts mehr zu sagen gibt.
Das Fühlen ist so viel mehr.
Es gibt nichts zu bekennen.
Die Freiheit meines Gefühls für Dich besteht darin, nichts zu erhoffen oder zu erwarten.
Wer so wie wir imstande ist, Lust und Begehren zu empfinden ohne den anderen zu
berühren, der fühlt.
Ich habe für mich selbst dieses Gefühl für Dich gewählt, weil ich frei bin, frei von Dir und auch von mir selbst.
Und es fühlt sich gut an, genau so gut wie Du Dich anfühlst, wenn ich Dich in Gedanken
vor mir sehe und mit meinen Lippen über Deinen Körper streife und Dein Begehren immer tiefer in mir spüre.

Es bedarf keiner Erklärung und es gibt nichts zu bereuen, solange wir das Begehren in uns spüren und es als solches ehrlich empfinden.

 

***

In meinem Leben ist mir schon so mancher Fehler unterlaufen.
Mehr kleine als große, aus meiner Sicht heraus. Schlimm ist es natürlich dann, wenn meine Fehler auch Auswirkungen auf andere haben.
Das war dann die Zeit für mich etwas zu bereuen, Bedauern zu zeigen für mein Tun und Handeln.

Für mich persönlich gilt aber immer wieder [unter Ausschluss des obigen]: Besser zu genießen und zu bereuen, als zu bereuen, dass man nicht genossen hat. Oder anders ausgedrückt: Es ist besser zu handeln und dann zu bereuen, als zu bereuen, nicht gehandelt zu haben. Mag dies ein Fehler sein oder nicht.

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Ohne Groll

Juli 3, 2009 · Kommentar schreiben

Als du damals gingst, einfach so ohne ein Wort, war ich so hin und her gerissen. Zuerst wusste ich nicht, ob ich eher lachen sollte oder ob es der Situation angemessener wäre zu weinen. Es waren so typisch die Zweifel einer Frau, die Enge nicht ertragen kann und trotzdem zuweilen gehalten werden möchte.
Trotzdem tat sich ein kleiner Graben vor mir auf, in den ich mich im Zeitlupentempo selbst hineinfallen ließ. Ich glaube ich hatte selbst sogar noch mit Hand angelegt, um ihn tief genug werden zu lassen.
Mein Leben ging weiter und das war das was zählte. Jeder hat so seine Art mit Verlusten umzugehen. Es war ja auch nicht das erste Mal und somit wird es vielleicht auch immer leichter.

Da kann man auch noch so gut darauf vorbereitet sein, irgendwie versetzt so ein Goodbye einem einen Stich, ob man will oder nicht.
Vielleicht hätten wir auch das Gehen in unterschiedliche Richtungen ganz gut hinbekommen, wenn die Umstände es besser mit uns gemeint hätten.
Aber so gingen wir dann halt eben los, ohne uns umzudrehen und mit einer scheinbaren Gleichgültigkeit, die, so fanden wir zumindest, uns ganz gut zu Gesichte stand.
Sicherlich gab es auch Zeiten, wo ich wütend auf dich war, wo ich dich verflucht habe, weil ich meine Gedanken nicht auslöschen konnte. Somit relativierte sich auch dies wieder, weil ich dann eher streng mit mir ins Gericht gering.

Der Selbstreflektion geschuldet musste ich sogar einsehen, dass ich genauso dazu beigetragen hatte, unsere Wege auseinander driften zu lassen und ich somit nicht meine Hände in Unschuld waschen konnte.
Im Grunde genommen aber war das sowohl für dich als auch für mich eher unwichtig.
Saubere Hände hätten die Sache vielleicht ein wenig vereinfacht, aber im Selbstmitleid zu baden, hätte bei mir sich kräuselnde Nackenhaare verursacht und ich mag es lieber glatt.
Abgearbeitet habe ich dich an mir selbst. Heute zu sagen, es wäre einfach gewesen, scheint mir einer Lüge gleichzukommen.
So manche Hinterlassenschaft lag einfach so im Weg und war deswegen hinderlich. Aber mit Sturheit beißt man sich sogar da durch, auch wenn es zuweilen mal Zahnschmerzen verursacht.

Ich hab versucht dich zu hassen, mit dem Resultat, dass ich über meine eigene Naivität zu lachen begann und mich als Narren im Spiegel sah.
Ich hab mir dann lieber eine neue Haarfarbe zugelegt und die Haare raspelkurz geschnitten. Dadurch bin ich zwar nicht zu einem anderen Menschen geworden, aber doch eben anders.
Erst heute kann ich Vieles mit dem nötigen Abstand sehen und insbesondere mich selbst nicht mehr so wichtig nehmen.
Heute würde ich wohl eher meinen Mund aufmachen und nicht nur schlucken, gerade weil ich genau weiß, dass ich es war, die dich oft genug im Regen hat stehen lassen, weil Erwartungen nur einem selbst ein Bein stellen.
Ich bin mir sicher, du bist damals auch eher im Zorn gegangen und hast mich irgendwann angefangen zu hassen, weil nur das eine logische Konsequenz war, die ich auch erst heute verstehe.
Viermal bin ich jetzt schon nach unserer Zeit umgezogen und dein altes Hemd begleitet mich immer noch, genauso, wie ich auch noch immer nicht deine Mails und Nummern gelöscht habe, ohne ihnen in der Zeit danach auch nur einmal Beachtung geschenkt zu haben.. So kleine Sentimentalitäten müssen einfach sein.

Heute Morgen musste ich zum ersten Mal darüber lachen, dass kein einziges Bild von uns beiden gemeinsam existiert, was ich jemals dem Reißwolf hätte übergeben können.
Wahrscheinlich würden wir uns heute gar nicht mehr wieder erkennen. Und doch wüsste ich gerne wie es dir geht, ob du deine Oase gefunden hast und in einer Diskussion deinen Unmut immer noch zum Ausdruck bringst, indem du erst einmal tief die Luft zwischen den Zähnen einziehst.

Ob wir heute wohl zusammen lachen könnten? Ich denke schon. Nein, ich bin mir sicher.
Ich glaube schon, dass du deinen Weg einfach gegangen bist und du das Glück auch gefunden hast, welches ich dir immer gewünscht habe.

Es tut richtig gut, heute nicht mehr im Groll an dich zurückzudenken und wünsche mir nur, dass es dir genauso geht.

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Telekomik Teil II

Juli 2, 2009 · 3 Kommentare

Es könnte ja mal was zu meiner Freude glatt gehen. Aber es soll nicht sein.

Fazit eines extra genommenen Urlaubstages:

Nichts geht.

 

Am Montag hatte ich ja noch die Hoffnung, dass einfach der Brief mit meinen Zugangsdaten abhanden gekommen ist. Er sollte ja noch am gleichen Tag erneut zugestellt werden.

Aber gestern auf erneute Nachfrage hin, erfuhr ich dann, dass mein Auftrag noch gar nicht bearbeitet worden ist.

Da war dann die Rede von, sie haben irgendeine Internettelephonie beantragt, die von der Telekom nicht mehr vermarktet wird. Es wird natürlich nun neu in Auftrag gegeben mit einem neuen Telefonanschluss, wo dann jetzt nochmals 59,- Euro fällig werden, weil irgend so ein Splitter, wofür auch immer notwendig wird.

Es kann sich also nur noch um Wochen handeln.

Die nette freundliche Dame vom Servicecenter wollte mich zwar gestern auch noch zurückrufen, aber ich hab’s dann irgendwann in der Nacht aufgegeben zu warten.

Nun denn, ich harre der Dinge dann weiterhin, gewöhne mich daran, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein und versuche mich neuerdings im Rauchzeichen geben.

 

Süffisant lächeln sagte ein besonders lieber Kollege dann heute morgen zu mir, wer geht denn auch zur Telecom? Bei Arcor gibt es ein supergünstiges Angebot, für 19,95 Euro all inklusive.

Na klasse!

 

 

Dafür waren die Zeugnisse der Kinder einfach superklasse.
Ich bin einfach nur stolz, auch wenn Jani zumindest an seinen Kopfnoten noch ein wenig arbeiten sollte.
Aber das sind eh für mich Noten, die ich geflissentlich überlese.

Ach ja, meine Tochter hat sich dann auch für ihre liebeswerten nächtlichen “Störanrufe”  entschuldigt und eingesehen, dass so ein Abholservice machmal auch mich nervt und es ungelegen kommt.

Wer sagts denn, geht doch!

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Sublimation

Juni 30, 2009 · Kommentar schreiben

unbenannt

 

 

Der Whisky brannte ein wenig in der Kehle, vielleicht war es auch die Zigarette, die sie durch schnelle Züge bereits schon heiß geraucht hatte. Aber es war ihr egal, oder es spielte keine Rolle, anderes brannte mehr in ihr und auch dagegen gab es nicht das richtige Mittel.
Er war schon wieder fort und sie saß alleine in diesem dunklen Zimmer, in dem nur noch Kälte zu spüren war, die auch langsam in ihrem Körper emporkroch, weil die braune Flüssigkeit ihre Innereien noch nicht genügend verätzt hatte.
Wenigstens half es ihre Übelkeit ein wenig zu überdecken, wobei der Würgereiz fast eher Erlösung versprach.

Es war totenstill in diesem kleinen Raum und dennoch verstärkte genau dies den dumpfen Ton des Hammerschlags in ihrem Kopf. In eintöniger Taktfolge pochte es von innen heraus und sie hielt sich die Ohren zu, als würde sie damit den Schmerz eindämmen können.
Im Zimmer roch sie noch seinen kalten Schweiß vermischt mit dem teuren Eu de Cologne, von dessen Duft sie früher nie genug bekommen konnte
Alles hatte sich verändert, nicht nur der Duft, oder er oder sie. Es war einfach alles, wie in eine große Schüssel geworfen, vermengt und vermischt. Es war auch gar nicht so plötzlich gekommen, eher schleichend, dafür unaufhaltsam. Nur wussten sie jetzt wenigstens Bescheid.
Vielleicht war es gut, dass Worte endlich ihren Weg gefunden hatten, auch wenn es nicht leicht war, gerade jetzt wo alles sich so tief eingefressen hatte und nach außen hin brannte.

 Gequälte Dialoge suchten sich einen  Weg, und drohten an den Worten zu ersticken, die nicht ausgesprochen wurden. Dafür ein auf lieb getrimmtes Mienenspiel, was am Ende nur noch mehr verletzte. Im Bett lag er nur noch daneben oder auch sie und dahergesagte Kosenamen stellen einander bloß.
Sie wäre jetzt gerne so was wie Heldin gewesen, fühlte sich aber schwach und klein und hätte sich am liebsten in einem tiefen Loch vergraben, um alle Gedanken unwiderruflich auszulöschen.
Aber vergraben konnte man vieles, nur nicht wegrennen vor dem was einen doch immer wieder einholt.

Auch vorher gab es immer wieder Momente, da wünschte sie sich diese Neutralität zurück, in der die Unbeschwertheit sich durch die Unbefangenheit breit machen konnte.
Keine Gedankenknoten, die sich ihren Weg durch Gehirnwindungen suchten und nichts als Schmerzen verursachten.

Sie erinnerte sich an dieses Leben in dem kleinen Ort, wo die Farben noch ein wenig fröhlicher leuchteten. In dem Elternhaus gab es immer wieder Schutz und wenn nachts die Träume kamen, war jemand da, der sie hielt. Sogar die Frage nach dem wie geht’s war ehrlich gemeint und man hielt im Schritt inne, um die Antwort abzuwarten.
Aber das war nicht die Wirklichkeit und heute war man froh, wenn man sich zumindest mit einem Lächeln begegnen konnte.

 Gedankenverloren schaute sie in die Glut ihrer Zigarette. Sie rauchte zuviel und sie hatte Angst, dass irgendwann wieder ihr Atem rebellieren würde.
Trotzdem war es gut, dass endlich alles gesagt war.
Auch bei ihm konnte sie die Erleichterung erkennen, vielleicht weil sie besser verstand, als er befürchtet hatte.
Es war ihr nie so bewusst, dass er auch immer gewartet hatte, dass sie endlich mal was sagte oder zumindest aufbegehrte, weil er ihr gar nicht so nahe stehen konnte, wie sie ihm.
Aber immer wieder war da nur dieses laute Schweigen, welches die Räume immer enger werden ließ und das Nichtwissen zur Qual machte.
Heute hatte sie zum ersten Mal geschrieen und selbst gespürt, wie sich der Ring von ihrem Brustkorb löste. Es war an der Zeit, weil das ganze Aufgestaute sie von innen aufzehrte und sie ihre Gedärme wie unter Feuer spürte und keine Luft mehr bekam.
Nie war es ihr bewusst gewesen, wie feige sie eigentlich die ganze Zeit war, nichts von dem zu sagen, was sie dachte und was fehlte.

Statt zu sagen, dass ihr kalt war, weil er sich immer weiter entfernte, und er nie Fragen stellte, weil die Antworten eh nie von Bedeutung waren, schwieg sie lieber und versuchte sich selbst zu wärmen, während sie am langen Arm verhungerte.
Im Grunde genommen war er fast schon erleichtert, als sie plötzlich anfing zu reden, denn so konnte er endlich reagieren ohne in der Schuld zu sein.
So brauchte er nicht nach Worten zu suchen, um sich von dem Ballast zu trennen, der mit der Zeit immer schwerer auf den Schultern lastete.
Ihm lag nichts an Taschentüchern und für Tristesse war keine Zeit.
In aller Leichtigkeit lief es sich besser und für Schuldlosigkeit gab es nichts zu sühnen. Deswegen ging er ohne sich umzudrehen und nicht einmal die Klinke in seiner Hand brannte heiß.
Es war eh alles gesagt und es gab Wichtigeres, zumindest für ihn.

 Der Whisky brannte immer noch in der Kehle nur konnte er leider nichts auslöschen, nichts von diesen verdammten Gedanken an das was mal war.
Staubwischen wäre jetzt gut, es hatte sich viel angehäuft und sie hasste dieses Gewirr um sich herum, genauso wie jede noch so kleine Spur von ihm. Gut wäre es, wenn sie endlich vergessen könnte, sich zu erinnern. Dann würde er endlich zum Schnee von Gestern werden und sie könnte ihn der Sublimation übergeben.

 Einzig Muck, der kleine schwarze Kater schnurrte und gab dem Raum einen wärmenden Klang, die Stille unterbrechend.
Seine grünen Katzenaugen leuchteten in der Dunkelheit. Sie liebte sie von der Form und Farbe her, und hasste sich selbst für dieses Niesen und den Druck im Kopf, die sein weiches dunkles Fell bei ihr auslösten.
Ganz vage konnte sie sich noch daran erinnern, dass sie ihm von diesem Problem mit Katzenhaaren erzählt hatte. Und dennoch kam er an ihrem letzten Geburtstag mit diesem winzigen Knäuel an und schenkte es ihr freudestrahlend.
Jetzt war es eh unwichtig, ob er ihr jemals überhaupt richtig zugehört hatte, wenn, dann war es unbedeutend so wie vieles andere auch.

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Telecomik

Juni 29, 2009 · 1 Kommentar

Noch bin ich ja vollkommen ruhig. Wirklich.
Dafür habe ich heute schon mindestens 25x bis 10 gezählt, um dann festzustellen, dass ich definitiv die Schlagzahl erhöhen sollte.

Da wird man im Vorfeld oft genug kontaktiert, um doch bitte bitte den Anbieter zu wechseln und irgendwann rechtzeitig ist man ja auch gerne dazu bereit. Birgt ja auch zu7weilen diverse Vorteile, wenn man mit dem Service des Vorgängers nicht mehr zufrieden ist.
Wenn man dann aber erst einmal unterschrieben hat, geht das Dilemma los.

Nun denn hilft ja alles nichts. Meine Zugangsdaten sind irgendwo im Nirwana verschwunden, und trotz zahlreicher Telefonate maulte dann irgendwer, dass man mir ohne Kundennummer auch nicht weiterhelfen könnte.
Ja, woher soll ich denn meine Kundennummer haben, wenn der Brief mit meinen Daten niemals angekommen ist?
Irgendwann dann nach der 4 Telefonnummer erfuhr ich dann auch, dass nur die 1. Nummer zu allem Überfluss eine kostenfreie Servicenummer war. Auf meine Handyrechnung freue ich mich dann jetzt schon.

Stand von heute abend ist dann der, dass mein Telefon und Internet morgen früh abgeschaltet sein werden und ich dann jetzt erste einmal Beschwerde bei der Post einreichen soll. Meine Zugangsdaten können angeblich auch nicht per Mail zugesandt werden. Datenschutz, versteht sich.

Ich kann schon dankbar sein, dass überhaupt noch eine Leitung wohl frei war, da man mir vorher in Aussicht gestellt hatte, dass eventuell noch eine neue vom Verteiler auf der Straße ins Haus gezogen werden müsste.

Ich finds klasse. Die Woche fängt gut an.

Also falls mich jemand in den nächsten Tagen vermissen sollte oder vergeblich telefonisch zu erreichen versucht, ich bin ab morgen irgendwo im Nirwana. Soll ja auch mal ganz schön sein.

→ 1 KommentarKategorien: Bürokratismus · Telefon · Wut

spartanisch

Juni 28, 2009 · 5 Kommentare

Bild1b

Spartanische Mitteilung

Dort in dem Ausschnitt
des grenzenlosen Nirgends
die Spiegel aufeinander einstellend
sich gegenüber

das Gesicht
zum Augapfel zusammengeschrumpft
seiner einen Handlung
des Schauens und im Schauen

stellen wir fest daß zwischen
uns und unserem Sehen
das sonst die Unendlichkeit erfassen würde

nur unsere Augen stehen
nur unser Schauen.

[Ken Smith]

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PerlenSchweiß

Juni 27, 2009 · 3 Kommentare

Nächtens schweißgebadet ruhelos den Gedankenpegel hochgeschraubt.
Ich hab so vieles gehört, von dem ich nichts verstehe.
Die Weisheit mit Löffeln nicht gefressen, dafür mir lieber die Ohren verschlossen und mir eigene Bilder gemalt.
Alles, was wahrhaft ist, und was ich letztendlich ganz sicher weiß,
ist, dass Wissen im Vergleich zum Gefühl nicht allzu viel bedeutet.
Heute würde mich das Geräusch unbekannter Schritte im Flur bereits schon zufriedenstellen.
Irgendwann ist alles vergessen. Du wirst nicht mehr wissen wer ich war,
wenn ich gegangen bin.
Und wenn ich erst vergesse mich zu erinnern, hat es uns nie gegeben, weil nie etwas war.

Manchmal kamen nachts die Träume und damit die Visionen von der Wirklichkeit, ehe der Nebel gnädig alles verschlang.
Im Traum war sie lange unterwegs gewesen, obgleich es nirgends geschrieben stand, wo die Wirklichkeit aufhörte und die Vision schon begann. Sie war eines jener Geschöpfe, die man als Ruhelose betitelte und der man es schon von weitem ansah. Eines von der man sich lieber fernhielt, aus Furcht vor Ansteckung, weil es nichts als Prophylaxe gab.
Als Konsequenz dessen, musste sie morgens bereits schon schweißgebadet von Übelkeit geschüttelt und blind beschlagen aufwachen.
Die schwarzen langen Haare hingen ihr wirr ins Gesicht und vereinigten sich mit den salzigen Perlen, die ihr wie Blut miefig riechend aus jeder Hautpore tropften.
Ihr war übel, obwohl sie nicht wusste, ob es an dem irrigen Trip der letzten Nacht. dem billigen Brandy, der jetzt noch in der Kehle brannte oder doch an dem fahlen Beigeschmack der Offenbarung des sich stets wiederholenden Traumbildes lag.
Traum und Wirklichkeit waren schon längst eins und niemand wusste an welcher Stelle alles miteinander verschwamm.
Sie war immer schon so rastlos gewesen wie heute, nur kam im Hier und Jetzt der Geruch des Verbrannten dazu, so wie es ein Rest von Asche tat, deren letzte Glut noch glimmte.
Dieser Planet gab keine Ruhestätte für sie her, weder im Gestern noch im Übermorgen.
An jeder Stelle, an jedem Ort zogen die Nebelschwaden hinter ihr her, so als wenn sie das Böse einzuweben vermochten, wie in einen Concon, in dessen Mitte sie kein Licht mehr sah.
Vielleicht war sie einer jener apokalyptischen Reiter, nur war selbst sie sich nicht sicher, auf welchem Pferd sie saß.
Die Apokalypse fand auch ohne sie statt, den Kampf zwischen Gut und Böse fochten andere aus, alle auf farbigen Pferden mit dem Ziel zu siegen oder in der Niederlage unterzugehen.

Sie hatte Visionen jenseits von dem einen und dem anderen. Dennoch war ihr bewusst, dass sie nie den Mut finden würde ihnen zu folgen. Deswegen ließ sie diese im Nebel, weil Angst ein guter Grund ist.
Nur manchmal in ihren Träumen konnte sie die Angst besiegen und setzte sich selbst damit die Krone auf, in deren Schein sie sich selbst die Ovationen zollte. Manches Problem erledigte sich von alleine.
Tausende von Vögeln wetzten ihre Schnäbel am Berg zur Ewigkeit hinter dem Universum und so kam manches früher als erwartet.

Irgendwann dann kam die Einsicht, dass Wissen im Vergleich zu Gefühlen nicht allzu viel bedeutet, und das war der Anfang vom Ende.
Sie hatte so viele Dinge gehört, die sie nicht verstand und heute würde sie das
Geräusch unbekannter Schritte im Flur zufriedenstellen.
Als sie ihm begegnete, wusste sie bereits, dass er sie eines Tages hassen und vor den Rat der Allwissenden stellen würde, die über jede Leidenschaft urteilten um sie anschließend mit Häme und Spott zu übersäen.
Nur einzig die Gleichgültigkeit ließ ihn für einen kurzen Moment stillhalten, weil sie die Magie beherrschte ihn in höhere Sphären steigen zu lassen und er ihr dafür das Gleiche gab.
Dabei war sie als Täter längst schon das Opfer, weil den Hass schon längst bereuend, standen sie sich beide in nichts nach.
Als Gnadenstoß fickten sie sich die Erinnerungen aus dem Hirn und genossen als Henkersmahlzeit das Lachen über sich selbst im Zustand der seelischen Divergenz.

Danach floh er vor ihr und sie suchte ihn in jedem anderen Gesicht. Im Traum ließ sie ihn sterben und begrub ihn unter ihrer eigenen Asche, die sie sich aus Trotz auf ihr eigenes Haupt streute.
Zum Opferlamm war sie nicht geboren.
Nur war sie schon viel zu lange unterwegs, als dass sie noch unterscheiden konnte, wo der Traum endete und die Wirklichkeit begann.
Aber als sie erwachte, hörte sie sein Lachen und ihr war fast so, als würde sie eine Hand streifen, die ihr sanft die Schweißperlen aus dem Gesicht strich und aus jeder Pore ihres Körpers loderte wie verrückt, heiß das Feuer der Leidenschaft.

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Lullaby

Juni 26, 2009 · Kommentar schreiben

Damals waren wir fünf Freunde, dort in diesem kleinen Ort, in dem wir gemeinsam unsere Kindheit und Jugendzeit verbracht hatten.
Fünf Menschen, die unterschiedlicher nicht sein konnten und die dennoch etwas Untrennbares verband.
Von diesem Leben dort, in aller Unbefangenheit haben wir wohl alle etwas mitgenommen, der eine mehr der andere weniger. Und jeder einzelne Erinnerungsfetzen war es wert geschnürt und gebündelt auf dem Rücken zu tragen, wog manches auch noch so schwer.

Marie war eine von uns. Als Freundin war sie immer irgendwie ein starker Halt für mich, vor allem dann wenn aus meiner Impulsivität heraus die Dinge aus dem Ruder liefen.
Neben Tom war Marie die Einzige, mit der ich mich wortlos verstand. Ich glaube im Danach vermochte es keiner mehr so tief zu blicken, verstehend, ohne dass ein Wort meine Lippen verließ.
Für ihre Besonnenheit habe ich Marie immer bewundert, insbesondere dann, wenn ich mir mit meiner Spontaneität selbst ein Bein gestellt habe und mein Dickkopf wieder mal gegen die nächste Wand prallte.
Ich höre Marie heute noch lachen, wenn sie mir zurief, dass ich wieder aufstehen solle um weiterzulaufen.
Und Marie lief immer. Sie hatte immer eine Vision vor Augen, die sie zum Ziel werden ließ.
Heute ist sie eine begnadete Malerin und hat damit ihren größten Traum wahr werden lassen.
Eins ihrer für mich schönsten Bilder begleitet mich bis heute.
Es ist ein sehr ungewöhnliches Portrait in Rottönen mit schwarzen Konturen. Erst auf dem zweiten Blick erkennt man, dass eine Frau darauf abgebildet ist, aus der die offene Glut von innen nach außen dringt. Im Kontrast dazu steht dieser Blick aus blauen Augen, der irgendwie ins Leere geht und damit zum Betrachter eine Distanz aufbaut, weil er Unnahbarkeit widerspiegelt.
Nach Innen gehend werden die Farben dunkler bis sie im tiefsten Schwarz enden. Die Konturen sind nicht glatt gemalt und offenbaren so etwas wie eine innere Zerrissenheit und dennoch zeugt die kräftige Farbgebung von eher starker Willenskraft.
Auch heute noch glaube ich, dass Marie mich immer durchschaut hat und wahrscheinlich besser kannte als ich selbst es vermochte.
Ihr konnte ich nie etwas vormachen und jede Maske war umsonst.
Und es war immer ein beruhigendes Gefühl Marie neben mir zu wissen. So manches Mal konnte ich in meiner Rastlosigkeit bei ihr zu Atem kommen um für den nächsten Lauf zu verschnaufen.

Als ich damals Steve kennen lernte, war mein Leben das reinste Chaos. Ruhelos schwamm ich permanent gegen den Strom und es war so als wollte ich mir selbst immer wieder etwas beweisen.
In Steve verliebte ich mich auf den ersten Blick oder ich glaubte es zumindest. Er berührte mich mit seiner Art das Leben so zu nehmen wie es ist und er brachte mich zum Lachen, selbst wenn mein Kopf durch all die Gedankenknoten schmerzte.
Er war so viel stärker als ich und ließ es mich dennoch nie spüren.
Trotzdem blieb Steve als Illusion immer unerreichbar, so weit ich auch die Hände ausstreckte um wenigstens einmal seine Haut zu streicheln, nur um zu wissen, wie es sich anfühlt.
In unserer Unnahbarkeit waren wir uns ähnlich, nur dass ich ihn dafür auch noch bewunderte, weil ich es verstand.
Ich hab nie erfahren, wie er über mich dachte und ob er nicht doch insgeheim über die Närrin lachte. Aber das war egal, ich hab ihm nie erzählt, dass ich gerne einmal in seinen Armen aufgewacht wäre mit diesem Haut an Haut Gefühl um das mitzunehmen für die Zeit nach dem Good bye.
Was blieb war ein Foto. Eine Fotografie in Blau und Moll, von der aus er mich verschmitzt angrinst, so als wolle er sagen, es hat schon alles seine Richtigkeit und so wie es ist, ist es gut.
Eigentlich ist es kein so richtiges Grinsen, eher ein wissender Ausdruck im Gesicht.
Nur Marie hat es gewusst, ohne dass ich jemals darüber gesprochen habe.
Ich war ihr dankbar, dass sie versuchte mich zu verstehen und niemals mehr darüber ein Wort verlor.
Heute höre ich oft diesen Song von Tim Hardin. Marie hat ihn mir damals geschickt, mit den Worten:
„ He, nicht traurig sein. Ihr Zwei seid einfach das ideale Paar gewesen -, euch hat’s nie gegeben.“

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